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Der Goldene Apfel schließt: Das KB geht nochmal auf einen historischen Rundgang.

Einblicke in die Vergangenheit

Der „Goldene Apfel“ wird im Herbst Geschichte sein. Das KB nutzte die Chance zu einem historischen Rundgang mit Noch-Inhaberin Jutta Pesch-Braun. 

Jutta Pesch-Braun gibt den „Goldenen Apfel“ nach knapp drei Jahrzehnten auf

Eine Tradition geht zu Ende

Mit einem Lächeln präsentierte sich Jutta Pesch-Braun in den Räumlichkeiten „ihres“ Hauses, kam zu einem Bild auch gerne vor die Haustür. „Vielleicht wird es so wie jetzt nie wieder so aussehen“, meinte sie beim Wiederbetreten der Gaststätte. 

Es war wieder Stimmung in der Bude

In der Pause stand Inhaberin Jutta Pesch-Braun mit Sängerin Daniela Rothenburg am Tisch vor ihrem Restaurant und genoss die frische Luft. „Ich bin total glücklich. Ich freue mich so, dass endlich wieder Stimmung im Haus ist, dass die Leute hören dürfen, den Abend genießen können und neue Leute kennenlernen an so einem Abend. Das ist wunderbar“, sprach sie damit Gästen wie Gerlinde Steffen aus der Seele. Die war froh, „dass es überhaupt stattfindet“, auch wenn es „ein bisschen mager vom Besuch her“ war. Tatsächlich hätten es nach der längeren Musikpause noch mehr Gäste sein können.

Pesch-Braun hatte aufgrund der Umstände die Band im hinteren Raum ihres Hauses platziert – eine Position, die sie bei ihrem allerersten „Apfel“-Konzert schon mal eingenommen hatte. Damals war der Sound dort nicht optimal, diesmal aber kam das Ganze vom Klang her sehr transparent rüber.

Der 22-jährige Kölner Posaunist Philipp Hayduk.

Auch für die Musiker war es nach den recht unsicheren Zeiten mit wenig bis gar keinen Engagements wieder eine schöne Gelegenheit, zu zeigen, was sie können. „Es ist angenehm, wenn man wieder spielen kann, aber es war eine längere Durststrecke“, meinte Schlagzeuger Stefan Jansen, der im September nach Monaten wieder die ersten Gigs hatte. „Es ist eine komische Zeit, ich fühle mich noch immer wie im falschen Film“, meinte er. „Es ist alles sehr gedämpft, so surreal, wenn Du Musik machst, weil auch das Publikum zu weit weg ist, nicht stehen darf.  Da merkt man, wie wichtig die Nähe zum Publikum ist – das ist Sparflamme: Aber wir sind wieder dran, und das ist das Wichtigste – auch für die Leute.“

Völlig ziellos

Auch der junge Kölner Posaunist Philipp Hayduk, der den Abend mit seinen flüssigen Phrasierungen, sensiblen Linien und insgesamt starken Soli prägen sollte, war froh, dabei zu sein. „Man ist völlig ziellos eigentlich, weil du weißt, du kannst nicht planen bis ins nächste Jahr“, sagte der 22-Jährige zu den Monaten des Nicht-Musizierens. „Und Du musst Dein Niveau halten. Ich bin noch Student, der finanziell nicht davon abhängig ist. Aber die, die davon abhängig sind, für die ist das hart.“ Gemeinsam mit Bandleader Wolfgang Czeranka am Piano, dem Klever Bassisten Sebastian Timm, und der erneut zauberhaften Chanteuse Daniela Rothenburg, boten die beiden an dem Abend einen unterhaltsamen Mix aus Swing, Blues, Shuffle, Pop, Bossanova und Jazzklassikern.

Dabei überzeuge Rothenburg beim Nina-Simone-Klassiker „My baby just cares for me“, brachte das Feeling von „Miss Cellies Blues“ aus dem Film „Die Farbe Lila“ wunderbar zum Ausdruck, legte eine Prise erotische Spannung in den Klassiker „Fever“. Auch Frank Sinatras „Straighten up and fly right“ oder dem Song „Just the two of us“ gab sie gesanglich die richtige Note.

Schlagzeuger Stefan Jansen.

Dabei „flirtete“ sie entspannt mit dem jungen Hayduk, der unter Beweis stellte, warum er an seinem Instrument als sehr vielversprechendes Talent gilt. Wunderbar von einer swingenden „Rhythmusmaschine“ aus Piano, Bass und Schlagzeug unterstützt, lieferte er bei  „Comrade Conrad“, der schön-schrägen Thelonious Monk-Nummer  „I mean you“ oder dem sehr relaxten „The Masquerade“ den Beweis für sein fein-filigranes, klar strukturiertes Spiel.

Jeder der Musiker unterstrich in seinem jeweiligen Solopart die individuelle Klasse, „Neuzugang“ Sebastian Timm belebte mit seinem federnden Rhythmus das Gerüst des Bandklangs. Und nach zwei Zugaben durften sich die Musiker wieder zu ihrem obligatorischen Gruppenbild – mit Abstand – zusammenfinden.  „Bis zum nächsten Mal“, verabschiedete Wolfgang Czeranka das Publikum – in der Hoffnung, dass der nächste Termin am 12. November auch tatsächlich so vonstatten gehen kann.

Die Runde im „Goldenen Apfel“ geht aufs Haus

Jutta Pesch-Braun ist von der Corona-Krise gleich doppelt betroffen. Denn die Inhaberin des Jugendstilgasthofes „Goldener Apfel“ am Kapellenplatz kann zur Zeit weder Restaurantgäste empfangen noch kann sie Menschen, die in die Stadt kommen, eine Unterkunft anbieten. „Nichts ist mehr wie sonst“, konstatiert die erfahrene Gastronomin und Hotelierchefin. Große Anmeldungen und Reservierungen sind bis in den September hinein storniert worden. „Die Gäste werden nur zögerlich nach Kevelaer kommen“, glaubt Pesch-Brau nicht daran, dass so viele Pilger wie sonst den Weg in die Wallfahrtsstadt finden werden.

Mittlerweile hat sie wie viele begonnen, einen Außer-Haus-Service zu organisieren, bei denen sich Gäste der Stadt Kevelaer zwischen 17 und 20 Uhr etwas Leckeres aus der Karte aussuchen und das nach Hause mitnehmen können oder auch nach Hause liefern lassen können.

Vorsichtig und diszipliniert

„Currywurst, Lachs-Lasagne, Schnitzel und Spargel sind der Renner“, ist ihre bisherige Erfahrung. Der Umsatz reicht aber noch lange nicht, um von einem lukrativen Geschäft reden zu können. „Die Leute sind extrem vorsichtig und diszipliniert“, gibt sie zu, dass ihr das schon ein bisschen „Angst für die Zukunft“ macht.

Ergänzend dazu hat sich die Gastronomin jetzt dazu entschlossen, mit einem verlockenden Angebot für mehr Frequenz zu sorgen: quasi einer Runde Freibier für alle. Denn die Tatsache, dass sie zur Zeit keine Gäste bewirten kann, heißt auch, die Frage zu beantworten: Was mache ich eigentlich mit meinen Getränken? 

So bietet Pesch-Braun aus ihrem Sortiment ein kostenloses König Pilsener, Pils Diebels Alt oder Früh Kölsch für jeden Interessierten an. Für die Aktion gibt es zwei feste Termine: den kommenden Sonntag, 10. Mai 2020, und den 21. Mai 2020, also Mutter- und Vatertag. Sie hofft auf eine gute Resonanz – auch wenn der Kontakt auf Abstand zustandekommt. „Und ein Pläuschken halten und in Kontakt mit den Leuten bleiben – das brauchen wir alle“, sagt sie.