Beiträge

Kreisweite Plattform für die Gastronomie-Suche

Der Kreis Kleve bietet der Gastronomie, die aktuell von Betriebsschließungen betroffen ist, die Möglichkeit, sich auf einer interaktiven Karte mit Suchfunktionen für ihre Liefer- und Abholdienste zu präsentieren. Im Internet unter www.kreis-kleve.de/wirtschaftsatlas–corona sind bereits jetzt über 380 Cafés, Restaurants, Kneipen und Imbisse aufgeführt.

Die angebotenen Abhol- und Lieferdienste sind – soweit schon bekannt – eingetragen. Wo die Angaben noch fehlen, können diese kurzfristig über ein einfaches Erfassungsformular von den Unternehmen ergänzt werden. Das Formular kann über den Suchtext „Wirtschaftsatlas“ auf www.kreis.kleve.de aufgerufen werden.

„Das Projekt wird von der Kreis-Wirtschaftsförderung und der Wirtschaftsförderung vor Ort unterstützt. Diese werden die Plattform auf ihren Seiten bewerben. Den Kunden und Gästen bieten wir mit dieser Plattform eine einfache Möglichkeit der Gastronomie-Suche in diesen Lockdown-Zeiten“, erklären die Ideengeber des Kreises Kleve. Der Eintrag ist für die Betriebe kostenlos.

Insgesamt stehen sechs Suchkategorien zur Auswahl. Es sind auch Recherchen nach Firmennamen und Straßen möglich. Zu den Suchergebnissen lassen sich kleine Info-Fenster öffnen mit den Kontaktdaten und den angebotenen Lieferwegen wie Abholung und Lieferung.

„Wir sind für die Initiative des Kreis Kleve sehr dankbar. Denn wir sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, der Gastronomie in diesen außerordentlich schwierigen Zeiten ermutigende Zeichen zu geben und wirklich jede Idee nutzen. Der bereits im Frühjahr aufgelegte ‚Wirtschaftsatlas-Corona‘ – damals auch mit Angeboten des Einzelhandels – war seinerzeit auf eine außerordentlich positive Resonanz gestoßen und sogar vom ‚Bundesverband Stadt- und Citymarketing‘ (bcsd) als Best-Practice-Beispiel herausgestellt worden“, so die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve.

Die Plattform www.kreis-kleve.de/wirtschaftsatlas-corona ist bereits online und wird stetig ergänzt und aktualisiert.

Foto: Wirtschaftsförderung

Die Unsicherheit der Gastronomen bleibt

Seit 15 Jahren betreibt „Hacco“ alias Hartmut Peters seinen Pommesstand am Roermonder Platz. An diesem Dienstagabend gönnt er sich draußen vor der Gaststätte „Alt Derp“ einen guten Schluck. „Jeder Gastronom müsste, um zu überleben, die Möglichkeit haben, mit Überdachung und diesen Dingern essen zu können“, meint er in Bezug auf den Heizstrahler, der neben seinem Tisch steht. Auch wenn er hofft, dass die Gastronomie „diese Dinger“ nur ein Jahr braucht.

Bei ihm darf keiner der Kunden „unmittelbar unter der Klappe“ an seiner Bude speisen, wohl aber an zwei bis fünf Stehtischen mit fünf Metern Abstand. Dementsprechend hat er für die kommende Zeit ein großes Zelt bestellt, „damit auch die Handwerker bei mir in Zukunft bei Regen trocken essen können.“ Die letzten Monate habe es sich nach der Lockdown-Phase wieder normalisiert, sagt er. Aber seit zehn, vierzehn Tagen nehme man schon wahr, dass ein Gutteil der niederländischen Kunden, die er sonst hatte, ausbleiben und die Frequenz sinkt.

Kalli Hornbergs vom „Alt Derp“ ist froh, dass sich das Geschäft nach dem Lockdown wieder beruhigt hat und er seine Mitarbeiter voll beschäftigen kann, ohne dass sie mit Kurzarbeitergeld leben müssen. „Wir sind konsequent in der Anwendung von allem“, was mit Desinfektion, Hygiene, Abstand zu tun hat. „Das wird von den Leuten gewürdigt, dass sie sich wohl und sicher fühlen.“ Aber natürlich fehlen im Innenbereich aufgrund der Situation sechs Tische, die sonst belegt sind.

Seine Pläne gehen aktuell dahin, „hochwertige Abtrennwände mit Sichtschutz“ für die Außengastronomie anzubringen. „Die Leute können sich dann noch sicherer fühlen.“ Er rechnet damit, dass man noch länger mit den Umständen der Zeit leben muss. „Nach Corona und einer Impfung wird es nicht einfach heißen: Masken ab.“

Die Situation macht erfinderisch

Beim „Pfannkuchenhaus“ auf der Busmannstraße denkt Chefin Mary Aida Sellathurai auch darüber nach, wie man den Betrieb draußen eventuell noch weiter strecken kann. „Wir werden so lange machen, wie es geht“, sagt die Unternehmerin, die mit ihrem Mann sowieso keinen Ruhetag hat, wie sie sagt. Im Sommer habe man schon „etwas rausgeholt“, was durch den Lockdown im Frühjahr verloren gegangen ist. Und die Leute wollten draußen noch immer sitzen. Konkrete Pläne gebe es zwar noch nicht. „Aber wir werden uns etwas einfallen lassen.“

Terrassenheizstrahler und irgendeine Form der Überdachung, etwas in der Richtung könnte es sein. Sie hofft, dass man dafür aber auch Hilfe vom Staat bekommt, wie es vom Bund jetzt kürzlich angekündigt wurde. Dahingehend werde sie sich erkundigen. „Wenn ich hier investieren will, brauchen wir schon Unterstützung.“ Bei einem Lockdown wäre Mitarbeiterin Karin Brockerhoff wohl ohne Job. „Wir beten mit Maria, dass alles gut geht.“

Bierschnaps, Waffeln und Poffertjes

Thomas Molderings vom „Kävelse Lüj“ nimmt es, wie es kommt. „Ich bereite mich gar nicht vor, weil wir gar nicht wissen: Müssen wir uns vorbereiten oder nicht?“ Da sich der Stand der Dinge quasi täglich ändere, könne der Betrieb „von heute auf morgen zu Ende sein.“ Nichtsdestotrotz werde man versuchen, zu den Adventssonntagen mit selbstgemachten Produkten wie einem besonderen Bierschnaps, aber auch mit Waffeln und Poffertjes im Dezember „Vollgas zu geben, um die Kunden so glücklich zu machen, dass sie Mitte Januar wieder kommen.“ Und anschließend, so hofft er, gibt es dann in Sachen Corona „mehr Lichtblicke“ und man könne die Saison dann vernünftig angehen.

Viel Gastronomie am Abend draußen will er nicht machen. „Ich bin kein so großer Freund davon. Und mit den Strahlern ist das gar nicht so gewünscht bei den Gästen.“ Außerdem wäre das natürlich auch eine große Geldinvestition in so unsicheren Zeiten. „So ein Ding kaufen und dann in drei Monaten wieder verkaufen, das ist an falscher Stelle investiert.“ Im Lokal gebe es viel Platz. „Das Volk verteilt sich schön im Hause.“

Und „nicht so charmant“ sei das Draußensitzen momentan vor Ort wegen der dortigen Baustelle sowieso. Eine mögliche bevorstehende Maskenpflicht für Kevelaer auch draußen würde faktisch wenig verändern, glaubt er. „Entweder kommen die Leute nicht – oder wir sind dann d´accord mit den Vorschriften.“

Plötzlich waren sie Gastwirte

Ihr zehnjähriges Bestehen als Gastwirte hatten sich Anja und Thomas „Scholle“ Scholz wahrlich anders vorgestellt. Statt einer Feier mit vielen Gästen und DJ gab es am 10. Mai für das Ehepaar nur je eine Flasche Bier zum Anstoßen. „Flaschenbier“, murmelt Thomas Scholz und schüttelt bei dem Gedanken daran lachend den Kopf. Die Fässer waren aufgrund der Schließung durch die Corona-Pandemie alle leer und die geplante Feier war durch den Lockdown natürlich auch ausgeschlossen. Auch wenn die Party vorerst aufgeschoben ist, erinnern sich die Eheleute anlässlich des Jubiläums gerne an die Anfänge ihrer Tätigkeit in der Winnekendonker Traditionsgaststätte zurück.

Thomas Scholz begann bereits vor fast 30 Jahren, als Kellner in dem Lokal zu arbeiten – 16 Jahre davon bei Heinrich Hebben als Betreiber. Von ihm übernahm das Ehepaar Scholz vor zehn Jahren die „Brücke“. „Wir hatten eine Woche Zeit, um uns das zu überlegen“, erinnert sich Thomas Scholz. Optimal war der Zeitpunkt damals nicht. Die Familie hatte gerade ein Eigenheim gebaut, Tochter Maren war noch sehr jung und auf Jobsuche war das Paar ebenfalls nicht. „Wir haben dann gesagt, wir machen das erstmal für ein Jahr“, sagt Anja Scholz. Sie haben sich nicht gleich an einen zehn-Jahres-Vertrag binden wollen. Der gelernte Bäcker und Lagermeister arbeitete in der Anfangszeit noch weiter in seinem Beruf bei „Butzon und Bercker“. Später schließlich widmete er sich vollständig seinem Lokal, in dem seine Frau Anja sich hauptsächlich um die Küche kümmert und auch Tochter Maren hin und wieder aushilft.

Große Unterstützung der Winnekendonker

Die gelernte Wirtschafterin Anja hatte die Küche mit ihrem Team schnell im Griff, wurde nun in der Corona-Krise allerdings nochmal vor eine große Herausforderung gestellt. Das Ehepaar Scholz richtete nämlich einen temporären Lieferdienst ein und bot zudem Speisen zum Mitnehmen an. „Wir haben teilweise bis 100 Essen gemacht sonntags“, blickt die 51-Jährige zurück. Für die beiden Services seien natürlich andere organisatorische Strukturen notwendig als im normalen Betrieb. Während der zahlreichen Einschränkungen durch Covid-19, durch die viele Gastronomen am Rande der Existenz standen, konnten sich Anja und Thomas Scholz über große Unterstützung aus dem Golddorf freuen. Neben zahlreichen unterstützenden Einzelkunden habe auch der Winnekendonker Sportverein seine Mitglieder mobilisiert, das Dorflokal aufzusuchen. Auch der Vermieter sei ihnen durch das Erlassen zweier Monatsmieten sehr entgegengekommen.

Und auch unabhängig von Corona weiß das Ehepaar, dass es ohne die Gäste aus dem Dorf nicht geht. Auf der einen Seite habe man im Laufe der Zeit viele Gäste durch das erweiterte Speisenangebot gewinnen können. „Meine Frau bereitet alles frisch zu“, sagt Thomas Scholz. „Man braucht gleichbleibende Qualität“, fügt Frau Anja hinzu. Andererseits hätten sich vor allem bei den Sportlern die Traditionen gewandelt. Während es früher noch Selbstverständlichkeit war, nach dem Sport in der Kneipe beisammen zu sitzen, kämen die Sportler in der heutigen Zeit oft erst spät. Denn an beinahe jeder Sportstätte gibt es heute ein Getränkeangebot und das kühle Feierabendbier steht nach der Dusche direkt bereit.

1998 läuteten die Hochzeitsglocken

Dennoch: Durch viele Kegelclubs, große Kegel-Events, einige Skatclubs und die Vermietung eines Feiersaals vor allem für Geburtstage ist immer etwas los in der Winnekendonker Gaststätte. Auch die Karnevalstradition haben die Betreiber wieder aufleben lassen. „Wenn dann feiern wir wieder richtig Karneval“, hätten sie damals beschlossen. Seit einigen Jahren veranstalten sie Karnevalspartys in der ÖBS, erzählt das Ehepaar, das 1998 bereits die eigene Hochzeit in dem Lokal feierte. Und wer die „Brücke“ aus früheren Jahren kennt, wird sich auch heute nicht fremd fühlen. Größere Veränderungen haben lediglich in Form einer neuen Bestuhlung und eines neuen Bodenbelages stattgefunden. Außerdem wurden die beiden Kegelbahnen aufbereitet.

In einer Sache sind sich Anja und Thomas Scholz einig: „Man muss Spaß dabei haben.“ Denn die Arbeitszeiten scheinen oft keinen Grund zur Freude zu geben. Bis spät in die Nacht hinein, am Wochenende, an Feiertagen und generell an sechs Tagen in der Woche stehen die Gastwirte mit ihrem Team für die Gäste bereit. Und an ihrem einzig freien Tag – dem Mittwoch – stehe dann oft die Fahrt zum Großhandel an. Aber vor allem der 53-Jährige wusste durch seine langjährige Kellnertätigkeit vorab, worauf er sich einlässt. Und bereut haben die beiden die Entscheidung bisher nicht. Dennoch ist ihnen bewusst, dass es mit den Jahren nicht unbedingt leichter wird, einen Nachfolger zu finden. Ob sie schon daran denken, die Gaststätte abzugeben? Aktuell gibt es noch keine konkreten Pläne, lediglich eine Prognose: „Solange wir gesund sind, werden wir das, denke ich, weitermachen“, kündigt Thomas Scholz an.

Das Aus für den Knoase-Treff

„Möchtet Ihr noch einen Kaffee?“, fragte Agnes Pacco freundlich in die Runde der Wanderer, die mit dem Kneippverein Gelderland zuvor eineinhalb Stunden in den Feldern in Berendonk und Wetten unterwegs waren und jetzt Kaffee und Kuchen genossen. „Sagt Bescheid, wenn Ihr was braucht“, bedeutete sie ihren Gäste, um anschließend auf dem Hocker an der Theke kurz mal für sich zu sein. „Mir geht es nicht gut“, machte sie klar. Ihr Gemütszustand hatte einen Grund: Sie gibt zum 1. August als Gastronomin und Pächterin des „Knoase-Treff“ auf.

Der Grund ist schlicht wie einleuchtend: Corona. Alle haben was abgesagt, keiner bestellt neu, ich habe keine Lust mehr, länger zu warten. Ich schaffe das nicht.“ Am Vorabend hatte sie noch Gäste eingeladen, zu vergünstigten Preisen Bier zu trinken. „Ich mache dann noch solange, bis die Flaschen leer sind. Als die Krise begann, hatte die engagierte, manchmal resolut wirkende Frau noch versucht, mit einem „Essen to go“-Service und mit Sonntagstischen die Gäste anzulocken. Aber auch das hatte nichts wirklich Zählbares gebracht. „Ein bisschen schon, aber die Nebenkosten wiegt das nicht auf“, sagt sie. „Und es reicht nicht, wenn die 20 Stammgäste ab und zu mal kommen. Die können den Umsatz nicht reinbringen, den man braucht.“ Ohne Einnahmen kommt sie so nicht mehr hin, auch wenn die Grundmiete nicht so teuer ist.

Als die Feiern für September und Oktober abgesagt wurden und die Perspektive nicht mehr erkennbar war, „da war für mich dann der Punkt erreicht.“ Verpächter Peter Tenhaef habe sich sehr korrekt verhalten. „Er war sehr nett. Ich konnte die Pacht nicht zahlen, und er hat gesagt: Ich lass dich aus dem Vertrag raus, und das ohne Verpflichtungen.“ Sie wolle keine Schulden machen. „Aber da kommen immer noch Abrechnungen, da bleibt sicher was hängen.“ Dementsprechend ist für sie klar: „Da muss ich Insolvenz anmelden. Ich bin nicht die erste und nicht die letzte, die das machen wird in der Gastronomie.“ Pacco ist umso trauriger, als dass es ihr „hier sehr viel Freude gemacht hat“ und nach den ersten Kappensitzungen auch das Jahr von den Reservierungen eigentlich schon gerettet war. Sie sei eigentlich „ein Powermensch, der nicht aufhört, bevor er nicht Erfolg hat“, sagt sie. „Aber dann kam Corona.“

„Corona hat alles kaputtgemacht”

Ähnlich wie sie sieht es Peter Tenhaef. „Zu Anfang tat sie sich etwas schwer, aber sie hatte für 2020 viele Veranstaltungen, die vorreserviert waren. Corona hat alles kaputtgemacht.“ Man habe von sich aus alle Pachten und Kosten auf Null gedrückt. „Da mussten wir als Lieferant und Eigentümer vernünftig reagieren. Das konnte sie ja nicht.“ Aber auch bei 450 Euro Pacht erdrückten einen die Nebenkosten in der Situation. Sie bekommen die Gäste nicht an die Theke. „In Wetten ist es vielleicht kurioser als in anderen Orten – und sie hat vielleicht ein Art, die bei den Gästen so nicht ankommt. Sie lässt sich nicht alles gefallen, ist kernig und gibt Antwort.“ Er habe dann letzte Woche von sich aus angerufen und gesagt: „Mach Schluss, ich entlasse Dich aus allen Kosten.“

Jetzt werde er erstmal abwarten, „wer der neue Ortsvorsteher von Wetten“ werden wird. Mit der alten Amtsinhaberin gebe es „kein herzliches Verhältnis“, auch wenn die Gräben mit der Zeit geringer geworden seien, sagt der Getränkegroßhändler. Anders sehe das mit dem Trägerverein aus. „Wir versuchen, mit dem Ortsvorsteher und den Geselligen Vereinen Wetten Gespräche zu führen, wie es am besten weiterläuft.“ Die Veranstaltungen zu Kirmes und Karneval würden auf jeden Fall „in unseren Händen liegen.“ Beide Events seien sichergestellt und werden abgestimmt mit den Geselligen Vereinen. Absoluter „worst case“ könne sein, Saal und Treff zu trennen. „Der Saal gehört der Stadt, das Zwischenstück mit den Toiletten und den Räumen uns beiden, die Gaststätte und der Rest uns.“ Eine komplizierte Situation. „Wenn alle Stricke reißen, würde ich das Vorderhaus vom Saal trennen und da Wohnungen reinsetzen.“ Aber so richtig will Tenhaef dieses Szenario nicht. „Dann hätten die Vereine nur den Saal und nicht mehr den Zugang vom Friedensplatz aus.“ An der Situation habe niemand wirklich ein Interesse. Ein neuer Pächter wäre ihm am liebsten. „Wir als Familie Tenhaef sind aufrichtig bestrebt, eine Lösung für alle zu finden. Ich stehe zu der Vereinsmeierei ja auch. Wir versuchen, da eine vernünftige Lösung zu finden und stehen da Gewehr bei Fuß.“

Der Kevelaerer Bürgermeister Dominik Pichler bestätigte, dass er sich am Dienstagabend mit dem Trägerverein zusammengesetzt habe, um die Situation zu beraten. „Wir haben da verschiedene Möglichkeiten und Optionen beleuchtet. Es war ein gutes Gespräch“, sagte Pichler dem KB. Man sei sich einig, dass man die Situation nicht auf die lange Bank schieben will. Der Trägerverein werde bald mit Tenhaef das Gespräch suchen. „Alle sind sich einig, dass ein öffentlicher Begegnungsraum für Wetten extrem wichtig ist.“

Neues Angebot in alter Metzgerei

Wer die ehemalige Kevelaerer Metzgerei von Theo Janßen („Tütten Thei“) an der Biegstraße 20 heute betritt, wird das Lokal kaum wieder erkennen. Die steril wirkende, in die Jahre gekommene Einrichtung ist einem modernen, aufeinander abgestimmten Interieur gewichen. Fertiggerichte und eine Fleischauslage sucht man vergebens. In den Räumlichkeiten haben Marc Moors und Ferhat Ökce ihre Vorstellungen eines eigenen Lokals verwirklicht. Unter dem Namen „Old Butchery“ („Alte Metzgerei“) gibt es dort seit vergangener Woche unter anderem Burger, Pommes und Salat im Angebot. Einige wenige Sitzplätze gibt es und die Inhaber halten ihre Ansprüche an Qualität und Frische hoch.

„Ursprünglich sollte das hier nur ein Büro werden“, blickt sich Marc Moors in dem neu eingerichteten Lokal um und kann sich dabei ein Lächeln nicht verkneifen. Büro-Flair kommt in der „Old Butchery“ nämlich wahrlich nicht auf. Nachdem Ökce und er unter dem Namen „Food Works“ lediglich einen Catering-, Party- und Eventservice ins Leben rufen wollten, änderten sich die Pläne kurzfristig. Das Lokal an der Biegstraße soll ein zusätzliches Angebot für Burger-Liebhaber sein. Zumindest sind die beiden Inhaber damit nun gestartet, bei Burgern soll es allerdings nicht bleiben. „Das Ganze wird einen südländischen Einfluss bekommen“, verrät Moors und lässt in dem Zusammenhang das Wort „Tapas“ fallen. Zu viel möchte der gelernte Koch noch nicht verraten. Auch bei den Burger-Variationen möchte der Gastronom sich in Zukunft kreativ austoben. Für den Start gebe es da vorerst ein paar Standard-Varianten.

Erfahrung mit der Burger-Welt hat der 48-Jährige in den vergangenen Jahren bereits im Kevelaerer Restaurant „Herr Lehmann“ gesammelt. Als Mitbegründer war er bis zum Oktober 2019 in dem Lokal an der Gelderner Straße tätig. Dort arbeitete Moors bereits mit seinem jetzigen Geschäftspartner Ferhat Ökce zusammen. Der 36-Jährige hat dort bis Mitte 2018 in der Küche und im Service gearbeitet. Das Wissen des gelernten Kaufmannes ist für die neue Selbstständigkeit unabdingbar, weiß Moors.

Der Fokus ihres neuen Unternehmens liegt für die beiden beim Catering. Diesen Service können Interessierte künftig nicht nur daheim mit der Option zum Live-Cooking, sondern auch im Bootshaus in Kevelaer in Anspruch nehmen. Zu unterschiedlichen Anlässen können die Räumlichkeiten am Hoogeweg gemietet werden. Die Getränkeversorgung durch die beiden Betreiber ist dabei obligatorisch. Ob man das Catering-Angebot annimmt, bleibt dem Kunden überlassen. „Wir bieten einen Full Service“, sagt Moors. Vom DJ bis zur Deko kann alles organisiert werden. „Wir richten uns da nach den Wünschen des Kunden. Dann wird für alles gesorgt.“

„Bootshaus Beats“ werden fortgeführt

Die Einrichtung soll für Wohlfühl-Atmosphäre sorgen. Foto: privat

„Es wird im Bootshaus auch eigene Veranstaltungen geben“, erklärt der 48-Jährige und verweist auf die bereits bekannten „Bootshaus Beats“, die schon mehrfach dort ausgerichtet wurden und auch in Zukunft weitergeführt werden sollen. Voraussichtlicher Start der Veranstaltungen wird nächsten Monat sein – den zum betreffenden Zeitpunkt geltenden Corona-Schutzmaßnahmen entsprechend.

Apropos Corona: Während einige Betriebe durch die Krise um ihre Existenz bangen, gehört doch sicherlich ein wenig Mut dazu, gerade in der jetzigen Zeit ein Unternehmen zu gründen, oder nicht? „Es musste weitergehen“, hat Marc Moors da eine ganz klare Meinung. Die Planungen liefen bereits seit mehr als einem halben Jahr. Mit dem Start wollten die Inhaber nicht länger warten. Und weil gerade die Situation bezüglich größerer Veranstaltungen aufgrund der Covid-19-Bestimmungen noch ungewiss ist, sind Moors und Ökce zufrieden, dass der Betrieb im Lokal nun bereits anläuft. Die renovierten Räumlichkeiten konnten die ersten Gäste bei der Eröffnung am vergangenen Freitag bereits begutachten. „Wir haben fast alles selbst gemacht – mit vier linken Händen“, lacht Moors. Und mit zahlreicher Unterstützung von Freunden und Familie. Auf das Erscheinungsbild legen die Inhaber viel Wert. „Wir wollen trendy sein und anders“, erklärt Moors.

Im Trend ist inzwischen sicherlich auch, auf die Nachhaltigkeit seiner Produkte zu achten. Das habe man beim gesamten Angebot vor, sagt Moors. Neben umweltfreundlichem Verpackungsmaterial und dem Verwenden lokal angebauter Produkte zähle auch darauf zu achten, „dass das Tier oder das Gemüse vernünftig groß geworden ist.“

Wer das neue Angebot in der alten Metzgerei austesten oder sich über mögliche Catering- und Partyservice-Angebote informieren möchte, kann dies von Dienstag bis Donnerstag und sonntags zwischen 17.30 Uhr und 21.30 Uhr sowie Freitag und Samstag von 17.30 Uhr bis 22 Uhr an der Biegstraße 20. Kontaktdaten gibt‘s außerdem online unter www.foodworksonline.de und auf der Facebookseite „Old Butchery“.

Dehoga übergibt Spendenschecks vom Neujahrsempfang

Die Dehoga konnte die Spendenschecks, die aus den Einnahmen des Losverkaufs der Tombola, die anlässlich des diesjährigen Neujahrsempfang der Gastronomen im Kreis Kleve im Wunderland in Kalkar am 20. Januar stattfand, nicht wie geplant, am 17. März überreichen. Der Termin wurde jetzt im Café Nederkorn in Kevelaer im Beisein einiger Kevelaerer Gastronomen nachgeholt.

Die Spendenschecks wurden übergeben an Herrn Winfried Claßen, Verein Hilfe für krebskranke Kinder aus der Tschernobyl-Region e.V., Straelen und Herrn van Kempen, Caritas-Verband Kleve, für ein Niedrigseilelement „Mohawk Walk“, das im Hochseilgarten ersetzt werden muss. Es handelt sich um ein Projekt für Kinder mit Beeinträchtigungen. 

Ein gutes Zeichen für Gastronomie und Einzelhandel

Diese Idee scheint so gut zu sein, dass sie jeder gerne als Erster gehabt hätte: Die FDP stellte eine Anfrage an die Verwaltung, der Gaststättenverband „DEHOGA“ empfahl dringend, die Verwaltung machte sich Gedanken und die CDU plädierte für eine Ausweitung. Am Ende der Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss stand eine einmütige entsprechende Beschlussempfehlung für den Rat. „Ein gutes Zeichen für die Gastronomie“, sagte Bürgermeister Dominik Pichler. Die Gebühren für die Sondernutzung städtischer Flächen in Kevelaer für Einzelhandel und Gastronomie werden für das ,Corona-Jahr‘ 2020 ausgesetzt, um den betroffenen Branchen zu helfen.

30.000 Euro Minus in der Stadtkasse

Der Beschluss, den der Rat in seiner kommenden Sitzung am Donnerstag, 25. Juni, fassen soll, sieht außerdem vor, dass bereits gezahlte Gebühren für die Nutzung öffentlicher Verkehsflächen zurückgezahlt werden. Etwa 30.000 Euro entgehen der Stadt damit für das Jahr 2020, heißt es seitens der Verwaltung zu den finanziellen Auswirkungen.

In der vorangegangenen Debatte hatte sich die CDU-Fraktion für eine Ausweitung der Stellflächen in der Gastronomie stark gemacht. Der Platz sei unter Corona-Bedingungen „ein bisschen rar geworden“, sagte Fraktionssprecher Mario Maaßen. „Wir wollten darauf hinweisen, es vielleicht zu ermöglichen, das ein bisschen ,kulanter‘ zu sehen“, wenn Gastronomen „in die Fläche gehen“.

Ebenso vorsichtig formulierte Ordnungsamtschef Ludger Holla seine Antwort: „Wir sind gerade nicht dabei, die Sondernutzungen verschärft zu kontrollieren“, sagte er. „Eine generelle Ausweitung würden wir nicht empfehlen“, schränkte er jedoch ein. Andere Städte, etwa Geldern, machten dies zwar vor, doch in Kevelaer seien die Voraussetzungen aufgrund der engen Straßen und Gassen nicht gegeben, da die Wege für Rettungsfahrzeuge freigehalten werden müssten. Einzig am St.-Klara-Platz gebe es eine Möglichkeit zur Ausweitung der Stellflächen. Doch bei einer punktuellen Ausweitung käme es dann zu einer Ungleichbehandlung im Stadtgebiet. Mario Maaßen versuchte dennoch, die Beschlussfassung zu erweitern; um die Beschlussfassung jedoch nicht zu gefährden, lenkte er schließlich ein.

Die Beschlussempfehlung für den Rat im Haupt- und Finanzausschuss erfolgte einstimmig.

Verwaltung will Einzelhandel und Gastronomie entlasten

So langsam kehrt auch in der Bewältigung der Corona-Krise so etwas wie „Normalität“ in die Verwaltung der Wallfahrtsstadt zurück: An die etwas außergewöhnlichen Zeiten der Zustellung von Verordnungen (das KB berichtete) habe man sich inzwischen gewöhnt, sagen die beiden Männer an der Verwaltungsspitze, Bürgermeister Dominik Pichler und Ordnungsamtschef Ludger Holla. In Kevelaer gebe es aktuell „kaum mehr Verdachtsfälle“, aber das durch Reihentests in anderen Kommunen bedingte Ausschlagen der Inzidenz-Kurve habe man gleichwohl im Auge. Die bange Frage: Wird es zu Einschränkungen kommen, wenn die Zahl der 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner überschritten wird? „Wir würden uns schon gern auf ein solches Ereignis vorbereiten“, sagt Holla.

Die Nachverfolgung von „Kontaktpersonen“ habe die Kommune übernommen (das KB berichtete). Bislang hätten die fünf im Umgang mit einer vom Kreis entsprechend entwickelten Datenbank, die einen 7-Tage-Bereitschaftsdienst leisteten, jedoch noch nicht tätig werden müssen.

In Gastronomie und Einzelhandel und bei Gästen und Kunden sieht die Verwaltungsspitze noch Handlungsbedarf: Teils fehle immer noch das Verständnis, dass die dort geführten Anwesenheitslisten der eigenen Sicherheit dienten. Bürgermeister Dominik Pichler: „Es geht ja nicht darum, hier ein ,Bewegungsprofil auf Sicht‘ anzulegen.“ Vielmehr gefährde man sich und andere, wenn man „Phantasienamen“ in eine solche Liste eintrage. Man setze hier weiter auf Aufklärung und nicht auf Strafe: „Wir haben die Leute intensiv angesprochen und beraten und sind damit ganz gut gefahren.“

Momentan „zehren wir von den Erfolgen der ersten Wochen“, in der die strikten Vorgaben der Regierung und die konsequente Einhaltung durch die Bevölkerung im Vergleich zu anderen Ländern deutliche Wirkung gezeigt hätten, sagt der Bürgermeister und bemüht ein fußballerisches Bild: Es sei nicht die Zeit, die „Abwehrspieler“ (Abstandsgebot, Maskenpflicht, Hygieneregeln) rauszunehmen, wenn man vorne Erfolge verzeichne. Über die Pfingsttage habe man festgestellt, dass „ein bisschen Normalität einkehrt“, auch wenn es durchaus in der Innenstadt „sehr voll“ gewesen sei.

Punktgenau

Die von der FDP geforderte Aussetzung der Parkgebühren auf dem Peter-Plümpe-Platz sei zwar seit der letzten Ratssitzung vom Tisch (das KB berichtete), dennoch hat sich die Verwaltungsspitze überlegt, wie man Gastronomie und Einzelhandel in der Corona-Krise entlasten könnte. Zum nächsten Sitzungszyklus wolle man eine Vorlage präsentieren, „die deutlich punktgenauer ankommt“, wie Pichler es formuliert: Man denke daran, für das gesamte Jahr 2020 auf die Sondernutzungsgebühr zu verzichten, die Gastronomie und Einzelhandel etwa für Außengastronomie oder aufgestellt Werbeschilder und Warenständer zahlen müssten. Man folge damit einem Vorschlag der Dehoga; auch die FDP habe diesbezüglich bereits angefragt.

Fände sich dafür im Rat eine Mehrheit, würden die Gebühren für das gesamte Jahr erlassen, beziehungsweise zurückgezahlt. „In unseren Augen ist das eine Möglichkeit, Einzelhandel und Gastronomie in der Krise zu entlasten“, sagt Pichler. Holla beziffert die betreffende Summe, die im städtischen Haushalt fehlen würde, auf „knapp 30.000 Euro“.

„Wir sind einfach mehr als Burger“

Die sechs Wochen der Schließung aufgrund des Coronavirus hat der Inhaber des Kevelaerer Restaurants „Herr Lehmann“ für die Entwicklung neuer Projekte genutzt. Eines davon geht am 1. Juni 2020 an den Start. „Wir möchten uns den schönen Momenten widmen, im Kreise Ihrer Familie, Freunde und Kunden in Form eines Caterings der neuen Generation“, umschreibt Michael Schmidt sein Vorhaben in der zugehörigen Broschüre. „Ganz gleich ob Privatevents oder Full-Service-Firmenveranstaltungen, bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand.“ Schmidt und sein Team möchten die Kunden dabei nicht nur kulinarisch versorgen: Sie bieten eine vollständige Eventplanung vom Essen über die Musik, Dekoration und Floristik bis hin zu ganz persönlichen Wünschen – alles nach individueller Absprache.

Ihren Service wird „Herr Lehmanns Reisegruppe“ unter anderem in Verbindung mit dem „Haus am See“ in Goch anbieten. Dort steht dem Team eine Küche zur exklusiven Nutzung zur Verfügung und die Gäste der Räumlichkeiten in Goch haben die Möglichkeit, die Dienstleistungen des Teams in Anspruch zu nehmen. Das gesamte Angebot setzt sich aus vier Catering-Varianten zusammen: Die beiden klassischen Versionen beinhalten ein Buffet mit Selbstbedienung (Klassisches Catering) und wahlweise einen Koch, der ein Produkt der Wahl als Highlight zubereitet (Klassisches Catering Plus). Beim „Exclusiv Catering“ werden die Speisen bei den Kunden vor Ort über dem Feuer zubereitet. Das Ganze solle als „Eventcooking“ aufgezogen werden, erklärt Schmidt. Hier kommt der sogenannte „Ofyr Grill“ zum Einsatz (siehe Foto), der für eine besondere Atmosphäre sorgen soll. Die vierte Möglichkeit bietet das „D-Luxe Catering“. Ein solches wird in einem Gewinnspiel, das am 1. Juni 2020 anläuft, verlost. Hierbei stellt das Team einen Koch, der in der heimischen Küche des Gastgebers ein Menü zubereitet.

Produkte aus der Region

Bei alledem ist dem Inhaber eines wichtig: „Wir sind einfach mehr als Burger.“ Denn neben dem Burger-Angebot habe man die Speisekarte im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. So soll auch der Catering-Service deutlich mehr bieten. „Auch da versuchen wir natürlich, mit unseren Lieferanten aus Kevelaer weiterzuarbeiten“, sagt Schmidt.

Der Betrieb im Restaurant „Herr Lehmann“ in Kevelaer wird wie gewohnt weitergehen, versichert Schmidt. Ein paar Neuerungen sind aber auch hier geplant. Unter anderem wird es am 10. Juni ein Live-Grill-Event in Lehmanns Garten geben. Dieses Format möchte der Inhaber in regelmäßigen Abständen bei gutem Wetter fortsetzen. Trotz der mehrwöchigen Schließung und des Ausfalls der Festival-Bewirtung freut Schmidt sich auf das, was kommt: „Wir wollten uns schon länger weiterentwickeln und schauen jetzt positiv in die Zukunft.“

Wer an dem Gewinnspiel teilnehmen möchte und ein „D-Luxe Catering“ im Wert von 500 Euro gewinnen möchte, muss Folgendes tun: Den entsprechenden Beitrag zum Gewinnspiel auf der Facebook-Seite „Herr Lehmanns Reisegruppe“ (geht am 1. Juni online) liken, teilen und mit „Herr Lehmanns Reisegruppe“ kommentieren. Das Gewinnspiel läuft vier Wochen lang. Auf den Gewinner wartet ein Koch, der in der heimischen Küche für bis zu zehn Personen ein Drei-Gänge-Menü kreiert sowie eine Service-Kraft. Für die feuchtfröhliche Stimmung gibt‘s außerdem zehn Flaschen dazu.

Zweckoptimismus in schweren Zeiten

Lachende Gesichter im Sonnenschein, gefüllte Gläser und genussvolle Torten zum Nachmittag vermittelten in dem „Cafe Binnenheide“ den Eindruck von scheinbarer Normalität.

„Es ist schön, dass es sich auflockert“, genossen Sandra und Markus Monczowski die Möglichkeit, wieder unter Menschen gehen zu können. Vorbei war auch für Dennis van den Berg die Zeit ohne einen einzigen Gast. Wochen, in denen der junge Gastronom keinen Cent Geld verdienen konnte. „Wir haben eine lange Durststrecke hinter sich“, wollte er sich zu konkreten Verlusten in der Zeit lieber nicht äußern.

„Die Binnenheide erfreut sich großen Zulaufs“, blickt der Gstronom nach vorne: „Wir haben wieder volles Programm mit italieischer Küche: Wir haben den Garten künstlerisch für einen perfekten Urlaub zuhause gestaltet. Und wir haben Stammgäste, die viermal hintereiander zu Essen kommen. Gemeinsam schaffen wir das.“

Ähnlich wie van den Berg sehen das die Verantwortlichen des Schravelner Restaurants „Antica Osteria“, wo nach langer Zeit mal wieder einige Gäste auf der Terrasse den Abend zusammen verbrachten. „Wir genießen die freie Zeit“, sagte Laura de Witt, die mit ihrem Liebsten und einem befreundeten Paar in angemessener Abstandsform trank. Sie erzählte, dass auch ein Juwelier in so einer Zeit nicht gerade leicht zurechtkommt. Aber auch da klangen Zeichen der Solidarität durch, wie die Anekdoten mit den Schmuckstücken, die Menschen aus ihren Kellern holen, um sie einfach so in der Werkstatt reparieren zu lassen.

„Wir haben hier den besten Wein Kevelaers getrunken und den besten Fisch gegessen“, betonte Marion Wolters aus Lüllingen, dass ihr Vierertisch „zu 150 Prozent Lust“ auf ein geselliges Zusammensein gehabt hatte. Auch Küchenchef Igor Cazzetta gönnte sich am Ende seines Tages ein Bier. „Wir sind cool geblieben, hatten dann ein neues Konzept mit Service außer Haus“, beschrieb er die Übergangszeit. „Wir sind über die Runden gekommen, hatte die Solidarität unseres Personals. Nun merkt man, dass die Leute Sehnsucht habe, wieder rauszugehen.“

Um durchzuhalten, hatte er aber eine fünfstellige Summe an Eigenkapital in die Hand nehmen müssen. Dazu kam staatliche Unterstützung und die Kredite der Bank, die die abgesagten Buchungen und Hochzeiten kompensieren sollen. Doch Geld sei nicht alles: „Wir sind froh, dass wir gesund sind. Alles andere ist ein Geschenk.“

Die Chefin des „Goldener Apfel“, Jutta Pesch-Braun, und ihre gastronomische (Fast-)Nachbarin Mary Aida Sellathurai genossen ebenfalls vor dem Haus eine Tasse Kaffee und Tee. „Man hört: wir kommen gerne wieder zum Essen.

Am Sonntag hatten wir ganz gut zu tun“, erzählte die Chefin des „Pfannkuchenhaus Hollandia.“ Statt 80 haben man innen jetzt halt 50 bis 60 Plätze, dazu kämen die Stühle draußen. Händedesinfektion und die Zettel zum Ausfüllen mit Name und Adresse seien kein Problem. Auch sie hat in den letzten Wochen rote Zahlen geschrieben: „April und Mai sind ja Topmonate.“ So schnell sei das auch nicht aufzufangen. „Wir verdienen jetzt wie Taschengeld.“

Und weiter führt Pesch-Braun aus: „Die Leute sind, was die Regeln betrifft, sehr diszipliniert, Aber es ist, was die Frequenz betrifft, erschreckend ruhig.“ Wo sonst täglich Pilgergruppen Restaurant und Hotel bevölkern würden, herrsche nun nach den zahlreichen Stornierungen Ruhe. „Das waren große Gruppen, jetzt kämpfen wir um Einzelgäste.“

Bis zum Nachmittag hatte sie tatsächlich nur einen einzigen Kunden. „Aber sonst kamen viele Stammkunden, viele rufen an.“ Als nahezu unglaublich empfand sie die Geste eines Kölner Kevelaer-Liebhabers, der ihr am Telefon von seiner eigenen Rente 1.000 Euro anbot. „Die Leute wollen, dass Kevelaer erhalten bleibt, wie es ist.“ Solche Moment seien es, die sie motivieren würden, weiterzumachen.

Lächeln nach einem guten Tag.

Ob dieser Jahr überhaupt nochmal Pilgergruppen kommen würden, wusste auch Wallfahrts-Geschäftsführer Reiner Killich nicht sicher zu sagen: „Im Bistum Aaachen gilt bis zum 31. August alles ab 100 Pesrsonen als Großveranstaltung. Für das Bistum Münster gibt es da noch keine klare Antwort.“ Wenn das auch für Kevelaer gelte und keine Prozessionenformen erlaubt seien, werde es schwierig. „Viele Bruderschaften melden zurück, dass die meisten nicht fahren wollen, vor allem aus Holland. Und die Ehrenamtlichen sagen; die Verantwortung tue ich mir nicht an.“

Die Hoffnung sei, dass zu „Pfingsten kleine Gruppen“ reisen dürfen, was das auch immer von heißen würde. „Es fährt nur ein halb voller Bus?“ Immerhin wollten Radpilger mit 10, 15 Personen Ende Juni kommen sowie die eine oder andere Großgruppe in getrennten Kleingruppen aus verschiedenen Ortschaften. „

Ein paar Meter im „Café Klatsche“ stellte Mitarbeiterin Kerstin Neumann schon die Stühle zusammen. „Es gibt mal einen coffee to go. Aber das war‘s auch.Wir machen oft schon um 15 Uhr zu. Das sind mehr Lohnkosten als Gewinn.“ Den Kopf hängen lassen werde man aber nicht.

Die Maske bremst

Ein wenig optimistischer schien das Stimmungsbild auf der Hauptstraße. „Die erste zwei Wochen waren richtig gut – auch wenn es natürlich nicht zu vergleichen ist mit dem Vorjahr“, berichtete Trudi Albers von „s.oliver“ von ihren momentanen Erfahrungen. Allerdings bremse die Maske. Denn sich damit in der Kabine umzuziehen, sei für viele „nicht so schön.“ Und die Maske mache auch gedankenlos. „Die Leute laufen ohne Abstand“, ist ihre Eindruck.

Natürlich fielen die Kunden, die sonst zwischen den Gottesdiensten mal zum Bummel kämen. „Aber wir müssen das Beste draus machen.“ Dazu gehöre auch kreative Urlaubszeit-Planung, um alle Kollegen bei der Stange zu halten.
Die Grundstimmung sei wieder ganz gut, fand Dominik Nellesen von der „Bilgerie“ gegenüber: „Die Leute trauen sich mehr. Viele seien allerdings von Desinfektion und Maske schon genervt.“

Und man bemerke schon, dass sich bei den Inhabern drei Gruppen herausschälen: „Die, die den Kopf schon in den Sand stecken und wenig Motivation haben, diejenigen, die sich über Wasser halten und alle, die entschlossen was tun wollen.“

„Das ist ganz unterschiedlich“, bestätigte auch Norbert Heckens von der Interessensgemeinschaft Hauptstraße. „Wir sind ein Stammkunden-Betrieb, da kommen die Menschen zurzeit gezielter als früher und kaufen auch direkt. Und sie kommen mehr vormittags als nachmittags.“ Die sechs Wochen zuvor, das gesteht er zu , waren auch für ihn schon „sehr mau. Ich denke, da kommt noch was nach.“

Auch Optiker hätten genaucso wie die Gastronomie habe gelitten. Einen richtig positiven Blick in die Zukunft wagten beide Männer nicht. „Der Knall, der kommt in zwei, drei Monaten“, ist Nellesen eher skeptisch.