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Mit einem erweiterten Konzept will Dennis van den Berg nun durchstarten

Sommer, Sonne, Binnenheide: Urlaubsfeeling im Landcafé

Palmen, Cocktails, Kaltgetränke – ein bisschen hat es etwas von „Mallorca-Feeling“, gesteht „Binnenheide“-Gastronom Dennis van den Berg, als er auf seine neu gestaltete Fläche am Kinderspielplatz des Landcafés schaut. Die Botschaft sei: „Sommer, Sonne, Binnenheide.“

Das Wetter und die Vorsicht ließen nur einen langsamen Start der Außengastronomie in Kevelaer zu

Der Start war verhalten

Mit Corona-Testergebnis, Impfnachweis oder Genesung im Gepäck gönnten sich am Mittwochabend vergangener Woche bei der Wiedereröffnung der Außengastronomie am „Prinzenhof“ die ersten Gäste nach langer Zeit mal wieder ein Kaltgetränk auswärts.

Der Goldene Apfel schließt: Das KB geht nochmal auf einen historischen Rundgang.

Einblicke in die Vergangenheit

Der „Goldene Apfel“ wird im Herbst Geschichte sein. Das KB nutzte die Chance zu einem historischen Rundgang mit Noch-Inhaberin Jutta Pesch-Braun. 

Helga Zukrigl verlässt „ihr“ Antik-Café und geht in den Vorruhestand

Nach sieben Jahren ist Schluss

Mit Blumen, vielen herzlichen Wünschen für eine schöne Zeit ohne Arbeit und einem Stück Trauer verabschiedeten sich am Sonntag einige Kund*innen von „ihrem“ Antik-Café an der Busmannstraße. 

Jutta Pesch-Braun gibt den „Goldenen Apfel“ nach knapp drei Jahrzehnten auf

Eine Tradition geht zu Ende

Mit einem Lächeln präsentierte sich Jutta Pesch-Braun in den Räumlichkeiten „ihres“ Hauses, kam zu einem Bild auch gerne vor die Haustür. „Vielleicht wird es so wie jetzt nie wieder so aussehen“, meinte sie beim Wiederbetreten der Gaststätte. 

„Immer wieder mittwochs”

Dass Dennis van den Berg immer wieder für neue Ideen zu begeistern ist, das hat der „Binnenheide“-Gastronom zuletzt mit seiner Beteiligung an den Altenheim-Besuchen mit Zauberer und Musiker im Dezember unter Beweis gestellt. Jetzt hat der 30-Jährige ein neues Projekt entwickelt, das er digital auf den Weg bringen will. „Immer wieder mittwochs“ heißt es – und da geht es darum, Unternehmen in acht 20-minütigen „Pausen“ besondere Impulse in der Corona Zeit zu geben. 

Die Anregung ging von der Mitarbeiterin eines Krefelder Unternehmens aus, die im Dezember ein Online-Weihnachtskochen von van den Berg mit neun Paaren gemeinsam erlebt hatte und es schlicht „genial“ fand. „Man hatte das Gefühl, man steht in der Küche in der Firma und wir haben gequatscht“, erinnert sie sich gerne an dieses Erlebnis. 

Alle unter Stress

„Alle stehen unter Stress – ob in einer Firma oder im Homeoffice. Alle gehen doch auf dem Zahnfleisch“, hatte van den Berg gleich die passenden Ideen zu dem Vorstoß parat – und die passenden Leute dazu im Kopf. Einer von ihnen war der Walbecker Sport-, Gesundheits- und Mental-Coach für systemische Kurzzeit-Konzepte, Dietmar Füngerlings. „Ich finde das gut, weil von der Corona-Krise alle betroffen sind“, sagte er bei einem Treffen im „Binnenheide“-Café. Er will in seinem Auftakt-Impuls am kommenden Mittwoch    mit einigen Tipps, „angenehmen Emotionen“ wie „Freude und Liebe“ und später auch noch mal mit „Yoga am Arbeitsplatz“ für Ausgleich sorgen. Van den Berg sprach auch das Musikerduo „Miikado“ mit der Sängerin Chrisi Maas und Gitarrist Reiner van Treek an, die in der „Binnenheide“ häufig musizieren.

„Es gibt so viele Sachen, die da reinfließen, die ganze Reizüberflutung wegen Corona und so“, wollen van Treek und seine musikalische Partnerin mit „minimalistischer Musik, wo sich Leute gut drauf einlassen können“ dafür sorgen, dass die Zuhörer*innen am Bildschirm „sich wohl fühlen abseits vom Alltagsgedudel.“ Und auch Chrisi Maas findet es schön, wieder Musik zu machen.

Knackiges Zumba-Programm

Zu diesem „kulturellen Ausflug in die Welt der Musik“ kommt noch ein „kultureller Ausflug in die Welt der Verwunderung“ mit Zauberer Tobias Velmer, der selbst schon Online-Zauberformate probiert hat und sich trotz seiner Vorbehalte dem „virtuellen“ Zauber-Format gegenüber gerne daran beteiligt. Und schließlich ist da noch van den Berg selbst, der dreimal selbst kulinarische Anregungen geben will – sowohl für einen „Gesunden Start in den Tag“ mit Power-Smoothies, Obstsalat und Omelett als auch für ein leichtes „ayurvedisches Mittagessen schnell zubereitet“ oder für „Gesunde Snacks zum Abend selbstgemacht“ wie leckere Kurkuma-Chips. „Die bekommen dann vorher auch die Zutatenliste zum Mitkochen“, verspricht der Gastronom. Und mit einem knackigen Zumba-Programm will der Kochkünstler auch für Bewegung bei dem Gegenpart auf der anderen Seite sorgen. 

Zu dem virtuellen „Break“ vom Arbeitsalltag sollen alle 1700 Mitarbeiter*innen des Krefelder Unternehmens eingeladen werden, das mit dieser Aktion starten wird. Man rechne erstmal mit 30 Leuten – wenn mehr mitmachen, würden sich alle Beteiligten freuen. Und van den Berg kann sich durchaus vorstellen, das Format, das seines Wissens so noch nicht existiert, auch anderen Unternehmen mal anzubieten.

Bei „Herr Lehmann“ stehen Veränderungen ins Haus

Vor vier Jahren sorgte die Eröffnung eines neuen Lokals in Kevelaer für großes Aufsehen: „Herr Lehmann“ mit seinem Burger-Konzept lockte zahlreiche Gäste aus Kevelaer und der Umgebung in das modern anmutende Lokal, das Restaurant und Bar an der Gelderner Straße vereint. Inhaber Michael Schmidt ist froh, dass das Konzept so gut bei den Menschen angekommen ist. Im Jahr 2017 brachte es ihm sogar den Marketing-Preis ein. „Das war was kulinarisch anderes, was zu diesem Zeitpunkt gefragt war: eine trendige Gastro zu eröffnen”, sagt der 36-jährige Gastronom. 

Das Geheimnis des Erfolges aus seiner Sicht? „Wir sind gut vernetzt, machen einen guten Job, haben ein tolles, starkes Team und nette Leute, die uns supporten.“ Diese Basis will der Unternehmer jetzt nutzen, um seine Palette zu erweitern. In Straelen entdeckte der 36-Jährige auf der Venloer Straße das „K 5“ – ein Laden, der „Kultfaktor“ hat, sagt Schmidt. Sein Naturell, „ruhelos und immer kreativ“ zu sein und neue Sachen zu wagen, veranlasste ihn, sich der früheren Kneipe anzunehmen.

Bis zum Frühjahr sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Im Dezember 2020 begannen er und seine Mitstreiter*innen, das 120 Quadratmeter große Objekt mit Außenbereich sozusagen „auf links zu drehen“ und erstmal in „einem Monat Abriss“ alles aus dem Inneren zu entfernen – von den Theken über den gesamten Boden bis zu den Wänden und der Toilette. 

Die Idee sei es, „Moderne mit alten, geschichtlichen Objekten zu kombinieren – auch von der Einrichtung her in shabby-chic und industrial mit modernen Elementen“, beschreibt Schmidt die Grundstruktur, die am Ende der Arbeiten stehen soll. Und außen werde alles neu gestrichen, es werden Tische aufgestellt und mit offenem Feuer gearbeitet. Im Inneren „haben wir einen modernen Bereich mit der Bar, wo es gehobenere Getränkeangebote wie Gin oder Cocktails plus 25 Bierspezialitäten aus aller Welt geben soll, einen kleinen Essensbereich, wo die Speisen live produziert werden, und einen rustikaleren Bereich.“ Dort soll eine Multigenre-Partyreihe mit handgemachter Musik oder Elektromusik laufen. Außerdem sind Poetryslams und Konzerte angedacht. Ein solches Angebot gebe es seiner Überzeugung nach so in der Region nicht – „weder in Goch, noch in Straelen, Weeze oder Kevelaer.“ 

Treffpunkt für Jung und Alt

Einen Namen für das Projekt, den hat Schmidt auch schon: „Herr Lehmanns kleine Pinte“ soll der neue Standort heißen, der im April oder Mai seine Pforten öffnen soll, wenn Corona das Leben nicht mehr so dominiert, hofft der Gastronom. Es solle ein Treffpunkt werden, wo sich Alt und Jung wohlfühlen können, sagt er. Die Menschen sollen den Anreiz erhalten, nach so viel Social Media und Schreiben „mal wieder weg zu gehen, miteinander zu quatschen.“ 

Entsprechend dem neuen Namen soll auch das Stammdomizil in Kevelaer umbenannt werden. Das Restaurant dort trägt dann zukünftig den Namen „Herr Lehmanns Elternhaus“. Auch da werde es nach Corona viel Innovation geben, verspricht der Gastronom. „Es wird überraschender, kreativer werden, auch mit anderen kulinarischen Einflüssen – ob es Fisch geben wird oder eine coole Nudelspezialität. Es wird neue Speisekarten, neue Cocktails geben. Und es wird moderner werden.“ Er selbst werde im „Elternhaus“ bleiben, sein bisheriger Betriebsleiter dort geht nach Straelen. Und für Kevelaer hat er dafür schon jemand Neues gefunden.  

Er nutze einfach den unternehmerischen Freiraum, um zu zeigen, „dass wir auch was anderes können“, sagt Schmidt. Man wolle nicht nur auf Burger reduziert werden, das sei der Anspruch der lebendigen Idee von „Herr Lehmann“. Darüber hinaus habe er noch ein weiteres „Projekt X“ in der Pipeline. Man darf also gespannt sein.

Eine Currywurstbude als Schnapsidee

„Eigentlich war es eine Schnapsidee. Ich sagte mir immer: Einmal im Leben eine eigene Currywurstbude, das wäre es! Nie hätte ich gedacht, dass es einmal 15 Jahre sein werden.“ Hartmut Peters von „Hacco‘s Grill“ auf dem Roermonder Platz kann auch zur Feier des 15-jährigen Betriebsbestehens nur lachen und den Kopf schütteln. Eigentlich hatte der gebürtige Kempener ja das Handwerk des Augenoptikers gelernt und jahrelang in diesem Beruf gearbeitet. Leider habe sich nach und nach das Berufsbild des Optikers geändert: Viel Handwerkliches sei weggefallen, oft blieb bis auf kleine Reparaturen nur noch Beratung und Verkauf übrig, was den leidenschaftlichen Handwerker dazu brachte, sich schließlich nach anderen Berufsmöglichkeiten umzuschauen.

In der Mittagspause ging Hartmut Peters oft mit Kollegen zum Essen zu einem Büdchen und sagte einmal spontan: „So eine Bude mache ich irgendwann auch.“ Als er dann in der Tageszeitung las: „Imbiss in Kevelaer aus Altersgründen in gute Hände abzugeben“, zögerte er nicht lange und nahm sofort Kontakt auf. Sechs Wochen lang arbeitete er Wochenende für Wochenende probeweise bei „Margrets Imbiss“, bis sich beide Seiten sicher waren. Erfahrung mit Kunden hatte er ja als Optiker genug und so sattelte er gerne um. So wurde aus „Margrets Imbiss“ schließlich „Hacco‘s Grill“. Gemeinsam mit Ehefrau Susanne steht Peters nun seit 15 Jahren bereit, um den Kunden „Currywust mit Pommes“ oder andere schnelle Köstlichkeiten anzubieten. Die Bude, die inzwischen 30 Jahre alt ist, wird jeden Tag komplett gereinigt und ausgewaschen und für Hartmut und Susanne steht fest, dass die Qualität stimmen muss: „Wir verkaufen nur das, was wir selber auch essen würden.“

Von Kempen nach Kevelaer

Am Anfang las Peters wochenlang alles über Kevelaer, was er finden konnte, um selber informiert zu sein und allen Kunden Rede und Antwort stehen zu können. Besonders stolz ist er darauf, dass sein Urgroßvater als Altarschnitzer und Vergolder in der Basilika mitgearbeitet hat. „Mit der Wahl für Kevelaer ging es für mich also ‚back to the roots‘“, lacht der wallfahrts- und stadtkundige Imbissbetreiber. Heute kennt er Kevelaer wie seine Westentasche und ist froh und glücklich, hier leben und arbeiten zu können. „Kevelaer ist die einzige Stadt am Niederrhein, die wir mit Kempen gerne getauscht haben“, ist er sich sicher. 

Der Imbiss auf dem Roermonder Platz ist Anlaufstelle für viele Stammkunden. Foto: DdB

Und so steht er, meist mit seiner Frau, von halb zehn Uhr morgens bis 20 Uhr am Abend sechs Tage die Woche an seinem Grill, bedient die Kunden, hört ihnen zu und hat für manche ein gutes Wort. Viel hat er an diesem Platz schon erlebt: Oft musste er mit seinem Verbandskasten ausrücken und Verletzte versorgen, rund 50 Fahrradschlösser hat er schon geknackt, wenn den Besitzern der Schlüssel gebrochen war oder verloren ging. Wohl 30 bis 40 mal hat er schon den Krankenwagen gerufen, wenn Menschen in Not waren, zehn oder 15 mal schon die Polizei, wenn ein Autofahrer wieder mal einen Poller mitnahm, aber er schnell noch das Autokennzeichen notiert hatte. Viele Lebensgeschichten auf dem Roermonder Platz hat er schon mitbekommen. Besonders schmerzt es ihn, wenn er hört, dass wieder ein treuer Stammkunde verstorben ist. Viele kamen regelmäßig zu ihm und ihr Wegbleiben fällt ihm rasch und schmerzlich auf. 

Am vergangenen Samstag, 12. Dezember, waren es genau 15 Jahre seit der Eröffnung. Den Entschluss, beruflich umzusatteln, hat „Hacco“ nie bereut. Zu dem Grundstücksinhaber Willi Gerats sei in all den Jahren eine richtige Freundschaft entstanden. „Ohne ihn wäre es wohl nie zu den 15 Jahren gekommen. Als wir vor elf Jahren kurzfristig unseren Standplatz vor REWE räumen mussten, hat er uns sofort seinen Standplatz angeboten und Lagerräume zur Verfügung gestellt. Er ist ein sehr fairer Vermieter und wie ein Vater für mich. Er war die ganze Imbisszeit immer für mich da“, freut er sich. Und Peters liebt es, auch selbst für die Kunden da zu sein. Aber da mit einer Sechstagewoche und einem guten Zehnstundentag die eigene Freizeit und Kontaktpflege oft litt, gönnt er sich nun neben dem freien Sonntag auch einen freien Montag.

Zur Feier des Jubiläums gab es neben einer besonderen Dekoration der Imbissbude auch ein Würfelgewinnspiel und ein kleines Weihnachtsgeschenk für jeden Kunden. 

Plötzlich war das Angebot da

Seit fünf Wochen wird in den Räumlichkeiten des ehemaligen „Campus“ an der Amsterdamer Straße in Kevelaer renoviert. Den neugierigen Blicken vieler Bürger*innen dürfte nicht entgangen sein, dass dort etwas Neues entsteht. Schon beim Vorbeigehen fällt die umgestaltete Fassade und das neu angebrachte Schild mit der Aufschrift „Zur Quelle“ ins Sichtfeld. Für genau diesen Namen haben sich Dorota Lakoma und ihr Lebensgefährte Hans-Gerd Vos entschieden. Die Kevelaererin wird das Lokal künftig betreiben – mit tatkräftiger Unterstützung ihres Freundes. Erfahrungen im Gastronomiebereich hat Lakoma vor allem im vergangenen Jahr gesammelt. Denn erst im Oktober 2019 hatte sie die „Hubertusquelle“ übernommen. Wer nun Sorge hat, dort künftig nicht mehr einkehren zu können, kann aufatmen: Lakoma wird beide Gaststätten gleichzeitig betreiben. „Ihre“ Hubertusquelle lässt sie sich nicht nehmen.

Vor ca. zweieinhalb Monaten habe Marcus Leurs von der Krombacher Brauerei bei ihnen in der Hubertusquelle gestanden, erzählt Vos. Der Grund sei schnell klar gewesen: Es ging um die Eröffnung einer Gaststätte an der Amsterdamer Straße. Was allerdings auch schnell feststand: „Wir geben nicht die Kneipe auf, wo wir unser Herzblut reingesteckt haben“, sagt Vos. „Doris Hubertusquelle“ sei vor der Corona-Pandemie so gut angelaufen, dass es gar nicht in Frage gekommen wäre, sich von diesem Projekt zu trennen.

Es gab keinen Plan für eine zweite Gaststätte

Führt man sich die Voraussetzungen vor Augen, war es in der Tat nicht selbstverständlich, dass sich das Kevelaerer Paar einer zweiten Gaststätte annimmt: Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, die erste Kneipe wurde vor gerade einmal einem Jahr eröffnet und beide üben einen Job aus. „Doris Hubertusquelle“ lief bisher neben dem Beruf. „Wir sind beide ein bisschen bekloppt“, wirft Lakoma lachend ein. „Da haben wir vorher nie dran gedacht“, erklärt Vos, dass der Plan einer weiteren Gaststätte bisher kein Thema war. Nach weiteren Gesprächen mit Leurs habe man sich schließlich dennoch auf das Projekt eingelassen. Mit Blick auf die Situation des Gastgewerbes in der Corona-Pandemie sei allerdings durchaus hin und wieder die Frage von außen gekommen: „Welcher Bekloppte macht jetzt eine Kneipe auf?“ Vos hat da eine klare Meinung: „Wenn wir es nicht machen, macht es jemand anderes später.“

Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Familie und Freund Udo Pyka begannen vor fünf Wochen die Renovierungsarbeiten. Dass Vos aufgrund einer Hüft-OP nicht mit anpacken, sondern nur im Hintergrund managen konnte, war für den Prozess wenig förderlich. Dennoch konnte das Paar bereits in der vergangenen Woche verkünden, dass die umfangreichen Arbeiten weitestgehend abgeschlossen seien – auch dank der reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Vermieter der Räumlichkeiten.

Ein Tanzbereich ist der Betreiberin wichtig

Planmäßig soll das Lokal an der Amsterdamer Straße im Januar eröffnet werden – abhängig von den Entwicklungen hinsichtlich Covid-19. Donnerstags, freitags und samstags werden die Türen ab 18 Uhr offen stehen – Ende offen. Dart, Kicker, Billard und Automatenbetrieb soll es geben, erklärt das Paar. Und was der gebürtigen Polin besonders am Herzen liegt: die Möglichkeit zum Tanz. Dazu wird es weiterhin einen Tanzbereich geben. Geplant sei, künftig freitags und samstags Musik von dem Kevelaerer „Mike Sleeves“ (Michael Hülsen) spielen zu lassen – in Form von wechselnder Mottopartys.

Aktuell ist Dorota Lakoma noch auf der Suche nach einer Kellnerin, die das Team, das am Ende aus sechs Personen bestehen wird, vervollständigen soll. Über die Unterstützung ihres Lebensgefährten ist die Betreiberin bald zweier Gaststätten dankbar. Auch der Zuspruch aus ihrem Umfeld gebe ein gutes Gefühl für die Eröffnung. Wann diese letztlich stattfinden kann, bleibt für die Kevelaererin nur abzuwarten.

Kevelaerer Koch hat große Pläne

Dass Kevin Hornbergs heute leidenschaftlich gerne in der Küche steht und in Nobel-Restaurants Gäste bekocht, mag für viele nicht verwunderlich sein – ist der Kevelaerer doch im Familienbetrieb „Alt Derp“ aufgewachsen. Für den heute 24-Jährigen ist diese Entwicklung allerdings keineswegs eine Selbstverständlichkeit. „Früher wollte ich gar nicht in die Gastronomie“, gibt Hornbergs offen zu. Er habe neben der Schule zwar im Familienbetrieb ausgeholfen, damals aber – wie in Jugendzeiten üblich – um sein Taschengeld aufzubessern. Während seines Abiturs an der Gaesdonck haben sich die Pläne dann geändert. Heute arbeitet der Kevelaerer unter vielfach ausgezeichneten Köchen. Mitte Dezember hätte er sogar eine Stelle in St. Moritz antreten sollen. Corona machte ihm nun allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Neben dem Vorbild seines Vaters „Kalli“ Hornbergs ist es mehreren Praktika zu verdanken, dass Kevin Hornbergs den Weg in die Gastronomie eingeschlagen hat. Er habe sich damals quasi selbst auf die Probe gestellt, erzählt der Kevelaerer. „Entweder ich merke, ich brenne dafür – oder nicht“, sei seine Einstellung gewesen. Letztlich mündete dieser Selbsttest in der Erkenntnis: „Ich möchte nie wieder etwas anderes machen.“

Schon während seiner Praktika ging es für Hornbergs in die gehobene Küche. So kochte er unter anderem für den Sternekoch Joachim Wissler, hätte in seinem Betrieb auch eine Ausbildung beginnen können. Die absolvierte der 24-Jährige allerdings im Haus Stemberg in Velbert. Ihm sei wichtig gewesen, in einem Betrieb mit familiären Strukturen zu lernen – wie er es aus dem „Alt Derp“ seiner Eltern kennt. Trotz seines Abiturs wollte er kein Studium beginnen, sondern selbst anpacken, am Herd stehen und die praktische Kochkunst erlernen. „Ich wusste ganz genau, was ich möchte und wofür ich das möchte“, sagt Hornbergs. Damit spielt er auf die Übernahme des elterlichen Restaurants an. Die steht nämlich bereits fest. In drei Jahren soll er den Betrieb von Vater Kalli Hornbergs übernehmen.

In der Ausbildung einen Mentor gefunden

Das nötige Wissen hat der 24-Jährige sich in den vergangenen Jahren erarbeitet. In seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung habe er die nötigen Grundkenntnisse erlernt, sagt Hornbergs. „Da hatte ich ein super Fundament.“ Gelernt hat er in dem Sterne-Restaurant (ein Michelin-Stern) in Velbert von etablierten Spitzenköchen. Senior Chef Walter Stemberg wurde erst in diesem Jahr noch vom Schlemmer Atlas zum Gastronom des Jahres gewählt. Und in seinem Sohn Sascha Stemberg, der das Restaurant in fünfter Generation führt, hat Kevin Hornbergs ein Vorbild gefunden. „Sascha ist wie ein Mentor für mich geworden“, sagt der 24-Jährige, der von der IHK Düsseldorf als bester Koch in Nordrhein-Westfalen im Ausbildungsjahr 2018/2019 ausgezeichnet wurde. „Mir hat es einfach Spaß gemacht“, sagt Hornbergs, der vor allem in seiner Leidenschaft einen Grund für den guten Abschluss sieht.

Nach seiner Ausbildung stand für Hornbergs fest: „Ich möchte ins Ausland, wo ich komplett auf mich alleine gestellt bin. Da kannst du dich selbst verwirklichen.“ In Aussicht hatte er unter anderem eine Stelle in New York, in der Schweiz und in Österreich, sagt Hornbergs. Dem Größenwahn sei er dabei nicht verfallen. Für ihn habe immer der Geschmack im Vordergrund seiner Arbeit gestanden und nicht allein der pure Luxus. Über Sascha Stemberg sei er schließlich in Kontakt gekommen mit Thomas Dorfer, dem Küchenchef im österreichischen Landhaus Bacher (zwei Michelin-Sterne). In dem Familienunternehmen arbeitete der Kevelaerer eineinhalb Jahre lang als Koch und durfte unterschiedliche Positionen in der Küche durchlaufen. Vor allem der starke Zusammenhalt des Teams habe ihn bei seiner Arbeit dort inspiriert. Nach eineinhalb Jahren allerdings stand fest: „Ich möchte weiterziehen.“

Die Pläne scheiterten

Erneut konnte er sich durch Kontakte – in diesem Fall in die Wege geleitet von Thomas Dorfer – eine Stelle in einem Sterne-Restaurant sichern. Ab Mitte Dezember sollte Hornbergs eigentlich für den Dreisternekoch Andreas Caminada im „IGNIV“-Restaurant in St. Moritz in der Küche stehen. Ursprünglich wollte der 24-Jährige auf Stage in Caminadas Restaurant (drei Michelin-Sterne) im Schloss Schauenstein gehen und im Rahmen dieses freiwilligen Praktikums wertvolle Erfahrungen sammeln. Dass im „IGNIV“ in St. Moritz gerade eine Stelle frei wurde, führte schließlich dazu, dass aus dem Praktikum ein Probearbeiten wurde. Hornbergs bekam den Job. St. Moritz sollte dabei nur eine Station von vielen bleiben. Dass er seine Pläne kurzfristig über Bord werfen muss, kam für Hornbergs überraschend. Rund drei Wochen vor geplantem Arbeitsbeginn in St. Moritz nahmen die Verantwortlichen Kontakt mit ihm auf und schilderten die durch Corona vergleichsweise schlechte Auslastungssituation. Man einigte sich darauf, den Vertrag vorerst aufzuheben.

Wenn sich die Situation um Corona vor Ort plötzlich drastisch verbessern sollte, kann der Kevelaerer seine Stelle auch nachträglich antreten. „Da gehe ich aber erstmal nicht von aus“, sagt Hornbergs. Doch spätestens zur Saison im Winter 2021 soll er erneut die Möglichkeit bekommen, im „IGNIV“ zu arbeiten. Unabhängig davon möchte der Kevelaerer Koch, sobald die Pandemie es zulässt, für die kommenden drei Jahre weiterziehen – und auf der ganzen Welt seiner Leidenschaft nachgehen. Bis er in wenigen Jahren den Familienbetrieb in der Marienstadt übernimmt, möchte er so viele Erfahrungen sammeln wie nur möglich.

Ob es für ihn ein schwerer Schritt ist, nach solch luxuriösen Stationen seiner Karriere bald wieder ins beschauliche Kevelaer zurückzukehren? Nein. „Für mich stand immer fest, dass ich nach Kevelaer zurückkomme. Ich bereite mich in den anderen Restaurants in der Welt darauf vor wiederzukommen.“ Dabei war und ist es ihm immer wichtig, eng mit seinem Vater zusammenzuarbeiten, wenn er mal wieder für eine Zeit in die Heimatstadt zurückkehrt. „Ich lerne unglaublich viel von meinem Vater“, sagt Hornbergs. Vor allem für die Übernahme des Familienbetriebes sei dieses Wissen wertvoll.

Das Gewohnte soll bleiben

Doch wird Hornbergs, der letztlich einige Jahre lang an der Seite von renommierten Spitzenköchen gearbeitet hat, das „Alt Derp“ mit seiner Übernahme „auf links krempeln“? Auch hier lautet die klare Antwort des 24-Jährigen: Nein. „Ich möchte das, was die Leute am Alt Derp lieben, erhalten. Das ist ja auch das, was ich liebe.“ Die Kombination aus bürgerlicher und gehobener Küche mache es für ihn aus. „Das, wie es hier unten ist, möchte ich so belassen“, sagt er mit Blick durch das Restaurant. Planmäßig soll im Obergeschoss ein extra Bereich eingerichtet werden, in der sich der Koch „austoben“ möchte, wie er selbst sagt. „Ich möchte ausprobieren, worauf die Leute Bock haben.“ Auch ein Konzept mit Kochkursen könne er sich vorstellen.

Bis dahin möchte der Kevelaerer kulinarische Erfahrungen in der ganzen Welt sammeln. Und immer dann, wenn es geht, steht er mit Vater Kalli Hornbergs und André Leenings, der seit 27 Jahren im „Alt Derp“ als Koch arbeitet, in der Küche in Kevelaer, bringt seine Ideen ein und sammelt Erfahrungen im Familienbetrieb. Und bis es für ihn beruflich wieder in die weite Welt hinaus geht, unterstützt er seine Eltern beim Abholservice des Restaurants, der aufgrund der Corona-Pandemie zur Vorweihnachtszeit eingerichtet wurde. Dass sein Sohn die treibende Kraft bei dieser Idee war, bekennt Vater Kalli Hornbergs mit einem Lächeln.