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Kicken mit den Profis beim Sommer-Camp

In der fünften Woche der Sommerferien reist das Trainerteam der Fußballschule Grenzland, bestehend aus professionellen Coaches aus den Nachwuchsleistungszentren deutscher und niederländischer Profi-Clubs, ausgewählten Ex-Profis, aktuellen Profifußballern sowie DFB- Stützpunkttrainern zum Sommer-Camp beim SV Viktoria Winnekendonk an. Bereits zum zweiten Mal werden auf der Anlage in Winnekendonk täglich von 10 Uhr bis 15.30 Uhr insgesamt acht Trainingseinheiten an vier Tagen durchgeführt.

Die sechs- bis 15-jährigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen trainieren in Gruppen jeweils vier Stunden pro Tag und erhalten in den Pausen isotonische Getränke, frisches Obst und ein sportlergerechtes Mittagessen. Außerdem bekommen alle Kids eine eigene Trinkflasche sowie ein Camp-Trikot. Auch für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm ist gesorgt. So messen alle Kinder ihre Schussgeschwindigkeit und können ihr Fachwissen beim Fußballquiz unter Beweis stellen. Auch ein Ernährungsworkshop, gemeinsam mit dem Partner, der REWE Gruppe, der den Kids die einfachen Grundsätze sportlergerechter Ernährung vermittelt, gehört zum Programm des Sommer-Camps.

Leistung und Spaß vereint

Zum Abschluss erhalten alle Teilnehmer, nach einem großen Abschlussturnier, eine von allen Trainern unterschriebene Teilnahmeurkunde. Neben dem professionellen Anspruch der Trainingsinhalte und des Rahmenprogramms liegt der Fokus im Feriencamp der Fußballschule Grenzland auch auf einem spaßbringenden Event für die Sportler. Anmelden können sich Fußballerinnen und Fußballer aller Leistungsniveaus. Im Camp werden die Kinder in alters- und leistungsgerechte Gruppen eingeteilt und so bestmöglich gefördert. Die Teilnahmekosten für das Sommer-Camp in Kevelaer betragen 109 Euro.

„Natürlich richten wir uns bei der Durchführung des Sommer-Camps an die zu diesem Zeitpunkt geltenden Hygienevorschriften und halten diese konsequent ein“, erklären die Verantwortlichen. Anmeldungen sind im Internet unter www.fussballschule-grenzland.de noch möglich.

Vorsichtiger Neustart beim KSV

Nach und nach betraten die B-Jugend-Kicker des Kevelaerer SV mit Maske und Sporttasche den Rasenplatz. Der 15-jährige Robin war einer von gut 30 Jungs, die auf dem Feld in Zehnergruppen anfingen, gegen den Ball zu treten.

„Es war echt lange. Ich spiele im Verein neun Jahre – das Längste, wo ich nicht gespielt habe, waren Ferien – und selbst da hat man sich mit Freunden getroffen. Das ist echt jetzt ein schönes Gefühl“, freute er sich darüber, wieder auf dem Rasen zu sein. „Respekt hat man schon – aber das ist mit den Zehnergruppen ist jetzt gut geregelt.“

Coach Simon Fiedler holte die Jungs zu einem großen Kreis zusammen, um mit ihnen den Traingsablauf zu besprechen, sich als Trainer der B-Mannschaft zu verabschieden und den Staffelstab an Marcel te Nyenhuis und David Brinkhaus zu übergeben. „Wir sind alle wieder ganz froh, dass wir hier sein dürfen. Es gab eine ganz, ganz lange Zeit, wo wir zu Hause sein mussten. Ich werde ein letztes Mal heute Ansagen machen. Und denkt dran: Wir haben die Regeln“, fasste er seine Gedanken in Worte.

Am Spielfeldrand verfolgte KSV-Geschäftsführer Ralf Hermens, wie die Spieler sich in den drei Gruppen den Ball zuspielten und später auch begannen, in Kleinteams um den Ball zu kämpfen und in Zweikämpfe zu gehen – wenn auch mit deutlich angezogener Handbremse. „So wie die Jungs gekommen sind, waren alle mit Maske, alle Hände desinfiziert und es ist sehr ruhig auf dem Platz. Das ist bemerkenswert.

Und so gut hat der Rasen auch noch nicht ausgesehen. Da freut sich jeder Spieler, wenn er so was unter den Füßen hat.“ Die Regeln für den Sport waren ja schon am 8. Mai gelockert worden. „Da war allerdings nur kontaktloser Sport erlaubt. Das konnten wir aber nicht gewährleisten, dieses ganze Corona-Sicherheitskonzept. Außerdem war noch nicht klar, wie sich die Infektionszahlen durch die Lockerungen verändern“, erläuterte er. Deswegen hatte der KSV erstmal beschlossen, bis zum 30. Mai abzuwarten, bis feststand, wie sich die Situation entwickelt.

Nachdem klar war, dass Outdoor- und Kontaktsport erlaubt ist, Gruppen bis zehn Personen miteinander agieren dürfen und die Kinder auch Zweikämpfe führen dürfen, gab es dann grünes Licht. Dafür entwickelte man ein präzises Hygiene- und Abstandskonzept plus klare Regeln. „Es kommt jeder freiwillig. Jeder kann nur teilnehmen, wenn die Eltern unterschreiben, dass die Kinder keinen Kontakt zu Corona-Infizierten hatten.“ Und sie müssen erklären, dass sie aktuell keine Symptome haben. „Was andres kann man ja nicht sagen. Die Eltern entscheiden für ihre Kinder, ob sie wie in der Schule das Restrisiko eingehen.“

Beim Betreten des Platzes gelten 1,5 Meter Abstand, die Spieler sollen einzeln kommen. „Es gilt Mundschutz bis auf dem Platz und vorher Hände desinfizieren. Nur die Toiletten dürfen benutzt werden, die Umkleidekabinen bleiben geschlossen.“ Und jeder Trainer hat schriftlich eine Corona-Schutzverordnung erhalten.

In der vergangenen Woche haben sich die Abteilungsleiter aller Sportarten zusammengesetzt und beraten, welche Sportarten man mit dem Sicherheitskonzept entsprechend ausüben kann. Was für die Fußballer gilt, trifft nicht auf alle Abteilungen des KSV zu, bedauert Hermens.

„Die Turnhallen bleiben geschlossen, sodass unsere ganzen Hallensportarten nicht ausgeübt werden können. Wenn die Stadt sagt, die Hallen bleiben zu, bleiben die zu. Das ist bitter für die Handballer, die Turner, die Badmintonspieler.“ Aber da wird nach kreativen Lösungen gesucht. „Die Handballer überlegen, ob sie Freiluftspielen anbieten. Aber das ist natürlich kein Ersatz.

Zwei Turngruppen machen auf dem Rasen im Stadion ihre Übungen.“ Die Volleyballer hätten „ein bisschen die Möglichkeit, auf dem Beachvolleyballfeld zu spielen, aber auch nicht adäquat. Unsere Cheerleaderinnen können auch nach draußen auf die Wiese und die Leichtathleten natürlich nur in dem Bereich, wo sie keine Geräte anfassen – nicht wie bei Kugelstoßen oder Speerwerfen, bei denen man desinfizieren müsste. Die Läufer können ihre Runden laufen mit Abstand.“

Und die Wasserballer sind wegen der Öffnung des Freibades mit der Stadt im Gespräch. Jede Entscheidung bezüglich Corona „ist für uns da Neuland“, sagt Hermens. „Deshalb haben wir gemeinsam entschieden, Zug um Zug möglichst gefahrlos in den Betrieb wieder zu starten.“

Wie wertvoll das für die Kicker ist, macht Simon Fiedler deutlich. „Man merkt, wenn man auf dem Platz steht, was gefehlt hat. Man merkt, einige stolpern über den Ball“, sagt er trocken. „Ein bisschen Bewegung hat da schon gefehlt. Aber die kommen ja schnell wieder rein, sind ja alles gute Fußballer.“ Natürlich hätte er mit seiner „alten“ B-Jugend die Saison gerne zu Ende gespielt. „Wir hatten eine gute Position mit der aktuellen Mannschaft, aber da kann man nichts machen.“

Endlich wieder aktiv am Ball.

Ein bisschen komisch war der Abschied für ihn in dem Moment schon. „Ich gehe hoch in die A-Jugend, sodass ich den 2004er Jahrgang schweren Herzens verlassen muss. Aber die kommen ja in einem Jahr zu mir hoch. Die gehen nicht verloren. Eine A-Jugend hatte ich noch nicht, aber die kenne ich ja.“

Gerd Baumanns, sportlicher Leiter der A- bis C-Jugend, konnte sich an eine derartige Unterbrechung des Spielbetriebes in den Jahren seines Wirkens nicht erinnern. „Hoffen wir, dass es nur bei einem Vierteljahr ohne Fußball bleibt.“

Denn der KSV hat Ambitionen. „Wir wollen im September mit A- und B-Jugend die Qualifikation für die Niederrheinliga spielen.“ Wie planbar die Saison werden wird, das ist die entscheidende Frage. „Vor Oktober wird es in keiner Klasse losgehen. Das kann eine lange Vorbereitung werden. Normalerweise stellt man das Team vor den Sommerferien zusammen. Dann geht es ab Mitte August los, weil Anfang September die Meisterschaft sonst anfängt.“

Die Spieler waren nach einer Stunde Fußball zufrieden – und auch ein Stück kaputt. „Es war anstrengend. Man ist ein bisschen aus der Übung gekommen in der ganzen Zeit“, meinte der 15-jährige Jan danach.

Der 16-jährige Verteidiger Ben war froh, wieder auf dem Platz gestanden zu haben: „Das hat schon gefehlt unter der Woche, man war so unausgelastet.“ Die Niederrhein-Liga ist für ihn wie für die anderen Jungs auf jeden Fall eine Motivation. „Das wird schwer, aber wir geben unser Bestes.“

Schritt für Schritt in den Sport einsteigen

Am Eingangstor von Viktoria Winnekendonk hingen vor dem Betreten des Platzes drei Schilder am Zaun: eines Verhaltensmaßregeln, eins zur Verantwortung der Trainer und ein Schreiben des Vorstandes.

Die Lockerungen seien ein „Vertrauensvorschuss an uns alle, den jeder Einzelne und wir alle als Verein nehmen müssen“, heißt es da – verbunden mit der eindeutigen Botschaft: „Bitte haltet Euch zum Wohle aller an die vorgeschriebenen Regeln.“ Dementsprechend vorsichtig agierten die Spieler und Coaches auf dem Gelände – immer kontaktlos und in dem angemessenen Abstand, wie D-Jugend-Betreuer Boris Mischke zufrieden feststellte.

In seiner Gruppe waren lediglich zehn Jungen. „Wir sind sonst 20, teilen das auf Dienstag und Donnerstag auf. Die Anlage ist aber auch groß genug, dass später vielleicht auch 20 zusammen gehen.“ Von jedem Team sei jeweils ein Trainer am Vorabend vor Ort noch gebrieft worden, was die Abstandsregeln und auch alle anderen Dinge wie die Desinfektion aller Materialien angeht.

Mike Berns und Simon Janssen ließen ihre C-Jugend-Schützlinge diverse Torschuss- und Passübungen machen. „Das war ´ne Herausforderung, da so kurzfristige kontaktlose Übungen zu finden“ erklärt Berns. So habe man dann alte Übungen etwas aufgepeppt. Sein Kollege staunte nicht schlecht anhand der Disziplin der Kids. „Wir haben drei, vier Mal klar gesagt, haltet Euch an alles, sonst ist das Training nicht möglich. Diesmal sind auch alle 17 da, so viele waren es in der Saison noch nie.“

„Am Mittwochnachmittag, als die Nachricht der Öffnung kam, kamen sofort die Nachrichten: Können wir morgen auf den Platz?“, erzählt der Vorsitzende des SV Viktoria Winnekendonk, Peter Schlossarek. „Und wir sagten: Moment. Sie sind noch zu und es müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, die wir noch nicht alle kennen. Da bedarf es ja irgendwelcher Umsatzvorgaben.“ Auf dem Sportplatz ein kontaktloses Training durchzuführen, ohne dass die Spieler den Ball in die Hand nehmen, und das bei mindestens 1,50 Meter Abstand, sei schon eine Sache die das konsequente Handeln der Trainer erforderlich mache, sagt Schlossarek. Das gehe bei den Kindern schon damit los, „dass die, wenn sie kommen, schon ihre Räder im Abstand abstellen, dass da keine Rudelbildung entsteht.

Die einen rennen auf den Platz, die anderen warten. Die sollen sich nicht körperlich begegnen.“ Und man habe überlegt, wie der Platz begangen und wieder verlassen wird. „Die einen links drauf, die anderen rechts runter.“
Spannend sei auch die Frage, wie man die Hygiene gewährleisten kann. „Die Toilette halten wir natürlich verfügbar mit Seife.“

Auch Desinfektionsmittel soll vorhanden sein, damit die Sportmaterialien und Geräte gereinigt werden können. Allerdings sei auf dem freien Markt da schwer dranzukommen. „Unser Platzwart hat Montagmorgen versucht, das Thema über die Stadt auf den Weg zu bringen. Die haben aber die gleichen Probleme bei den Schulen, die auch Desinfektions- und Hygienemittel brauchen.“ Die Platzsperren-Schilder hat man Montag schon einmal entfernt, den Trainern am Vorabend eine Art „Trainings-Knigge“ mit auf den Weg gegeben.

Die dreiseitigen Verhaltensmaßregeln seitens der Stadt umfassen auch Anwesenheitslisten. „Jede(r) SpielerIn muss umgezogen zum Training erscheinen und es darf keine Zuschauer geben.“ Ob das ein Training im Vorlauf für Wettbewerbs-Fußball sein wird, das hält Schlossarek für unwahrscheinlich.

Vom Fußballverband Niederrhein gibt es zwar noch keine abschließende Entscheidung, was mit der laufenden Saison geschehen soll – eine Online-Umfrage soll letzte Klarheit bringen. Aber die Signale deuteten in Richtung Absage. „Das ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, betont Schlossarek. Die Frage, wie man die Turnhalle nutzen kann, die habe man zunächst mal zurückgestellt. „Da ist die Organisation noch viel schwieriger. Da kann ich mir persönlich wenig vorstellen – für Mannschaftssport eh nicht. Vielleicht geht Gymnastik mit eigener Matte.“

Auch der Vorsitzende des SV Union Wetten, Manfred Nilkens, versteht, warum sich viele jetzt auf gemeinsamen Sport freuen: „Man merkt schon, dass zum einen die sozialen Kontakte, Kameradschaft und die Freude am Sport fehlt. Gerade im Gruppen-und Mannschaftssport ist das was anderes. Der Spaß bei und nach dem Training, das Miteinander – das ist gerade beim Dorfverein ein wichtiger Aspekt.“ Am Wochenende setzte sich der Union-Vorstand zusammen. Demnach ist klar: „Im Fußballbereich werden wir bis Ende Mai / Anfang Juni kontaktloses Training freigeben – aber erstmal nur für die Seniorenteams.“

Man werde sich dabei an dem Leitfaden von Landessportbund und DFB orientieren und ähnlich wie Winnekendonk agieren. „Einzeln zum Sportplatz kommen, am Sportplatz Hände desinfizieren, die Übungsgeräte werden nur von den Trainern angefasst und weggeräumt.“ Pro Trainer wird es Zehnergruppen auf einer großen Fläche geben, wo man den Mindestabstand einhalten kann. „Wir haben gesagt, wir nehmen da drei Meter Abstand“, unterstreicht Nilkens. „Denn wenn du auf 1,50 Meter sagst, bleib so stehen, egal welche Übung“, dann sei das schwer durchzuhalten. Pro Trainingsabend soll nur eine Fußballmannschaft auf dem Platz stehen, „damit die das ganze Feld zur Verfügung haben.“ Natürlich würden sich alle freuen, endlich trainieren zu dürfen und die anderen Mitspieler zu sehen. „Man möchte aber nicht, dass da irgendwas ist, wo man sich später Vorwürfe machen muss.“

Die Abteilungsleiter wie die Jugendtrainer haben eine Mail erhalten, wer welche Berechtigungen hat und wer aussetzt. „Kindertraining sehen wir momentan noch als schwierig an“, sagt der Klub-Vorsitzende.

Bis zum 1. Juni wolle man das noch nicht erlauben. „Von den Bambinis bis zur E-Jugend, da steht das Spielerische im Vordergrund. Da macht das gar keinen Sinn, mit denen eine Stunde Passübungen zu machen. Die rennen uns nach fünf Minuten über den Haufen.“ Was Wettbewerbssport generell angeht, ist Nilkens skeptisch. Denn wenn zwei Teams gegen-einander spielen, nur einer auf dem Feld aber Corona hat, „dann müssten beide Teams in Quarantäne.“ Deshalb glaubt er, dass „der Profifußball in zwei Wochen abgebrochen wird – trotz aller Maßnahmen.“

Und Kontaktsport im Amateurbereich sieht er auch noch lange nicht. „Entweder heißt das, dass alle Sportler getestet sind oder dass keiner in Wetten Corona hat und es Training wie gehabt geben kann.“ Wer aber könne das gewährleisten, „will die Verantwortung dafür übernehmen, sowas gemacht zu haben – und dann haben sich Leute angesteckt?“

Dass die Saison beendet wird, davon geht Nilkens fest aus. Bei der Videokonferenz des Fußballverbandes Niederrhein letzte Woche Montag hätten sich „alle für einen Abbruch ausgesprochen. Der Beschluss werde auf der FVN-Jahreshauptversammlung am 20. Mai sicher fallen. Sollte das der Fall sein, fragt Nilkens, „muss man dann das Risiko eingehen, ein Kontakttraining durchzuführen?“ Kicken mit Abstand, aber ohne Trainings- oder Wettkampfspiele für ein paar Wochen, das hält er in den nächsten Wochen für verantwortbar. Und dann? „Wir werden uns schwer damit tun, ohne Impfwirkstoff beim Mannschaftssport in eine Normalität zurück zu kommen.“

In Sachen Turnhalle werde man Gymnastik in Kleingruppen freigeben – mit zwölf Personen und mit einem Mattenabstand von drei Metern. Auf jeden Fall werde da „die Eingangstür offen gestellt und ein Desinfektionsmitteltisch hingestellt.“ Alle Teilnehmer müssen ihre eigene Matte und ihr eigenes Handtuch mitbringen. „Und es werden erst mal auch da keine Trainingsgeräte benutzt.“

Die Sportvereine müssen sich gedulden

Das Signal, dass der Kevelaerer Kämmerer Ralf Püplichhuisen im Ausschuss für Gebäudemanagement und Umweltschutz gab, war ziemlich eindeutig. Mit der Erweiterung und Umgestaltung der Umkleidekabinen sowie der Errichtung eines Kunstrasenplatzes wird es sowohl in Wetten als auch in Winnekendonk wohl in diesem Jahr nichts mehr werden.

Dass die Nachricht bei den beiden betroffenen Vereinen – dem SV Viktoria Winnekendonk und dem SV Union Wetten – keine Begeisterung auslöst, liegt auf der Hand.

„Wir hatten vor 14 Tagen über die Stadt schon gehört, dass die Fördermittel für 2020 aus dem Topf zur Strukturentwicklung für ländliche Räume eingefroren werden“, zeigte sich der Vorsitzende der Viktoria, Peter Schlossarek, nicht völlig überrascht. „Wir hatten die Hoffnung, dass 2021 die Mittel wieder zur Verfügung gestellt werden. Da hat Püplichhuisen ein Fragezeichen hinter gestellt.“ Man werde jetzt die Anträge stellen, „wohlwissend, dass erst 2021 entschieden werden wird, wenn dann die Mittel wieder da sind.“ Vor sechs bis acht Wochen sah das noch ganz anders aus, als bei der Begehung mit der Bezirksregierung vor Ort das Signal herauszulesen war, dass die Maßnahme positiv beschieden und bis Jahresende beendet sein könnte.

Man verstehe die Nöte von Land und Bund angesichts der Corona-Situation schon. „Aber das ist ziemlich unbefriedigend“, meint Schlossarek. Zumal die Situation aus seiner Sicht „ganz viele Konjunktive“ hat, „wenn Wetten ähnlich große Pläne hat und die Förderung nicht zum Tragen kommt, man einen Prioritätenplan aufstellen müsste, und dass die Vereine selbst die Förderanträge möglicherweise in anderen Programmen stellen müssen.“ Da könne man nur hoffen, „dass sich Fördertöpfe auftun, die die Kosten annähernd abdecken.“ Und selbst wenn 2021 über Fördermittel positiv entschieden würde, müsse die Stadt erst einmal die Ausschreibungen und die Vergabe an die Firmen organisieren.

Aus der Situation ergibt sich aus Sicht des Vereins noch ein weiteres Problem – und zwar für das Gelände des „alten“ Winnekendonker Sportplatzes an der Kevelaerer Straße inklusive Sporthaus. „Die Ursprungsplanung war so, dass Brüggemeier da im Herbst mit dem Bau seines neuen Marktes beginnen wollte.“ Der soll Ende 2021 fertig sein. „Und wenn der Platz weg ist, dann fehlt uns ein Platz.“ Sollten diese Arbeiten bis Anfang 2021 verschoben werden, wie es gerüchteweise die Runde mache, würde der Verein davon durchaus profitieren. „Nichtsdestotrotz brauchen wir für das Umkleidehaus und den Sportplatz spätestens im Winter oder zu Beginn des neuen Jahres eine Lösung.“

Was Schlossarek ärgert, ist, dass das Thema „Schließung Kevelaerer Straße“ seit Ende 2016 mit Vertretern der Politik und der Stadt immer wieder diskutiert worden sei. „Letztes Jahr sind da die Wogen in den sozialen Medien schon echt hochgeschlagen. Da hätte in den letzten drei Jahren was passieren können.“ Dann werde es spannend, wohin man mit den Teams in Sachen Umkleiden gehen soll und wie das mit dem Trainings-und Spielbetrieb organisiert wird. „Okay, wir können Container an den anderen Platz hinstellen, aber irgendwo müssen die Sportler ja auch trainieren“, gibt Schlossarek zu bedenken..

Auch sein Kollege Manfred Nilkens vom SV Union Wetten muss sich mit der neuen Situation arrangieren. „Man hat als Bürger und als Vorsitzender großes Verständnis dafür, dass in so einer schwierigen Situation Gelder nicht zur Verfügung stehen, mit denen man gerechnet hat. Uns ist allen klar, dass das Geld viel nötiger an anderer Stelle gebraucht wird. Das muss man voranschieben.“ Aber natürlich sei das „für uns in Wetten eine große Enttäuschung, weil wir der einzige Sportverein in Kevelaer sind, der auf einem Ascheplatz Fußball spielt.

Da steht Wetten ganz hinten dran.“ Dazu komme noch die Tatsache, dass „wir einen sehr, sehr guten Termin mit dem Herrn der Bezirksregierung hatten, der uns sagte, dass das wohl kein Problem wäre und das schnell zu realisieren ist.“ Und platztechnisch sei es schwer, die ganzen Teams unter einen Hut zu bringen.

Somit werde aus der Hoffnung, „den Platz ad acta zu legen“, nichts werden. „Wenn man aber eine kleine Chance hat, 2021, dann können wir damit leben.“ Was die Erweiterung der Umkleide betrifft, da sieht Nilkens aber ein ganz großes Problem, „weil wir im Mädchen- und Frauenfußball seit Jahren einen richtigen Boom erlebt haben und da mit den Umkleiden am Ende der Kapazität sind.“

Mittwochs und Freitags stünden da zum Training 25 Damen und 30 Herren zum zeitgleichen Duschen und Umziehen am Platz. „Daher rührte der Gedanke, einen zusätzlichen Kabinentrakt zu bauen, der wirklich getrennt ist und nur für die Damen.“

Wenn Sonntags oft die A-Jugend, dann die Damen und anschließend die dritten Herren spielten, „kam es zu Situationen, dass versehentlich mal Jungs in die Damendusche gelaufen sind.“ Dauerzustand sein.“ Ob man das Problem mit zusätzlichen Containern übergangsweise lösen könnte? „Das ist dann die Frage, die man, wenn es zum Spielbetrieb käme, an die Stadt richten müsste.“ Denn wenn sich in Zukunft die Damen-Mannschaft um zehn weitere Personen erhöht, „dann haben wir zwei Teams. Und dann weiß ich nicht, wie man das umsetzen soll.“

Sportler werden im Netz gemeinsam aktiv

Was machen Sportler eigentlich, wenn sie nicht springen, kicken oder gegeneinander laufen können? Eine Zeit ohne Fußball, Speerwerfen oder Weitsprung ist für viele der in den Vereinen organisierten Hobbysportler schon eine Herausforderung. Einige suchen da nach Mechanismen, um in der Zeit von Corona eine intelligente Überbrückung zu finden.

Eine entsprechende Idee hatte jetzt Nils Dahlmann, der gemeinsam mit Jonas Niersmann und Felix van Huet die sportliche Leitung in der Fußballabteilung des SV Viktoria Winnekendonk übernommen hat. Als junges Team wollen sie „ein bisschen frischen Wind reinbringen, ein paar Steine rumdrehen“ und die Viktoria frischer gestalten – ohne die Basiswerte des Vereins zu vergessen. Als früherer Spieler der ersten Mannschaft und Trainer kann der Ur-Winnekendonker verstehen, was die Kicker momentan so empfinden.

„Wenn man den Sport, den man liebt, nicht ausüben kann, ist das deutlich schwierger. Und man merkt, dass Sport halt wichtig für den eigenen Lebensalltag ist.“ Da kam ihm die Idee, im großen Stil ein „Workout“ im Internet aufzuziehen.

„Das basierte auf der zweiten Mannschaft, die da den Vorreiter gemacht hat. Die haben das im kleinen Rahmen gemacht und auf Instagram geteilt. Wir haben das dann aufgegriffen.“ Entsprechend schlug man dem Vorstand die Aktion vor – erstmal nur für die Fußball-Seniorinnen und Senioren. Dahlmann sprach den Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Christopher Willems, an, ob er nicht auch im großen Rahmen vorturnen würde, da er das Ganze schon für die „Zweite“ organisiert hatte. Und dazu kam dann noch Samira Berns von der ersten Damenmannschaft. „Die haben wir als Trainer auserkoren.“ Ihr Vater hatte ihr von der Idee erzählt. Und für die 23-Jährige, die selbst gerade Fitnesswissenschaften und -ökonomie studiert, stand sofort fest: Hier bringe ich mich ein.

Geteilte Arbeitsschritte

So gestalteten Willems und Berns ein Konzept mit einem Ganzkörper-Workout, „um alle Muskelpartien mit einzubinden und Übungen zu machen, die nicht zu schwierig sind“, beschreibt Berns die Idee. Sie teilten das gut einstündige Programm in vier Schritte auf – Samira Berns führte die Gruppe durch eine fünfminütige Aufwärmphase und das Training von Arm- und Bauchmuskulatur. Nach einer Pause durfte dann Christopher Willems mit dem Training der Beine und einem Cool-down zum Abschluss weitermachen.

„Das war eine ungewohnte Situation“, gestand Berns in Bezug auf das Vorturnen via Bildschirm. „Ich hatte schon mal Einheiten in der Damenmannschaft gemacht und bei der Arbeit. Aber so die Übungen genau erklären und mitmachen, das war schon etwas anderes und eine Herausforderung.“

Und so wurde das Ganze am 19. April für die Mannschaften durchgezogen. „Es gab im Vorfeld eine Kurzanleitung für alle: wie logge ich mich ein, was muss ich mitbringen?“, so Dahlmann. Als pdf gab es einen Hilfslink, damit die Sportler sich einloggen konnten. Am Ende waren tatsächlich 70 Aktive bei der ersten Sitzung mit am Start. „Wir haben die Zahlen, wie viele mitmachen wollten, von den Trainern bekommen. Da waren es geschätzt 50 bis 60“, bedeutete die überraschende Resonanz aus Sicht von Dahlmann einen großen Erfolg.

Für das zweite „Workout“ wollte man den gesamten Verein mit einbeziehen und manche Dinge verbessern. Eine Umfrage unter den Teilnehmern wurde gemacht. Von 62 Personen sagten 61: Das war cool, das machen wir wieder mit. Im Ablauf wurden ein paar Stellschrauben verändert: Statt zentraler Musik, die bei der Übertragung nur abgehakt funktionierte, verteilte man vorher mittels eines Links eine Spotify-Liste, worüber man sich selbst Musik dazu abspielen konnte. Und die Trainer bezogen Alltagsgegenstände wie Wasserflaschen, Stühle oder Seile in den Ablauf mit ein, „um das Ganze abwechslungsreich zu gestalten mit dem, was so jeder zu Hause hat“, sagt Berns.

Beim letuten Mal waren dann um die 50 Leute mit dabei. Im Anschluss gab‘s noch eine 15-minütige Fragerunde, bei der diverse Themen wie das Kunstrasenprojekt oder auch die Frage nach dem Fortgang der Saison erörtert wurden. „Da ist jetzt ein relativ stabiler Kern zusammen“, findet Dahlmann.

Ob man das Video-Workout nochmal zentral machen wird oder in die jeweils einzelnen Teams hineingeben wird, ist noch unklar. Für Berns wäre eine regelmäßige große Gemeinschaftsrunde alle zwei Wochen schon „eine Option, je nachdem, wie lange der Coronavirus anhält. Das hat einen Wohlfühleffekt für den ganzen Verein. Das ist eine gute Alternative, alle zusammen zu bringen.“

Hungrig nach Sport

Der Präsident des Klubs, Peter Schlossarek, sieht das ähnlich: „Das macht das Gemeinschaftsgefühl und auch den Zusammenhalt im Verein in schwierigen Zeiten deutlich. Die große Anzahl an Teilnehmern und Teilnehmerinnen und deren positive Resonanz zeigt auch, dass alle hungrig nach Sport und Gesellschaft sind.“ Ein Kompliment hatte Schlossarek auch für die Struktur des Work-outs übrig. „Die Trainings sind gut aufgebaut, bieten Abwechslung und Spaß“, ist sein Endruck. „Ich habe danach Schmerzen in Körper- und Muskelpartien gefühlt, die ich bisher gar nicht kannte“, gestand er nach zweimaliger Teilnahme an dem Event ein.

Schlossareks Dank gilt dem Orgateam und den beiden Übungsleitern für ihr Engagement „verbunden mit der Hoffnung und dem Wunsch natürlich auf baldige Normalität und ‚echten‘ Trainings- und Spielbetrieb.“ Denn allen fehle die Gemeinschaft im Sport, sagt der Vereinsvorstand. Die Gesundheit gehe aber natürlich vor, und die Risiken müsse man minimieren, soweit es möglich ist.

Kevelaer SV stellt die Weichen für die neue Spielzeit

Trotz der Ungewissheit wie die jetzige Saison endet, ist die Kaderplanung für die neue Spielzeit beim Kevelaerer SV weit fortgeschritten. Nach ausgiebigen und guten Gesprächen mit der Fußballabteilung und dem künftigen Trainer, kann sich der Kevelaerer SV auf die Dienste von Stephan Gorthmanns als CO-Trainer freuen.

Der zukünftige Co-Trainer kommt vom Bezirksligisten TSV Weeze und hat vorher über Jahre beim SV Walbeck erfolgreich in der Bezirksliga gespielt.

Stephan Gorthmanns: „Das Konzept des Vereins, das zukünftig von der starken Jugendarbeit profitieren soll, sagte mir auf Anhieb zu“, „Nachdem ich beim SV Walbeck vor Jahren bereits die A-Jugend trainiert habe, hatte ich immer im Hinterkopf, nach meiner aktiven Zeit das Trainergeschäft weiter zu verfolgen und freue mich auf die neue Aufgabe und die Zusammenarbeit mit Stefan Ettwig und Sandro Scuderi“.

Auch Stefan Ettwig ist von der Entscheidung sehr angetan: „Mit Stephan Gorthmanns wird mir ein guter Fußballer mit jeder Menge Erfahrung zur Seite stehen. Sportlich verbinde ich mit ihm die gemeinsame Zeit beim SV Walbeck und TSV Weeze. Auch neben dem Platz kennen wir uns schon lange und verstehen uns gut“.

Weiter kann der KSV vermelden, dass Andre Heckens als Torwarttrainer und Physiotherapeut das Trainerteam komplettieren wird.

A-Jugend rückt nach

Aus der A-Jugend des Kevelaerer SV werden nachfolgende Spieler den Kader der ersten Mannschaft verstärken: Sebastian Akay, Cedric Hacks, Julian Schick, Noah Tellemanns, Nicolai Bühner, Mathis Lenzen, Tom Schax, Ivan Pejic, Gian-Luca Vins und Max Wohlfahrt. Zudem werden aus der Reserve Alexander Jung und Maximilian Angenlahr zur Mannschaft stoßen. Hier profitiert der Verein von der hervorragenden Arbeit des Trainergespanns um Tobias Häntsch und der Jugend Gerd Baumanns.

„Hinsichtlich der finalen Kaderplanung stehen noch letzte Gespräche und Entscheidungen aus. Jedoch sind wir im Vorstand, trotz der derzeitigen Lage, optimistisch, dass wir für die kommende Saison gut aufgestellt sind“, berichtet Sandro Scuderi.

Mit neuem Team in die Zukunft

Die Viktoria aus Winnekendonk stellt frühzeitig die Weichen für die kommende Saison. Nachdem die langjährigen Vorstandsmitglieder Udo Verheyen (Sportliche Leitung Fußball) und Martin Drißen (Seniorenobmann) sowie Michael Nöldner (Jugendobmann) und Matthias Kohler (Jugendgeschäftsführer) bereits vor einigen Monaten mitgeteilt haben, ihre Arbeit aus persönlichen Gründen nicht fortzusetzen, ist die Suche nach geeigneten Nachfolgern nun beendet.

Das Trio aus Nils Dahlmann, Jonas Niersmann und Felix van Huet wird ab sofort die Sportliche Leitung der Fußball-Senioren übernehmen. Boris Mischke wird als neuer Jugendobmann gemeinsam mit Lukas Tissen, Jürgen Leisten und Klaus van Lipzig die Jugendarbeit der Viktoria fortsetzen. Außerdem konnten Christiane Böhm und Benedikt Weyers als Interessenvertreter des Damenfußballs für die Mitarbeit im Vorstand gewonnen werden.

Die Fortsetzung der Saison ist nicht gesichert

Der bis zum Ende der laufenden Saison gültige Vertrag mit dem Trainer der 1. Herrenmannschaft, Sebastian Steinhauer, wird nicht verlängert. Vereinsvorsitzender Peter Schlossarek: „Sebastian hat bisher ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ihm ist es nicht nur gelungen, vereinseigene junge Spieler in die Mannschaft zu integrieren, sondern auch den häufig wechselnd zusammengesetzten Kader immer wieder aufs Neue zielgerichtet einzustellen und zu motivieren. Insofern halten wir es als derzeitiger Tabellendritter noch für durchaus möglich, einen Aufstiegsplatz zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass Trainer und Mannschaft dafür bis zum letzten Spieltag alles geben werden.“ Gleichzeitig schränkt er aber auch ein: „Völlig offen ist dabei natürlich, ob und wenn ja, in welcher Form die Saison überhaupt fortgesetzt wird.“

Ab der Saison 2020/2021 wird Lars Allofs neuer Cheftrainer der 1. Herrenmannschaft. Allofs war von 2012 bis 2017 als Trainer beim TSV Nieukerk tätig. Aktuell betreut er die 1. Herrenmannschaft des SC Auwel-Holt in der Kreisliga A. Nils Dahlmann, neuer Sportlicher Leiter: „Wir sind glücklich, mit Lars einen sehr gefragten Trainer für die Viktoria gewonnen zu haben. Gemeinsam mit ihm und der gesamten Mannschaft wollen wir daran arbeiten, künftig wieder in der Kreisliga A zu spielen.“

SV Viktoria Winnekendonk und Union Wetten stellen Trainingsbetrieb ein

Nach der Entscheidung des FVN, den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung bis zum 19. April 2020 einzustellen, haben sich der SV Viktoria Winnekendonk und die Union Wetten dazu entschlossen, auch den Trainingsbetrieb für alle Abteilungen ab sofort auszusetzen.

“Der Sportpark an der Sonsbecker Straße, die Anlage an der Kevelaerer Straße, das Soccerfeld und die Turnhalle bleiben ab sofort bis auf Weiteres gesperrt. Außerdem wird die für kommenden Freitag, 20. März 2020, geplante Jahreshauptversammlung und der Vereinsjugendtag NICHT stattfinden. Ein Ersatztermin wird zeitnah bekannt gegeben”, teilte der Vorstand des SV Viktoria Winnekendonk außerdem mit.

Test

Ein großes Talent mit guter Perspektive

Blitzschnell hebt Julius Paris vom Boden ab, die Augen ganz und gar fixiert auf den Ball und greift sich noch im Flug die Kugel, die links in den Kasten einzuschlagen droht. Für einen Torwart verfügt der erst 18-Jährige, sehr ausgeglichen wirkende Abiturient über ideale Maße: 1,90 Meter misst der schlanke Hüne, der seine 85 Kilo im Strafraum gut gegen die gegnerischen Stürmer zur Geltung bringen kann, um sich durchzusetzen. „Ich denke, ich habe eine sehr gute Präsenz und Ausstrahlung und verfüge über eine gute Strafraumbeherrschung“, zeigt sich der junge Mann selbstbewusst, obwohl kein Zug von Hochmut oder Arroganz zu bemerken ist. „Bei den koordinativen Sachen wie Balance oder der Schnelligkeit beim Herauslaufen gibt es noch Defizite.“


Schon als ganz kleiner Junge hat Paris mit dem Kicken begonnen. „Mit drei Jahren bin ich als einer der Bambinis zur Viktoria gekommen“, erinnert sich Julius. Von Torwart war da aber im Verein zunächst noch nichts zu sehen. „Da war ich noch Feldspieler, war aber da schon immer letzter Mann. Ich hab lieber Tore verhindert als geschossen“, erzählt er. Abseits des Vereinstrainings, wenn er mit Freunden kickte, war das schon anders: „Da waren wir auf‘m Soccer-Platz, auch viel mit meinem Cousin. Da bin ich immer ins Tor gegangen.“

Im Spielbetrieb landete er im Tor erstmals, als er neun Jahre alt war. Damals spielte er in der E-Jugend, als der Torwart ausfiel. „Das war gegen Wachtendonk, das Spiel endete 4:4“, kann er sich noch erinnern. Danach ging er unter Trainer Gerd Schax aber wieder als Feldspieler zurück auf den Platz. Diese Zeit komme ihm heute als mitspielender Torwart zugute. „Ich bin nicht ganz so wie Manuel Neuer, aber es geht nicht mehr anders. Und da helfen einem die fußballerischen Fähigkeiten.“

Ab der D-Jugend im Tor

Ab der D-Jugend ging es für ihn dann unter Frank Schellenberg und Georg Blenkers  endgültig ins Tor, bis er nach einem halben Jahr C-Jugend nach Straelen wechselte. „Die spielten damals Nieder­rheinliga und haben mir ein Angebot gemacht“, sagt Paris. Zweieinhalb Jahre lang hütete er dort das Tor, lernte insbesondere von Rolf Ring sehr viel über die grundlegenden Dinge als Torwart, arbeitete an seinen Schwächen. „In dem Sommer wurde ich 17 Jahre alt, als ich dann zum KFC Uerdingen kam.“

Coach der A-Jugend dort war damals der Xantener Daniel Beine, der sich den Nachwuchstorwart mehrmals anschaute und dann beschloss, ihn zum KFC zu lotsen. „Er hat mich angesprochen, ob ich wechseln würde. Das war ein authentischer und guter Typ, und ich habe die Perspektive KFC gesehen“, sagt Paris. Daraufhin erfolgte der Wechsel. „Es ist schön, für so einen großen Verein zu spielen“, sieht er natürlich die große Tradition des Pokalsiegers von 1985 und im Vollbringer des „Dresden-Wunders“ im Europapokal.

Mittlerweile habe er für die A-Jugend-Mannschaft mit den Pokalspielen so an die 50 Spiele in den vergangenen eineinhalb Jahre gemacht. Klar merke man die Unterschiede zwischen denjenigen, die vom Land kommen, und den Stadtkickern. „Aber ich bin da nicht der Einzige, der vom Land kommt. Und am Ende sind wir alle gleich.“

Das Maximale herausholen

Dass er in dem Verein als Profi unterkommen sollte, bahnte sich bereits im Dezember vergangenen Jahres an. Anfang Januar wurde der Vertrag mit dem 18-Jährigen perfekt gemacht. „Der Verein hat mir ein Angebot gemacht, das ich aus sportlicher Sicht nicht ablehnen konnte.“ Dass er eine solche Chance überhaupt bekommen habe, dafür sei er „mega-dankbar.“ „Das hätte ich vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt Paris. Er sei froh, diesen Schritt zu machen und wolle „das Maximale herausholen.“

Schon jetzt trainiert er mit der ersten Mannschaft und Spielern wie dem früheren Kölner Bundesligaprofi Adam Matuschyk oder Weltmeister Kevin Großkreutz. „Die Hilfe ist überragend. Man ist selbst erstmal vorsichtig. Die haben mich aber super aufgenommen.“ Wenn er das Abitur am Kardinal-von-Galen-Gymnasium geschafft haben sollte, wird er ab Juni bei jedem Training dabei sein. „Das alles ist sehr zeitaufwendig momentan.“ Ob er im Profigeschäft bleiben werde, würde die Zeit ergeben. „Dass man Bodenhaftung behält, ist sowieso klar“, sagt der 18-Jährige. „Man ist ja nix Besseres, wenn man Fußballer ist.“

Seine Familie mit dem Vater und den zwei Geschwistern und auch die Freunde sorgen für die nötige Unterstützung. „Es sind ja viele Mitschüler da, die ich von der A-Jugend und der ersten Mannschaft von Winnekendonk her kenne.“ Das wolle er sich erhalten. „Ich geh nicht mit dem Druck rein, auch wenn ich für mich einen gewissen Anspruch habe“, sagt Paris. Und sollte der KFC nochmal einen Lauf bekommen,- wer weiß, ob Paris dann nicht vielleicht sogar ab August in Liga zwei spielt.

Viel mit der Abwehr sprechen

„Zu Julius Stärken zählen neben seiner physischen Präsenz vor allen Dingen, dass er sehr, sehr viel mit der Abwehr spricht“, findet der Trainer des KFC Uerdingen, Jasmin Muhovic, nur lobende Worte für den Nachwuchskeeper. „Er sortiert sich sehr viel die Leute, legt sie sich zurecht.“ Außerdem, so Muhovic, „kann er das Spiel sehr gut lesen, ist auf der Linie richtig stark und hat durch seine Körperlänge einen Vorteil bei den Bällen, wenn er rauskommt.“

Aus seiner Sicht bringe Julius „alles mit, was ein moderner Torwart heute mitbringen muss. Deshalb traue ich ihm schon zu, dass er vielleicht nicht schon im ersten oder im zweiten Jahr eine entscheidende Rolle bei den Profis spielen wird, aber sich so entwickeln wird, dass er meiner Meinung nach definitiv die Chancen hat, wenn er dran bleibt, sich langfristig in der dritten Liga festzusetzen und auch auf seine Spielpraxis zu kommen.“   

„Er lebt den Fußball“

Beim Marketingpreis 2018 erhielt Ellen Borman, Vorsitzende des Seniorenbeirats Kevelaer, einen der Fußbälle, die Wirtschaftsförderer Hans-Josef Bruns an diesem Abend verteilte. „Was machst du jetzt damit?“, fragte sie sich, nachdem der Ball vorerst in ihrem Schlafzimmer verweilte. Eine Idee war schnell gefunden: Der Ball sollte von den Fußballspielern der Borussia Mönchengladbach unterschrieben und anschließend für einen guten Zweck versteigert werden.

Nachdem der Ball unterschrieben zu Borman zurück kam und sich im Anschluss nicht die passenden Rahmenbedingungen für eine Versteigerung finden ließen, entstand eine neue Idee. Rudi Beerden, Herausgeber des Kevelaerer Blattes, nahm nach Absprache mit Ellen Borman Kontakt zu Familie Wälbers aus Kevelaer auf – wohlwissend, dass der 31-jährige Tilman Wälbers ein leidenschaftlicher Borussia Mönchengladbach-Fan ist und mit seinem Vater Paul Wälbers beinahe kein Spiel seiner Lieblingsmannschaft verpasst.

Immer da, wo die Borussen sind

In der vergangenen Woche durfte Tilman Wälbers den Ball dann entgegennehmen. Der 31-Jährige leidet an Epilepsie, die zu spät erkannt wurde und ist meist auf seinen Rollstuhl angewiesen. Das alles hält das Vater-Sohn-Gespann jedoch keineswegs davon ab, regelmäßig die Spiele der Borussia zu verfolgen – schließlich ist Tilman schon seit 15 Jahren Mitglied im Verein und besitzt eine der begehrten Dauerkarten für einen Rollstuhl-Platz. Doch damit nicht genug: Die beiden reisen gemeinsam mit Tilmans Mutter Christa und seiner Schwester Birthe auch regelmäßig in die Trainingscamps der Mannschaft, wo sie die Spieler hautnah erleben. Das führte sie unter anderem im vergangenen Jahr nach Spanien.

„Er lebt den Fußball“, sagt Paul Wälbers über seinen Sohn. Und auch als Außenstehender ist durchaus zu erkennen, wie groß die Leidenschaft des 31-Jährigen für seinen Verein ist: Angefangen mit einem Gladbach-Trikot, das er voller Stolz trägt, ist auch der Speichenschutz seines Rollstuhls mit dem Emblem seines Vereins versehen und mit Unterschriften der Spieler verziert. Das Nackenkissen für den Fernsehsessel ist selbstverständlich vom geliebten Verein und auch auf seinen Schuhen findet man das Vereinslogo wieder. Als Tilman Wälbers den signierten Fußball entgegennehmen durfte, strahlte er über das ganze Gesicht. „Und so entsteht manchmal aus einer – vielleicht verrückten – Idee etwas Gutes“, freut sich Ellen Borman über den Verlauf der Aktion.