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Eine leidenschaftliche Leserin

Wenn Maria Pichler anfängt, über ihr Hobby zu erzählen, dann macht sie das mit Begeisterung und strahlenden Augen. „Es kommt schon mal vor, dass ich ein Buch an einem Tag lese“, gesteht die Elfjährige und deutet mit Daumen und Zeigefinger die ungefähre Dicke des Buches an, „aber das kommt eher in den Ferien oder mal am Wochenende vor“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

Maria Pichler liest gerne und viel – und zudem auch noch schnell. Und dieses Lesen brachte ihr den ersten Platz beim Vorlesewettbewerb ein. Damit ist sie die beste Vorleserin im Landkreis Kleve-Süd und darf deshalb am 22. April zum Bezirksentscheid nach Mönchengladbach reisen. Darauf freut sich die Schülerin des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums total.

Starke Konkurrenz

Daran geglaubt, dass sie mal so weit kommen würde, hat sie allerdings nicht. Schon beim Kreisentscheid hatte sie es mit einer starken Konkurrenz zu tun. „Und die, die beim Bezirksentscheid antreten, können bestimmt alle sehr gut lesen“, vermutet Maria Pichler. Dass sie aber auch dazu gehört, bedeutet dem sympathischen Mädchen sehr viel.

Ihre Lesebegeisterung wird Maria wohl schon in die Wiege gelegt. Hört sie vorerst den Vorlesegeschichten ihrer Eltern zu, setzt sie bereits im Alter von vier Jahren die ersten Buchstaben selbst zusammen. Es macht ihr einfach Spaß, die Wörter aneinanderzureihen, die dann letztendlich eine Geschichte ergeben. Ihre Vorstellungskraft und was in den Geschichten passiert, faszinieren Maria, lassen sie zu immer mehr Büchern greifen. Die gibt es im Hause Pichler reichlich und wenn mal nichts Passendes dabei ist, gibt es ja noch die Städtische Bücherei im Petrus-Canisius-Haus.

Lesen wird für Maria neben Schwimmen, Judo, Gardetanz, Gitarre und Querflöte sowie Singen im Mädchen- und Familienchor zur Leidenschaft. „Sie macht das alles freiwillig“, versichert Papa Dominik Pichler, der nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn seine Tochter ein Hobby weniger betreiben würde.

Maria lacht seine Bedenken weg, berichtet lieber darüber, mit welchem Buch sie zum Vorlesewettbewerb gelangt. „In der Schule habe ich aus „Madita“ von Astrid Lindgren gelesen“, erklärt die Messdienerin in St. Marien. Damit überzeugt sie die Schuljury, die sie daraufhin zum Wettbewerb auf Kreisebene anmeldet. Hier stellen sich sieben Mädchen und zwei Jungen dem Vorlesewettbewerb. „Und die waren alle gut“, betont die Gymnasiastin.

Die Vorgaben für den Wettbewerb sind klar definiert: Jeder Teilnehmer darf drei Minuten aus einem Buch seiner Wahl und später aus einem vorgegebenen Text, (einen Ausschnitt aus „Weltenspringer“ von James Riley), vorlesen. Maria, besser gesagt ihr Papa, der seine Tochter auch zum Wettbewerb begleitet, entscheidet sich für eine Passage aus „Die Vorstadtkrokodile“, von Max von der Grün. „Das Buch ist einfach cool und unsere Tochter kennt es in- und auswendig“, erklärt Pichler die Entscheidung. Zwar ist Maria, die mit vier Brüdern aufwächst, etwas nervös, weiß sich aber zu helfen: „Ich habe dann aber mal tief durchgeatmet – und wenn man einmal da sitzt und anfängt zu lesen, dann ist alles gut“, versichert die Leserin ganz unbefangen.

„Das Kartengeheimnis“

Mit ihrem Lesestil überzeugt sie eine vierköpfige Jury. Sie küren Maria Pichler aus Kevelaer zur Siegerin. Zuerst traut die Erstplatzierte ihren Ohren nicht, dann aber überwiegt die Freude. Und das im ganzen Haus der Familie Pichler. Jetzt bereitet sie sich für den nächsten Wettbewerb vor. Dafür hat sie sich „Das Kartengeheimnis“ von Jostein Gaarder, ausgesucht. „Das wird bestimmt ein bisschen schwerer“, glaubt Maria Pichler, „denn dort treten die wirklich guten Leser an“, fügt sie nachdenklich hinzu, packt ihre Bücher in eine Tasche und lächelt: „Aber ich freue mich darauf.“