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Kein Grund zur Sorge bei den Kevelaerer Finanzen

Schon während der Gratulation mit einem kleinen Tröpfchen in der Hand und Handschlag machte Bürgermeister Dr. Dominik Pichler klar, was die beiden „Neuen“ im Amt des stellvertretenden Bürgermeisters so zu erwarten haben.

„Herr von Ballegooy und ich haben einen arbeitsreichen Plan ausgearbeitet“, scherzte der erste Mann der Stadt, nachdem die Wahl erfolgt war. Zuvor war die bisherige Amtsinhaberin Brigitte Middeldorf mit einem Blumenstrauß und dem herzlichen Dank von Pichler aus ihrem Amt verabschiedet worden. „Ich habe das gerne gemacht“, machte die Politikerin deutlich.

Middeldorf war aus der SPD-Fraktion ausgetreten und saß bereits in den Reihen der Grünen-Fraktion, der sie in Zukunft als Mitglied angehören wird. Da sie aber den Posten als Mitglied der SPD-Fraktion, die das Zugriffsrecht darauf hat, erhalten hatte, verzichtete sie auf die weitere Ausübung des Amtes. Auch Johann-Peter van Ballegooy erhielt ein Dankeschön dafür, wie er in den letzten Wochen sein Amt wahrgenommen hat. Er wird bis zur Kommunalwahl 2020 weiter als Stellvertreter fungieren.

Mit 34 ‚Ja-Stimmen und mit 31 Ja-Stimmen gewählt

Im Anschluss daran erfolgte die geheime Abstimmung über die beiden vakanten Stellvertreterposten. Bei der ersten Wahl entfielen 34 Ja-Stimmen und eine Nein-Stimme auf den CDU-Politiker Mario Maaßen, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Die SPD hatte ihr langjähriges Ratsmitglied Norbert Baumann nominiert. Am Ende erhielt der stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses 31 Ja-Stimmen und drei Nein-Stimmen.

Nach der Gratulation für beide Kandidaten äußerte Dominik Pichler sein Bedauern über das Stimmverhalten. „Da ist scheinbar was kaputtgegangen“, äußerte er sich an der Stelle diplomatisch und bezog sich auf die Ereignisse von 2017, als es um die Frage des Stellvertreterpostens für den CDU-Politiker Michael Kamps ging.

Kämmerer Ralf Püplichuisen stellte anschließend die Eckdaten des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2020 als einen Ein-Jahres-Haushalt vor. „Nicht etwa, weil der Doppelhaushalt sich nicht bewährt hätte, sondern weil sich die Fraktionen in Anbetracht der Kommunalwahl im kommenden Jahr hierfür ausgesprochen hahen.“ Und es könne vielleicht sogar von Nutzen sein, weil es „schwer abzuschätzen“ sei, wie sich denn die Jahre 2020 und 2021 weiter entwickeln werden. „Die Prognosen schwanken zwischen tiefer Rezession über Stagnation hin bis zu zumindestens moderat weiter boomender Wirtschaft.“ Das Jahr 2018 sei „ein gutes Jahr“ gewesen, machte er später bei der Einbringung des Jahresabschlusses deutlich. Für 2019 deute sich allerdings eine „leichte Kehrtwende“ an.

Zwar sprudelten die Steuereinnahmen noch fast so gut wie 2018, aber die Anzeichen deuteten darauf hin, dass der „Peak“ erreicht sei und eine Wende bevorstehe. Der Haushalt 2019 werde voraussichtlich mit einer „schwarzen Null“ abschließen. Es werde sich aber zeigen, ob diese Einschätzung zum Jahresende hin Bestand hat.

Kein positiver Trend im Jahr 2020

2020 werde sich der positive Trend der vergangenen Jahre nicht fortsetzen – obwohl die Berechnungen zu den Schlüsselzuweisungen für 2020 ein Plus von 1,7 Millionen Euro ausweisen, die Finanzierung am Fonds Deutsche Einheit mit 1,26 Millionen Euro entfällt und bei der Einkommenssteuer 400.000 Euro dazukommen. Das sind insgesamt plus drei Millionen Euro.

Diese Summe werde aber mehr als aufgezehrt – so zum Beispiel durch ein Minus von 1,4 Millionen bei den Gewerbesteuereinnahmen und dem Saldo von 300.000 Euro bei den Leistungen an die freien Träger trotz der Landeszuschüsse. Außerdem fielen über 1,15 Millionen Euro mehr an Personalkosten an und 2,35 Millionen Euro an Mehraufwand für Sach- und Dienstleistungen. Das umfasst die bauliche Unterhaltung – auch im Rahmen des Programms „Gute Schule“ – und Instandhaltungsmaßnahmen.

Der Haushalt 2020 weise daher ein Defizit von rund 643.000 Euro auf. Für die Folgejahre geht der Kämmerer von einem Fehlbetrag von jährlich rund 400.000 Euro aus. „Das ist nicht schön, aber kein Grund, in Panik zu verfallen“, sagte Püplichuisen.

Denn die Ausgleichsrücklage sei mit 12,6 Millionen gut gedeckt. Der Fehlbetrag könne darüber ausgeglichen werden. „Dennoch muss ich als Kämmerer den mahnenden Finger heben. Wir geben mehr aus, als wir an Erträgen einnehmen, und zumindestens ist derzeit kein Spielraum, große Geschenke zu verteilen.“

Auch der Finanzplan für 2020 weise ein Defizit von 403.000 Euro auf. Ab 2021 würden aber wieder Überschüsse erwirtschaftet. Allerdings steige 2020 die Tilgung der Kredite um rund 200.000 Euro. „Die Liquidität der Wallfahrtsstadt Kevelaer“ sei „nach den derzeit vorliegenden Planungen jederzeit gewährleistet“, sendete der Kämmerer Signale der Beruhigung aus. Auf der anderen Seite mache die Stadt aufgrund ihrer Investitionen 2020 neue Schulden in Höhe von acht Millionen Euro. Was die Investitionen betrifft, verwies er auf den um 2,65 Millionen Euro angestiegenen Betrag für das Grundstücksmanagement, um dort „den Spielraum beim Ankauf von Potenzialflächen“ zu vergrößern.

„Eine große Einnahme ist die Sparsamkeit“

Die „sozial- und umweltgerechte“ Stadtentwicklung mit den Funktionen Wohnen, Wirtschaft, und Freizeit sei ein „strategisches Ziel der Wallfahrtsstadt Kevelaer.“ Püplichuisen mahnte die Politik, „die Wirtschaftlichkeit bei jeder Maßnahme“ in den Blick zu nehmen und schloss mit den Worten des römischen Gelehrten Cicero: „Magnum vectigal est parsimonia – Eine große Einnahme ist die Sparsamkeit.“

Die wesentlichen folgenden Punkte waren in den Gremien bereits ausführlich vorberaten worden, sodass die Beschlüsse zügig erfolgten. Die Grünen-Anträge für einen Klima-Notstand und eine Mitgliedschaft im Klima-Bündnis wurden mehrheitlich zurückgewiesen. Der Stadtbund Kevelaer erhielt einen Zuschuss, die Event-und Marketingagentur Kevelaer UG erhält 15.000 Euro für die Durchführung des Advents- und Krippenmarktes, wobei es Paul Schaffers (CDU) nochmal wichtig war, zu betonen, dass es sich da nur um einen einmaligen Zuschuss handelt. Und der Rat stimmte grundsätzlich für den Antrag auf Fördermittel zur Entwicklung eines Parcours- und Skaterparks über die LEADER-Regionen „Leistende Landschaft und „Niederrhein: Natürlich lebendig“.

Im Rahmen der Sitzung hatte sich Pichler außerdem recht deutlich zu einem Zeitungsbericht über Mobbing am Kardinal-von-Galen-Gymnasium geäußert. Da sei der Versuch gemacht worden, einen Einzelfall zu einem Skandal hochzustilisieren, verurteilte er die Darstellung. Die Ratsmitglieder quittierten seine Äußerungen mit Applaus.

„Vor Geldausgabe erst eine Nacht schlafen“

Die Welt des Geldes ist heute komplexer als jemals zuvor. Durch Kartenzahlung, Online-Käufe und durch den Abschluss von Mobilfunk- oder anderen langfristigen Verträgen ist die Kontrolle von Ausgaben zunehmend erschwert. Dies bekommen besonders auch junge Menschen zu spüren, wenn sie bei Volljährigkeit in die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung entlassen werden. Nicht nur Jugendliche, auch junge Erwachsene laufen Gefahr, Schulden anzuhäufen. Aktuell liegt der Anteil junger Menschen, die sich verschulden, bei ca. 70 %. Dem Statistischen Bundesamt zufolge belaufen sich die durchschnittlichen Schulden 20-25-Jähriger auf 7.500 Euro. Und laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatten bereits 69 % der 14- bis 24-Jährigen schon einmal Schulden.
Um diesem Trend entgegenzuwirken und Schülerinnen und Schüler fit im Umgang mit Geld zu machen, führte die Schuldnerberatung der Caritasgesellschaft Geldern-Kevelaer e.V. in Zusammenarbeit mit der Volksbank an der Niers an der Gemeinschaftshauptschule Kevelaer das Projekt „Money Check“ durch. 127 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen erhielten im Rahmen einer kleinen Feierstunde ihre Abschlusszertifikate im Beisein der Schirmherrin des Projektes, der Landtagsabgeordneten Margret Voßeler. Sie sprach sich in einem Grußwort dafür aus, die wirtschaftliche Kompetenz von jungen Menschen zu fördern: „Wirtschaft ist wichtiger Bestandteil des Lebens und auf diese Herausforderungen des Lebens müssen wir die Schüler stärker vorbereiten. Es muss nicht immer der Vertrag im Fitness-Studio sein, es macht auch viel Spaß, mit Freunden in der freien Natur zu laufen.“
Johannes Janhsen, Vorstandsvorsitzender der Volksbank an der Niers, ermutigte: „Jeder sollte wissen, wie er verantwortungsvoll mit seinem Geld umgeht. Denn das ist eine Grundvoraussetzung dafür, bequem durch das Leben zu kommen. Im Projekt `Money Check´ habt Ihr das nötige Rüstzeug erhalten.“
Andreas Becker, Vorstand des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer e.V., griff in seinem Grußwort auf, was die Verschuldung von Menschen heute erleichtert: „Früher reichte ein Blick ins Portemonnaie um zu sehen, wie viel Geld man ausgeben kann. In Zeiten von Onlinebanking und Amazon ist es nicht mehr so leicht, noch den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten. In dieser Situation lassen wir die Schüler nicht allein und haben deshalb dieses Projekt initiiert.“ Becker gab auch noch einen Tipp: „Bevor Sie den Button drücken, mit dem Sie etwas kaufen und bezahlen wollen, schlafen Sie noch einmal eine Nacht darüber (das sollten Sie auch bei anderen Entscheidungen machen, ich bin damit immer gut gefahren).“ Außerdem lud er die Anwesenden ein, sich beim Caritasverband auf eine der fast 100 Lehrstellen zu bewerben und dort eine Ausbildung zu machen.
Vier Tage lang waren Mitarbeiter der Caritas und der Volksbank in den Klassen gewesen. Dabei ging es beispielsweise um Haushalts- und Budgetplanung, um Verträge, insbesondere um Kreditverträge und um Onlinebanking. Andrea Verhoeven beschrieb in einem Gespräch, wie sehr die Schüler bei Fallstudien beeindruckt waren. „Dass eine nicht bezahlte Handy-Rechnung zu Mahnungen, Zahlungsbefehlen, Gehaltspfändungen, Arbeitsplatz-Verlust, Trennung vom Partner, Wohnungs-Verlust und Obdachlosigkeit in nur einem Jahr führen kann, fanden viele schon sehr erschreckend.“ Sie wies darauf hin, dass es wichtig ist, bei Zahlungsproblemen sofort zu reagieren und ein Gespräch mit dem Gläubiger zu suchen. „Viele öffnen erst gar keine Briefe und meinen, dann sei das Problem vom Tisch, aber dann fangen die Probleme erst richtig an.“ Wenn man nicht weiter weiß, sollte man sich umgehend an eine der Schuldnerberatungsstellen des Caritasverbandes in Straelen, Geldern und Kevelaer wenden.
Zum Thema Hauptschule
Zum Schluss bedankte sich Schulleiterin Renate Timmermann bei allen Beteiligten von Volksbank und Caritasverband für die wertvolle Unterstützung und den Schülerinnen und Schülern für die gute Mitarbeit und ließ Bernd Druyen das letzte Wort. Er hatte für die Schule das Projekt geplant und begleitet. Er verwies auf die erfolgreiche Durchführung des Projektes und beanstandete in Richtung Landesregierung die Abschaffung der Schulform Hauptschule, die gerade in solchen praktischen Hilfen Vorreiter sei. „Solche Projekte und solche Informationen kann man den Schülerinnen und Schülern gar nicht genug mit ins Berufs- und Erwachsenenleben geben.“
Das Projekt „Money Check“ wird in vielen Schulen in Kevelaer, Straelen und Geldern auch in Zukunft fortgeführt werden.