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Holprige Radtour durch Kevelaer

Als ich den Radübergang Richtung Michelsweg befahre kann ich auf dem Radweg, der nach links führt, bereits die beiden Mitfahrer Ferdinand Sprenger und Eckehard Lüdke sehen. „Schön, dass Sie sich des Themas annehmen“, sagt der 70-jährige Sprenger, der früher in Rheinberg wohnte, seit zehn Jahren in Kevelaer lebt und mehr als nur ein passionierter Radfahrer ist.

„Ich habe heute schon 30 Kilometer auf dem Tacho“, sagt er und macht nicht den Eindruck, als wären die nächsten Kilometer eine große Herausforderung für ihn. Und wenn man seine Facebook-Einträge liest, scheinen Tagestouren von 50 bis 70 Kilometer auch keine Seltenheit zu sein.

Bereits Anfang Juni postete er, dass im Raum Kevelaer „LKW-Ladungen von Kies“ auf Wegen abgekippt wurden, die viel von Radfahrern benutzt würden und die zum Teil auch zum Radwegenetz gehörten. „Das ist einer davon“, sagt der sportliche Pensionär mit Blick auf den Michelsweg. „Da war der Weg frisch gekiest. Das ist ein beliebter Fußgänger- und Radfahrerweg nach Kervenheim.“ Früher sei dieser Weg auch ausgeschildert gewesen. „Das Schild ist aber nicht mehr da. Durch die dicke Kiesschicht war der Weg fast unbefahrbar.

Eckehard Lüdke (l.) und Ferdinand Sprenger im Gespräch über Kiesaufschüttungen.

Mit meinen dicken Reifen ging das, aber wer dünnere Reifen hat, da war es schon problematisch“, sagt er. „Ich denke da auch an ältere Leute, die nicht mehr ganz so sicher auf dem Fahrrad sind, zumal die viel mit Pedelecs unterwegs sind. Und man muss auch an Kinder denken.“

Mittlerweile sei der Kies nicht mehr so schlimm wie vor zwei Monaten, schränkte er ein, als wir die besagte Strecke befahren. „Das ist schon ein bisschen besser“, meinte Sprenger. Die Fahrspuren seien jetzt „einigermaßen“ festgefahren, einzelne Stellen aber noch uneben. „So einen Weg kann man besser machen, als er hier angelegt ist“, wollte sich Eckehard Lüdke mit diesem Befund nicht zufrieden geben. „Der Weg ist nach Kervenheim erste Wahl – und dementsprechend sollte der bauliche Zustand auch sein.“ Gegen wassergebundene Radwege habe er nichts, im Gegenteil – die fügten sich sogar gut ins Landschafts- und Naturbild mit ein: „Hier ist es eine Frage der baulichen Qualität.“

Er hatte sich über wassergebundene Radwegoberflächen im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht und zückte ein kleines Heftchen, in dem auch ein Artikel über Gelderns neue Fräsmaschine aufgeführt war. „Sowas finde ich ganz toll, und die kippen genauso Kies auf den Weg wie wir“, sagte Sprenger. Die Überlegung könne da auch sein, „dass mehrere Kommunen selten genutzte Gerätschaften im Tausch verwenden. Diese Fräse könnte Geldern mit Kevelaer, Veert und so weiter teilen“, ergänzte Lüdke. Dann hätte man mit einem glatten Weg überhaupt keine Probleme mehr.

„Da sollte man sich Gedanken machen, ehe man da einen LKW aufkippt“, setzte sich Sprenger wieder auf sein Rad. „So macht man das eigentlich nicht – und auch nicht zu Beginn der Ferien- und Wallfahrtszeit. Das könnte man im Herbst machen und die LKW drüberfahren lassen, damit sich der Kies eindrückt.“ Und das mit dem Rollwiderstand sei auch kein unbedingtes Vergnügen.

Das sei aber nicht das einzige Beispiel, das er gefunden hat. „Von Wetten bis Schloss Haag, der Knotenpunkt 49 Richtung Knechtenweg, das ist noch schlimmer“, meinte er und zeigte auf seinem Smartphone einige Bilder.

ckehard Lüdke und Ferdinand Sprenger luden das KB zur Fahrradtour ein.

Geradeaus ging es dann die nächsten gut zwei Kiloemeter entlang des Nierswanderweges. Entlang des Wissener Weges fand sich eine sichtbar links und rechts „angefressene“ Asphaltdecke. „Hier hat man direkt die ganzen landwirtschaftlichen Maschinen vor seinem geistigen Auge“, meinte Lüdke. „Wenn die über die Bankette fahren, dann fahren die alles in Grund und Boden. Der ist sanierungsbedürftig“, meinte der ADFC-Kreisvorsitzende. Wie auf das Stichwort kam ein Trecker, der verdeutlichte, wie wenig Platz Radfahrer und Maschine auf dem schmalen Stück haben und durch das Bankette fahren. „Das Gleiche gibt es am Gerberweg oben nach Wellerlooi hoch in Twisteden.“

Das Thema “Rad” sei in Kevelaer über Jahre stiefmütterlich behandelt worden, konstatierte Lüdke, während wir zu dritt die Schravelner Straße Richtung Daelshof überquerten. Das Verkehrsportal, das letzte Woche geschlossen worden sei, habe da eine „deutliche Botschaft Richtung Verkehrs-beruhigung ausgesendet“ – auch mit den Forderungen nach Einbahnstraßen und Temporeduzierung.

Entlang des Naturradweges ging es dann weiter mit der freien Sicht auf Kevelaer und die Wind-mühlen wieder zurück, über ein abschüssiges Stück Schotter und Sand, wo auch kleine Äste lagen. „Für Kinder gar nicht zu befahren“, dachte ich bei mir, ehe es über den Kies ging. „Im Juni habe ich die Strecke vermieden“, sagte Sprenger.

Rechts ging es weiter Richtung kleine Niersbrücke. Vor uns stieg eine junge Mutter mit ihrem Kind sicherheitshalber vom Rad, um die kleine Steigung gemütlich zu bewältigen. „Der Splittweg ist ursprünglich sicher schonmal breiter gewesen“, stellte Lüdke fest. „An Wochenende ist hier richtig was los“, dachte Sprenger über die Situationen nach, in denen sich Radfahrer entgegenkommen.

Auf der Brücke philosophierten meine beiden Mitfahrer dann darüber, wie es sich so grundsätzlich mit dem Radverkehr verhält. „Mit der Freude am Radverkehr, mit der die Niederländer bauen und planen, würde man soviele Leute dazu bekommen, auf das Rad umzusteigen“, zeigte sich Lüdke fest überzeugt.