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Evangelische Kirchengemeinde feiert 500. Geburtstag

Die evangelische Kirche feiert ihren 500. Geburtstag. Grund genug, ein großes Fest mit der ganzen Gemeinde zu feiern. Die Evangelische Kirchengemeinde Kevelaer lädt deshalb für Sonntag, 2. Juli, ab 11 Uhr zu einem großen Familienfest ein. Florian Hankwitz, Pfarrer im Probedienst und der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums Pakal Janssen stellten das Programm für den Tag vor.
„Hier stehe ich und kann nicht anders“ hatte Luther vor dem Reichstag in Worms geantwortet, als er aufgefordert wurde, seine 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche zu widerrufen, die er an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hatte. Unter diesem Motto wird der Gottesdienst stehen, mit dem das Fest eröffnet werden soll. Als Erklärung, wozu diese Thesen dienen sollten, hatte Luther diese mit der Aufforderung überschrieben: „Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.“
Luther war damals 34 Jahre alt. Die Kirchengemeinde Kevelaer hat alle 34-jährigen Gemeindeglieder angeschrieben und sie gebeten, Kritik und Gedanken zur heutigen Situation in der Kirche zu äußern. Auch die Jugendlichen der Gemeinde sind aufgefordert, ihre Meinung zur Situation in der Kirche, die sich immer wieder erneuern soll, zu veröffentlichen. So wird es die Möglichkeit geben, dass sie ihre „Thesen“ an eine Türe anschlagen können.
„Ein feste Burg ist unser Gott“ oder „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ werden nur einige  der zahlreichen Luther-Lieder sein, die bei einem offenen Singen erklingen werden. Passend zum Mittelalter wird es Märchenerzählungen zur vollen Stunde für Kinder geben. Kaffee, Kuchen, Spanferkel vom Grill und mittelalterliches Bier werden für das leibliche Wohl sorgen. Sackhüpfen und Stelzenlaufen sowie andere alte Kinderspiele ergänzen das Angebot für kleine und große Leute.
Ein „Ehrengast“ hat sich für das Sommerfest auch angesagt. Ein fast lebensgroßer Martin Luther von Playmobil wird anwesend sein. Damit das Reformationsjubiläum-Familienfest auch gemeindeüberschreitende Wirkung hat, werden Wünsche an Gott und „Mutmachworte“ an die Finder bei einer Luftballon-Aktion in den Himmel geschickt.

Kinderfreizeit der Evangelischen Kirchengemeinde Kevelaer

22 Mädchen und Jungen aus Kevelaer fuhren zusammen mit sechs Betreuern unter Leitung von Cordula Gleumes und Nicole Hinssen in der Karwoche nach Greven. Auf einem Kinderbauernhof wurde gespielt, getobt und auf Ponys geritten. Zusammen mit Pfarrer Florian Hankwitz wurde an einem Tag die Emmausgeschichte erarbeitet.
Die Besucher des Familiengottesdienstes am Ostersonntag freuten sich über die Arbeiten der Kinder, die dort vorgestellt wurden. Alle Kinder und Betreuer freuen sich auf die nächste Freizeit, die schon geplant wird.

Vormachen statt theoretischer Prüfung

Bei dem Vorstellungsgottesdienst der 18 Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde Kevelaer erlebte die Gemeinde das, was in einigen Jahren in vielen evangelischen Kirchen Normalität sein dürfte. Nicht Pfarrerin Dembek oder Pfarrer Hankwitz gestalteten den Gottesdienst. Sie überließen dies zu größten Teilen den zukünftig Mitverantwortlichen und die Gemeinde tragenden Mitgliedern.
Die jungen Leute hatten sich an einem Wochenende zusammen mit Pfarrerin Dembek, Pfarrer Hankwitz und den Teambegleitungen auf den Gottesdienst vorbereitet, hatten Lieder ausgesucht, Gebete formuliert und Anspiele zum Thema ausgedacht und eingeübt. Sie zeigten mit ihrem Einsatz im Gottesdienst, dass sie zukünftig in der Lage sind, Glaubensinhalte weiterzugeben und als mündige Gemeindemitglieder einen Anteil am Gemeindeaufbau und Glaubensverkündigung mitzutragen.
Was unter anderem mit dem Begriff „Priestertum aller Gläubigen“ (2. Mose 19,6; 1. Petrus 2,9) oder korrekter mit „Priestertum aller Getauften“ gemeint ist, wird hier deutlich.
In der evangelischen Kirche ist deshalb keine Weihe der Pfarrerinnen und Pfarrer vorgesehen. Jedes Gemeindeglied (Presbyter, Älteste) kann alle Aufgaben selbst übernehmen. Während dies in der Evangelischen Kirche momentan nur eingeschränkt gelebt wird (Sakramentverwaltung und Amtshandlungen werden nur vom Theologen durchgeführt), ist dies in vielen freikirchlichen Gemeinden mit evangelischer Tradition schon gängige Praxis.
Der Vorstellungsgottesdienst ersetzt die früher übliche Prüfung, in der Glaubensbekenntnis, die zehn Gebote oder Inhalte aus dem Heidelberger Katechismus oder dem kleinen Katechismus von Luther abgefragt wurden. Danach entschied das Presbyterium der Gemeinde, ob die Jugendlichen im Alter von etwa 14 Jahren, genügend Kenntnisse über Glaubensinhalte hatten, um mit ihrem eigenen „Ja“ (vollwerti ges) Gemeindeglied zu werden. In der evangelischen Kirche ist dies mit der Erstkommunion, zusammen mit der Firmung vergleichbar, ist jedoch kein Sakrament. Nach der Konfirmation sind sie offiziell zum Abendmahl (Kommunion) zugelassen und sind berechtigt das Presbyterium zu wählen oder sich wählen zu lassen.
Wenn auch in manchen Passagen des Gottesdienstes das Lampenfieber der jungen Leute zu spüren war, so konnte man doch sehen, dass sie sich mit dem vorgegebenen Thema „Jesus schenkt uns im Abendmahl Gemeinschaft, die uns trägt“ auseinandergesetzt hatten und in den heutigen Zusammenhang setzen konnten.
Pfarrerin Karin Dembek konnte am Ende des Gottesdienstes, auch im Namen des Presbyteriums feststellen, dass einer gemeinsamen Konfirmation aller beteiligten Jugendlichen am 14. oder 21. Mai nichts mehr im Wege steht.
Zukünftige Konfirmanden
Luca Brauer, Jamie Brons, Aike Dietz, Johanne Ecke, Franka Geßwein, Lilli Gottschalk, Jennifer Haase, Jan Hein, Taisha Heinemann, Malte Iland, Lina Kühnen, Timo Ophey, Jean-Pierre Schiller, Linus Spolders, Luca Teßmann, Johanna Veegers, Leonie Witschurke, Luca Wuttke
Teambegleitungen
Alyssa Janßen, Athena Riegel, Silke Hagmans,
Fabian Janssen, Malte Ostermann, Madelaine Kraft, Marcel Rohde, Ronja Schmoranza, Luca Jansen, Claudia Goldkuhle, Tristan Hartmann

Es muss mehr Gemeindearbeit geleistet werden

Im Anschluss an den Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden fand die Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Kevelaer statt. Im Gemeindesaal des Generationenhauses hatten sich 25 Mitglieder eingefunden, darunter das Presbyterium. In dieses Leitungsgremium der Gemeinde war zuvor Tristan Hartmann (18 Jahre) als „Nachrücker“ für die ausgeschiedene Marion Kohlhoff aufgenommen worden.
Pfarrerin Karin Dembek berichtete von einer Tagung des Presbyteriums, auf der über Änderungen in der Liturgie nachgedacht wurde. So wird der Pfarrer in Zukunft hinter dem Tisch stehen und nur die Fürbitten und den Segen vor dem Tisch sprechen. Der Einzug des Presbyteriums zusammen mit Pfarrerin oder Pfarrer soll die gemeinsame Verantwortung für den Gottesdienst verdeutlichen.
Birgit Ginter, freigestellte Leiterin des Jona-Kindergartens, berichtete über die vielen baulichen Veränderungen und die zahlreichen Neuanschaffungen für die momentan 59 Kinder in drei Gruppen. Die „News aus dem Walfischbauch“ beschrieben unter anderem die stark gestiegene Verwaltungsarbeit durch immer neu angeforderte Statistiken. Aber auch die neue Bobycar-Bahn und den, durch den Förderverein angeschafften großen Bobycar-Fuhrpark sowie das neue Gerätehaus, die fertiggestellte Seilbahn (hier gab es hohe Auflagen für den Betrieb) und der neuen Personalraum kamen zur Sprache. Das Jubiläum 500 Jahre Reformation wurde angesprochen und noch einmal hervorragende Veranstaltungen benannt, die auf der Homepage der Gemeinde zu ersehen sind. Dr. Andreas Lassmann, berichtete als 1. Vorsitzender über den „Förderverein Generationenhaus e.V.“ der Evangelische Kirchengemeinde Kevelaer. Dieser fördert die Begegnung von Kindern, Jugendlichen und Senioren sowie generationsübergreifende Aktionen.

Tristan Hartmann.


Schwerpunkt der Gemeindeversammlung war aber die „Pfarrstellenrahmenkonzeption“ des Kirchenkreises Kleve. Sie orientiert sich an den Gemeindegliederzahlen aber auch an den zukünftig vorhandenen Theologen. Bis zum Jahre 2030 werden die Pfarrstellen von jetzt 2.000 in der Rheinischen Landeskirche wegen fehlender Stelleninhaber, sinkender Gemeindezahlen und nicht zuletzt sinkender Kirchensteuereinnahmen auf 1.000 sinken.
Im Kirchenkreis Kleve ist zurzeit angedacht, den Kirchenkreis in vier Regionen aufzuteilen und entsprechende Pfarrstellen einzurichten. Für Kevelaer würde dies heißen, dass die Gemeinde zusammen mit Geldern, Issum und Kerken 3,41 Pfarrstellen zur Verfügung hat und somit im Vergleich zu den anderen Regionen am stärksten besetzt gilt. Die Pfarrerinnen und Pfarrer werden sich dann zunehmend auf ihre Kernaufgaben „Verkündigung, Seelsorge und (zusammen mit dem Presbyterium) Gemeindeleitung“ konzentrieren müssen. Hierdurch kommt der ganzen Gemeinde und somit jedem einzelnen Gemeindeglied eine größere Verantwortung zu.
Wie im Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden wird es notwendig sein, dass Aufgaben ehrenamtlich, von engagierten Gemeindeangehörigen übernommen werden müssen, um die Aufgaben und Inhalte der christlichen Gemeinschaft aufrechterhalten zu können. Auch Verkündigung, Gemeindeaufbau und Verwaltungsaufgaben sind davon nicht ausgenommen. „Dies bedeutet, dass mehr Gemeindearbeit geleistet werden muss“, so Pfarrerin Dembek.

Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden

Unter großer Beteiligung der Gemeinde und von Kolleginnen und Kollegen aus dem Kirchenkreis begleitet, wurde Pfarrer Florian Hankwitz am Sonntag in der Jesus-Christus-Kirche in Kevelaer ordiniert. Die Ordination erfolgte durch Superintendent Pfarrer Hans-Joachim Wefers, der mit “bischöflichen Funktionen” den evangelischen Kirchenkreis Kleve leitet und Pfarrer in Xanten ist.
In der evangelischen Kirche bedeutet Ordination die Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Seelsorge und Sakramentsverwaltung. Sie erfolgt nach dem zweiten theologischem Examen, vor dem ein zweijähriges Vikariat abgelegt werden muss. Dabei erfolgt die Verpflichtung auf die Bibel und die jeweils geltenden Bekenntnisschriften. Der Ordination geht ein Gespräch mit der ordinierenden Superintendentin oder dem Superintendenten sowie die Teilnahme an einer Ordinationstagung mit dem Präses (Vorsitzender der Landeskirche) voran.
Nach der Barmer theologischen Erklärung „ist der Dienst der öffentlichen Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und Seelsorge gegründet in dem einen Dienst der ganzen Gemeinde, die Botschaft der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Das aus der Ordination gegründete Rechte und die Pflichten gehen bei Austritt aus der evangelischen Kirche oder aufgrund einer Entscheidung der Kirchenleitung über die Beanstandung der Lehre einer oder eines Ordinierten verloren, die Ordinationsurkunde muss zurückgegeben werden (hier ist der Unterschied zur Priesterweihe – als Sakrament – deutlich).
In der Ordinationsansprache hob Superintendent Wefers hervor, dass für Hankwitz mit der Ordination ein Herzenswunsch in Erfüllung gehen würde. „Ein langer Ausbildungsweg mit inneren Selbstprüfungen, ob das Amt eines Pfarrers die richtige Aufgabe ist, mit einer langen und schweren Krankheit, die fast das Leben gekostet hätte und nach zwei anspruchsvollen theologischen Prüfungen und strengen Auswahlverfahren bei der Rheinischen Landeskirche haben Sie zu diesem Amt ja gesagt. Sie sind nun berufen, der Gemeinde aber auch der Gesellschaft, manchmal auch mit deutlicherem Nachdruck christliche Glaubensinhalte nahe zu bringen.“

Wefers machte Hankwitz Mut. „Gott gibt dazu seinen Segen und seine Kraft und wenn einem Menschen durch Ihren Dienst geholfen wird, dann ist das nicht einer Genialität des Herrn Hankwitz zu verdanken, der perfekt und fehlerlos sein muss, sondern der Kraft Gottes. Deshalb können wir in unserer Arbeit unverzagt sein, denn Gott spricht aus unserem Handeln. Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Worte, ihre Seelsorge und ihre Arbeit wie der Regen auf fruchtbaren Boden fallen und den christlichen Glauben zum Wachsen bringt.“

Bei der Ordination wurden Pfarrer Hankwitz von zahlreichen seiner Kollegen, von Presbytern und von seinem Vater Segensworte mit auf den Weg gegeben (u.a.: „Gottes Bund mit Dir wird niemals wanken“ oder „Mit Gott kannst Du über Mauern springen.“). Zuvor hatte er sich auf den Inhalt der Bibel und die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche verpflichten lassen. Auf die Frage von Superintendent Wefers, ob er seinen Dienst in diesem Sinne verrichten wolle antwortete Hankwitz vor der Gemeinde laut: „Ja, sowahr mir Gott helfe.“

Sprachlos und den Tränen nahe

Dann ging Hankwitz zur Kanzel und es kam ein Moment im Gottesdienst, den alle Anwesenden tief rührte. Nach einem kurzen stillen Gebet wollte er mit der Predigt beginnen. Das Erleben seiner Ordination und die Worte Gottes, die ihm zugesprochen worden waren ergriffen ihn so stark, dass er einige Minuten kein Wort herausbekam und sichtlich mit sich und seinen Tränen rang. Alle erlebten: „Wen Gottes Wort berührt, der kann sprachlos werden.“ „Ein Mensch, der bereit ist die große Aufgabe des Pfarrers zu übernehmen, zwar hinter den Talar zurücktritt und das Amt in den Vordergrund stellt, aber trotzdem eben nur ein Mensch bleibt.“, „Ein Mensch, versieht nicht nur durch die Kraft Gottes seinen Dienst, sondern bedarf auch des Beistandes seiner Schwestern, Brüder und der Gemeinde.“, so der Tenor nach dem Gottesdienst.

Nach der Predigt, die unter anderem von der Liebe Gottes zu den Menschen, Gottes Nähe durch Christus zu den Menschen und Gottes Verheißung dass er uns trägt handelte, war ein lautes vernehmbares und zustimmendes „Amen“ („so ist es“) vieler Gottesdienstbesucher zu hören.

Pfarrerin Karin Dembeck begrüßte im Namen des Presbyteriums der Kirchengemeinde Kevelaer nach dem Gottesdienst noch viele Gäste bei einem Empfang. Nicht nur eine große Abordnung aus Leverkusen, wo Hankwitz sein Vikariat (2 Jahre, eine Art Anerkennungsjahr) durchgeführt hatte, sondern auch viele Kollegen aus dem Kirchenkreis Kleve und den benachbarten katholischen Pfarreien, Gemeindegruppen und ehemalige Studienkollegen aus Wuppertal  sprachen Grußworte und übergaben kleine Präsente. Ebenso war Marc Buchholz als Vertreter der Stadt Kevelaer anwesend.
Viele wünschten sich, dass das Pfarreramt Florian Hankwitz nicht zu sehr als Verwalter „verschlingen“ wird, sondern ihm viel Raum für Wortverkündigung und Seelsorge lässt. Denn so Beate Clasen, Ortsvorsteherin von Wetten: „Hier haben wir erleben dürfen, dass sich Himmel und Erde berühren und dieses Geschenk des Himmels sollte den Dienst so versehen können, das er weiter so viel Menschen im Herzen berührt wie heute.“