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Unternehmenstriumvirat vom Niederrhein plant eine schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Hüdderrather Baggersee

Vom Solarstrom zum ,grünen‘ Wasserstoff

Das Potenzial scheint vorhanden, keine Frage. Sieht man sich den Niederrhein aus der Luft oder auf der Landkarte an, fallen große Kiesabbaugebiete und die damit verbundenen Baggerseen ins Auge. In Kevelaer und Umgebung wird nicht erst seit gestern über eine Nachfolgenutzung nachgedacht.

Solarstrom im kleinen Stil: Mieter können Balkonkraftwerk nutzen

Solarstrom vom Dach ist längst günstiger als Strom aus dem Netz. Doch in der Vergangenheit konnten hauptsächlich Hausbesitzer Solarstrom selbst erzeugen. Seit einiger Zeit können nun auch Mieter und Bewohner von Mehrfamilienhäusern in Kevelaer mit Stecker-Solar-Geräten Strom produzieren. Andere Bezeichnungen für Stecker-Solar-Geräte sind Balkonkraftwerk und Plug-and-Play-Solar. Hierbei handelt es sich um vergleichsweise kleine Photovoltaik-Systeme, zwischen etwa 1,5 und drei Quadratmeter. Balkonbrüstungen, Außenwände, Dächer, Terrassen und Gärten kommen für die Anbringung oder Aufstellung in Frage.

Die Geräte werden zur Sonne (nach Süden) ausgerichtet. Der Anschluss von bis zu 600 Watt an eine spezielle Einspeisesteckdose ist möglich. Der Strom dieser kleinen Stromerzeuger wird meistens im eigenen Haushalt verbraucht. Dadurch werden der Strombezug aus dem Netz und damit die Stromkosten reduziert. Für den geringen Überschuss an eingespeistem und nicht selbst verbrauchtem Strom verzichten die Nutzer in der Regel auf ihre kleine Einspeisevergütung. „Durch ein Stecker-Solar-Gerät habe ich als Verbraucher die Möglichkeit, eigenen Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Das ist ein tolles Erlebnis und leistet einen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz“, erläutert Nina Jordan, Klimaschutzmanagerin der Wallfahrtsstadt Kevelaer.

Über den Betrieb eines Stecker-Solar-Gerätes muss der örtliche Stromnetzbetreiber informiert werden. Immer mehr Betreiber vereinfachen die Anmeldung. Verbieten können sie den Betrieb nicht. Damit der Haushaltsstromzähler nicht rückwärts zählt, werden in der Regel herkömmliche Zähler durch neue „moderne Messeinrichtungen“ ersetzt. Diese sogenannten Zweirichtungszähler, die auch die Strommengen erfassen, die in das Netz eingespeist werden, müssen bis zum Jahr 2032 in allen Haushalten verbaut sein. Die Anschaffungskosten eines Stecker-Solar-Geräts richten sich nach der Größe. Die Preisspanne reicht von wenigen 100 bis etwa 1000 Euro. Die jährliche Stromerzeugung liegt je nach Größe bei etwa 200 bis 500 Kilowattstunden.

Anmeldungen für persönliche und / oder telefonische Beratungen bei der Verbraucherzentrale sind möglich unter Tel. 0211-33996555. Mehr Informationen gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/steckersolar.

Kevelaer startet Solar-Kampagne: Ein Teil der Energiewende werden

Auf den Dächern in Nordrhein-Westfalen schlummert ein enormes Potenzial um Strom aus Sonnenenergie zu erzeugen. Bisher werden erst gut 5 Prozent genutzt.

Mit dem Solarkataster ( https://www.energieatlas.nrw.de/) haben Hausbesitzer die Möglichkeit, sich das Potenzial auf dem eigenem Dach anzuschauen. Eine tolle Sache, findet Kevelaers Klimaschutzmanagerin Dr. Nina Jordan: „Jeder kann für sein Dach errechnen lassen, wie groß eine Anlage sein kann und wieviel Strom sie erzeugt. Und man stellt sehr schnell fest, dass Photovoltaik sich immer noch lohnt.“ Der Gewinn stelle sich dadurch ein, dass man den Strom viel günstiger selbst produziert, als er vom Anbieter gekauft würde.

Unabhängig, kostenlos, einfach und schnell kann sich jede und jeder mit der Online-Anwendung über die Möglichkeiten der Photovoltaik- und Solarthermie-Nutzung auf seinem Dach informieren.

In diesen Tagen werden außerdem vom Klimaschutz Kevelaer die Eigentümer von geeigneten Immobilien in Twisteden und Winnekendonk angeschrieben, um auf die Möglichkeit dieser Investition hinzuweisen.

Für Rückfragen steht die Klimaschutzmanagerin Dr. Nina Jordan unter Email: klimaschutz@kevelaer.de oder unter Telefon: 02832/122740 zur Verfügung.

Hier entsteht die Energie der Zukunft

Im Zuge seiner Wahlkampftour machte der Landratskandidat Peter Driessen, der als parteiloser Kandidat von SPD, FDP, den Grünen und den vereinigten Wählergemeinschaften unterstützt wird, jetzt bei dem Solarhersteller ESN an der Alten Wettener Straße Station. Während seines zweistündigen Besuchs ließ sich der langjährige Bürgermeister von Bedburg-Hau von Inhaber Franz-Josef Schraven und dem früheren Lehrstuhlinhaber Rainer Elschen über die Geschichte des Unternehmens und  dessen zukünftigen Pläne sowie die aktuelle Situation im Kreis in Sachen alternative Energien unterrichten. Ludger van Ackeren, Geschäftsführer der Ebben GmbH & Co. KG, nahm als Gast für sein Unternehmen zu Projekten wie dem Bau von Wasserstoffanlagen in der Region Stellung.

Man sei dabei, eine Genossenschaft zu gründen, die Projekte im Bereich Wasserstoff verwirklichen soll, kündigte Schraven in dem Gespräch an. In dem Kontext gebe es auch erste Gespräche mit der Hochschule Rhein-Waal über mögliche Kooperationen.

Elschen äußerte die Vision, auf dem Weezer Flughafengelände Energieforschung zu betreiben. Dort wäre auch die Ansiedlung von Windernergie überhaupt kein Problem. „Das geht natürlich nicht, solange es dort den Flugbetrieb gibt.“

„Floating“-Photovoltaikanlage

Im Bereich Solar gebe es im Kreis Kleve mehr installierte Photovoltaikanlagen als in allen Städten des Ruhrgebiets, unterstrichen Schraven und Elschen. „Die neue Energie kommt vom Land“, sagte Elschen. „Wir machen den Niederrhein C02-frei“, lautete seine Überzeugung. Als aktuelles Solarprojekt stellte Ingenieur Christopher Carragher die Pläne für eine im Raum Geldern geplante „Floating“-Photovoltaikanlage vor. Das sind modulare Solar-Boot-Strukturen mit Schwimmkörper, die man als Blöcke auf einem Gewässer als Solarpark anlegen kann, erläuterte Carragher dem Gast. In den Niederlanden gebe es bereits mehrere dieser Anlagen. Hier seien elf Blöcke mit einer Leistung von 25 Megawattpeak auf einer Wasserfläche von 16 Hektar vorgesehen. Carragher sprach von der „zweitgrößten „Floating“-Photovoltaikanlage in Europa“, mit der man ein Viertel des Strombedarfs im Raum Geldern abdecken könne. 

Im Anschluss an den Besuch zeigte sich Peter Driessen beeindruckt. „Ich glaube, wir können Zukunft hier im Kreis Kleve anders gestalten. Ich habe hier viel gelernt, wie Photovoltaik, Wasserstoff und Windenergie funktioniert. Aber dieses Potenzial sollten wir heben.“ Man habe viele Immobilien wie die beiden Berufskollegs in Kleve und Geldern, eigene Verwaltungen und die Dachflächen, die für die Nutzung von Solar nutzbar seien, unterstrich der Kandidat. „Wenn ich Landrat bin, komme ich gerne wieder, um zu denken, wie man die Umwelt deutlich ‚grüner‘ machen kann.“

In Sachen Flughafen Weeze meinte Driessen, der Flughafen gehöre dem Kreis nur zu elf Prozent. Da müsse man mit dem niederländischen Investor „ins Boot kommen“, um die Idee eines Windparks umsetzen zu können.  Natürlich könne man so ein Projekt nicht umsetzen, wenn der Flughafen weiter betrieben wird, machte Driessen klar. Dann könne man Photovoltaik oder Erdwärme aber sicher dort umsetzen.   Driessen machte klar: „Ich halte den Flughafen für wichtig, kann aber eine Bilanz lesen. Dort wird der Profit über das nicht-fliegerische Geschäft gemacht. Ich will wissen, welche Zukunft wir haben. Das einzige, was ich sicher sagen kann, ist: Mit mir gibt es keine Subventionen für den Flughafen.“ 

Kevelaer mit dem „European Energy Award“ ausgezeichnet

In Ratingen im Klostergarten erhielten am Dienstagmorgen die Kommunen Ratingen, Schwalmtal, Schwerte und Kevelaer als Anerkennung für ihr mehrjähriges Engagement in Sachen Kommunale Energiewende aus der Hand von Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, und Ilga Schwidder von der Bundesgeschäftsstelle des eea den European Energy Award (eea). Bereits seit 2009 nimmt die Wallfahrtsstadt Kevelaer am eea teil. In dieser Zeit wurde unter anderem ein Bürgerwindprojekt mit Unterstützung der Stadtwerke Kevelaer realisiert. Die Stadt hat sich zudem das systematische Energiemanagement der kommunalen Gebäude, die Information für Bürger zum effizienten Bauen und Sanieren sowie die Förderung des Fahrradfahrens als Ziele gesetzt. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem die Energie- und Modernisierungsmesse „Dein Haus – Made in Kevelaer“ in Kooperation mit Kevelaerer Unternehmen durchgeführt. Zudem wurde eine Beschaffungsrichtlinie zur „Grünen Beschaffung“ für Büromaterial in der Verwaltung erstellt. Die Auszeichnung nahmen Bürgermeister Dr. Dominik Pichler und Klimaschutzmangerin Dr. Nina Jordan entgegen. Pichler erklärte bei der Übergabe, ihn sei besonders die Gewinnausschüttung des Bürgerwindpark-Projektes durch die Betreiber und die Stadtwerke an Kevelaerer Vereine und Organisationen wichtig. „So kann man die Bürger mitnehmen und lokales Engagement mehrfach unterstützen.“

Neuerungen in Sachen Gebäudeenergie

Kürzlich hat der Bundestag die Weichen für Neuerungen in Sachen Gebäudeenergie und Solarstrom gestellt: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die Streichung des Photovoltaik-Förderdeckels von 52 Gigawatt installierter Leistung wurden beschlossen. Am Freitag, 2. Juli, konnte endgültig Vollzug gemeldet werden, denn auch der Bundesrat hat beiden Initiativen zugestimmt.

„Die Verabschiedung des GEG war überfällig. Denn derzeit gibt es verschiedenste Energie-Verordnungen und -gesetze, von EnEV, EnEG bis zum EEWärmeG, die ordnungsrechtlich alle nebeneinander gelten“, sagt Dr. Tim Schmidla von der „EnergieAgentur.NRW“. Die Zusammenführung ins GEG soll das energieeffiziente Bauen und Sanieren vereinfachen.

Planungssicherheit 

Ab kommendem Jahr fordert die EU von allen Mitgliedsstaaten einen definierten Niedrigst -Energiestand für Gebäude, der nun auch für Deutschland erklärt wurde. Dieser entspricht den bereits jetzt geltenden Gebäudeenergie-Standards, weshalb Kritiker des Gesetzes auch eine vertane Chance für den Klimaschutz sehen. Vorteile sollen nun die Beschlüsse vom 2. Juli unter anderem für Hausbesitzer bringen, die gerade eine Photovoltaik-Anlage planen. Dazu erklärt Dr. Nina Jordan von „ALTBAUNEU“ in Kevelaer: „Mit der Abschaffung des 52 Gigawatt-Ausbaudeckels werden neue Solarstromanlagen auch in Zukunft über die Ökostrom-Umlage gefördert. Das gibt Planungssicherheit und wird dem Ausbau der Stromerzeugung aus Sonnenenergie einen wichtigen weiteren Schub geben.“

Kevelaer ist Mitglied im landesweiten Netz „ALTBAUNEU“, das zu Themen rund um Energieeffizienz im Gebäude informiert.  In Kevelaer stieg die Anzahl der Photovoltaikanlagen bereits vor der Verabschiedung des Gebäudeenergiegesetzes. Im ersten Halbjahr 2020 wurden 43 neue Photovoltaikanlagen in Betrieb genommen, dies entspricht einem Anstieg von 23 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Nina Jordan ist optimistisch und hofft auf einen weiteren Anstieg, motiviert durch das Ende des Photovoltaik-Förderdeckels.

Ob sich eine Photovoltaik-Anlage für Ihr Dach lohnt, erfahren Sie im Solarkataster unter www.energieatlas.nrw.de/site/karte_solarkataster.

Kevelaerer Bürger setzen sich für Erzeugung CO2-neutralen Stroms ein

Die „Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co. KG“ und die „Bürgerenergie Schwarzbruch-Nord GmbH & Co. KG“ haben sich zum Ziel gesetzt, durch die Errichtung moderner Windenergie- anlagen CO2-neutralen Strom zu erzeugen und mittelfristig Kevelaer damit zu versorgen. Die Bürgerwindparks wurden von privaten Kevelaerer Investoren realisiert. Am heutigen Freitagabend, 22. November 2019, bekamen sie ihre verdiente Anerkennung durch die Verleihung des Marketing-Preis-Kevelaer im Konzert- und Bühnenhaus. In der Kategorie „Klima- und Umweltschutz“ hat die Jury sich für die Unternehmen als Preisträger entschieden.

Schon 2010 wurden erste Gespräche zum Thema Windenergie unter den Kevelaerer Landwirten geführt, die bei einer Sitzung im Wasserturm mit den Stadtwerken Kevelaer zusammenkamen. Man wollte als Landeigentümer, aber auch als Energienutzer selber vor Ort in der Stromerzeugung aktiv werden und das nicht fremden Investoren überlassen. Dies endete nach weiteren Gesprächen und Versammlungen in der Bildung der beiden Gesellschaften, die seit dem Bestehen in Kevelaer ansässig sind. Die „Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co. KG“ und die „Bürgerenergie Schwarzbruch-Nord GmbH & Co. KG“ initiierten Versammlungen mit den Flächeneigentümern, überzeugten diese und schlossen schon frühzeitig Nutzungsverträge ab, um die potentiellen Windenergiestandorte optimal erschließen zu können.

Den Weg für neue Energien freimachen

Nachdem die Wallfahrtsstadt Kevelaer den Flächennutzungsplan hinsichtlich Windenergie angepasst hatte und die Gesellschaft diverse Gutachten im Bereich Natur- und Artenschutz, Flugsicherung und Radar durchführen ließ, Rechtsanwälte und Behörden sowie Büros und Firmen den Baugenehmigungsantrag begleitet hatten, konnten schließlich Windenergieanlagen errichtet werden.

Der von der „Bürgerwind Kevelaer GmbH & Co. KG“ seit Ende 2017 betriebene Windpark „Rietweyen“ in Twisteden produziert jährlich mit insgesamt fünf Windenergieanlagen circa 40 Millionen kWh reinen Ökostrom. Durch die langen Flügel eignen sich die Windenergieanlagen vor allem auch für windschwächere Regionen und können schon bei geringer Windgeschwindigkeit Strom produzieren. In 2019 ist der Windpark „Schwarzbruch Nord“ der Bürgerenergie „Schwarzbruch-Nord GmbH & Co. KG“ in Betrieb gegangen. Hier speisen vier Windenergieanlagen jährlich circa 20 Millionen kWh klimafreundlichen Strom in das öffentliche Netz ein. Die beiden Windparks zusammen erzeugen somit circa 50 Prozent des Stromes der Wallfahrtsstadt Kevelaer in umweltfreundlicher Weise.

Außerordentliches Engagement geehrt

Noch nie hat eine Bürgergruppe in Kevelaer in solchem Ausmaß investiert, um nachhaltig CO2-neutralen Strom zu erzeugen und selber aktiven Umwelt- und Klimaschutz zu betreiben und zu leben. Dieses außerordentliche Engagement wurde nun im Konzert- und Bühnenhaus durch Bürgermeister Dr. Dominik Pichler gewürdigt und mit der Verleihung des Marketing-Preis-Kevelaer ausgezeichnet.

Um einen möglichst großen Teil der Kevelaerer Bürgerschaft am Projekt teilhaben zu lassen, wurde ein Fonds aufgelegt. Gemeinsam mit den Stadtwerken Kevelaer und der NiersEnergie GmbH engagieren sich die Bürgerwindgesellschaften im Fonds „Energie für Kevelaer“ in Höhe von 20.000 Euro pro Jahr. Der Fonds unterstützt auf unbürokratische Weise ehrenamtliche Vereine und Verbände in Kevelaer.

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Umweltschonend und gesund

Riesenansturm im Foyer des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums zu großen „Trinkpause“: Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b waren die ersten, die den neuen Wasserspender im Foyer ausprobieren durften. Stadtwerke Kevelaer, NiersEnergie GmbH und die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze hatten in einem Gemeinschaftsprojekt dafür gesorgt, dass die gesunde und umweltschonende Maschine, die Trinkwasser mit und ohne Kohlensäure zum selberzapfen bietet, dort aufgestellt worden war. Dank der Zusammenarbeit werden alle neun Kevelaerer Schulen mit einem solchen Gerät ausgestattet – und nicht nur das: Alle Schülerinnen und Schüler und die Lehrerinnen und Lehrer erhalten von den Sponsoren jeweils eine Trinkflasche, die an den Geräten aufgefüllt werden kann. Die Kunststoff-Flaschen (ohne Weichmacher und andere schädliche Zusätze) wurden gemeinsam mit der Kreis-Klever Abfallwirtschafts GmbH extra für diesen Zweck ausgewählt.

Den Durchblick beim Heizen bewahren

Der Einbau von Ölheizungen wird in Deutschland ab dem Jahr 2026 verboten sein. Über mögliche Folgen und Alternativen hat das KB mit dem Kevelaerer Energieberater Bernd Martin gesprochen. Martin blickt dem Verbot beinahe gelassen entgegen – greifen die meisten Bürger doch heutzutage zur Gasheizung, erzählt der Energieberater. Diese Form der Heizung sei schlichtweg die günstigste Methode in der Anschaffung und etwas „für den kleinen Geldbeutel.“ Man könne bereits bei einem Preis unter 10.000 Euro landen.

Wärme und Strom zugleich produzieren

Die Beliebtheit der Gasheizung bestätigt eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zum Heizungsmarkt in Deutschland (Stand September 2019). Laut der Studie werden gut 48 Prozent der insgesamt 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland mit Erdgas beheizt, wohingegen mit Öl nur jede vierte Wohnung beheizt wird. „Der Trend geht auch zum Blockheizkraftwerk“, ergänzt Martin. Dieses sei jedoch mit einem Preis ab 30.000 Euro kostenintensiver und eher für größere Häuser und Mehrfamilienhäuser geeignet, da das Kraftwerk zugleich Strom produziere und somit schnell ein Überschuss entstehe.

Nun zielt das Ölheizungsverbot darauf ab, bessere Ergebnisse in Sachen Klimaschutz zu erzielen. Bernd Martin hat die Erfahrung gemacht, dass der Klimaschutzaspekt beim Heizungskauf für die meisten Käufer keine bedeutende Rolle spielt. Dass Ölheizungen heute nicht mehr oft verbaut werden, habe andere Gründe, erklärt der 39-Jährige: Ein Öltank fülle im Keller einen ganzen Raum aus und das Öl muss nachgekauft und aufgefüllt werden, was bei den schwankenden Preisen wiederum dazu führe, dass die Käufer ständig die Ölpreise im Blick haben sollten. Es entstehe einfach „ein Aufwand.“ „Und Gas ist immer da“, fügt er mit Blick auf die hohe Anzahl an Gasheizungen in Deutschlands Wohnungen hinzu.

Stelle man den Klimaschutzaspekt in den Vordergrund, so seien die Wärmepumpe und Pellet-Heizungen geeignete Heizsysteme, erklärt der Energieberater. „Die arbeiten komplett ohne fossile Brennstoffe, sondern mit nachwachsenden Rohstoffen.“ Unter anderem für diese beiden Heizsysteme erhalte man sogar Zuschüsse, sagt der gelernte Maler- und Lackierermeister und heutige Ausbilder. Diese Heizformen haben bisher nur in wenigen deutschen Haushalten Einzug erhalten, wie die Studie des BDEW zeigt. So werden nur rund 25 Prozent der Wohnungen etwa mit Pellets, Holz oder Kohle beheizt und nur knapp fünf Prozent mit Strom, beispielsweise durch eine Wärmepumpe.

Individuelle Beratung als wichtiger Schritt

Trotz der offensichtlichen Vor- und Nachteile der verschiedenen Heizsysteme bedarf es immer einer individuellen Prüfung des Gebäudes, das beheizt werden soll, betont Martin. Man könne nicht pauschal sagen, dass für Neubauten die eine und für Altbauten die andere Heizmethode die richtige ist. Man müsse sich die Gegebenheiten des Gebäudes, das Heizverhalten der Käufer und die Aspekte, die diesen besonders wichtig sind (z.B. Klimaschutz) ansehen und auf dieser Grundlage entscheiden. Und auch dürfe ein bestimmter Punkt nicht außer Acht gelassen werden: „Wie viel Geld möchte/kann der Kunde ausgeben?“

Bernd Martin hält eine Energieberatung für alle potenziellen Käufer für sinnvoll, da es für Energieberater nicht von Bedeutung sei, ob der Kunde sich letztendlich für das teure oder günstige Modell entscheidet, und er als Energieberater habe nicht allein den aktuellen Stand des Wohnraumes vor Augen, sondern achte auch darauf, ob in naher Zukunft Renovierungsarbeiten anstehen, Fenster ausgetauscht werden müssen oder der Bodenbelag grundlegend geändert wird. „Man hat immer einen neutralen Experten an der Hand, der langfristig plant.“

Die Uhren auf Keylaer stehen nicht still

„Ich glaube, dass das Interesse findet. Das ist ein top-aktuelles Thema“, meinte Reinhard Peters, Mitorganisator der Festwoche auf Keylaer, bereits beim Warten auf die Teilnehmer des Themenabends Energie. „Drei gute Beispiele für erneuerbare Energien“ habe man auf Keylaer vorzuweisen. Und diese sollten an diesem Abend auf dem Wege einer Radwanderung besucht werden. „Ein paar Dauergäste haben wir, glaube ich, auch“, meinte Peters beim Blick über den Platz am Hubertushaus, auf dem sich die Besucher versammelten.

Die Biogasanlage von Jakob Baers war das erste Ziel. Baers führte die Besucher über das Gelände und erklärte die Abläufe der Anlage. In einer Biogasanlage werden Biomassen aus Gülle und Feldfrüchten zu Biogas fermentiert, das in Strom und Wärme umgewandelt wird. Die großen Maschinen und der Blick hinter die Kulissen des Betriebes ließen die knapp 90 Teilnehmer des Abends staunen.

Je höher, desto besser

Weiter ging die Tour zur Windkraftanlage, wo Johannes Ermers und Gerd Baumgärtner Erläuterungen zur Anlage gaben. „Die Anlagen sind quasi fertig“, sie müssen nur noch angeschlossen werden und produzieren noch keinen Strom, erklärte Johannes Ermers. Die Fläche für die Windräder habe man unter anderem danach ausgesucht, dass „man dort niemanden stört“ und dass auf dem Platz keine Häuser stehen. Allerdings habe man auf der Fläche eine „Höhenbegrenzung wegen des Flughafens“, sagte Ermers. Eigentlich gelte jedoch: „Je höher, desto besser.“ Denn: „Jeder Meter mehr ist 1% mehr Ertrag“, erläuterte Ermers und sorgte bei vielen Zuschauern für erstaunte Gesichter.

Auf Fahrradtour zu den Windrädern.

Gerd Baumgärtner fügte später hinzu, dass man zudem auf „Naturschutzdinge“ Rücksicht nehmen musste, so zum Beispiel auf bestimmte Tierarten. „Wir möchten nicht, dass die Natur darunter leidet“, betonte Baumgärtner. Mit einer Fläche auf dem Grundstück, die aktuell mit Schotter befestigt ist, sind die Verantwortlichen nicht ganz glücklich. Vielleicht werde es dort bald weniger Schotter und stattdessen mehr Grünfläche geben, so Baumgärtner. „Es ist nicht nur unser Bestreben, dass wir die Natur nutzen, sondern dass wir auch etwas zurückgeben“, betonte er und stieß auf Zustimmung der Besucher.

„Der höchste Wind ist von September bis März“, führte Ermers weiter aus. Dass die Anlagen Mitte bis Ende September übergeben werden, könnte da gelegen kommen. Noch sind die Windräder nämlich nicht in Betrieb. Grundsätzlich müsse man sich den Mechanismus der Windräder wie einen Dynamo vorstellen, so Ermers. Neben der Höhe spielt natürlich die Windstärke eine wichtige Rolle. Dabei sind die Windräder sehr robust. „Da muss schon ein Orkan kommen, damit die sich abschalten“, sagte Ermers.

Garantierter Strompreis für 20 Jahre

Zudem, fügte Baumgärtner hinzu, haben die Windräder „Zacken“ an den „Blättern“, wodurch die Geräuschentwicklung reduziert werde. Mit Blick auf den vorangegangenen Besuch der Biogasanlage erklärte er, dass die Windräder zweimal so viel Strom produzierten wie eine Biogasanlage. Außerdem habe man einen garantierten Strompreis für 20 Jahre.

Wieder aufs Rad geschwungen, fuhren die knapp 90 Gäste zum letzten Ziel, der Photovoltaik-Anlage der Familie Baumgärtner. Der Solarpark wurde im Jahr 2010 errichtet. Die Fläche musste vorab „als Solarfläche ausgewiesen werden“, erklärte Ursula Baumgärtner. 11.260 Module sind auf dem 5,2 Hektar großen Grundstück installiert. Am besten genutzt werden die Module, so Ursula Baumgärtner, wenn die Sonne scheint und ein leichter Wind geht. Wärme drücke die Energieproduktion nämlich.

Die Anlage produziert Gleichstrom, der in Wechselstrom umgewandelt und ins öffentliche Netz eingespeist wird. Ähnlich wie bei der Windkraftanlage gibt es auch hier eine Preisfixierung. Über 20 Jahre gebe es eine bestimmte Einspeisevergütung. 30 Jahre kann eine solche Anlage in der Regel laufen.

Verantwortung gegenüber kommenden Generationen

Ob sich die Anlage rentieren würde, war eine Frage aus dem Publikum. Darauf konnte niemand der Verantwortlichen sicher antworten. Dass es der Familie nicht allein darum geht, dass sich die Anlage am Ende „rechnet“, das wurde schnell klar. Gerd Baumgärtner spielte auf die Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen an – auf die Verantwortung gegenüber der Natur sowie dem eigenen Leben und dem Leben anderer. Seine Frau brachte diese Denkweise zum Abschluss auf den Punkt: „Wir leben alle in einer Art von Verantwortung. Ob es sich rechnet, wird sich herausstellen.“

Am Ende blieb Reinhard Peters mit einem zufriedenen Lächeln nur noch eins zu sagen: „Ich denke, man konnte an allen drei Stationen gut sehen, dass die Uhren auf Keylaer nicht  stehen geblieben sind.“

Eine Bildergalerie zum Themenabend Energie finden Sie hier.