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Gemeinsam sind wir stark

Dass es mal dazu kommen würde, dass ein vertriebener Niederschlesier und eine Bäckerstochter zusammenkommen, verdanken Helmut und Marlene Stellmacher der Hartnäckigkeit der männlichen Seite.
Im Jahr 1964 lernte sich das Paar auf der Wettener Kirmes kennen. „Ich war 21 Jahre alt geworden und volljährig, hatte dazu einige Mädels eingeladen“, erzählt die heute 75-jährige Marlene. Die Eltern wollten, dass sie abends ins Festzelt gingen. „Da sind wir rein – und an einem Tisch standen bereits zwei angetrunkene Gläser Bier.“
Die gehörten Helmut Stellmacher und einem Freund, „die am Mittag ans Baggerloch gefahren waren und sich nun ins Zelt verschlagen“ hatten, wie sich der 81-jährige lebhaft erinnert. „Wir wussten nicht, was wir in Asperden tun sollten. Da war eine Gaststätte mit  Teich und Anlegestelle, es wurde da dunkel. Und da saßen diese Mädchen dann.“
Als Marlene mit ihren beiden Schwestern und den Freundinnen aufbricht, in Richtung Veert-Vorstadt und Straelen fahren, folgen ihnen die beiden jungen Herren. „Ich dachte, die jagen wir jetzt, die wollen wir“, erzählt Helmut Sellmacher, und beide müssen angesichts des entstehenden Kopfkinos selbst lachen. „Er war schon ein Draufgänger“, ergänzt seine Frau schmunzelnd. So war das Feuer füreinander entfacht.
„Das Kleine und das Lachen“ hatten es ihm gleich angetan, sie fand toll, „dass er nicht so’n Schwätzer war, sondern eher so’n Ruhiger.“ Damit die Eltern es nicht mitkriegen, verabredete die älteste Schwester mit dem gelernten Glassschleifer und Autoglaser das nächste „konspirative Treffen“.
Sein Vater betrachtet die Liason mit der intelligenten Industriekauffrau zunächst als nicht passend. „Lass das Mädchen laufen, die ist zu hoch für Dich“, sagte er mal.  Später fand er sie auch „ganz gut.“
Zwei bewegte Leben
Der damals 28-Jährige hatte bis dahin schon ein bewegtes Leben hinter sich: mit sieben Jahren mit Eltern, Schwester und Bruder aus der niederschlesischen Heimat nach Norddeutschland vertrieben, in verschiedenen Schulen durchgeschlagen, weil der Vater – ein Schmiedemeister – von Job zu Job gehen musste.
In Oldenburg absolvierte er die neunte Klasse, ging dann ein Jahr zu einem Bauern und der Landwirtschaftsschule, ehe er 1952 in Duisburg die Glasschleifer-Lehre in einer Gläserei beginnen und dort bis 1962 bleiben konnte. Dann ging er nach Goch-Asperden. So kreuzten sich ihre Wege mit der „kleinen, lachenden“ Frau.
Marlene Stellmacher war in Kevelaer als Tochter eines Bäckers geboren und aufgewachsen. In der Backstube und im Laden wirbeln schon der Bruder und die beiden Schwestern. „Die konnten da keinen mehr gebrauchen“, erledigte sie kurzerhand schon als junges Mädchen dort die Buchhaltung.
Nach acht Jahren Antoniusschule ging sie für ein Jahr in Ahaus in eine kaufmännischen Privatschule und ein Jahr auf die Handelsschule. Beim Matratzen- und Sesselhändler Meier machte sie ihre Ausbildung zur Industriekauffrau , war dann in einer Gelderner Firma tätig, die mit Futter-, Düngemittel und  Pflanzenschutz zu tun hat.
1967 heiratet das Paar schließlich – erst standesamtlich, dann einen Tag später am 28. Juni in der Antonius-Kirche „Da waren erst dunkle Wolken, Schauer, als wir in der Kirche waren. Dann kam die Sonne raus und es gab acht Wochen gutes Wetter“, erinnert sich Marlene Stellmacher gerne an die anschließende Feier mit beiden Familien.
1969 und 1971 werden ihre beiden Kinder (eine Tochter und ein Sohn) geboren. Nebenbei erledigt Marlene Stellmacher noch die Buchführung für diverse Unternehmen und trägt bei Wind und Wetter das „Kevelaerer Blatt“ aus, um den Kindern ein Mehr an Taschengeld zu ermöglichen.
Zeitweise unterstützt sie dabei ihr Mann, der sich mit dem Auto nach Feierabend auf den Weg macht. Er arbeitet seit 1977 bei Schoofs in Goch und bleibt dort bis zur Rente im Jahr 2000. „Bis heute werde ich da zu Betriebsfesten eingeladen, und zur Goldfeier kommen die auch zu uns“, erzählt er mit einem Lächeln.
Radtouren und Fußball
Lange Jahre teilen beide das Hobby ausgedehnter Touren mit dem Fahrrad . „Wir sind sogar mal von Kevelaer bis an die Nordsee gefahren“ , erinnert sich Marlene Stellmacher. Und beide gehen gerne zu den Fußballspielen ihrer vier Enkelkinder in Wetten, so wie früher zu den Spielen des Sohnes bei Viktoria Winnekendonk. „Manchmal müssen wir uns aufteilen, wenn die Spiele parallel laufen“, schmunzelt der rüstige Senior.
Es sei für eine Beziehung wichtig, Dinge miteinander zu unternehmen. „Ein bisschen Freiraum braucht man, aber Dinge zusammen macht ist wichtig“, findet Marlene Stellmacher.
Genauso wichtig bleibt es, auch durch kritische Zeiten gemeinsam durchzugehen, wie zuletzt, als er an Harnleiterkrebs litt. „Wenn sie nicht wäre, würde ich hier nicht sitzen“, ist Helmut Stellmacher dankbar dafür, dass seine Frau sich in der Zeit so für ihn engagiert hat.
An ihrem Hochzeitstag fahren beide gemeinsam „einfach mal weg“, am Samstag wird dann mit der Familie im Wettener Waldschlösschen gefeiert. Das KB wünscht dem Paar eine schöne Feier und alles Gute für die Zukunft.