Beiträge

Wie die Pandemie die Feierlichkeiten zur Erstkommunion in Wetten verändert hat

Weniger Brimborium und digitale Ideen

Pastor Klaus Klein-Schmeink ist seit vergangenem Jahr für die Kommunionvorbereitung und -durchführung in Wetten zuständig…

Hostienbäcker Thomas Held leidet unter Umsatzeinbrüchen und macht die Coronapolitik verantwortlich

Ein Kevelaerer Unternehmer in Not

Wenn Thomas Held über seine aktuelle Situation spricht, spürt man schnell, wie es bei ihm hochkocht. „Ich bin stinksauer“, sagt der 56-jährige gebürtige Stuttgarter, der die „Gläserne Hostienbäckerei St. Johannes“ an der Neustraße 28 seit 2009 führt.

Februar und März: Ob sich das Land beteiligt, ist weiterhin noch nicht klar

Haupt-Ausschuss hat Entscheidung über die Elternbeiträge gefällt

In Folge des eingeschränkten Pandemiebetriebes in den Kindertagesstätten, der Kindertagespflege und der Offenen Ganztagsschule ist auf die Erhebung der Elternbeiträge für den Januar verzichtet worden. Da seitens der Landesregierung NRW bisher noch keine Entscheidung zur Beteiligung an den Elternbeiträgen im Februar und März erfolgt ist, hat sich der jüngste Haupt- und Finanzausschuss der Wallfahrtsstadt mit diesem Thema befasst. 

Voraussetzung ist ein negativer Corona-Schnelltest der Besucher*innen

Besuche im Marienhospital ab 22. März möglich

Patient*innen des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums können ab kommendem Montag, 22. März 2021, wieder Besuch empfangen. Die Bedingung ist ein negativer Corona-Schnelltest der Besucher*innen, der nicht älter ist als 24 Stunden.

Noch große Vorsicht bei der Nutzung

„Click & Meet“-System funktioniert in Kevelaer unterschiedlich gut

Im „Euromarket“-Laden an der Gelderner Straße beriet Ferdinand Mehlem eine Kundin beim Erwerb einer neuen Spülmaschine. Mit Unterbrechung seit 46 Jahren verkauft der heute 75-Jährige in dem seit 1964 existierenden Geschäft Elektronikgeräte. Mit dem „Click & Meet“-System kämen er und seine Kund*innen sehr gut zurecht.

Spargelbauern beginnen mit den Vorbereitungen für die Saison und hoffen, dass in Sachen „Arbeitskräfte“ alles gut geht

Frühjahrserwachen auf den Feldern

Bei strahlendem Sonnenschein nahmen Stefan Baumanns und ein paar Bekannte die Folie zur Hand. „Wir legen jetzt ,Tunnel’ zur Verfrühung für den Spargel – das ist so wie Minitreibhäuser über die Wellen machen, damit die Sonne, die jetzt noch nicht so kraftvoll ist, den Damm möglichst schnell erwärmt“, erläuterte der 37-jährige Spargel- und Erdbeerbauer. 

Zwischen Hoffnung und Ärgernis

Die Schulen öffnen schrittweise wieder. Grundschul- und Abschlussklassen dürfen wieder in den Präsenzunterricht und haben die lange Zeit des Homeschooling hinter sich. Diese Nachricht brachte nach den Bund-Länder-Beratungen im Februar Erleichterung in viele Familien. Doch immer noch sitzen viele Schüler*innen zu Hause und lernen über digitale Geräte. An manchen Schulen bedeutet das, jeden Tag von morgens bis nachmittags vor dem PC oder Tablet zu sitzen und sich in einer Art Frontalunterricht den Lernstoff anzuhören. Für andere bedeutet es viel Einzelarbeit. Nach dem Beschluss zur schrittweisen Öffnung der Bildungseinrichtungen schwanken auch bei Eltern und Schüler*innen in Kevelaer die Gefühle zwischen Hoffnung und Ärgernis.

Manuela Algra findet, dass es im zweiten Shutdown wesentlich besser laufe als im ersten. Ihre drei Kinder Eelkje, Mats und Marinus gehen auf das Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Kevelaer. Bisher sitzen noch alle zu Hause und versuchen zu lernen. Das KvGG sei besser vorbereitet als vergangenen Sommer und es gebe mehr Chancengleichheit, sagt Algra. „Im zweiten Lockdown wurden iPads an Schüler*innen verteilt, die vorher nicht die digitalen Möglichkeiten hatten“, so die 45-Jährige. Auch ihr jüngster Sohn Mats könnte dieses Mal besser lernen. Dennoch braucht der Zwölfjährige im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern immer noch Hilfe von seiner Mutter. Das Erklären überließen die Lehrkräfte wohl häufig YouTube-Videos, die schwer zu verstehen seien. „Die Schüler*innen sind so sehr an die Erklär-Weise ihrer Lehrer gewöhnt, dass es ihnen schwerfällt, sich das von Fremden erzählen zu lassen“, meint Algra. 

Sie hätte sich daher mehr Hilfestellungen für die Eltern gewünscht. Es werde vorausgesetzt, dass die Eltern nun die Lehrerfunktion einnehmen. Bei ihren größeren Kindern laufe das schon besser. Die 13-jährige Eelkje ist in der achten Klasse und bearbeitet so wie der 15-jährige Marinus, der in der EF ist, fast alles allein. Auch wenn Eelkje lieber zur Schule ginge, komme sie mit dem Homeschooling gut zurecht, sagt sie. „Die Lehrer geben sich alle viel Mühe, auch wenn manche immer noch überfordert sind“, sagt Eelkje. Im Moment werden bei ihr keine Klassenarbeiten geschrieben. Ob diese später im Schuljahr nachgeholt werden, steht auch noch nicht fest. Außerdem habe sie in den Nebenfächern momentan mehr Aufgaben als in einem normalen Schulbetrieb. „Wenn wir keine Meetings haben, sind wir auch ziemlich allein mit allem, weil wir ja nicht wie sonst Fragen stellen können.“ Sie hofft, dass die Schule auch für sie demnächst wieder offen ist. 

Neue Strategien aneignen

Vera Meurs fühlt sich ebenfalls von der Schule allein gelassen. Ihr siebenjähriger Sohn besucht die Overberg Grundschule in Winnekendonk. „Wir wurden quasi ins kalte Wasser geschmissen“, sagt die 38-jährige Mutter. Sie habe mit ihrem Sohn große Probleme im Homeschooling gehabt. „Heute lernen die Kinder alles anders als zu meinen Schulzeiten und man muss sich als Elternteil diese Strategien erstmal aneignen“, so Meurs.

Da die Winnekendonkerin und ihr Ehemann berufstätig sind, waren sie auf die Notbetreuung angewiesen, in die Jona jetzt gemeinsam mit drei weiteren Kindern geht. „Er freut sich, seine Mitschüler*innen und Freunde sehen zu können und kann jetzt viel besser lernen“, sagt Vera Meurs. Mittlerweile gibt es wieder mehr Präsenzunterricht an der Schule und an drei Tagen in der Woche findet Unterricht mit der ganzen Klasse statt. Angst, dass sich ihr Sohn dort anstecken könnte, hat Meurs nicht. „Die Kinder müssen auch am Platz ihre Masken tragen und die Schule achtet auf alle Sicherheitsmaßnahmen. Mit 20 Kindern in großen Räumen habe ich keine Bedenken“, erklärt sie. 

Ihre jüngere Tochter Lynn geht zur Liebfrauen-Realschule in Geldern in die siebte Klasse. Ihr falle das Homeschooling auch nicht leicht. „Sie versteht das System nicht gut und daher muss ich mich neben der Arbeit auch um sie kümmern“, erzählt Meurs.

Die Mutter hat Angst, dass ihre Kinder irgendwann schulische Probleme haben werden. Ihre älteste Tochter Mara macht momentan ihren Realschulabschluss an der Liebfrauenschule in Geldern und möchte danach am Berufskolleg Geldern ihr Abitur im Ingenieurswesen machen. Gerade für die 15-Jährige sei die momentane Situation nicht besonders gut für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen. Mittlerweile geht sie als Abschlussschülerin zwar wieder zur Schule, aber es ist sehr viel Zeit verloren gegangen. 

Ihre Klasse ist aktuell in zwei Räume verteilt. Ein Teil der Schüler*innen bekommt den Stoff direkt von der Lehrkraft vermittelt und für den anderen Teil wird es per Video übertragen. Allerdings gäbe es technisch manchmal Probleme, sodass die Lehrer*innen zwischen den Räumen pendeln müssten. Dennoch funktioniert der Präsenzunterricht für die meisten  Schüler*innen besser als das bisherige Homeschooling. 

Das soziale Gefüge fehlt

Manuela Algra sieht die große Gefahr  darin, dass vor allem Kinder aus sozial schlechten Verhältnissen am Ende des Schuljahres große Probleme haben werden. „Es ist eine riesige Bildungsschere, die auseinanderklappt“, sagt Algra. Kinder von vollberufstätigen Eltern säßen den ganzen Tag allein vor ihren Schulaufgaben und hätten entweder nicht genug Möglichkeiten oder Motivation, um etwas für die Schule zu erledigen. „Die Eltern bekommen auch überhaupt kein Feedback, weshalb wir schwer einschätzen können, wie es für die Kinder läuft“, kritisiert Algra. Durch das fehlende soziale Gefüge fehle ein großer Bestandteil des gemeinsamen Lernens. 

Ob die Politik schnell genug gehandelt habe, wurde in den vergangenen Wochen häufig in Frage gestellt. Vera Meurs jedenfalls hätte sich gewünscht, dass es früher eine langfristige Lösung gegeben hätte. „Durch die kurzfristigen Lösungen war alles sehr unsicher“, sagt die Winnekendonkerin. Manuela Algra denkt hingegen, dass das Problem eher bei den Schulen liege. An vielen Schulen fehle es an Digitalisierung, die auch schon vor Corona hätte in Angriff genommen werden müssen. Es hätten sich zu wenige Lehrkräfte damit beschäftigt.

Digitalgeräte nicht für jeden

Dass das Homeschooling die Bildungsungleichheit noch einmal verschärft, zeigt auch eine nicht-repräsentative Umfrage der Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen unter 22.000 Eltern in NRW. Selbst bei den unterschiedlichen Schulformen soll es demnach in NRW einen großen Unterschied im Bereich der Digitalisierung geben. Während 60 Prozent der Gymnasiast*innen digitale Geräte zur Verfügung stünden, seien es bei Haupt- und Realschüler*innen nur 30 Prozent. Die ohnehin schon schwächeren Schüler*innen würden dadurch mitunter noch schwächer. 

Ob diese Ungleichheit nochmal ausgeglichen werden kann, ist noch unklar. Und auch, ob bald wieder mehr Kinder zur Schule gehen dürfen, steht noch nicht fest. „Ich würde mir wenigstens in den Schulen mehr Perspektive wünschen“, sagt Vera Meurs. 

Den Glauben virtuell bewahren

Es herrschte eine entspannte Stimmung, als sich Annja Rossmann, Tom Löwenthal, Björn Völlings und Nicole Kraft-Englich gemeinsam mit Pfarrerin Karin Dembek verteilt im Kirchenraum auf die Aufnahmen vorbereiteten. „Ihr seid so weit weg, und so muss nur ich mit meinen Haaren vor die Kamera“, scherzte die Pfarrerin in Richtung der beiden Musiker*innen, die sich auf der Empore an der Orgel auf ihren Einsatz vorbereiteten. „Das liegt an der Orgel. Das hat nix mit den Haaren zu tun. Und wer schöner sein will als wir, ist nur geschminkt“, rief Rossmann lachend herunter – und war dann später doch „sichtbar“ für die Zuschauer*innen vor der Kamera. Zu Beginn sei das alles mit den Aufnahmen schon seltsam gewesen, gab Löwenthal zu. „Wir haben uns dran gewöhnt“, sagte der Chorleiter und Musiker. „Und wir haben Spaß.”  

Rossmann, die mit Gesang und Flöte die musikalischen Beiträge des Online-Gottesdienstes mit gestaltet, sah das ähnlich pragmatisch: „Es ist trotzdem so, als wären die Leute hier, weil sie am Bildschirm sitzen. In dem Moment, wo ich musiziere, denke ich an die Menschen, die zuhören. Wo sie zuhören, ist mir nicht so wichtig.“

In der Zeit direkt nach Beginn des ersten Shutdowns habe man mitbekommen, „dass das mit dem Online viele machen“, erzählte Pfarrerin Karin Dembek. „Und wir fragten uns: können wir das auch?“ Mit einem einfachen Stativ und dem Handy ging es los. „Da war sicher noch vieles sehr steif“, meint sie im Nachhinein. Dann kam Björn Völlings mit einem besseren Stativ, ein paar Anregungen – und so spielte sich das Ganze ein.

Die Aufnahme beginnt

Völlings justierte Stativ und Handy, gab Karin Dembek letzte Anweisungen. „Ich bleibe zum Kyrie-Gebet am Altar stehen. Dann komme ich nach vorne“, verständigten sich die zwei auf die Vorgehensweise. „Das ist ja abgespeckte Form, aber es ist schöner, wenn wir gemeinsam beten. Man sieht uns zwar nicht, aber hört uns“, sagte Völlings und bat die Küsterin Nicole Kraft-Englich, die über die Reihenfolge wachte, das „Vaterunser“ lautstark mitzubeten. 

Das Gute an der Zusammenarbeit sei, dass man alles bespreche, meinte Völlings. „Wir sind in dem Team hier oft zusammen. Selten kommt jemand extern dazu. Da ist es dann etwas wuschig, weil die das nicht gewohnt sind. Da haben wir mal ein, zwei Takes. Aber hier im Team schaffen wir es auch mal, ohne Cut zu drehen.“ Eine zweite Kamera für die Musiker*innen – das wäre mit Beleuchtung und Aussteuerung viel zu viel Aufwand, waren sich alle einig. 

Und so startete das Team am vergangenen Freitag: Rossmann intonierte nahe des Altars „Lobet den Herren“, und Dembek begrüßte die Gemeinde zur Online-Andacht  „für den Sonntag Invokavit.“ In Sachen Absprache herrschte dann ein paar Minuten später beim Erklingen einer von Tom Löwenthal mitgebrachten Melodie Verwirrung. 

„Am einfachsten wäre es, wir machen nach dem Eingangsgebet, was wir aufgenommen haben, einen Schnitt“, ordnete Nicole Kraft-Englich die Situation. „Wir machen da einfach weiter, wo wir gerade waren.“ Ihr fiel die Aufgabe wie immer zu, später das Video zusammenzuschneiden. „Das habe ich mir in der Zeit erarbeitet“, verwies sie auf die Tatsache, dass sie mit Sachen wie Videoschnitt zuvor relativ wenig zu tun hatte. „Aber das läuft mittlerweile alles tippi-toppi.”

Aufnahme war im Kasten

Zur Predigt schritt Dembek dann ganz nah an die Kamera, hob nach dem gemeinsamen Gebet noch die Hände zum Segen und schritt aus dem Bild. „Alles fertig“, konnte Völlings der coronakonform platzierten Mannschaft das Signal geben, dass alles im Kasten war. 

Es sei „nach wie vor merkwürdig, in eine leere Kirche reinzugucken“, gestand die Pfarrerin beim Verlassen des Kirchenraumes. „Es wäre schon schön, eine Antwort zu haben, wobei die Präsenzgottesdienste, die wir hatten, auch ohne Gesang vonstatten gingen“, sah sie die Besonderheit der Zeit auch unter analogen Bedingungen – ohne Abendmahl und konkretem Austausch. „Die Gemeinde hat da halt wenig Möglichkeiten, sich am Gottesdienst zu beteiligen. Das finde ich nach wie vor schräg.“ Das mache so ein Format wie dieses sogar fast noch angenehmer – weil wenigstens ein paar Menschen konkret dabei sind. „Und im Miteinander macht es schon Spaß.” Immerhin habe man bei 21 ausgestrahlten Gottesdiensten 3809 Klicks verzeichnen können. Das sei schon eine ganz gute Rückkopplung, auch wenn man nicht wisse, wer da so alles von wo aus guckt. „Ich schicke das teilweise auch per WhatsApp-Gruppe herum“, sagte Dembek. „Im Januar sind die Gottesdienste erfahrungsgemäß recht zäh – da hatten wir an die 160 Klicks.“ So viele Menschen hätte man im Januar in den Gottesdiensten sicher nicht in der Kirche gesehen.  

Am Dienstag werde man einen Kindergottesdienst aufnehmen, erzählte die Pfarrerin. Wie es insgesamt weitergehe, da zuckte sie mit den Schultern. „Ich hoffe, dass wir im Sommer zu einer Normalität zurückkehren, obwohl ich letztes Jahr auch schon enorm optimistisch war.“ Dann wolle man einmal im Monat auf jeden Fall für diejenigen, die nicht kommen, eine Aufnahme ins Netz stellen. Und zu Ostern hofft Dembek, dass man zumindest Ostersonntag einen Gottesdienst „Open Air“ ausrichten kann. Bei Karfreitag habe man die Online-Variante im Blick. „Aber man kann halt gar nichts planen.”

v.l.: Annja Rossmann, Tom Löwenthal, Pfarrerin Karin Dembek, Björn Völlings, Nicole Kraft-Englich.

Ohne viele Leut, aber schön

Vor Wochen hatte Friedel Dahlmann im Kevelaerer Blatt scherzhaft angekündigt, dass er mit seinem selbst gestalteten Winnekendonker Karnevalszug durch die Ortschaft laufen und so den Menschen eine Freude machen würde. Corona und die Kälte machten dem 71-jährigen jecken Winnekendonker allerdings einen Strich durch die Rechnung – und so musste er sich mit einer „Garagen“-Variante seines Zuges, den er aus dem Keller geholt hatte, „begnügen“. 

Das hielt ihn aber nicht davon ab, mit Musik und Frohsinn zumindest einen Hauch von Karneval zu verbreiten – inklusive der beiden strickenden „Pappdamen“, die sich vor der Garage sitzend den witzigen Dialog „De Zuch kütt“- „Wo deenn – ich seh nix“ lieferten. 

Dahlmann hatte den Zug kurzfristig noch ergänzt. Den Wagen des SV Viktoria Winnekendonk mit dem Rasenplatz und der Aufschrift „Das schaffen wir – auch ohne Stadt“, den habe er „am Donnerstag ganz spät noch fertiggemacht“, verriet der Karnevalist. „Weil ich Schelte von meinem Sohn gekriegt habe, dass ich nix von Viktoria gemacht habe. Und jetzt habe ich noch eine Schelte vom Musikverein bekommen, weil ich den Musikverein nicht dabei hab.“ Allen recht machen konnte er es also nicht. „Aber ich arbeite dran“, lachte er.

Swingies, Kinderprinzenpaar und Corona

Natürlich habe er die Aktion nicht groß veröffentlicht, sagte Dahlmann. Aber immer wieder riskierten einzelne Leute oder ein Paar mit Kindern – auf Abstand – mal den Blick auf den liebevoll gestalteten Zug mit „Swingies“, Covid-Motivwagen und Kinderprinzenpaar.
Seine Idee kam bei den Betrachter*innen gut an. „Gute Stimmung und gute Musik. Den Wagen des SV Winnekendonk, den finde ich gut“, sagte der junge Sebastian, der selbst bei der Viktoria kickt. 

Ellen und Willi Niersmann hatten nach ihrem vierstündigem Spaziergang nochmal bei Dahlmann Halt gemacht und zeigten sich beeindruckt. „Das ist ja Wahnsinn. Das haste echt super gemacht“, meinte Ellen Niersmann. „Und der Volksbank-Wagen, der sieht richtig echt aus.“ 

Eine Bildergalerie zu den diesjährigen Karnevalsaktionen finden Sie hier auf unserer Website. 

Der WiDo-Zug 2021 in (fast) voller Länge.

Strategie in der Pandemie

Aus der aktuellen KB-Serie „Zukunft für Kevelaer“

Kevelaerer Blatt: Frau Rohde, Sie haben in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren besonderen Herausforderungen Ihre Aufgabe als Verantwortliche für Tourismus und Kultur begonnen. Wie läuft‘s bislang?

Verena Rohde: Es läuft trotz Corona sehr gut, da wir diese besondere Zeit sinnvoll nutzen und diverse Aufgaben erledigen, die für die Zukunft wichtig sind. Natürlich gab und gibt es immer wieder Rückschläge, da wir geplante Veranstaltungen, Theaterstücke und touristische Angebote absagen mussten, aber dennoch haben mein Team und ich zu keiner Zeit den Kopf hängen lassen. Wir arbeiten intensiv an neuen coronakonformen Formaten und fokussieren uns insbesondere auf unsere strategische Ausrichtung, um Kevelaer in den Fokus zu rücken.

Der Start der Veranstaltungssaison fand unter den Vorzeichen der Pandemie statt. Viele Veranstaltungen auf der Bühne mussten aufgrund der Schutzbestimmungen abgesagt werden. Ist Änderung in Sicht? Gibt es
Pläne, beispielsweise für eine schrittweise Öffnung in Richtung Veranstaltungen?

Verena Rohde: Leider kann keiner von uns zum heutigen Zeitpunkt sagen, wann wir endlich wieder Theaterstücke aufführen können. Ich gehe allerdings davon aus, dass es – wie im vergangenen Jahr – Schritt für Schritt vorwärtsgeht und wir vielleicht im Herbst vor einer kleineren Zuschauerzahl Aufführungen anbieten können. Daher haben wir Anfang Januar das Theaterabonnement gänzlich storniert, um in diesem Fall einen Einzelkartenverkauf durchzuführen.

Die Ungewissheit erschwert unsere Arbeit, dennoch heißt das nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Ganz im Gegenteil: Die Planungen für die letzte März-Woche, in der wir den Fokus anlässlich des Kneipp-Jahres auf das Thema „Wasser“ legen, laufen auf Hochtouren. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber für diese Woche haben sich meine Mitarbeiterinnen ein abwechslungsreiches Programm überlegt, das in entzerrter Form zur Verfügung steht, damit nur wenige Menschen zusammenkommen. Daher haben wir bewusst die Angebote auf eine ganze Woche verteilt. Keine Frage, dass dies mehr Aufwand erfordert, doch dazu ist das gesamte Team gerne bereit.

Wie geht man mit abgesagten Veranstaltungen um? Welche Vereinbarungen gibt es mit den Theatern/Künstler*innen, deren Auftritte abgesagt wurden? Müssen hier seitens der Stadt als Veranstalter Ausfallhonorare gezahlt werden?

Verena Rohde: Wir haben im vergangenen Jahr ein Theaterstück abgesagt, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt noch vor 300 Zuschauern hätten spielen lassen dürfen. Allerdings war mir das Risiko zu groß, sodass wir uns für eine Absage entschieden haben. Natürlich mussten wir in den sauren Apfel beißen und das volle Honorar bezahlen, dennoch habe ich diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Alle weiteren Absagen verliefen anstandslos ohne Erstattung, da auch die entsprechende Corona-Schutzverordnung nichts anderes zuließ.

Bemerken Sie Änderungen, etwa bei den Spielplänen von Tourneetheatern (Absagen, Ausfall der Angebote etc.), die Auswirkungen auf Ihre Planung für die laufende/kommende Spielsaison haben?

Verena Rohde: Nein, bislang stehen die zuvor gebuchten Theaterstücke. Wir reagieren nun von Stück zu Stück, da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt. Sollten Lockerungen eine Aufführung vor geringer Zuschauerzahl erlauben, werden wir fallbezogen entscheiden. Schließlich möchten auch wir die Theater unterstützen, mit denen wir seit vielen Jahren gut und gerne zusammenarbeiten. Dennoch hat der Sicherheitsaspekt höchste Priorität.

Verhalten optimistisch blicken wir in die neue Theatersaison 2021/2022 und hoffen, dass diese im September, wenn auch mit reduzierter Zuschauerzahl, starten kann. Das neue Kulturprogramm erscheint daher bewusst in diesem Jahr erst im Sommer, um den Kartenvorverkauf so weit wie möglich nach hinten zu verschieben. Wir hoffen, dass wir zu diesem Zeitpunkt mehr Klarheit über die weitere Vorgehensweise haben.  

In Kevelaer gibt es eine aktive Landschaft von Vereinen, ebenso zahlreiche freischaffende Künstler*innen, die von der derzeitigen Situation besonders betroffen sind. Stehen Sie in Kontakt zu den Vertretern dieser Kulturszene?

Verena Rohde: Mit einzelnen Akteuren stehen wir in Kontakt, da wir versuchen, diese bei geplanten Maßnahmen – sofern irgendwie möglich – mit einzubeziehen. Uns ist ihre schwierige Situation durchaus bewusst, allerdings sind uns genauso wie allen anderen in vielerlei Hinsicht leider die Hände gebunden.

Im zurückliegenden Shutdown hat die Stadt als Veranstalter relativ spontan mit neuen Formaten, etwa den „Puppenspieltagen“ im Internet, reagiert. Gibt es ähnliche oder neue Pläne in diese Richtung, vielleicht
auch bezüglich anderer Kulturformen (Theater, Konzerte etc.)?

Verena Rohde: Wir haben einen Teil unserer Gästeführer*innen dafür gewinnen können, zu unterschiedlichen Themen innerhalb Kevelaers digitale Stadtführungen anzubieten. Diese hat eine Mitarbeiterin unseres Social Media-Teams selbst gedreht und zusammengeschnitten. Schritt für Schritt werden diese rund 10-minütigen Führungen zu den Themen „Orgelpräsentation, Solegarten, Marienbasilika und Kapellenplatz“ Interessierten kostenlos auf unserem YouTube-Kanal „Wallfahrtsstadt Kevelaer“ zur Verfügung gestellt. 

Des Weiteren arbeiten wir an neuen Veranstaltungsformaten, an denen mit Abstand teilgenommen werden kann und zu denen es jeweils ergänzende digitale Inhalte geben wird. Gespräche mit Bands inklusive Streaming haben bereits stattgefunden. Eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus sowie die Verabschiedung des Haushalts, ohne den wir keine frühzeitigen, großen Ausgaben tätigen können, wenn diese nicht zwingend erforderlich sind.

Wie unterstützt Sie die Kevelaerer Politik bei Ihren Bemühungen im Kulturbereich und welche zusätzliche Unterstützung könnten Sie sich vorstellen oder würden Sie sich wünschen?

Verena Rohde: Ein sehr erfolgreicher, erster „Tourismus- & Kulturausschuss“ liegt hinter mir. Diese Form war mir bis dato nicht bekannt, ich bin allerdings positiv überrascht, wie produktiv der Austausch innerhalb des Ausschusses – unter der Leitung von Martin Brandts – war. Gemeinsam haben wir entschieden, dass der Ausschuss ab sofort dreimal jährlich tagt. Dies hat auch für meinen Bereich den Vorteil, dass viele Inhalte gemeinsam besprochen und entschieden werden. Mit der Rückendeckung des Ausschusses ist es auch für mein Team und mich viel einfacher, Dinge zu realisieren. Von daher bin ich dankbar für den guten Austausch und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Derzeit scheinen eher die Bereiche Bildung (Schulen) sowie Wirtschaft (Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel) im Fokus der Landes- und Bundespolitik zu stehen. Wie, denken Sie, kann die Kultur und ihre
wirtschaftliche Bedeutung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt werden?

Verena Rohde: Die Symbiose aus Kultur und Wirtschaft sollte verstärkt in den Fokus gerückt werden. Daher müssen auch wir uns noch intensiver dafür einsetzen. Wir planen derzeit eine Social Media-Kampagne, die in Verbindung mit Kultur sowie unserem Konzert- und Bühnenhaus und der Öffentlichen Begegnungsstätte steht. Darüber hinaus möchten wir auch unseren Künstlern, Vereinen etc. vor Ort eine Plattform bieten. Leider scheint sich die Landes- und Bundespolitik der großen Bedeutung des kulturellen Sektors – auch in Bezug auf die Wirtschaft – nicht ausreichend anzunehmen. Natürlich kostet Kultur erst einmal Geld, allerdings darf man deren Wirkung nicht unterschätzen. Für mich persönlich wird Kultur insbesondere für unsere Wallfahrtsstadt perspektivisch einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

Die Fragen stellte Michael Nicolas