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Glücklicher Türke aus Bodenhaltung kommt nach Weeze

Das nächste Event im Kulturhaus Alte Schmiede, Wasserstraße 7, in Weeze steht bevor. Serhat Dogan präsentiert am Freitag, 27. März, um 19.30 Uhr sein Programm „Glücklicher Türke aus Bodenhaltung“.

In einem wahren Gagfeuerwerk berichtet Serhat über seine Probleme, in Deutschland seinen türkischen Mann zu stehen und darüber, was er in den letzten Jahren über das Leben in seiner neuen Heimat gelernt hat. Zum Beispiel wie schwierig Frauenaufreißen sein kann – vor allem, wenn man es dummerweise auf dem Christopher Street Day versucht.

Serhat Dogan hat sein Glück gefunden, und zwar da, wo es am unwahrscheinlichsten ist: Als Fahrschüler im Dauerstau in Köln, als Animateur für fitnessbegeisterte Rentner in Antalya und als unfreiwilliger Sextourist in Amsterdam. Dabei hat er wieder einmal festgestellt, Deutschland ist vielleicht nicht das schönste Land, aber das lustigste.

Weitere Informationen und Tickets für den Comedy-Abend gibt es unter E-Mail: tourinfo@weeze.de, Telefon: 02837/910118 oder im Rathaus, Büro für Kultur und Tourismus, Zimmer 6. Die Eintrittskarte kostet 18 Euro im Vorverkauf und 21 Euro an der Abendkasse (sofern verfügbar). Der Einlass ist ab 19 Uhr.

Barbara Ruscher glänzt nicht nur auf der Mattscheibe

Weinerlich und wütend, fröhlich und fassungslos – es ist eine ganz eigene Mischung aus Kabarett und Comedy, die Barbara Ruscher da auf die Kleinkunstbühne beim „Kabarett unter‘m Dach“ brachte. Oft glänzt sie auf der Mattscheibe, als Moderatorin oder in TV-Satireshows. Jetzt konnten sich die Kevelaerer mal hautnah von ihrer Ausstrahlung überzeugen.

Und da hat die zweifache Mutter von der großen weiten Weltpolitik bis zur kleinen, intimen Verhütungsfrage, eine Menge zu bieten: Plastik in den Weltmeeren und SUVs auf der Garagenauffahrt, Brexit („der Berliner Flughafen Englands“) und Fitness-Tracker („bevorzugt getragen von jenen, die früher gegen die Volkszählung demonstrierten“), Nestlé in Afrika und Beckenbauer in Katar, Trump und Höcke, Ausländerhass und Ausmalbücher für Erwachsene – es gibt kaum ein Thema, an dem sie nicht irgendwas oder irgendwen Schlechtens oder Schlechten findet – und sei es auch mal sie selbst.

Als ob das alles nicht schon für gute Werte in einer imaginären Umfrage zur Beliebtheit von Komikerinnen ausreichte, puscht sie ihre Sympathiewerte immer wieder mit Selbstironie hoch und das sogar mit dem Hinweis auf ihren ersten Bildungsweg. Die Frau ist Lehrerin („Kabarettistin mit Exkursionshintergrund“), hat aber den ganz langen Zeigestock und die quietschende Kreide irgendwo verlegt.

Sie weiß was, weiß es aber nicht besser, außer bei den ganz Doofen vielleicht. So begegnet sie etwa dem Publikum auf Augenhöhe, den Rappern „Kollegah“ und „Fahrid Bang“ mit dem Statement „Dummheit ist ein nachwachsender Rohstoff“ und einem Anti-Rap.

Überhaupt sind die sparsam eingestreuten Lieder in ihrem Programm „Ruscher hat Vorfahrt“, zu denen sie sich selbst am Klavier oder an der Luftpumpe (beim Lied übers Liegerad) begleitet, immer wieder kleine Höhepunkte. Songtexte, die irgendwo zwischen der Beiläufigkeit eines Hagen Rether und der Aggressivität eines Rainald Grebe liegen, nicht ganz so böse und weltläufig, aber oft genug präzise auf den Punkt.

Unterricht am Gymnasium, Schrottwichteln im Netz

Und dann immer wieder diese harten Landungen, diese Bodenhaftung mit beiden Beinen mitten im Leben: Vom Wechsel der Tochter zum Gymnasium („weil da der meiste Unterricht ausfällt“) zum Nachwuchs-Kollegen, dem sie sich als „die Mutter von Mario Barth“ vorstellt, bis zum Partnerportal im Internet („Schrottwichteln“) reichen die und lassen aufhorchen und loslachen. Tolles Kabarett-Comedy-Kleinkunst-Gemisch, das das Publikum beim „Kabarett unter‘m Dach“ mit viel Applaus honorierte.

Barbara Ruscher hat Vorfahrt

Scharfzüngig, intelligent, aber charmant hinterfragt Deutschlands Kabarett-Lady Barbara Ruscher den Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft und ist dabei immer eine Spur voraus. Am Montag, 28. Oktober 2019, kommt die Kabarettistin in die Öffentliche Begegnungsstätte nach Kevelaer. Sie regt sich auf – über finanziell ausufernde Kindergeburtstags-Event-Rankings und über Raser, die ihren Wettbewerb ohne Rücksicht auf Verluste auf öffentlichen Straßen austragen.

Ruscher fragt sich, warum ihre Tochter unbedingt aufs Gymnasium will und bekommt die Antwort: „Weil da so viel Unterricht ausfällt.“ Das sieht Ruscher ein und stimmt zu. Vor keinem Thema schreckt sie zurück und geht mit viel Charme und satirisch intelligentem Biss gesellschaftsaktuellen Fragen nach. Ökologische Themen sind ihr Steckenpferd (Privatisierung von Wasser, Vermüllung der Meere), aber auch Themen wie Dating-Portale und der Wahnsinn im Alltäglichen: Warum klingt die Kaffeemaschine in der Bäckerei wie die Duschszene aus Psycho? Sind wir nicht schon längst Opfer der Digitalisierung oder warum denken wir beim Ton einer Klangschale, dass wir eine WhatsApp bekommen haben?

Entlarvende Comedy und brüllend komische Songs

Barbara Ruscher, auch bekannt durch ihre Radiokolumnen bei HR1, sowie als Moderatorin der NDR-Satireshow „Extra3 Spezial“ sowie aus zahlreichen Kabarett- und Comedysendungen bleibt mit ihrem Mix aus aktuellem Kabarett, entlarvender Comedy und brüllend komischen Songs am Klavier auch in ihrem neuen Programm auf der Erfolgsspur.

Der Kartenpreis für Ruschers Auftritt in Kevelaer beträgt 23 Euro, ermäßigt ab 20,80 Euro. Die Tickets sind an folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Rathaus der Wallfahrtsstadt Kevelaer, Sonsbecker Reisebüro, Hochstraße 54 in Sonsbeck, Buchhandlung Keuck, Issumer Straße 15 in Geldern, Kulturbüro Niederrhein, Nimweger Straße 58 in Kleve, oder online unter ADticket.de. Beginn ist am 28. Oktober 2019 in der Öffentlichen Begegnungsstätte um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr.

Zwei Damen im Doppelpack

Diese Damen haben genau das richtige Alter: Sie sind alt genug, um zu wissen, was sie können, und jung genug, um das Können richtig ausleben zu wollen: Biggi Wanninger und Andrea Badey. Zwei „starke Frauen“ nennt Kulturbüro Niederrhein-Chef und Stunksitzungs-Bühnenchamäleon Bruno Schmitz die beiden einfach, wohlwissend, dass beide ihn vermutlich beim Armdrücken locker über den Tisch ziehen könnten, wenn sie wollten. Schmitz kam auf die Idee, ein Damen-„Doppelpack“ anzuregen – „wenn die Bühne das aushält“, wie dei beiden selber sagen – und so durfte sich das Kevelaerer Kabarettpublikum „unter‘m Dach“ am Montagabend gleich doppelt über Kunst und Können, Krachendes und Köstliches der beiden gestandenen Kabarett-Comediennes freuen.
Geschickte Aufteilung

Gemeinsam begrüßten sie das Publikum im gut besuchten Forum der Begegnungsstätte, dann aber teilten sie sich auch schon geschickt auf.

Biggi Wanninger als Rainer Calmund. Foto: Nick


Biggi Wanninger brillierte mit ihren hervorragenden Parodien – von Reich-Ranicki über Rainer Calmund bis hin zu Montserrat Caballé – , hatte aber auch kabarettistische Versatzstücke parat. Etwa jenes der „bekennenden kinderlosen Frau“, die „nicht alle Möglichkeiten aus sich herausgeholt hat“. Das sitzt auf den Punkt.

Andrea Badey Foto: Nick


Andrea Badey geht da anders vor: Ihre Figuren kommen, sagen wir mal von „ganz unten“. Und das kommt so abgrundtief aus dieser Schauspielerin heraus, dass sie damit virtuos, aber handfest auf einer Klaviatur zwischen Schönheit und Schlampigkeit, Scherz und Schrecken und Schlitzohrigkeit spielt, dass man schon allein an ihren Lippen hängt, um nicht noch einen in den Nacken zu bekommen. Sie beantwortet die Ansage „Alter vor Schönheit“ mit einem kräftigen „Perlen vor die Säue“.
Zum guten Schluss gibt‘s dann noch eine Wiedervereinigung der beiden Damen auf der Bühne, wenn sie zwei osteuropäische Altenpflegerinnen geben, die die berüchtigte „Alterspyramide“ erschüttern mit so simplen Herleitungen wie „Die Alten wollen so alt werden wie die Pyramiden.“
Zwei Stunden mit zwei dollen Damen, die wie im Flug vergehen, und die das Kevelaerer Publikum mit viel Applaus goutierte.

Austeilen und einstecken

Wer austeilt, müsse auch einstecken können, meint der Volksmund. Auf selbigen gefallen ist Lisa Feller sicherlich nicht. Und dass sich austeilen und einstecken bei ihr die Waage hält, macht einen gewichtigen Teil ihrer sympathischen Bühnenerscheinung aus. Auch wenn man ihren Programmtitel „Der Nächste, bitte!“ gemeinhin dem Mediziner-Jargon zuschreibt, ist ab der ersten Minute ihres fast zweistündigen Programms klar, dass Männer bestimmt kein Allheilmittel sind.
Bei Lisa Feller sind die Nebenwirkungen umso heftiger: Ausgeprägte Lachanfälle auf beiden Seiten des Bühnenrandes kennzeichneten den Montagabend „unter‘m Dach“ der restlos ausverkauften Öffentlichen Begegnungsstätte. Nicht allein, weil man jemenden kennt, der so ist, wie Lisa Feller jemanden beschreibt, den sie kennt. Und so lernen wir sie kennen, die Männer, die auf Lisa Feller ein Auge warfen – oder umgekehrt. Den schlappen „Lappen“ zum Beispiel, dem sie doch glatt den Fensterputzer vorzöge, oder den Schönling, der vor lauter Selbstverliebtheit nicht merkt, „dass wir gar nicht zusammen passen. Es hat auch Vorteile, wenn einer nur in den Spiegel guckt“.
Fröhlich-erfolglose Schauspieler mit unverbrauchtem Gesicht, faltige Schlagersänger, bei denen nicht nur die Uhren von Fossil sind, Kabarett-Kollegen, denen beim Anblick eincheckender Stewardessen die Augen überlaufen und die Sätze verkümmern – Lisa Feller guckt sie sich alle mal ganz gern an. Dann ist aber auch gut. Beziehungsweise anders, denn Frau ist ja auch nicht unbedingt besser.
Das ist die groß-artige Stärke dieser Comedienne: Sie zieht Männer haufenweise durch den Kakao, um sich danach selbst voll Wonne hineinzustürzen. Sei es beim nervös-verpatzten Treffen mit dem Jugendschwarm, bei der Verkehrskontrolle, beim einseitig heißen Liebesspiel vor dem Kamin oder beim verschämten Einkauf im Erotik-Shop.
Und es kommt noch doller, denn Lisa Feller hechtet nicht nur über ferne Bühnen und hüpft in fremde Betten, sie kehrt auch vor der eigenen Haustür die Scherben gescheiterter Lebensabschnittsbegleitungsveruchsaufbauten zusammen und baut daraus ein Comedyprogramm, dass man sich vor lauter Ergiebigkeit wundert, wie sie noch Zeit für ihre zwei Kinder findet. Tut sie aber, und baut diese Beziehungswunderwesen auch noch mit ein, dass es eine wahre Freude ist. Ob für sie immer, mag mal dahingestellt sein, den Zuschauerinnen und Zuschauern im Forum der ÖBS jedenfalls wurde warm ums Herz und noch ganz anderswo.
Intelligente Komik kann viel mehr als Schadenfreude, und Lisa Feller kann intelligente Komik. Bleibt zu hoffen, dass bis zum nächsten Besuch in Kevelaer nicht so viel Zeit verstreicht wie zuvor: Zuletzt sei sie bei einer Messdiener-Wallfahrt in der Marienstadt gewesen, sagt Feller.
Bis dahin: Am 29. Oktober ist Lisa Feller mit einer Preview ihres neuen Programms „Ich komm‘ jetzt öfter!“ im Bürgerhaus Weeze zu sehen. Und in der Reihe „Kabarett unter‘m Dach“ geben sich am 8. April die beiden Komikerinnen „Biggi Wanninger & Andrea Badey“ im „Doppelpack“ die Ehre.

Von Zufrühkommern und Fakenews

Bitte klatschen, bis ich am Mikrofon angekommen bin, das üben wir jetzt noch mal.“ Mit diesen Worten begann Stefan Verhasselt sein Programm ‚Wer kommt, der kommt – Kabarett 4.0‘ und nahm so direkt die gut 160 Gäste im Knoasesaal in Wetten mit auf eine Lehrstunde für niederrheinischen Humor und lokales Lebensgefühl.

Im Rahmen des Volksbank KulturHerbstes bot der WDR-4-Kommentator und Cabarettist einen Spitzenauftritt und sorgte für beste Sonntagabendunterhaltung.

„Wer kommt, der kommt eben und die wenigen freien Plätze liegen wohl an denen, die ihre Karten schon vor einem Jahr gekauft haben und jetzt nach ihrer Trennung doch nicht mehr zusammen ins Kabarett gehen wollten, da nutzt keine Trennungsgrundrücktrittsversicherung“, eröffnete Verhasselt sein mit viel Witz und scharfer Zunge vorgetragenes Programm.

Einen Merkelmund machen ist am Niederrhein eine „Schöpp“ ziehen, Nachdenken ist „Prakesieren“ und „Das ist ein Tun“ ist ein Kommando noch etwas zu erledigen – so nebenbei eben – ob man will oder nicht. Flammneu bedeutet sozusagen neu neu, keine halben Sachen heißt am Niederrhein „ein ganzer Tisch“ und hier gibt es auch einen „letzten Rest“.

Verhasselt, der Kempener, der ursprünglich aus Straelen stammt, kennt den Niederrhein eben wie seine Westentasche und ist sich sicher: „Fakenews fangen hier immer an, wenn der Satz fällt `Hasse schon gehört´ und als Antwort kommt oft `Sisse, hab ich doch gesacht´“. Er machte deutlich, wo der Unterschied zwischen Comedie und Cabarett liegt.

Statt nur abzulachen sind die Inhalte nachhaltig, weil sie die Menschen spiegeln und ihre Lebenswirklichkeit wiedergeben. Sie erkennen sich, wenn Verhasselt beschreibt, dass im Supermarkt vor einem Feiertag der Einkaufswagen so voll gemacht wird, als ob es den Laden nach dem Feiertag nicht mehr geben würde, oder wenn er „Gutmeiner“ beschreibt, die ihrem erwachsenen Kind sagen: „Du musst es ja selbst wissen, aber wir meinen es ja nur gut.“

Hier siedelte er auch die „Zufrühkommer“ an. Gäste, die so weit vor der Einladung erscheinen, dass sie einem noch im Bad beim Anziehen oder Frisieren helfen können oder „Zufrühaufsteher“, die im Flugzeug bereits nach dem Aufsetzen im Gang stehen oder vorzeitig die Vorstellung verlassen, um ihren letzten Bus nach Winnekendonk oder Kervenheim zu bekommen.

Viele weitere Lebenswirklichkeiten eines Niederrheiners trug Verhasselt vor und verschaffte so manchem Gast ein erleichterndes Lachen, weil es ja anderen auch so gehen würde wie einem selbst. Auch dass es eben geschickte Diplomatie und ein Befehl ist, wenn man „mal ebkes“ etwas sofort – ohne Verzögerung – machen soll und das Wort „schön“ in unserem Landstrich eben auch unschön werden kann, wenn es heißt: „Das machen wir jetzt mal schön zusammen.“

Es gab bei tosendem Applaus übrigens keine „Zufrühaufsteher“ und in der Zugabe beruhigte Verhasselt noch alle zufriedenen Gäste: „An der Himmelspforte stehen bestimmt keine Schilder mit dem Hinweis, dass man kein Eis oder kein Tier mit hineinbringen darf, und vielleicht sehen wir uns dort alle einmal wieder, denn Gott sagt bestimmt – Wer kommt, der kommt.“.

Der Meister des Lakonischen

Rüdiger Hoffmann galt in den 90er Jahren als einer der angesagtesten deutschen Kabarettisten.

Sein minimalistischer Stil, der viele an langweiligen Fußball erinnerte und dabei doch so bärbeißig-komisch war, führten den gebürtigen Paderborner in Shows wie „Samstag Nacht“, als einzigen Komiker ins Vorprogramm der Rolling Stones und brachte ihm die „Goldene Europa“ im Bereich Comedy ein. Gut 20 Jahre später steht er immer noch auf der Bühne, und das Publikum mag ihn noch immer.

Im Kevelaer Bühnenhaus forderte der vollbesetzte Saal nach seiner letzten Nummer im Programm vehement eine Zugabe und zeigte sich begeistert von einem Künstler, der irgendwie der Gleiche geblieben ist – eben nur auf Höhe der Zeit. Und Hoffmann dankte es mit dem Dank an ein „super Publikum – das sage ich nicht immer.“

Hallo erstmal

Natürlich arbeitet Hoffmann noch immer mit seinem speziellen Elementen – gleich zur Begrüßung mit „Ja, hallo erstmal…“ oder dem Klassiker „Ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten“, die beide heutzutage zum geflügelten Wortschatz gehören.

Und elegant ist es schon, zum Einstieg ein Gespräch mit einem Bekannten einzuflechten, dessen Traum es schon immer gewesen sei, nach Kevelaer zu kommen. Dieser sei „letztens in Australien bei Bekannten gewesen, die sagten: Wenn sie mal nach Europa kommen: Paris, London, Kevelaer.“

Dazu kommt dann noch die wissenschaftlich bewiesene Erkenntnis: „Lachen ist gesund“ – vor allem fürs Immunsystem. „Wer Allergie hat, das müsste so gegen 22 Uhr 15 weg sein“, sagte Hoffmann. Und es sei dabei nicht entscheidend, worüber man lacht: „Diese Erkenntnis hat die Karriere vieler meiner Kollegen erst möglich gemacht“, machte er selbstbewusst – oder vielleicht selbstironisch ? – klar.

Und so nahm er sich heraus, das visionäre Element von Häschenwitzen herauszustellen oder die inspirierende Wirkung von selbst gestalteten Witz-Trauerreden bei Beerdigungen.
Hoffmann erzählte über den Urlaub mit Hans-Peter und Monika mit „laktosefreien Getreidecrackern“ am holländischen Campingplatz „ganz genau wie früher“ – wo das Hundeklo für Hund und Mensch daneben stand und das Fussballtor dahinter ohne Netz.
Hoffmann machte den Unterschied von früher und heute klar. Früher, „da gab´s noch Festnetz – was das ist, müsst ihr mal googeln“ und „da musste man sich richtig unterhalten – mit dem Mund“ und es gab einen Wortschatz, „der mehr umfasste als ,Gefällt mir‘ oder ,Gefällt mir nicht‘.“

Er philosophierte über Selbstoptimierung als „Religion des heutigen Lebens“: 80 Prozent der Deutschen sind mit dem Leben zufrieden, der Rest sind FC-Köln-Fans.“ Zumal selbst die Atomkraft ab 2022 kein Problem mehr sei – „wenn nicht grade in Belgien oder Frankreich so ein Ding hochgeht“ und der Atommüll erst nach drei Milliarden Jahren neutralisiert ist.“

Und er ironisierte am Klavier mit Gassenhauern wie „Die haben das Eimersaufen auf Mallorca verboten – was sind das denn nur für Vollidioten ?“ oder klavierrappend als „MC Obervollpfosten“ über den Sonderparkplatz für den SUV und den Wegfall der Kapitalertragssteuer.

Heavy Metal und Frühjahrsmüdigkeit

Nach der Pause steigerten sich Qualität und Gagdichte des Programms. Er sprach über die Freundin, die sich über Studien in Heften wie „Brigitte“ oder Bella“ informiert – wie „Männer haben voll einen an der Waffel von Geburt an“, „100 Prozent der Menschen in einer Ehe sterben“ oder Heavy-Metal als Entspannungsmusik – hinter Bach: „Da haben wir die ganze Woche die Kristina Bach gehört“ und der Arzt habe bei der Freundin dann eine Schlagerallergie festgestellt.

Hoffmann sprach über seine untauglichen Bemühungen gegen Frühjahrsmüdigkeit. „Nach dem ersten Liegestütz bin ich liegengeblieben, nach der zweiten Gabel Salat umgekippt und mit Gurkenmaske aufgewacht. Oder beim „Schweigen der Lämmer“: da „gab´s Augenlicht aus und bubu.“ Selbst der 200-Watt-Scheinwerfer auf´s Sofa und die zusätzlichen Lampen im Garten und in der Garage zogen nur „den Pilot der Billigairline“ an.

Drei Nummern stachen dann heraus: die bitterböse Nummer als vorurteilsvoller Spießbürger, der bei einem „ausländischen Mitbürger“ namens Herrn Meier vor drei Generationen einen „Achtelfranzosen“ ausmachte. „Dem merkt man es aber nicht an – überhaupt nicht, gar nicht, aber so ein bisschen schon“, machte er sich Gedanken darüber, was wäre „wenn man einen Schwarzen noch mit dabei hätte, dann könnte er sich nicht so einfach verstecken.“ Und den man als „unkalkuliertabes Risiko“ aus der Nachbarschaft entfernt habe – bis Hoffmann die Rolle auflöste und sagte: „Das ist eine offene Anstalt, wo ich untergebracht bin.“

Faszinierend geriet auch seine Puppennummer mit dem „Kleinen Vacek“ am rechten Arm, bitterböse seine Schützenbruder-Geschichte und aus der „Selbsthilfegruppe anonymer Ausländerfeinde“ – und optimistisch-ohrwurmig sein Abschlusslied „Hoch hinaus“.

Ein Magier der Herzen

Kevelaer. Wenn Ingo Oschmann etwas abgeht, dann ist das Arroganz. Wenn der Bielefelder, der jetzt in Düsseldorf lebt und sich ärgert, wenn er fürs Haareschneiden Termine machen muss, sagt: „Ich hab mich voll auf heute gefreut- das letzte Mal vor drei Jahren war so ein genialer Abend“, dann kauft man ihm das ab.
Und auch den: „Jeden Satz, den ich sage, meine ich auch so“- den glaubt man ihm, dem „dicken George Clooney der Comedy“, wie er sich mit Anspielung auf seine grauen Haare und den kleinen Bauch selbstironisch nennt. Warum ? Weil er authentisch ist.
Kabarettist, nein, das sei er nicht, versicherte er gleich zu Beginn des Programms „Wunderbar – es ist ja so“. Nein, „billig sich auf die Bühne zu stellen und über Leute zu reden , die nicht da sind“, ist nicht sein Ding. Er zitiert den Kollegen Ingo Appelt: „Über Merkel kann man sagen was man will – aber hochgeschlafen hat sie sich nicht.“ Ende. Der Satz bleibt den gesamten Abend über der einzige böse Politikerwitz – und der ist nicht einmal von ihm selbst.
Starrummel ? – Keine Chance. Aus dem SAT 1-Geklingel sei er freiwillig ausgestiegen, weil ihm das nichts gibt. Welcher Zauberer ist schon so verrückt, seine eigenen Tricks zu verraten? Oschmann macht das mit Uri Gellers Löffel sogar in Zeitlupe. Und mit so wunderbaren Grimassen, dass man es gerne nochmal sehen würde. Oder er wirft einem Gast im Publikum aus sechs Meter Entfernung Orangen zu, die der wieder zurückwirft – und aus einer holt Oschmann das von einer jungen Frau beschriebene Tuch hervor, dass vorher in seinen Händen war.
Mit dieser offenen „magischen“ Spontanität kriegt er das Publikum – und nutzt seine Gabe, einem den Abend so zu gestalten, als unterhalte man sich mit alten Freunden über alte Zeiten.So, wenn er die Anekdote erzählt, dass er in den 80ern ein Dreivierteljahr am Radio saß, um das Lieblingslied der Angebeteten aufzunehmen, um dann Bandsalat zu haben und mit Mc-Gyver-Bleisift Korektur zu drehen – oder wenn er mit dem elfjährigen Elias über dessen absolutes Nicht-Lieblingsessen plaudert und sich selbst an „Grünkohl mit Pinkel“ erinnert.
Der absolute Hammer ist dann aber, wenn er mit den gleichen grauenerregenden Leggins wie damals den Schulball nachtanzt – und das Publikum vor Mitklatschen und Lachen nicht mehr kann.
„Es geht nicht darum, dass es früher besser war“, sagt Oschmann. Es gehe einfach um den besonderen Moment – und wo die in Zeiten von Facebook, Reiz- und Informationsflut geblieben sind.
Und so schimmert durch die Fassade des Charmebolzen und Unpolitischen doch sowas wie eine gesellschaftliche Aussage – erlebe bewusst, lasst Euch nicht treiben und verarschen von dem TV-Wahn, den Fake News. Nehmt wahr, was wirklich echt ist.
Und er erzählt vom US-Wissenschaftler Leon Eisenberg,, der behauptet hatte, es gebe die Krankheit ADHS – und vor seinem Tod gesteht, dass diese für die Pharmaindustrie erfunden wurde. Doch solche Momente setzt Oschmann als Spitze nur zwischendurch, um den Rythmus seines liebenswürdig daherkommenden Spontan-Feuerwerks nicht zu zerstören. Und dann ist da ein Bekenntnis: „Ich will nicht die Welt verändern, sondern, dass es bei mir schön und lustig ist.“ An diesem Abend ist es Ingo Oschmann ein bisschen gelungen.

Marc‘n‘Simon in Winnekendonk

Winnekendonk. Nach Wirtschaftswunder-Nostalgie mit den „Sweethearts“ und Einkaufszettel-Kuriositäten mit Wigald Boning steht ein weiterer Höhepunkt des Volksbank-KulturHerbstes kurz bevor: Marc’n’Simon bringen am 27. Oktober mit ihrem begeisternden High-Speed-Rock-Pop-Kabarett die Öffentliche Begegnungsstätte in Winnekendonk zum Beben. Das englische Duo begeistert mit seiner unnachahmlichen Bühnenshow, die immer am Puls der Zeit ist. Da bleibt kein Auge trocken! Lachtränen trüben den Blick unweigerlich. Herausragend gespielte und persiflierte Rock- und Popsongs, einzigartige Wortspiele in Denglish, gnadenlose Blödeleien, schräge Bühnenkostüme und Verkleidungen, Albernheiten am laufenden Band mit selbstkreierten Bühnenrequisiten und eine unglaubliche Fülle an Musikalität sind die Kennzeichen dieses einzigartigen und verblüffenden Bühnenerlebnisses. Ihr Humor bleibt immer im Positiven, grenzt nicht aus und bezieht alles und jeden ein. Gerade deshalb sollte man sie besser im Auge behalten. Wer das muntere Spektakel nicht verpassen will, sichert sich jetzt noch Karten in der Volksbank Kevelaer oder unter www.vb-niers.de/kulturherbst. Der Eintritt beträgt für Volksbankkunden 13 Euro, der reguläre Eintrittspreis ist 18 Euro. Beginn der Veranstaltung ist um 20.00 Uhr.

„Ich zieh mich nicht aus, aber ich fühl mich wohl“

“Dat war erstmal Beifall für nix“, scherzte der Vorsitzende der Geselligen Vereine Kervenheim, Christian van Oeffelt, als er die kleine Zeltbühne betrat, um die gut 250 Zuschauer willkommen zu heißen.
„Wir haben dem ganzen Fest einen neuen Rahmen verpasst“, unterstrich er die Besonderheit des neuen Zeltstandortes auf der Burg Kervenheim und verwies auf die bereits an diesem Abend andeutungsweise zu sehende Lichtillumination an der Burg „nach dem ersten Akt, du machst ja zwei“ in Richtung Ingrid Kühne.
Die nahm die Vorlage mit dem „Akt“ direkt auf. „Ich zieh mich nicht aus, aber hier fühl ich mich schon wohl“, sagte sie und brauchte deshalb eigentlich das Niederrhein-Bekenntnis nicht, dass sie „ein Kreis Klever Kind“ sei, in Geldern gewohnt habe; „vor´m Zeugnis an der Gnadenkapelle“ gewesen sei und „Lüttingen wie Kervenheim auch 2000 Menschen, aber nicht so eine schöne Burg“ besitze.
Das Publikum hatte sie auch so vom ersten Moment an auf ihrer Seite. „Sach Du mal in Köln, geh na‘ Bett, das verstehen die gar nicht“. Die Kervenheimer verstanden, blieben aber gerne da.
Die Kunst von Frau Kühne ist, unmittelbar die direkte Sprache der Menschen zu sprechen und dabei alltägliche Beobachtungen ungekünstelt rüberzubringen – und auch einen nostalgischen Nerv bei ihren Zuhörern zu treffen. Ein Kunstelement ist dabei das Kokettieren über die eigene Figur – wenn ihr Hausarzt sie mit einem Auto vergleicht und ihr rät, „den Anhänger quitt zu werden“. Sie hob hervor, dass „in dieser Gesellschafft der BMI wichtiger als der IQ“, um selbstbewusst klar zu machen, dass beides bei ihr gleich hoch sei. Und sie machte klar: „Ich mache erst Diät, wenn mir mein Schal nicht mehr passt“ nach dem Motto: „Dicke sterben früher – dafür essen wir länger.“
In dem Kontext plauderte sie über Tupperdosen-Gastgeschenke, erinnerte die Anwesenden an bekannte Werbeslogans von Allianz („Das Lied haben alle gesungen“) über Persil („Das wäscht heute keiner mehr – keiner hat eine 300-Meter-Wäscheleine“) bis Bonduelle und dem Mitgefühl für die große Möhre, die nicht durch das Loch passt.
Männer bekamen Fett weg
Und selbstbewusst hob sie hervor, dass Ingrid unter den Top 100 der deutschen Vornamen seit 1890 auf Platz 5 steht – um auf diesem Weg die erste Reihe mit einzubeziehen.
Die Männer bekamen auch ausreichend ihr Fett weg – ob sie nun bei 37,5 Grad „Fieber“ den Heldentod sterben oder den Kasten in den Flur stellen zum Wegbringen, nach dem Motto „Leer gut – voll besser.“ „Das kennt ihr alle“, konnte sich Frau Kühne da interessanterweise nicht nur dem Ja der vielen Frauen im Saal gewiss sein.
Zur Ehrenrettung ihres Mannes machte sie klar: „Wir sind eigentlich glücklich verheiratet“ – was sich beim Kampf zwischen Tatort und Rosamunde Pilcher beim Fernsehen vielleicht nicht immer so darstellt.
Frau Kühne nahm die Generation Smartphone auf die Schippe, die wie ihr Sohn Sven nicht mal in der Lage ist, eine Wählscheibe zu benutzen („Wo ist für die Nummer löschen?“) , während sie früher mit Langkabel zum Telefonieren auf der Straße stand. Oder sie zog über Telefonanbieter her, die irgendwelche Vertragsänderungen auf sächsisch mitteilen und angebliche „Service“-Hotlines bei Störungen vorhalten, statt niederrheinisch kurz und knapp vorzugehen: „Tach.Tach. Telefon kaputt. Mach ich Dir. Tschö.“
„Kervenheim – es war superschön“, konnte die Xantener Kabarettistin Frau Kühne dann angesichts der Standing Ovations nach dem über zweistündigen Programm am Ende nur noch sagen.
„Das Trampeln ist schon Gänsehaut pur“, wirkte sie tatsächlich berührt, dankte den Beleuchtern, den Helfern und den Organisatoren, „die alle so tun, als wärste berühmt“, gab anschließend Autogramme, stellte sich für Erinnerungsfotos zur Verfügung und plauderte ganz bodenständig bis Mitternacht mit den verbliebenen Gästen.