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Teneja Foto: „WIR für Kervenheim e.V.“
Dorfmarketingverein lockt zur Landpartie nach Kervenheim

Musik und mehr auf der Burg

Schon seit 2019 ist der Dorfmarketingverein „WIR für Kervenheim“ e. V. einer von insgesamt 24 Gastgebern der Landpartie am Niederrhein. Die Burganlage in Kervenheim ist als beliebter Veranstaltungsort in diesem Jahr am 8. und 9. Juni dabei.

Auf dem Burghof sorgten Nebelmaschinen, übergroße Spinnennetze und eine gespenstische Beleuchtung für eine unheimliche und gruselige Atmosphäre. Foto: privat
Der Dorfmarketing Verein - WIR für Kervenheim e. V. lud zum schaurigen Spaß ein

Gruselspaß auf der Burg in Kervenheim

Großer Andrang herrschte am Halloween-Tag auf der Burg in Kervenheim. Der Dorfmarketing Verein – WIR für Kervenheim e. V. – hatte zum großen Gruselspaß eingeladen.

In der Burg-Kirche präsentierte das Büro „startklar a+b“ aus Köln die Ergebnisse der Dorfumfrage und den verschiedenen Workshops. Foto: FG
Es gibt viele neue Ideen und anpackende Hände für die stärkere Belebung der Burg Kervenheim

Stiftung soll gegründet werden

Im vergangenen Jahr hatten sich die Bürger zusammengetan, um auszuloten, wie sie die Burg noch stärker in bekannte und neue Dorf-Aktivitäten einbinden können und was in dem Gemäuer baulich überhaupt machbar ist.

Carsten Paul und Bettina Bössler aus dem Ruhrgebiet waren bei der Landpartie in und um Kevelaer unterwegs. Foto: JvS
Konzerte auf der Burg Kervenheim und Drechseln auf dem Johanneshof

So schön war die Landpartie

Die achte Auflage der Landpartie in und um Kevelaer startete am vergangenen Wochenende bei strahlendem Sonnenschein und sommerlich heißen Temperaturen. Ein Glück für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, dass man sich den kühlen Wind beim Radeln so angenehm um die Nase pusten lassen konnte und an den Ausstellungsorten stets ausreichend Kaltgetränke zum Durstlöschen bereit standen.

Die „Jäcksges“ aus Kervenheim. Foto: privat
Karl Timmermann, die „Jäcksges“ und „Stilles Örtchen“ singen und spielen am Wochenende

Zwei Tage Live Musik in Kervenheim

Gebt ihm eine Bühne und er ist in seinem Element. Der bekannte Sänger Karl Timmermann ist bereits beim Burgzauber im Dezember 2022 auf dem Kervenheimer Burghof aufgetreten. Mit ganz anderen Liedern ist Timmermann am Samstag, 10. Juni 2023, auch wieder auf dem Burghof in Kervenheim zu hören.

Presbyter, Ortsvorsteher und Tourismus-Chefin über die Zukunft der Burg

Burg Kervenheim: ein ganz besonderer Ort

Auf Initiative des Dorfmarketingvereins „WIR für Kervenheim e.V.“, besuchte Verena Rhode, Leiterin der Abteilung „Tourismus & Kultur” der Stadt Kevelaer, die Burg in Kervenheim.

Jubiläum der Burg Kervenheim

Erstmals Erwähnung fand die Burg Kervenheim in einer Urkunde vom 4. März 1270 – die Grundlage für die 750-Jahr-Feier, die eigentlich im Jahr 2020 stattfinden sollte, wegen der Corona-Pandemie aber verschoben werden musste. In dieser Urkunde übertragen der Ritter Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm ihr Eigentum an der Burg „Keruenheim“ an den Grafen Dietrich VII. von Kleve. Wie lange die Burg vor der Übertragung an den Grafen von Kleve schon in Kervenheim gestanden hat, ist bis heute nicht geklärt. Ob Stephan von Wissel der Erbauer war, ist ebenfalls unbekannt. In einer Schrift des 17. Jahrhunderts wird eine Familie von Korbenheim genannt. Von dieser Familie soll Stephan von Wissel die Burg erhalten haben. Jedenfalls sind er und sein Sohn Wilhelm die ersten nachweisbaren Besitzer. Mit der Burg gingen 1322 auch die Stadtrechte Kervenheims einher.

Es sei davon auszugehen, dass die Burg sogar wesentlich älter ist und zu den ältesten Burganlagen am Niederrhein zählt, meint der aus Kervenheim stammende frühere Rektor der St.-Hubertus-Grundschule, Bernd Kibilka, der sich mit der Historie der Burg ausführlich beschäftigt hat. Er sieht einen Bezug zu den „Mottenburgen“, die im 11. und 12. Jahrhundert errichtet wurden. Eine „Motte“ ist ein mittelalterlicher Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Ob die Burg Kervenheim aber tatsächlich eine „Motte“ war, sei bisher wissenschaftlich noch nicht untersucht, sagt Kibilka. 

Graf Dietrich VII. von Kleve übergab die Burg dem Ritter Stephan sogleich als klevisches Offenhaus wieder zurück – als Lehen. Damit stand die Burg dem Grafen jederzeit zur Verfügung. Denn „Offenhaus“ bedeutete, dass der Lehnsherr im Kriegs- und Fehdefall ein befestigtes Haus unentgeltlich nutzen konnte. Bereits im Jahr 1283 allerdings waren Stephan von Wissel und sein Sohn Wilhelm aus unbekannten Gründen nicht mehr mit Kervenheim verbunden. 

Burganlage wurde zum „Kastelitypus“ ausgebaut

Um die darauf folgenden Besitzverhältnisse der Burg aufzuschlüsseln, ist ein Blick zur Dynastie Luf von Kleve notwendig: In der Zeit von 1299 bis 1369 begründete ein Bruder des Klever Grafen Dietrich VII. die Dynastie. Luf II. gilt als der eigentliche Gründer des Ortes Kervenheim. Luf III. gründete den Ort Oedt, erbaute dort die Burg Uda und nannte sich „Herr von Kervenheim“. Die Burg Kervenheim wurde schließlich durch eine Enkelin von Luf III., Jolenta, bis in die Pfalz vererbt. Jolenta war verheiratet mit einem Grafen Emicho von Leiningen. Sie verkauften ihre Besitzungen an den Grafen von Jülich – und über das Jülicher Grafenhaus kam die Burg 1367 zurück an den Grafen von Kleve. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Burganlage zu dem „Kastelitypus“ ausgebaut, wie er auf einer Zeichnung von Jan de Beyer aus den 1740er Jahren zu sehen ist.

Burg und Ortschaft nahmen dann unter Adolf von Kleve im 15. Jahrhundert einen Aufschwung. Er machte bereits zu Beginn des Jahrhunderts die Kervenheimer Burg kurzzeitig zu einem Amtssitz. Mit der Zeit ersetzten Burggrafen die Ritter, die sich erst Drost und später Amtmann nannten. Der letzte Verwalter von „borgh end huys van Kervenhem“ war ein Johann Tengnagel von Merwick. 

Kirchbau

Aus der Zeit Herzog Adolfs sind zudem Baumaßnahmen an der Burg überliefert. 1445 wurde auf Betreiben des Herzogs eine eigene Pfarrei Kervenheim gegründet. Mit dem Kirchbau um 1500 endete auch die Geschichte der katholischen Kirche auf der Burg. 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich verfiel die Burg aufgrund der vielfältigen Kriege immer mehr. Eine Schrift des Kervenheimer Pastors Theodor Klucken aus dem Jahre 1932 beschreibt, wie 1587 „der berüchtigte Martin Schenk von Niddegen mit seinen wüsten Gesellen“ den ganzen Niederrhein brandschatzte. Dazu kam der Clever Erbfolgestreit seit 1609 und der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648.

Klärung weiterer Besitzverhältnisse

Im Jahr 1521 gelangte die Burg in den Besitz eines Goedart van Bemell, 1525 findet sich ein Derick von Bronckhorst auf der Burg. Im Jahr 1555 gelangte die Burg zurück an die Adelsfamilie Wylich, die schon einmal der Besitzer der Burg war. Ab da ist dieses Adelsgeschlecht bis 1730 lückenlos belegbar. 

1609 bildete sich in Kervenheim eine reformierte Kirchengemeinde. Aufgrund fehlender Räumlichkeiten gewährte die Familie von Wylich der Kirchengemeinde, die Burg für ihre Gottesdienste zu nutzen. Am 20. Oktober 1675 erfolgte die Einweihung der Kirche. Bis auf den heutigen Tag findet der evangelische Gottesdienst auf der Burg statt. 

Im Jahr 1757 wurde schließlich die Burg und auch Kervenheim durch einen verheerenden, bis heute ungeklärten Brand fast vollständig zerstört. An der Stelle, wo der Turm stand, soll die große Kastanie gepflanzt worden sein, die den Platz vor der Burg heute mit prägt. Ein Rest des Gebäudes blieb zurück, wurde im Anschluss als Gutshof genutzt, der durch Erbschaft an die Herren von Hertefeld übergegangen war. Mitglieder der Familie Gerdts waren Gutsverwalter auf der Burg. Deren bekanntester Vertreter war Anton Eberhard Gerdts, dem viele Ländereien gehörten. Er war auch von 1812 bis 1949 Bürgermeister der beiden Bürgermeistereien Weeze und Kervenheim. 

Seit 1898 gehörte dann ein Teil des Burggeländes der evangelischen Kirchengemeinde, der andere Teil war in Privatbesitz. Eine Renovierung der Kirche erfolgte im Jahre 1912. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden die restlichen Gebäude dann schwer beschädigt. Heute ist nur noch der Nordflügel erhalten, der die evangelische Kirche beherbergt. In den 70er-Jahren wurden weitere Teile des Gutshofes abgerissen. Und am 28. September 1985 eröffnete die evangelische Kirche ihr neues Gemeindehaus, das im Stile der alten Remise errichtet wurde.

Seit 2009 ist die evangelische Kirche Eigentümer des kompletten Burggeländes. Seitdem stellt sie der Bevölkerung das Gelände für diverse Veranstaltungen zur Verfügung. Der renovierte Burgkeller kann für Vorträge, Lesungen oder kleine Feiern verwendet und seit 2013 neben dem Gewölbekeller auch der Gemeinderaum genutzt werden. 

Planungen für die Feierlichkeiten 2021 laufen

Man sei „der evangelischen Kirchengemeinde dankbar, dass vor der imposanten Burgkulisse solche Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt und die Kirmes hier ihre Heimat gefunden haben“, sagt der Kervenheimer Ortsvorsteher Martin Brandts. Er hofft wie alle, dass man die 750-Jahr-Feier dieses „gesellschaftlichen und emotionalen Mittelpunkts unserer Ortschaft“ mit Verspätung 2021 realisieren kann. Die offiziellen Feierlichkeiten zum Burgjubiläum sollen voraussichtlich am 12. Juni stattfinden. Angedacht ist ein Rockgottesdienst mit Bands. Ob es ein darüber hinausgehendes Begleitprogramm geben wird, konnte Jan van Zadelhoff von der evangelischen Kirchengemeinde Kervenheim noch nicht sagen. 

Eine Alternative für die Jugend

Seit gut drei Jahren organisiert die evangelische Kirche Kervenheim vierteljährlich einen eigenständigen „Rockgottesdienst“ auf der Burg Kervenheim. Es gäbe im Kreis Kleve zwar noch weitere klassische Jugendgottesdienste, „aber Rockgottesdienste dürften als unsere Kervenheimer Geschichte kreisweit die einzigsten sein“, versichert Yvonne Petri, Presbyterin der evangelischen Gemeinde, Jugendreferentin des Kirchenkreises.

In diesem Corona-Jahr ist allerdings alles anders. „Wir hatten zwei Rockgottesdienste im März und Juni ausfallen lassen“, sagt die Mitorganisatorin. „Im März haben wir das Open Air gemacht, was sehr gut ankam. Wir hatten gehofft, dass das im Dezember auch geht.“
Doch es gab immer mehr Corona-Fälle, viele Auflagen und die vorhersehbaren Einschränkungen. „Die Auflagen waren so kaum zu stemmen“, sagt ihr Mann Marco. „Da haben wir gesagt, wir machen gleich ein neues Format.“

Statt den Leuten „wieder sagen zu müssen, dass es wieder ausfällt“, entstand so der allererste „Castle Rock Kervenheim“ digital – ein etwas mehr als halbstündiger über Youtube abrufbarer Rockgottesdienst der ganz eigenen Art. „Die beiden Bands die kannten wir zum Teil schon“, erzählte Marco Petri, der die von den Beteiligten zur Verfügung gestellten Videos zu dem Gottesdienst zusammenstellte.

Die Formationen „Next life“ und das „Sabri duo“ mit Gast brachten ein paar Pop-und Rockklassiker aus den 70er Jahren zu Gehör. Und der Klever Jugendleiter Marc Böttcher bot in seiner Predigt einig paar beachtenswerte Gedanken zum Weihnachtsfest.

Experiment ist gelungen

Das Experiment ist aus der Sicht der Initiatoren gelungen. „Wenn Corona immer noch nicht die Bühne freigibt, werden wir das 2021 sicher nochmal machen, dann aber mit mehr Vor-Werbung“, versprach Yvonne Petri „Wir waren einfach unsicher, ob wir das hinkriegen. Deshalb haben wir uns zurückgehalten.“ In Verbindung mit dem Burg-Jubiläum, das im kommenden Jahr nachgefeiert werden soll, haben die Initiatoren noch so einige Ideen in petto, ein Mittelalter-Rockgottesdienst zum Beispiel.

Im Sommer soll das an der Burg ergänzt werden durch ein Jugendpartizipationsprojekt. Dazu wurden fünf Kirchenkreise ausgewählt.

„Wir haben dazu ein Wohnmobil erworben, mit Graffiti umgestaltet, werden das als Jugendarbeits-Hotspot mit Podcasts nutzen und am 12. Juni einen Rock-Gottesdienst mit Einweihungs-Open-air auf die Beine stellen“, blickt das Ehepaar nach vorne. Aber alles natürlich unter dem Corona-Vorbehalt.