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Die Kandidatur käme früher als geplant

Der Rücktritt von Paul Schaffers als CDU-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender am vergangenen Donnerstag auf der Mitgliederversammlung rüttelte die CDU Kevelaers einmal durch. Am Wochenende reagierte der Vorstand auf die neue Situation: Er benannte Michael Kamps als kommissarischen Vorsitzenden.

Außerdem einigte sich der CDU-Vorstand nach dem Votum der Mitglieder für einen eigenständigen Bürgermeisterkandidaten auf einen Namen. Demnach soll der stellvertretende Bürgermeister Mario Maaßen für die CDU in das Rennen um das Amt als Stadtoberhaupt gehen. Allerdings muss er zunächst auf einem Sonderparteitag der CDU am 26. März 2020 dazu gewählt werden.

Das KB sprach mit Mario Maaßen über dessen Kandidatur.

KB: Herr Maaßen, seit dem Wochenende sind Sie jetzt der Kandidat des CDU-Vorstandes für das Bürgermeisteramt. Was hat Sie dazu bewogen, sich dieser Aufgabe zu stellen?

Mario Maaßen: Ich hatte eigentlich die Ambition – und das war mit Paul Schaffers auch schon vorher abgestimmt – in fünf Jahren anzutreten, um als Bürgermeisterkandidat aufgebaut zu werden. Das ist natürlich anders gekommen. Da sind wir doch zu der Entscheidung gekommen, das jetzt zu machen – auch um Ruhe in die Partei zu bringen. Und es ist der Wille der Mitgliederversammlung – also „Volkes Wille“ –  gewesen: Man möchte gerne eine Auswahl haben. Es gab die Abstimmung mit der Familie. Und meinen Arbeitgeber brauche ich nicht zu fragen, ich bin Beamter. Es ist klar, dass Dominik Pichler der Favorit ist, das ist allen klar. Aber man sagt auch: Um das festzustellen, muss der Bürger eine Auswahl haben.

Sie haben selbst gesagt, eigentlich wollten Sie erst in fünf Jahren. Kommt die Kandidatur dann nicht zu früh?

Zu früh dran, das würde ich nicht sagen. Ich habe ja auch schon ein paar Führungsposi-tionen übernommen. Ich kenne das auch von der Arbeit her, also Verwaltungsapparat ist nichts Neues für mich. Man strebt auch immer nach neuen Aufgaben, nach neuen Zielen. Und auch wenn ich 53 Jahre alt bin, bin ich noch ein bisschen hungrig. Ich denke, dass ich auch ein paar Sachen bewegen kann.

Wie will sich die CDU abgrenzen von Pichler, mit dem man im Rat ja durchaus auch gemeinsame Dinge zusammen entschieden hat – Stichwort Innenstadtentwicklung / integriertes Handlungskonzept?

Es ist in der Kommunalpolitik ja immer schwer. Man möchte für die Kommune das Beste. Da sind die Leute ja oft nicht weit auseinander. Es ist aber auch so, ganz viele Dinge, die wir in Bürgermeister Pichlers Amtszeit hier erledigen, die hat vorher schon Axel Stibi eingespielt, also das integrative Handlungskonzept zum Beispiel, das läuft ja schon ewig.

Die Sachen werden jetzt natürlich abgearbeitet, die Projekte werden natürlich ruhmhaft dem jetzigen Bürgermeister zugeschrieben. Das mag man ihm auch zusprechen, weil er sich auch taktisch klug verhalten hat bei manchen Sachen wie bei der Entwicklung auf der Hüls – und die CDU halt erkannt hat, dass es sich nicht lohnt, dagegen zu steuern. Da würden wir der eigenen Kommune halt wehtun und kämen keinen Schritt weiter. Deshalb haben wir mit Dr. Pichler genauso weitergearbeitet. Allerdings haben wir einige Unter-schiede ja doch schon, und die muss man herauskristallisieren.

Welche Unterschiede könnten das sein?

Ich muss erst mal die Mitgliederversammlung ja überstehen, und wir haben ja erfahren, wie aufregend so eine Versammlung sein kann. Dann werde ich vielleicht auch ein bisschen mehr dazu sagen. Es ist ja auch gut möglich, dass ein weiterer Kandidat ins Rennen kommt. Das fände ich auch okay, weil der Demokratiewillen damit gestärkt wird. Und dann schauen wir nach dem 26. März, wie es weitergeht.

Das Interview führte Alexander Florié-Albrecht.

Pichler bekräftigt Kandidatur aus dem Amt heraus

In weniger als einem Jahr steht in Kevelaer die Kommunalwahl an. Für Bürgermeister Dr. Dominik Pichler stellt sich die Frage nach der Wiederwahl. Bislang sieht es so aus, als werde er keinen Herausforderer haben. Das KB sprach mit Dominik Pichler über die politische Situation in Kevelaer und die kommenden Aufgaben.

Im Kreis Kleve kündigen die ersten Bürgermeister an, bei der Kommunalwahl im September 2020 erneut zu kandidieren. Bleibt es dabei, dass auch Sie wieder antreten?

Dr. Dominik Pichler: Offiziell ist eine Kandidatur ja noch gar nicht möglich. Aber dass ich die Absicht habe zu kandidieren, gilt weiterhin – auch, dass ich es für richtig halte, aus dem Amt heraus zu kandidieren.

Was ist Ihre Motivation dafür, nicht als SPD-Kandidat anzutreten?

DP: Mir war es immer schon wichtig, weniger ein SPD-Bürgermeister zu sein, sondern ein Bürgermeister möglichst aller Bürger. Ich möchte damit das Parteibuch nicht verleugnen. Es sollte aber bei der Ausübung des Amtes nach meinem Amtsverständnis keine große oder gar übergeordnete Rolle spielen. Ich brauche auch mehrheitsfähige Vorschläge im Rat und muss im Rat Brücken bauen. Man kann es nicht immer allen gleich recht machen, aber man kann versuchen, Mehrheiten für Ideen in der Bevölkerung zu gewinnen. Und das meine ich nicht populistisch. Das Gradierwerk war ja auch umstritten, aber jetzt, wo wir ein stimmiges Konzept umsetzen und die Leute es erleben können, hat die Kritik nachgelassen.

Alle Bürger zu überzeugen, kann aber nicht immer gelingen…

DP: Nein, beispielsweise wollte eine Mehrheit ein Mehrzweckbecken. Das bedeutete das Aus für die Sauna. Da musste ich eine Entscheidung treffen und die habe ich dann früh und klar kommuniziert. Das Pflaster der Hauptstraße wurde emotional diskutiert, weil es – neben den fachlichen Aspekten – eine Geschmacksache ist. Die gesamte Gestaltung der Innenstadt ist ein Beispiel dafür. Die Vorstellungen dazu sind sehr unterschiedlich. Es wird nicht gelingen, etwas hinzuzaubern, das allen gefällt. Aber wir müssen solche Entscheidungen treffen, um die Stadt weiterzuentwickeln.

Die teils große Harmonie, die sich nach der Kommunalwahl im Rat zeigte, ist mit der Zeit aber weniger geworden. Nicht zuletzt beim wichtigen Zukunftsthema „Klimanotstand“ gab es sehr unterschiedliche Positionen…

DP: Die Grünen fanden, da habe es „gerumst“. Das habe ich so nicht wahrgenommen, es ging doch vor allem um die Wortwahl. Jetzt muss die Abschlusserklärung mit Leben gefüllt werden. Aber Kevelaer macht beim Klimaschutz schon lange eine Menge. Die Kooperation mit den Landwirten zum Grundwasserschutz und die Teilnahme am European Energy Award haben sogar schon weit vor meiner Amtszeit begonnen.

Was tut sich aktuell beim Klimaschutz?

DP: Ganz aktuell beschäftigen wir uns mit der Klimafolgenanpassung. Da geht es vor allem um Starkregen und Dürren. Das ist natürlich kein Klimaschutz, gehört aber zum Thema dazu. Wir müssen uns aber auch fragen: Was können wir als Stadt sinnvoll tun? Wir sind ein Mosaiksteinchen im weltweiten Klimaschutz. Dabei dürfen wir die Menschen nicht verlieren: Wir machen das nicht, um jemanden zu entreichern oder jemandem das Leben schwer zu machen.

Was sagt die SPD in Kevelaer dazu, dass Sie aus dem Amt heraus und nicht als SPD-Kandidat antreten wollen?

DP: Der Vorstand weiß, dass ich auch 2015 ohne SPD-Emblem erfolgreich Wahlkampf gemacht habe. Die SPD sieht, dass ich das nötige Standing auch bei anderen habe. So falsch kann nicht sein, was ich gemacht habe.

Zum zweiten Mal in wenigen Jahren hat ein engagiertes Fraktionsmitglied unlängst die SPD-Fraktion verlassen. Kommt die Partei mit einem überparteilichen Bürgermeister nicht zurecht  oder warum brodelt es immer wieder in der Fraktion?

DP: Die Entscheidung von Brigitte Middeldorf war eine höchstpersönliche. Ich selbst habe kein Problem mit ihr und habe lange mit ihr als meiner Stellvertreterin gut zusammengearbeitet. Jetzt muss man akzeptieren, dass sie sich in einer anderen politischen Partei wohler fühlt.

Die CDU hat nun beantragt, Geschwisterkinder vom Kindergartenbeitrag zu befreien, eine Forderung, für die Sie als Mitglied SPD-Fraktion und auch als Bürgermeister jahrelang erfolglos geworben haben…

DP: Es ist richtig, dass jetzt die CDU die Geschwisterkinderregel kippen will. Den Antrag dazu habe ich vor sieben Jahren gestellt. Wir müssen jetzt schauen, ob wir das nicht auch auf die Ganztagsschule ausweiten können. Mehrkindfamilien zu unterstützen ist wichtig. Das merke ich mit meinen sechs Kindern selbst, obwohl ich wirklich gut verdiene.

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zur CDU?

DP: Ich finde, bei uns in der Lokalpolitik spielen links/rechts oder libertär/konservativ keine Rolle. Obwohl wir uns in unseren politischen Ansichten erheblich unterscheiden, komme ich mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Paul Schaffers gut klar. Wir sind beide pragmatisch und suchen gut umsetzbare Ergebnisse. Bei politischen Themen auf Bundesebene kämen Paul Schaffers und ich wahrscheinlich längst nicht so häufig überein. Es gibt ja Gründe, weshalb ich in der SPD bin und er in der CDU.

Während der Grünkohlwoche schwört Dr. Dominik Pichler (hier mit Annette Strähnz und Heinz-Josef Kuypers) auf Deftiges. Ansonsten erwartet ihn im Rathaus aber nicht immer nur “Hausmannskost”.

Die CDU erwägt laut ihrem Fraktionsvorsitzenden, keinen eigenen Kandidaten zur Kommunalwahl aufzustellen. Manche sagen, weil sie keinen hat, andere, weil auch die Konservativen mit Ihrer Arbeit zufrieden sind. Ändert sich etwas an Ihrer Entscheidung, sollte eine Mehrheit der CDU doch einen eigenen Kandidaten präsentieren wollen?

DP: Klares Nein. Ich habe Ihnen ja meine Gründe genannt, und ob ich gegen fünf Kandidaten, gegen einen aus der CDU oder gegen keinen antrete, daran würde sich dadurch nichts ändern. Der Bürgermeister hat nicht aus dem Parteiprogramm heraus zu wirken, sondern sollte Brücken bauen und stets die Stadt und die Bürgerschaft im Blick behalten.

Sie haben kürzlich den Wegfall der Stichwahl bei der Bürgermeisterwahl in NRW kritisiert. Weshalb?

DP: Wenn fünf Kandidaten antreten und jeder ähnlich viele Stimmen holt, könnte ohne Stichwahl jemand mit knapp über 20 Prozent der Wählerstimmen den Sieg davontragen, der mit Stichwahl vielleicht von drei Vierteln der Wähler abgelehnt worden wäre. Und plötzlich hat man auch in NRW einen AfD-Bürgermeister, den kaum einer wollte.

Welche Themen werden für Sie in der kommenden Wahlperiode für Kevelaer zentral sein?

DP: Vor zwei Jahren hätte ich gesagt: die Integration Geflüchteter. Heute ist das kein Thema mehr. Die Geflüchteten, die wir hier haben, fallen nicht negativ auf. Das Klima könnte das Thema sein – aber vielleicht haben wir auch jetzt schon die richtigen Konzepte. In jedem Fall wird es weiter großen politischen Raum haben. Dauerbrenner bleiben sicher Jugend, Schule und Familie. Die Stadt gibt viel Geld aus, um Schulen modern zu halten und gut auszustatten. Wir haben uns um den Skatepark gekümmert, ums Mehrzweckbecken, den Kleinkaliberstand der SSG, die Kunstrasenplätze … Das ist immer auch Jugendförderung. Wir werden weiter die Turnhallen sanieren. Andere große Themen ergeben sich oft aus der Situation heraus.

Vor dem Hintergrund Klimaresolution, Neuplanung Plümpe-Platz, Verkehrskonzept: Gibt es bei der Stadt eigentlich jemanden, der ein übergeordnetes Konzept entwickelt, wie Kevelaer künftig in der Innenstadt attraktiv sein will, wie Radverkehr/Busverkehr/Bahnverkehr stärker gefördert und Autoverkehr begrenzt werden soll und wie dabei die Hüls gut einbunden wird?

DP: Im Rahmen der Peter-Plümpe-Platz-Planungen entsteht auch ein Verkehrskonzept über den Nahraum hinaus. Das hat den Auftrag zu prüfen, wie der motorisierte Individualverkehr verringert werden kann und wie Fußgänger und Radfahrer besser unterstützt werden. Davon erhoffe ich mir diverse Verbesserungen. Da meine Eltern Anwohner des Peter-Plümpe-Platzes sind, bin ich zu den Planungen formell befangen und kann mich daher nicht in den politischen Gremiensitzungen, sondern nur privat zu den Planungen einbringen. Ich bin schon dafür, ein Stück Verkehr rauszuziehen und im nördlichen Bereich ein Stück für Grün oder Begegnung zu schaffen.

Dann fallen natürlich Parkplätze weg. Steigen dann mehr Kevelaerer aufs Fahrrad um?

DP: Das kann ich nicht beantworten. Wir haben auch vom ADFC Vorschläge erhalten, wie Kevelaer fahrradfreundlicher werden kann und müssen schauen, wie wir die berücksichtigen können.

Und die Hüls?

DP: Eine erfolgreiche Anbindung ist wichtig für die Nutzung der Angebote auf der Hüls. Ich will da ja kein Millionengrab hinstellen. Die Entfernung zur Innenstadt wäre in einer Großstadt lächerlich. Aber auf dem Land muss man die Verbindung fußläufig attraktivieren. Man könnte überlegen, die Verkehrsberuhigung von der Marktstraße bis zur Antoniusschule auszuweiten oder sogar bis zur Kreuzung Walbecker Straße. Und wenn einmal die technischen Möglichkeiten so weit gediehen sind, dass sicheres autonomes Fahren im Straßenverkehr möglich ist, dann wäre das eine ideale Lösung für die Anbindung der Hüls an die Innenstadt mit einem Shuttlebus.

Kein Grund zur Sorge bei den Kevelaerer Finanzen

Schon während der Gratulation mit einem kleinen Tröpfchen in der Hand und Handschlag machte Bürgermeister Dr. Dominik Pichler klar, was die beiden „Neuen“ im Amt des stellvertretenden Bürgermeisters so zu erwarten haben.

„Herr von Ballegooy und ich haben einen arbeitsreichen Plan ausgearbeitet“, scherzte der erste Mann der Stadt, nachdem die Wahl erfolgt war. Zuvor war die bisherige Amtsinhaberin Brigitte Middeldorf mit einem Blumenstrauß und dem herzlichen Dank von Pichler aus ihrem Amt verabschiedet worden. „Ich habe das gerne gemacht“, machte die Politikerin deutlich.

Middeldorf war aus der SPD-Fraktion ausgetreten und saß bereits in den Reihen der Grünen-Fraktion, der sie in Zukunft als Mitglied angehören wird. Da sie aber den Posten als Mitglied der SPD-Fraktion, die das Zugriffsrecht darauf hat, erhalten hatte, verzichtete sie auf die weitere Ausübung des Amtes. Auch Johann-Peter van Ballegooy erhielt ein Dankeschön dafür, wie er in den letzten Wochen sein Amt wahrgenommen hat. Er wird bis zur Kommunalwahl 2020 weiter als Stellvertreter fungieren.

Mit 34 ‚Ja-Stimmen und mit 31 Ja-Stimmen gewählt

Im Anschluss daran erfolgte die geheime Abstimmung über die beiden vakanten Stellvertreterposten. Bei der ersten Wahl entfielen 34 Ja-Stimmen und eine Nein-Stimme auf den CDU-Politiker Mario Maaßen, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Die SPD hatte ihr langjähriges Ratsmitglied Norbert Baumann nominiert. Am Ende erhielt der stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses 31 Ja-Stimmen und drei Nein-Stimmen.

Nach der Gratulation für beide Kandidaten äußerte Dominik Pichler sein Bedauern über das Stimmverhalten. „Da ist scheinbar was kaputtgegangen“, äußerte er sich an der Stelle diplomatisch und bezog sich auf die Ereignisse von 2017, als es um die Frage des Stellvertreterpostens für den CDU-Politiker Michael Kamps ging.

Kämmerer Ralf Püplichuisen stellte anschließend die Eckdaten des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2020 als einen Ein-Jahres-Haushalt vor. „Nicht etwa, weil der Doppelhaushalt sich nicht bewährt hätte, sondern weil sich die Fraktionen in Anbetracht der Kommunalwahl im kommenden Jahr hierfür ausgesprochen hahen.“ Und es könne vielleicht sogar von Nutzen sein, weil es „schwer abzuschätzen“ sei, wie sich denn die Jahre 2020 und 2021 weiter entwickeln werden. „Die Prognosen schwanken zwischen tiefer Rezession über Stagnation hin bis zu zumindestens moderat weiter boomender Wirtschaft.“ Das Jahr 2018 sei „ein gutes Jahr“ gewesen, machte er später bei der Einbringung des Jahresabschlusses deutlich. Für 2019 deute sich allerdings eine „leichte Kehrtwende“ an.

Zwar sprudelten die Steuereinnahmen noch fast so gut wie 2018, aber die Anzeichen deuteten darauf hin, dass der „Peak“ erreicht sei und eine Wende bevorstehe. Der Haushalt 2019 werde voraussichtlich mit einer „schwarzen Null“ abschließen. Es werde sich aber zeigen, ob diese Einschätzung zum Jahresende hin Bestand hat.

Kein positiver Trend im Jahr 2020

2020 werde sich der positive Trend der vergangenen Jahre nicht fortsetzen – obwohl die Berechnungen zu den Schlüsselzuweisungen für 2020 ein Plus von 1,7 Millionen Euro ausweisen, die Finanzierung am Fonds Deutsche Einheit mit 1,26 Millionen Euro entfällt und bei der Einkommenssteuer 400.000 Euro dazukommen. Das sind insgesamt plus drei Millionen Euro.

Diese Summe werde aber mehr als aufgezehrt – so zum Beispiel durch ein Minus von 1,4 Millionen bei den Gewerbesteuereinnahmen und dem Saldo von 300.000 Euro bei den Leistungen an die freien Träger trotz der Landeszuschüsse. Außerdem fielen über 1,15 Millionen Euro mehr an Personalkosten an und 2,35 Millionen Euro an Mehraufwand für Sach- und Dienstleistungen. Das umfasst die bauliche Unterhaltung – auch im Rahmen des Programms „Gute Schule“ – und Instandhaltungsmaßnahmen.

Der Haushalt 2020 weise daher ein Defizit von rund 643.000 Euro auf. Für die Folgejahre geht der Kämmerer von einem Fehlbetrag von jährlich rund 400.000 Euro aus. „Das ist nicht schön, aber kein Grund, in Panik zu verfallen“, sagte Püplichuisen.

Denn die Ausgleichsrücklage sei mit 12,6 Millionen gut gedeckt. Der Fehlbetrag könne darüber ausgeglichen werden. „Dennoch muss ich als Kämmerer den mahnenden Finger heben. Wir geben mehr aus, als wir an Erträgen einnehmen, und zumindestens ist derzeit kein Spielraum, große Geschenke zu verteilen.“

Auch der Finanzplan für 2020 weise ein Defizit von 403.000 Euro auf. Ab 2021 würden aber wieder Überschüsse erwirtschaftet. Allerdings steige 2020 die Tilgung der Kredite um rund 200.000 Euro. „Die Liquidität der Wallfahrtsstadt Kevelaer“ sei „nach den derzeit vorliegenden Planungen jederzeit gewährleistet“, sendete der Kämmerer Signale der Beruhigung aus. Auf der anderen Seite mache die Stadt aufgrund ihrer Investitionen 2020 neue Schulden in Höhe von acht Millionen Euro. Was die Investitionen betrifft, verwies er auf den um 2,65 Millionen Euro angestiegenen Betrag für das Grundstücksmanagement, um dort „den Spielraum beim Ankauf von Potenzialflächen“ zu vergrößern.

„Eine große Einnahme ist die Sparsamkeit“

Die „sozial- und umweltgerechte“ Stadtentwicklung mit den Funktionen Wohnen, Wirtschaft, und Freizeit sei ein „strategisches Ziel der Wallfahrtsstadt Kevelaer.“ Püplichuisen mahnte die Politik, „die Wirtschaftlichkeit bei jeder Maßnahme“ in den Blick zu nehmen und schloss mit den Worten des römischen Gelehrten Cicero: „Magnum vectigal est parsimonia – Eine große Einnahme ist die Sparsamkeit.“

Die wesentlichen folgenden Punkte waren in den Gremien bereits ausführlich vorberaten worden, sodass die Beschlüsse zügig erfolgten. Die Grünen-Anträge für einen Klima-Notstand und eine Mitgliedschaft im Klima-Bündnis wurden mehrheitlich zurückgewiesen. Der Stadtbund Kevelaer erhielt einen Zuschuss, die Event-und Marketingagentur Kevelaer UG erhält 15.000 Euro für die Durchführung des Advents- und Krippenmarktes, wobei es Paul Schaffers (CDU) nochmal wichtig war, zu betonen, dass es sich da nur um einen einmaligen Zuschuss handelt. Und der Rat stimmte grundsätzlich für den Antrag auf Fördermittel zur Entwicklung eines Parcours- und Skaterparks über die LEADER-Regionen „Leistende Landschaft und „Niederrhein: Natürlich lebendig“.

Im Rahmen der Sitzung hatte sich Pichler außerdem recht deutlich zu einem Zeitungsbericht über Mobbing am Kardinal-von-Galen-Gymnasium geäußert. Da sei der Versuch gemacht worden, einen Einzelfall zu einem Skandal hochzustilisieren, verurteilte er die Darstellung. Die Ratsmitglieder quittierten seine Äußerungen mit Applaus.

Abschied von Heinz Paal

Es war zuletzt still um Heinz Paal geworden. Der langjährige Stadtdirektor und erste hauptamtliche Bürgermeister Kevelaers lebte in den letzten 15 Jahren vor allem als Privatmensch. Als das KB ihn vor zwei Jahren besuchte, hatte er gerade begonnen Saxophon zu lernen.
Er erzählte von den Spaziergängen mit seiner Frau, dem Wein, den er genoss, und schönen Zeiten in seinem Haus in Spanien. Nun ist Heinz Paal im Alter von 76 Jahren gestorben.
Mit 15 Jahren in die Stadtverwaltung
Bereits als 15-Jähriger fing Paal beim Amt Rindern an, mit 30 erwarb er nach Studium das Kommunaldiplom, mit 32 begann seine lange Verwaltungstätigkeit in der Stadt Kevelaer, für die er zunächst die Leitung des Rechnungsprüfungsamts übernahm. 1976 wurde Heinz Paal zum Kämmerer und Beigeordneten ernannt und nach dem Ausscheiden von Dr. Karl-Heinz Röser zur Jahreswende 1983/84 zum Stadtdirektor berufen. 1999 wählten ihn die Kevelaerer zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister ihrer Stadt. Für eine zweite Amtszeit kandidierte er nicht mehr. Ihm folgte 2004 Dr. Axel Stibi.
Wer die gesamte Spanne von Paals Kevelaer-Zeit begleitet hat, sieht zwei große Abschnitte im Wirken des Stadtmachers, die unterschiedlich zu bewerten sind. In der ersten Hälfte war Paal geradezu brillant – in seiner Analyse, seinen Instrumenten und seiner Überzeugungskraft, wenn er politische Mehrheiten für eine Idee gewinnen wollte.
Und mutig war der Rathauschef: Als der Stadt auf geheimnisvolle Weise sehr viel Geld zufloss, investierte er fast eine Million Mark ins „Bohrloch“, wohl wissend, dass die Idee eines Kur­zentrums scheitern und das Geld in den Sand gesetzt sein könnte (was auch eintrat). Die Entscheidung war kein Alleingang, sondern abgestimmt mit einem risikofreudigen Stadtrat.
In der ersten Hälfte seiner Kevelaer-Zeit schimmerte durch die Oberfläche des gewieften Verwaltungsprofis der unglaublich ehrgeizige junge Mann durch, der sich Wissen und Bildung auf unbequemen Wegen hart erarbeiten musste und sich schon mal mit direkt genossenen Kaffeebohnen „dopen“ musste: „Zum Kaffeekochen hatte ich keine Zeit.“
In jener ersten Amtszeithälfte reifte Paals Ansehen in der Wallfahrtsstadt, von dem er in der Beurteilung durch viele Bürger auch in der zweiten Hälfte seiner Amtsjahre zehrte, als sich der berüchtigte Twistedener Klüngel auszuwirken begann.
Der Mann, der mit Widerspruch schlecht umgehen konnte, fand im Stadtrat einflussreiche, ihn geradezu vorwärts treibende Mitstreiter, die häufig den Geruch des Eigennutzes verströmten, ohne dass das von politischen Beobachtern stets bemerkt worden wäre.
Amtszeit mit zwei Seiten
Im Gefolge der so genannten Traberpark-Affäre, bei der der Stadtrat als Kontrollorgan versagte, fielen Masken, zerbrachen Vertrauensverhältnisse und entwickelten sich langsam offene Gegnerschaften.
Je mehr Heinz Paal als „Machtmensch“ von eigenen Leuten im Rathaus gefürchtet wurde – dies besonders seit seiner Wahl zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt (1999) –, desto geringer wurde seine politische Kraft zur Durchsetzung millionenschwerer Vorgänge. Logische Folge der Entwicklung war Paals Nichtkandidatur 2004.

1984 wurde Paal als Stadtdirektor vereidigt.
Fotos: KB-Archiv


Zu den traurigsten Vorgängen während der Amtszeit von Heinz Paal zählt der Versuch, den bei Paal in Ungnade gefallenen Beigeordneten Karl-Ulrich Braasch abwählen zu lassen. Etwa die Hälfte des Stadtrats ließ sich dafür einspannen. Am Ende reichte die Mehrheit nicht aus.
Braasch schied bald darauf regulär aus dem Amt und wurde von seinem Chef Heinz Paal mit einer Laudatio in den Ruhestand verabschiedet, die das Gegenteil von dem zum Ausdruck brachte, was zuvor den Abwahlversuch begründet hatte. Karl-Ulrich Braasch starb 2010.
Das Wissen um die Schattenseiten ändert nichts an der Einschätzung, dass Heinz Paal ein hoch talentierter Stadtmacher war, der besonders in der ersten Hälfte seiner langen Amtszeit gute Spuren hinterlassen und zukunftsweisende Entwicklungen – besonders auf dem wirtschaftlichen Sektor – angestoßen hat.
Eine dieser Entwicklungen, die zu seiner Amtszeit noch scheiterte, hat Heinz Paal noch wiederauferstehen sehen: Auf der Hüls entsteht an „seinem“ Bohrloch nun der Solepark St. Jakob.
Heinz Paal wird auf See bestattet. Die Trauerfeier findet im Familienkreis statt.