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Eine spannende Abwechslung im Bühnenhaus

Minuten vor der Vorstellung hatten Nicole Arians und die Helfer des offenen Ganztags in Wetten gut zu tun, um den „Flohzirkus“ bei ihnen vor dem Betreten des Bühnenhauses ruhig zu halten. „Wir haben drei Wochen Ferienkompass, da kommt ein Kinobesuch ganz gut an“, meinte Arians, ehe sie den 76 Jungen und Mädchen die Erlaubnis gab, ins Bühnenhaus zu gehen. Die zwölfjährige Aileen und die ein Jahr ältere Lea waren gespannt auf das, was kommen sollte. „Ich finde es gut, weil es auch mal neuere Filme sind“, sagte Aileen.

128 Kinder vom Jugendzentrum „Kompass“ nutzten den Morgen ebenfalls, um sich den Film im Bühnenhaus anzusehen. „Das ist eine gute Abwechslung“, meinte Christian Richter, einer der 17 begleitenden Betreuer.

Erinnerungen an die Kindheit

Auch Heike Wehling nutzte die Chance, mit ihrem Mann Thomas und den Kindern Amira und Jasmin ins „Kino“ zu gehen. „Es ist ja Urlaub, und wenn Filme da sind, die uns und vor allem die Kinder interessieren, dann kommen wir gern. Heute ist es so ein bisschen eigene Kindheit mit den ‚Fünf Freunden‘. Ich habe früher die ganzen Kassetten gehört“, lächelte die 38-Jährige und suchte sich mit ihrer Familie schöne Plätze.

Seit 2014 gibt es offiziell das „KöBu-Flimmern“ im Bühnenhaus, bei dem Filme mit bestimmten Themenschwerpunkten gezeigt werden. Seit zwei Jahren habe man das Angebot um das Ferienkino erweitert, das jeden Mittwochvormittag in den Ferien stattfinde, erläutert Lisa Püplichuisen vom Kevelaerer Stadtmarketing.

„Wir haben ja kein Kino in Kevelaer und sehen das als Erweiterung unseres Kulturangebotes“, machte sie deutlich. „Das sind Filme, die nicht im Kino sind.“ Beim „KöBü-Flimmern“ liege die Resonanz mal bei zwei Leuten, mal bei dreißig – da könne man durchaus mehr Besucher haben. „Das Kinderkino läuft dagegen wunderbar, da ist immer was los“, freute sich Püplichuisen über das Interesse. Wobei man bewusst die Empore als Kinoplatz vermeide und nur die unteren Plätze im Parterre anbiete. „Das ist uns zu gefährlich da oben ohne Aufsichtsperson.“

Bis Ende August 2019 läuft das „Ferienkino“ jeden Mittwoch ab 10.30 Uhr und das „KöBü-Flimmern“ startet wieder im September. „Solange wie die Leute und die Kinder kommen, wollen wir das anbieten“, sagt Püplichuisen. „Wir wollen ja die Kinder auch motivieren und deren Fantasie anregen.“

„Geflasht“ von der Handlung

Das gelang mit dem Film über die „Fünf Freunde“ ganz gut. „Es war cool. Ich fand alles spannend“, sagte der zehnjährige Fritz und war noch ganz „geflasht“ von der Handlung. „Dass ihr alle mitgeklatscht habt, als die im Film geklatscht haben“, fand Gianna van Husen vom „Kompass“ ziemlich gelungen.

Und Dirk Kerkmann, der seinen zehnjährigen Sohn Joshua abholte, meinte nur: „Wenn  die Kinder beschäftigt sind und mit einem guten Gefühl rausgehen“, dann habe man damit alles richtig gemacht.

Ein Quartett außer Rand und Band

Die Kunstfigur „Herbert Knebel“ ist ein Phänomen. Seitdem der mittlerweile 64-jährige Komiker Uwe Lyko im Jahr 1988 die Person des knarzigen, mit der Buxe unter der Achsel laufenden Bergmanns erfand, der mit seiner „Guste“ in Essen-Altenessen lebt und als Frührentner mit seinen Freunden durch die Lande zieht, fliegen ihm die Sympathien des Publikums zu.

Das liegt vielleicht auch an der Besonderheit der Figuren, die sich im Laufe der Jahre in seinem „Affentheater“ herauskristallisiert haben: Da gibt es den wunderbar-selbstverliebten Gitarristen „Ozzi Ostermann“ (alias Georg Göbel-Jakobi) im Khaki-Hemd, der auch in Kevelaer mit eigenwilligen Tanzeinlagen und starkem Gitarreneinsatz überzeugte. Der Bassist „Ernst Pichel“ (Martin Breuer) glänzte als Rhythmusgeber und Verkehrsexperte. Und die Type des „Trainers“ (Detlef Hinze) in Sporthose sorgte mit klarem Drum-Beat für Rhythmus – und mit seinem einfältigen Wesen für komische Momente.

Die Kombination dieser vier Charaktere in Verbindung mit einer musikalischen Qualität, die jede gestandene Rockband in den Schatten stellen kann, und dem ganz eigenen, pott-typischen Slanghumor überzeugte auch das Publikum im Kevelaerer Bühnenhaus.

Musikalisch überzeugend

Knebel philosophierte entweder solo oder mit seinen Jungs über die Vor- und Nachteile von Smartphone und Navigationsgerät („Wat sich da geändert hat, da erkennste die Welt nicht wieder“), um danach mit einer krachenden Eigenversion von „My generation“ über das Publikum hinwegzufegen. Anschließend kommentierte Knebel den Staubsauger-Roboter „Erwin“ von Kumpel Hans Schäfer mit dem trockenen Satz: „Was soll ich als verheirateter Mann mit einem Roboter? Wofür hat man sich mal das Jawort gegeben ?“

Er testete das Gerät solange mit Sahnetorte auf dem Boden aus, bis es einen „Cholesterinschaden“ erlitt. „1:1 für Guste“, meinte der Bergmann, bis er hörte, dass man so einen Roboter auch umtauschen kann.

Danach brillierten „Ozzy“, der viele Erlebnisse in Liedern verarbeitete, und der „Trainer“ im Musikduett bei „Schönes Frollein“, der Adaption von Roy Orbisons „Pretty Woman“.

Die vier Charaktere setzten sich als „Selbsthilfe anonymer Bußgeldopfer“ zusammen, um wie der „Trainer“ über die Erfahrungen im Pariser Kreisverkehr oder „38 inner 30er-Zone“ zu diskutieren.

Die Musik kam nicht zu kurz. Foto: AF

Passend dazu gab es „Another brick in the wall“ von Pink Floyd mit den Zeilen „Wir wollen keine Politesse, lass uns Sünder doch in Ruh.“ Und zwischendurch mussten die vier im Kollektiv gelassen schmunzeln, als Ozzy seinen Einsatz kurz mal verpasste.

In dem spontan wirkenden, hoch-humorvollen Stil gestaltete sich dann der gesamte Abend. Knebel erzählte über seinen „Pils“-Ausflug mit Kumpel Heinz, der „Pilze“ meinte und über das Erlebnis der Natur („Auf Du und Du mit Flora und dat Fauna“) in Stooges-Musikmanier mit dem Song „Ich bin ein Laufender“. Weiter erzählte er von der Kreuzfahrt mit Guste, die statt einer Nobel-Suite im letzten „Kabuff“ endet, wobei das Schiff drei Tage an Land blieb.

Verkehrsunfall in Meinerzhagen

Ozzy sang hüftschwingend über seinen Verkehrsunfall „In Meinerzhagen“ und machte mit den anderen Kollegen mal kurz ein Selfie.

Herbert streifte die Erlebnisse mit „Zündapp Harry“ und machte mit dem Combo aus Deep Purples „Strange kind of woman“ das Stück „Was fürn geiles Mofa“.  Das Publikum quittierte die zwei Stunden Unterhaltung mit langanhaltendem Beifall – und es bleibt zu hoffen, dass diese Formation noch lange die Bühne der Republik bespielen wird.

Neue Stühle für das Kevelaerer Bühnenhaus

Wer es im Zweifelsfall mit der bequemen heimischen Couch aufnehmen muss, der darf sich, was Design und Komfort angeht, nicht lumpen lassen. So gesehen war die Gute Stube der Stadt etwas in die Jahre gekommen: Seit rund 30 Jahren war die variable Bestuhlung hier in Gebrauch. Und was von der Zeitspanne her bei Menschen als eine Generation gilt, scheint auch für Stapelstühle zu gelten. Die nächste Generation ist jetzt da.

Zwar habe der Zustand des Bezugstoffes den Anbietern neuer Stühle reichlich Respekt abgenötigt, sagt Stadtmarketing-Chef Bernd Pool. Doch viele Gestelle waren bereits mehrfach repariert worden, und so wartete man schon eine Weile auf das „O.K.“ des Kämmerers zur Neuanschaffung für das von der Stadt betriebene Bühnenhaus. Nun wurden 180.000 Euro im Stadtetat bereitgestellt. „Wir haben gut verhandelt“, sagt Pool, und so habe diese Summe um satte 30.000 Euro unterschritten werden können. So blieb sogar Geld übrig, um in einem „Rutsch“ auch die Sitzplätze und Hocker auf der Empore neu zu beziehen.

Dass die neuen Stühle nicht nur ihren Zweck erfüllen, sondern auch noch bequem sind, gut aussehen und technisch ein variables elektronisches Display bieten, davon konnten sich die ersten Nutzer beim Theaterstück „In 80 Tagen um die Welt“ am Sonntagabend überzeugen. Zuvor hatten Beate Clasen (CDU), Jürgen Hendricks (FDP) und Udo Fischer (SPD) als Vertreter des Kulturausschusses, sowie Bürgermeister Dominik Pichler, mal „probegesessen“ und zeigten sich hocherfreut, dass die Anschaffung gelang.

Der Bezugstoff nimmt statt des alten Blau die ohnehin vorhandenen Farben des Bühnenhauses auf: Dunkelrot und Anthrazit-Grau. Es kann sowohl eine komplette Bestuhlung in Antrazit erfolgen, als auch rote Sitze variabel „eingestreut“ werden, denn es wurden insgesamt 400 graue und 200 rote Exemplare angeschafft. Das Display kann jeweils individuell angepasst werden. So können neben Reihe und Platznummer auch ein Logo oder ein Schriftzug eingeblendet werden.

Einen besseren „Testmonat“ als den November hätte man sich nicht aussuchen können: Bis auf zwei Tage sei das Konzert- und Bühnenhaus ausgebucht, sagt Bernd Pool. „Und mit den neuen Stühlen werden wir unserem Ruf als herausragendes Veranstaltungshaus in der Region einmal mehr gerecht.“

Die alte Bestuhlung gehört übrigens noch nicht ganz zum „alten Eisen“: Ein Teil der blauen Stühle der „Generation 30+“ soll künftig für andere Zwecke, etwa in der Begegnungsstätte, weiterverwendet werden.