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Auf vielen Wegen zu den Menschen

Es gab eine Zeit vor Corona, auch in der Ehe-, Familie- und Lebensberatung des Bistums Münster (EFL). Auf diese Zeit schaut der Jahresbericht der EFL für 2019 zurück, den Leiterin Andrea Stachon-Groth nun vorgestellt hat, ohne dabei den Ausblick auf die künftige Zeit mit Corona, die die Arbeit in den EFL-Beratungsstellen weiter prägen wird, auszusparen.

Unverändert geblieben ist die hohe Nachfrage nach den Angeboten der EFL. 2019 haben ins-gesamt 13.699 Ratsuchende die 38 Beratungsstellen im Bistum Münster aufgesucht. Dies ent-spricht der in etwa gleich hohen Resonanz der Vorjahre: 2018 hatte es 13.030, 2017 insgesamt 13.424 Ratsuchende gezählt worden.

3.933 Paare haben eine gemeinsame Beratung in Anspruch genommen. 169 Ratsuchende nutz-ten die Online-Beratungsstelle und wurden dort in 871 E-Mail-Beratungskontakten und 82 Chat-Beratungen unterstützt.

Der größte Teil der Ratsuchenden (59 Prozent) ist katholisch. Stachon-Groth und ihrem Team ist aber wichtig, dass sie genauso für Menschen anderer oder ohne Religionszugehörigkeit ansprechbar sind. Finanziert wird die Beratungsarbeit zu zwei Dritteln durch das Bistum, zu 18 Prozent von den Kommunen, zu elf Prozent vom Land NRW. Die restlichen Mittel stammen aus Spenden.

Online-Beratung

Die Themen der Beratungen ergeben sich laut Stachon-Groth oft aus Veränderungen und Umbrüchen in der Lebenssituation, in der Beziehungsdynamik zwischen Partnern und Familienangehörigen. Einzelpersonen kommen häufig wegen Selbstwertproblemen, stimmungsbezogenen Problemen wie Depressionen oder nach kritischen Lebensereignissen.

Paare suchen Rat vor allem wegen Schwierigkeiten in der Kommunikation und Auseinanderlebens, während Familien wegen Problemen im Umfeld oder einer gestörten Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern die EFL kontaktieren.

„Wesentlich für unsere Arbeit ist weiterhin, den Begriff der Familie größer zu denken als im klassischen Sinne“, betont Stachon-Groth angesichts eines in den vergangenen Jahren immer vielfältiger gewordenen Familienbilds. Auch das bildet der Jahresbericht ab: Zusammenlebende Paare mit gemeinsamen minderjährigen Kindern machen noch 33 Prozent der Ratsuchenden aus, Alleinerziehende 13 Prozent sowie Stief-/Patchwork oder Adoptiv-/Pflegefamilien mit minderjährigen Kindern sechs Prozent.

26 Prozent der Ratsuchenden lebt allein oder als Paar mit erwachsenen Kindern. „Hier hält die Kirche ein Angebot bereit für Menschen, die sonst durchs Raster fallen, denn die Beratung einer Familie mit erwachsenen Kindern erhält keine Landesförderung“, sagt Stachon-Groth.

Bei ihrer Arbeit sehen sie und ihr Team sich nicht als Einzelkämpfer, im Gegenteil: „Wir ver-netzen uns immer stärker mit anderen Angeboten in der Seelsorge oder der Prävention, um die unterstützenden Dienste der Kirche als Gesamtpaket noch wirksamer zu machen.“ Ebenso begleite man Ratsuchende beim Übergang zu nicht kirchlichen Angeboten.

Kontinuierlich wolle die EFL außerdem ihre „Beratungsansätze und Methoden weiterentwickeln und wissenschaftlich auf den Prüfstand stellen“, unterstreicht die Leiterin. Seit einem gemeinsamen Fachtag im Herbst 2019 arbeite man daran gezielt mit universitären Einrichtungen.

Ein weiteres Ziel für die Zukunft ist nach Stachon-Groths Angaben, junge Menschen als Zielgruppe „auf unkonventionelle Art“ anzusprechen. Mit einer Impro-Theater-Aufführung über Beziehungsalltag habe man im Januar eine erste Idee erfolgreich ausprobiert, an die man anknüpfen wolle.

Nicht nur wegen der Corona-Einschränkungen wichtiger geworden sei das Thema Digitalisierung. „Aber durch die Umstellung unseres Angebots ist die Bereitschaft zu und die Erfahrung mit digitaler Beratung gestiegen“, weiß Stachon-Groth. Neben der Beratung gehe es dabei wesentlich auch darum, sich in der digitalen Welt gut zu präsentieren und dort erreichbar zu sein. Denn, betont Andrea Stachon-Groth abschließend: „Ziel unserer Arbeit ist und bleibt, möglichst breit alle Menschen zu unterstützen, die diese Unterstützung brauchen und möchten.“

Weitere Infos zur Arbeit der EFL und den kompletten Jahresbericht gibt es im Internet unter www.ehefamilieleben.de

Geschichtliches im Internet entdecken

Wer in einem Archiv erfolgreich recherchieren möchte, braucht Zugang zu übersichtlichen Verzeichnissen. Deshalb hat das Bistumsarchiv Münster jetzt die ersten Findbücher online gestellt: schriftliche Verzeichnisse über das im Bistumsarchiv verwahrte Archivgut. Die Findbücher sind unter www.bistum-muenster.de/findbuecher einzusehen.

Mittels der Findbücher können Nutzer von zu Hause aus recherchieren, welche für sie interes-santen Materialien sich im Archiv befinden. Diese können sie dann vorbehaltlich der gesetzlichen Schutzfristen zur Einsicht im Lesesaal des Archivs bestellen.

Bei den im Bistumsarchiv verwahrten Unterlagen handelt es sich beispielsweise um Akten, Urkunden, Pläne, Handschriften oder Kirchenbücher. Sie sind in Bestände gegliedert. So bildet etwa jedes Pfarrarchiv, von denen das Bistumsarchiv schon rund 400 übernommen hat, einen eigenen Bestand, ebenso Organisationseinheiten aus der Verwaltung des Bistums.
Auf der neuen Internetseite sind bislang mehr als 100 Findbücher eingepflegt worden. Darun-ter sind die Findbücher der Dekanate, die schon vollständig online sind, sowie Pfarrarchive.

Das Angebot zu deren Findbüchern wird nach und nach ausgebaut werden. Ebenso werden Verzeichnisse weiterer Bestände – etwa aus dem Archiv des Generalvikariats, Nachlässen, Sammlungen, Stiften und Klöstern und anderen Quellen – bereitgestellt werden.

Lagerfeuer, Gottesdienst und Spielspaß

In diesem Sommer ist aufgrund der Corona-Pandemie vieles anders: Ferienfreizeiten sind abgesagt, kein gemeinsames Singen am Lagerfeuer mit Stockbrot, keine Gute-Nacht-Geschichte gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen, keine Spiele, kein „Mal-raus-und-ohne-Eltern-was-im-Ferienlager-erleben“. Deshalb haben die Regionalbüros für Jugendarbeit im Bistum Münster mit ihrem Programm „Ferienfreizeit im Eimer!?“ eine Alternative auf die Beine gestellt.

„Jedes Jahr fahren mehr als 40.000 Kinder und Jugendliche aus dem Bistum Münster mit katholischen Jugendverbänden, Ferienwerken, Pfarreien oder anderen kirchlichen Trägern in Ferienfreizeiten. Mehrere Tausend ehrenamtlich Helfende organisieren diese Angebote. Kinder und Jugendliche erfahren dort Gemeinschaft, Mitbestimmung und haben Spaß“, sagt Christian Wacker, Referent für Religiöses Lernen und Messdienerarbeit im Bistum Münster. Im Zuge des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie sei schnell die Frage aufgekommen, wie die Regionalbüros die Organisatoren der kirchlichen Ferienfreizeiten vor Ort und auch andere Träger und Einrichtungen unterstützen könnten, ergänzt Maximiliane Decker, Leiterin des Regionalbüros West.

Gemeinsam mit Christian Wacker, Johannes Haesser (pädagogischer Mitarbeiter im Regionalbüro West), Manuel Niggenaber (pädagogischer Mitarbeiter im Regionalbüro Ost) und Sarah Eßmann (pädagogische Mitarbeiterin im Regionalbüro Mitte) hat sie das Programm „Ferienfreizeit im Eimer!?“ aus der Taufe gehoben. „Erste Ideen für ein Alternativprogramm für zu Hause gab es Mitte April, jetzt ist die Arbeitshilfe online.“ Das könne, da ist sie sich mit Christian Wacker einig, selbstverständlich kein vollwertiger Ersatz für den Höhepunkt des Jahres – die Ferienfreizeit – sein. „Für viele Kinder und Jugendliche sind die Fahrten in den Sommerferien ein Highlight im Jahresablauf. Da das nicht geht, ist schon irgendwie was im Eimer, auf das man sich gefreut hat“, sagt Wacker. „Aber unser Programm ist unter den gegebenen Umständen eine echte Alternative.“

Stadtrallyes, Kochen und Quizshows

Die Arbeitshilfe bietet eine exemplarische Lagerwoche, die mit verschiedenen Programmpunkten bestückt ist. Täglich werden drei Aktivitäten vorgeschlagen, die von Kennenlernelementen über Stadtrallyes, Kochangeboten und Kreativelementen bis zu Quizshows am Abend reichen. „Dabei sind das alles nur Vorschläge“, betont Maxi Decker und erklärt: „Die Woche kann am Stück durchgeführt werden oder nur in Teilen. Zu Hause mit den Eltern, in Kleingruppen oder alleine. Das kommt auch auf die örtlichen Gegebenheiten und die aktuellen Coronabedingungen an.“ Gleichzeitig gibt es zentrale Programmpunkte, die an einem festen Tag und zu einer festen Uhrzeit für alle interessierten Ferienfreizeiten angeboten werden. „Zum Beispiel gibt es über den YouTube-Kanal des Bistums ein Singen am Lagerfeuer, einen wöchentlichen Live-stream-Gottesdienst donnerstags um 19 Uhr, eine Gute-Nacht-Geschichte in sechs Teilen und eine Gruppenleiterlounge via Videokonferenz“, zählt Wacker auf.

Der Download und die Nutzung des Angebots sind kostenlos. Kosten können dann entstehen, wenn vor Ort zum Beispiel Bastelmaterialien benötigt werden. Besondere Voraussetzungen braucht es – bis auf ein internetfähiges Endgerät – keine. „Da die Voraussetzungen in unserem Bistum bunt sind, ist die Arbeitshilfe so aufgebaut, dass die einzelnen Elemente im Detail vor Ort angepasst werden können. Es ist kein Instant-Ferienprogramm, sondern eine Grundlage und Anregung“, fasst Maxi Decker zusammen.

Wie das Team um Decker und Wacker auf die einzelnen Elemente des Angebots gekommen ist, ist klar: Sie sind früher selbst als Teilnehmende und auch als Betreuende mitgefahren in Ferienfreizeiten. Fotorallye, Betreuersuchspiel, Leiterlounge – das sind im Rückblick nur einige der Favoriten. Einig sind sie sich, wenn es darum geht, welche zentrale Erinnerung sie an „ihre“ Zeit im Ferienlager haben: „Das waren großartige und prägende Zeiten. Gemeinschaft, Freundschaft, Verantwortung, Spaß – für all das stehen Ferienfreizeiten.“

Informationen zum Programm „Ferienfreizeit im Eimer!?“ gibt es unter www.bistum-muenster.de/ferienfreizeitimeimer. Die zentralen Programmpunkte sind auf dem YouTube-Kanal des Bistums Münster unter www.youtube.com/BistumMuenster zu sehen.

Bischof Dr. Felix Genn räumte eigene Fehler ein

Das Thema „sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche“ schlägt zurzeit hohe Wellen. Erst unlängst verlas Pfarrer Kauling in Gottesdiensten, dass in den 1980-Jahren eine Frau in St. Marien von einem damaligen Kaplan über einen längeren Zeitraum sexuell missbraucht worden sei (KB berichtetet). Bischof Dr. Felix Genn nahm dies zum Anlass, um sich in einem Offenen Brief an die Katholiken zu wenden. Darin räumte der Bischof im genannten Fall auch eigenene Fehler ein:

Liebe Katholikinnen und Katholiken im Bistum Münster,
ich wende mich als Bischof in einem Offenen Brief an Sie, weil es mir ein Anliegen ist, auf diesem Weg möglichst viele von Ihnen zu erreichen.

Es geht um das Thema des sexuellen Missbrauchs in unserer Kirche und in unserem Bistum. Sehr  konkret  geht  es  um  die  Frage  meiner  Rolle,  meiner  persönlichen  Verantwortung  und   meines Verständnisses vom Umgang mit sexuellem Missbrauch.

Wenn  Sie  die  Medien  in  den  vergangenen  Wochen  und  Monaten  verfolgt  haben,  verging   nahezu kaum ein Tag, an dem nicht über sexuellen Missbrauch im Bistum Münster berichtet wurde. Auch wenn vieles an dieser Berichterstattung schmerzhaft ist, so ist sie letztlich ein wichtiges Zeichen. Denn die Berichterstattung zeigt: Vieles kommt deshalb jetzt ans Licht, weil Betroffene uns und mich offen mit unserer Verantwortung konfrontieren, weil wir uns diesem Thema bewusster stellen, die Vergangenheit extern und unabhängig aufarbeiten lassen und Kritik  annehmen. 

Tranzparenz ist zwingend notwendig

Und  vor  allem:  Wir  bemühen  uns  immer  wieder  neu,  die  Interessen  der   Betroffenen in den Mittelpunkt unseres Tuns zu stellen. Diese Haltung und die damit verbundene Transparenz sind für mich zwingend notwendig.

Selbstverständlich kann und darf diese Transparenz auch vor meiner eigenen Person nicht Halt machen. Im Blick auf zwei konkrete Sachverhalte der letzten Zeit wurde ich persönlich sowohl in  der  Öffentlichkeit  als  auch  direkt  kritisiert.  Deshalb  möchte  ich  mich  nachfolgend  dazu   äußern.

Seien Sie zunächst versichert: Ich weiß um den gewaltigen Schmerz, den viele von Missbrauch betroffene Frauen und Männer oft seit Jahrzehnten Tag für Tag spüren und der sie zermürbt. Gerade das Wissen um diese Frauen und Männer bewegt mich, Ihnen als Bischof und Verant‐wortungsträger Auskunft zu geben.

Der erste Sachverhalt ist der eines Priesters des Erzbistums Köln, der in den 1970er und 1980er Jahren  mehrfach  verurteilt  wurde  –  unter  anderem  wegen  sexueller  Handlungen  an Minderjährigen – und der dennoch über Jahrzehnte weiter als Priester im Erzbistum Köln so‐wie in unserem Bistum und im Bistum Essen wirkte. Die Aufarbeitung hat das Erzbistum Köln an eine unabhängige Kanzlei abgegeben. Seit 2002 lebt dieser Priester als Ruhestandsgeistli‐cher im Bistum Essen. Wie vielen von Ihnen bekannt sein wird, war ich von 2003 bis zu meinem Wechsel  2009  ins  Bistum  Münster  Bischof  von  Essen. 

Mir  ist  bewusst,  dass  ich  als  Bischof   letztlich für das verantwortlich bin, was im Bistum geschieht. Dass damals ein Priester in einer Gemeinde seelsorgliche Dienste tun konnte, obwohl bekannt war, dass er mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war, war ein verheerender Fehler. Mich erschreckt im Rückblick die damals fehlende Einsicht, dass ein Priester grundsätzlich nicht mehr seelsorg‐lich eingesetzt werden darf, wenn er sich solcher Verbrechen schuldig gemacht hat.

Heute frage ich mich deshalb: Warum habe ich diesen Fall in all den Jahren in Essen nicht wahrge‐nommen? Welche Schwächen und Fehler gibt es in unserem ‚System‘, dass ein Bischof nicht weiß, wenn ein Priester mit einer solchen Vorgeschichte in einer Gemeinde tätig ist? Haben wir  diese  systemischen  Schwächen  heute  wirklich  beseitigt?  Und  zentral  ist  natürlich  die  Frage, wie es überhaupt sein konnte, dass ein Priester, der mehrfach verurteilt wurde, von Bistum zu Bistum versetzt wurde? Auf diese Fragen habe ich keine einfachen Antworten. Ich weiß nur, dass ich als Bischof von Essen damals Verantwortung trug und deshalb alle um Ent‐schuldigung bitte, die sich jetzt hintergangen oder betrogen fühlen. Insbesondere gilt diese Bitte ausdrücklich denen, die der Priester missbraucht hat und die nicht verstehen können, dass er weiter als Priester tätig sein durfte.

Anfang Mai dieses Jahres habe ich von dem Fall erfahren. Ich bekam einen Brief, den ich sofort an unseren Interventionsbeauftragten weitergeleitet habe. Er hat daraufhin umgehend das Erzbistum Köln eingeschaltet. Vor allem die Betroffenen sexuellen Missbrauchs möchten für diesen Fall wissen, wer welche Verantwortung trug.

Diese Antworten müssen wir geben. Das gilt für alle Fälle sexuellen Missbrauchs. Daher haben wir im Bistum Münster die Universität Münster beauftragt, in völliger Unabhängigkeit Antworten auf diese Fragen zu suchen und die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Konkreter Fall aus Kevelaer

Der zweite Sachverhalt ist der eines Priesters unseres Bistums. In Kevelaer wurde vor kurzem der Brief einer Betroffenen auf ihren Wunsch hin in verschiedenen Gottesdiensten verlesen. In dem Brief berichtet die Frau davon, dass sie Mitte der 1980er Jahre von einem damals dort tätigen Kaplan über einen längeren Zeitraum sexuell missbraucht wurde.

Die Frau hatte sich bereits im Jahr 2010 ans Bistum gewandt. Seitdem ist mir dieser Fall bekannt. Sie verlangte damals ausdrücklich, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht wird und auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden darf. Ein solches Anliegen ist völlig berechtigt, wenn es von Betroffenen geäußert wird.

Entsprechend unserem oben genannten Grundsatz, die Interessen der Betroffenen jederzeit in den Mittelpunkt zu stellen, haben wir uns daher an den  Wünschen  der  Betroffenen  orientiert.  Wir  haben  den  Sachverhalt  nach  Rom  an  die Glaubenskongregation  gemeldet.  Nach  Abschluss  der  dortigen  Prüfungen  wurde  der   Geistliche emeritiert. In einem Dekret wurden ihm seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet.

Die Betroffene hat sich dann Ende 2016/Anfang 2017 erneut bei uns gemeldet, weil der Geist‐liche weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte. Ich habe ihn dann schriftlich darauf hingewie‐sen, dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei. Den Sachverhalt haben wir vor einigen Wochen bereits in Absprache mit der Betroffenen öffentlich gemacht. Die Zielsetzung dabei war unter anderem, dass sich eventuell weitere Betroffene melden. Eine Frau hat dies inzwischen schon getan.

In meiner Verantwortung als Bischof von Münster muss ich in diesem Fall deutlich sagen: Ich habe Fehler gemacht!

Zum einen hätte ich das Verbot sehr viel deutlicher formulieren müssen. Was heißt „Gottes‐dienste ohne große Öffentlichkeit“? Das ist unpräzise und muss künftig unbedingt unmissver‐ständlich und klar formuliert werden.

Ich hätte den verantwortlichen Pfarrer vor Ort, das Seelsorgeteam und die verantwortlichen Gremienmitglieder in Wadersloh über die Hintergründe des Sachverhaltes umfassend infor‐mieren müssen. Dem setzte der Wunsch der Betroffenen, die Öffentlichkeit nicht zu informie‐ren, möglicherweise Grenzen, aber es hätte gemeinsam mit ihr nach einem Informationsweg gesucht werden müssen, der ihren Interessen gerecht wird und zugleich die Pfarrei nicht im Unklaren lässt. Dann wäre es insgesamt leichter gewesen, einer möglichen Missachtung von Auflagen wirksam entgegenzutreten. Information und Kommunikation müssen künftig anders sein.

Ich sehe auch, dass ich den ernstzunehmenden Hinweisen, dass der Priester sich nicht an das ausgesprochene  Verbot  hält,  noch  konsequenter  hätte  nachgehen  müssen.  Das  ist  mein   Fehler und das habe ich zu verantworten. Für die Zukunft werden wir hier klarere Regelungen finden.

Viel Unverständnis in Kevelaer

Zudem  werde  ich  prüfen  lassen,  in  welchem  Umfang  weitergehende  Strafen,  wie  etwa   deutliche Gehaltkürzungen oder andere Auflagen angezeigt sind. Sicher ist: Verurteilte Missbrauchstäter  oder  auch  Priester,  bei  denen  es  strafrechtlich  oder  kirchenrechtlich   unstrittig ist, dass sie Kinder oder Jugendliche missbraucht haben, dürfen nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden. Alle priesterlichen Dienste müssen ihnen untersagt werden. Das ist die Leitschnur, für die ich stehe und die ich umsetzen werde.

Ich weiß, dass manche Betroffene sich mit einer Bitte um Entschuldigung durch kirchliche Verantwortungsträger wie mich schwer tun. Dennoch sage ich allen Betroffenen auf diesem Wege,  dass  es  mir  aufrichtig  leid  tut,  dass  durch  die  unklar  formulierten  Auflagen  meiner   Dekrete neue Verletzungen entstanden sind.

Ich verstehe auch, dass es etwa in der Pfarrei Wadersloh, aber auch in Kevelaer und andernorts viel Unverständnis, Wut und Verärgerungen über  die  ausgebliebene  Kommunikation  gab  und  gibt.  Das  haben  mir  die  Gremien  aus   Wadersloh auch geschrieben. Ich werde in der kommenden Woche das Gespräch mit den Gremien und dem Seelsorgeteam in der Pfarrei in Wadersloh führen. Insgesamt haben wir auch hier gelernt: Künftig wird, wenn es Informationsveranstaltungen in Pfarreien gibt, immer ein Vertreter der Bistumsleitung, also ich selbst, der Generalvikar oder einer der Weihbischöfe dabei sein.

Liebe Katholikinnen und liebe Katholiken,
der Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs bleibt eine ständige Aufgabe und Herausforde‐rung. Auch, wenn es nicht sein darf, so können dabei leider doch weiterhin Fehler passieren. Durch die hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und die Sensibilität für dieses Thema werden wir als Verantwortungsträger und werde ich als Bischof heute unmittelbar mit diesen Fehlern konfrontiert. Ich habe aus diesen Fehlern gelernt und lerne hier ständig weiter.

Von daher bin ich gerade denen, die Kritik äußern, dankbar. Denn die Kritik richtet immer wieder zu Recht den Fokus darauf, dass wir in jeder Hinsicht heute ein System des aufmerksamen Hinsehens benötigen. Das sind wir und das bin ich den Betroffenen sexuellen Missbrauchs und der heilenden und befreienden Botschaft des Evangeliums schuldig. Nur so kann es uns allen gemeinsam gelingen, sexuellen Missbrauch in unserer Kirche heute und in Zukunft, soweit das überhaupt möglich ist, zu verhindern.

Frau berichtet Pfarrer Kauling von sexuellem Missbrauch in St. Marien

In einem persönlich an Gregor Kauling, den leitenden Pfarrer von St. Marien Kevelaer, gerichteten Brief berichtet eine Frau davon, dass sie Mitte der 1980er-Jahre als Kind von einem heute noch lebenden, damals dort tägigen Kaplan G.H. über einen längeren Zeitraum sexuell missbraucht worden ist. Die Missbrauchshandlungen fanden im Rahmen der Beichte statt.

Der Brief wurde in Absprache mit der Betroffenen von Pfarrer Kauling in Gottesdiensten der Pfarrei St. Marien verlesen.

Der Vorgang war dem Bistum Münster seit 2010 bekannt. Die betroffene Frau hatte damals jedoch ausdrücklich verlangt, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht wird und auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden darf. Das Bistum hatte den Sachverhalt nach Rom an die Glaubenskongregation gemeldet. Nach Abschluss der dortigen Prüfungen wurden dem Geistlichen in einem Dekret seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet.

Die Betroffene hat sich Ende 2016/Anfang 2017 erneut beim Bistum gemeldet, weil der Geistliche, trotz entsprechender Auflagen, weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte. Im Anschluss an diesen Hinweis wies der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, den Geistlichen schriftlich darauf hin, dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei.

Pfarrer Kauling wurde an Weihnachten 2018 von der betroffenen Frau über den erlittenen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt. Im Laufe des Jahres 2019 führte die Betroffene verschiedene Gespräche, unter anderem mit Pfarrer Kauling und mit Peter Frings, dem Interventionsbeauftragten des Bistums Münster.

Sind weiterere Personen betroffen?

Im Anschluss an eine Beratung durch eine Rechtsanwältin und in Absprache mit dieser hat die Betroffene nun den Schritt in die Öffentlichkeit gemacht. Es geht ihr vor allem darum, durch diesen Schritt mit dazu beizutragen, dass sich möglicherweise weitere Betroffene melden. Auch möchte sie deutlich machen, dass auch Frauen Opfer sexueller Übergriffe/Misshandlungen in der Kirche waren. Das Bistum Münster räumt ein, dass man es nach den ersten Hinweisen auf öffentliche Zelebration durch den Geistlichen versäumt hat, diesen mit der entsprechenden Konsequenz nachzugehen. Mittlerweile wurde dem Priester vollständig untersagt, in der Öffentlichkeit Gottesdienste zu feiern.

Bischof Genn hat gegenüber der Frau in einem persönlichen Schreiben bedauert, dass die seitens des Bistums ausgesprochenen Auflagen nicht konsequent eingehalten wurden. Der Geistliche war zwischen 1981 und 1988 Kaplan in St. Marien Kevelaer.

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, betont, dass man den Aussagen der Betroffenen, die auch durch entsprechende Hinweise in der „Missbrauchsakte“ des Geistlichen bestätigt würden, glaubt. Außer dem nun öffentlich gewordenen Fall sind dem Bistum bisher keine weiteren Hinweise oder Meldungen bekannt.

Frings bittet darum, dass sich möglicherweise andere Betroffene bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs melden bei Bernadette Böcker-Kock: Telefon: 0151/63404738 oder Bardo Schaffner, Telefon: 0151/43816695.

Gesprächsabend

Die Pfarrei St. Marien Kevelaer lädt zu einem Gesprächsabend ein, bei dem es um das Thema des sexuellen Missbrauchs und des Umgangs damit gehen soll. Dieser findet statt am Mittwoch, 6. November, um 19.30 Uhr im Petrus-Canisius-Haus Kevelaer, Luxemburger Platz 1. Gesprächsteilnehmer werden unter anderem sein: Pfarrer Gregor Kauling, Bernadette Baldeau, Präventionsfachkraft der Pfarrei St. Marien und Peter Frings, Interventionsbeauftragter Bistum Münster.

"Wir brauchen eine neue Machtverteilung in der Kirche“

„Wir können als Deutsche Bischofskonferenz nicht eine Studie wie die MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in unserer Kirche in Auftrag geben und dann zur Tagesordnung übergehen.“ Mit diesen Worten hat sich der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, für eine Fortsetzung des „Synodalen Wegs“ ausgesprochen.
Genn sagte, dass es notwendig sei, den „mühsamen Weg der Aufarbeitung zu gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben“.
Der Bischof sprach sich für eine neue Machtverteilung in der Kirche aus. Konkret ginge es um ein neues Verhältnis von sogenannten Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche. Bischof Genn: „Ich bin bereit, Macht abzugeben und mich etwa einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu stellen, in der dann auch Laien mitentscheiden werden.“
Auch wandte sich Bischof Genn gegen die Einschätzung, dass die Deutsche Bischofskonferenz mit dem gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eingeschlagenen „Synodalen Weg“ ein Tabu breche.
Dagegen betonte der Bischof von Münster: „Eine theologische Vertiefung hat noch niemandem geschadet, insbesondere nicht der Kirche. Ich bin dankbar für jede Frau und jeden Mann, die und der sich gerade in der schwierigen Situation unserer Kirche einbringt und mit überlegt, wie es gelingen kann, dass wir als Kirche, als Volk Gottes, die Menschen von der Frohen Botschaft Jesu Christi begeistern können.“
Ein synodaler Weg könne nur im Hinhören entstehen, aufeinander und auf den Geist Gottes. Bischof Genn: „Es ist eine alte christliche Tugend, zuerst die Meinung des anderen zu retten. Was sind seine Ängste, was seine Befürchtungen, was die Hoffnung? Was kommt aus der menschlichen Sehnsucht, was aus den Tiefen Gottes? Mir scheint aber, dass viele für sich die Ex-cathedra-Position beanspruchen und andere Meinungen ausschließen: Diese Versuchung findet sich in jedem von uns.“
Es gebe in der katholischen Kirche in Deutschland eine sehr große Einigkeit über den eingeschlagenen Weg, unterstrich der Bischof. Natürlich gebe es auch manche, die nicht alles richtig fänden. „Das ist aber doch keine Spaltung“, betonte Genn. „Sollten wir als Kirche gerade in Zeiten einer Verrohung des politischen und gesellschaftlichen Diskurses durch Populisten nicht auch bemüht sein, zu zeigen, dass man zwar hart in der Sache, aber dennoch gut und konstruktiv im Umgang miteinander um den richtigen Weg ringen kann? Die katholische Kirche als Vorbild einer konstruktiven Streitkultur: Das wäre doch einmal was!“
Weiter unterstrich der Bischof von Münster, dass alle, die die Botschaft Jesu Christi verkünden, glaubwürdige und authentische Zeuginnen und Zeugen dieser Frohen Botschaft sein müssten, denn der Glaube komme immer auf zwei Beinen. Bischof Genn: „Und es ist doch genau diese Glaubwürdigkeit, die wir als Kirche, gerade auch wir als Verantwortungsträger, verloren haben. Ich kann mit Menschen nicht glaubhaft über Gottes Liebe und Gerechtigkeit sprechen, wenn sie in mir vor allem den Vertreter eines Systems sehen, das sexuellen Missbrauch gedeckt hat.“

“Wir brauchen eine neue Machtverteilung in der Kirche“

„Wir können als Deutsche Bischofskonferenz nicht eine Studie wie die MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in unserer Kirche in Auftrag geben und dann zur Tagesordnung übergehen.“ Mit diesen Worten hat sich der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, für eine Fortsetzung des „Synodalen Wegs“ ausgesprochen.

Genn sagte, dass es notwendig sei, den „mühsamen Weg der Aufarbeitung zu gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben“.

Der Bischof sprach sich für eine neue Machtverteilung in der Kirche aus. Konkret ginge es um ein neues Verhältnis von sogenannten Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche. Bischof Genn: „Ich bin bereit, Macht abzugeben und mich etwa einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu stellen, in der dann auch Laien mitentscheiden werden.“

Auch wandte sich Bischof Genn gegen die Einschätzung, dass die Deutsche Bischofskonferenz mit dem gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eingeschlagenen „Synodalen Weg“ ein Tabu breche.

Dagegen betonte der Bischof von Münster: „Eine theologische Vertiefung hat noch niemandem geschadet, insbesondere nicht der Kirche. Ich bin dankbar für jede Frau und jeden Mann, die und der sich gerade in der schwierigen Situation unserer Kirche einbringt und mit überlegt, wie es gelingen kann, dass wir als Kirche, als Volk Gottes, die Menschen von der Frohen Botschaft Jesu Christi begeistern können.“

Ein synodaler Weg könne nur im Hinhören entstehen, aufeinander und auf den Geist Gottes. Bischof Genn: „Es ist eine alte christliche Tugend, zuerst die Meinung des anderen zu retten. Was sind seine Ängste, was seine Befürchtungen, was die Hoffnung? Was kommt aus der menschlichen Sehnsucht, was aus den Tiefen Gottes? Mir scheint aber, dass viele für sich die Ex-cathedra-Position beanspruchen und andere Meinungen ausschließen: Diese Versuchung findet sich in jedem von uns.“

Es gebe in der katholischen Kirche in Deutschland eine sehr große Einigkeit über den eingeschlagenen Weg, unterstrich der Bischof. Natürlich gebe es auch manche, die nicht alles richtig fänden. „Das ist aber doch keine Spaltung“, betonte Genn. „Sollten wir als Kirche gerade in Zeiten einer Verrohung des politischen und gesellschaftlichen Diskurses durch Populisten nicht auch bemüht sein, zu zeigen, dass man zwar hart in der Sache, aber dennoch gut und konstruktiv im Umgang miteinander um den richtigen Weg ringen kann? Die katholische Kirche als Vorbild einer konstruktiven Streitkultur: Das wäre doch einmal was!“

Weiter unterstrich der Bischof von Münster, dass alle, die die Botschaft Jesu Christi verkünden, glaubwürdige und authentische Zeuginnen und Zeugen dieser Frohen Botschaft sein müssten, denn der Glaube komme immer auf zwei Beinen. Bischof Genn: „Und es ist doch genau diese Glaubwürdigkeit, die wir als Kirche, gerade auch wir als Verantwortungsträger, verloren haben. Ich kann mit Menschen nicht glaubhaft über Gottes Liebe und Gerechtigkeit sprechen, wenn sie in mir vor allem den Vertreter eines Systems sehen, das sexuellen Missbrauch gedeckt hat.“

Verbundenheit und Anteilnahme

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat Bischof Juan Pedro Juárez Meléndez von Tula, dem Partnerbistum des Bistums Münster in Mexiko, seine tiefe Anteilnahme und Verbundenheit zum Ausdruck gebracht. In der Stadt Tlahuelilpan im Bistum Tula waren letzten Freitag mindestens 66 Menschen bei einer Explosion an einer Benzin-Pipeline ums Leben gekommen.
Zum Zeitpunkt der Explosion hatten sich auch noch rund 80 Weltjugendtagspilger aus dem Bistum Münster zu den Tagen der Begegnung bei Gastfamilien im Bistum Tula aufgehalten. Von den Pilgern aus dem Bistum Münster und ihren Gastfamilien ist niemand von dem Unglück betroffen. Am Sonntag reisten die jungen Leute weiter zum Weltjugendtag nach Panama.
Zuvor feierten die Weltjugendtagspilger aus dem Bistum Münster noch zusammen mit ihren mexikanischen Gastfamilien und Bischof Juan Pedro Meléndez einen Gottesdienst, bei dem sie den Opfern der Explosion gedachten