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Die Veranstaltung ist ohne Einschränkung in der Pandemie nicht möglich

„BIG Challenge“ wird verschoben

Schon im vergangenen Jahr konnte der Verein „BIG Challenge – sportlich aktiv gegen Krebs“ seine Sportaktion für die Deutsche Krebshilfe nicht durchführen. Gleiches gilt nun leider auch für die Ausgabe anno 2021.

Eine Runde für den guten Zweck

Im klassischen „Big Challenge“-Trikot, mit Sporthose und Rennrad waren gut zwei Dutzend Aktive aus Kevelaer und den umliegenden Ortschaften am Samstagmittag bei der langjährigen Mitstreiterin Carola Deselaers zusammengekommen. „Leider ist die Tour in Bruchhausen-Vilsen wegen Covid-19 abgesagt und auf 2021 verschoben worden“, erzählte Deselaers, während sie sich auf die Fahrt vorbereitete. „Da wir aber trotzdem aktiv gegen Krebs unterwegs sein wollen, haben wir gesagt, wir möchten trotzdem die Winnekendonker ‚Big Challenge‘-Runde fahren.“

Ferdi van Heukelum, Moderator der ersten „Big-Challenge“-Stunde bei dem Event, feierte seine Premiere im Big Challenge-Trikot auf dem Rad. „Da ich keine Moderations-Premiere hatte bei gar keiner Veranstaltung, freue ich mich, zumindestens hier aktiv dabei zu sein“, merkte man ihm an, wie sehr ihn das tatsächlich persönlich berührte. Monika Halmans aus Kevelaer und Frank Quartier aus Kleve waren aus „Spaß an der Freude“ mit dabei. „Wir unterstützen das sehr gerne. Wir fahren mit, seitdem es in Winnekendonk angefangen hat“, meinte Halmans. „Die Aktion an sich, was Gutes zu tun, die Geselligkeit und nette Leute“, das mache viel aus. Quartier hoffte, die Strecke ordentlich zu bewältigen.

294 Kilometer

In lockerer Stimmung machte sich der Pulk dann auf von Wetten aus Richtung Winnekendonk. Die Fahrer nutzten die Strecke für den Austausch. „Ich glaube, wir waren schon dreimal dabei. Einmal bin ich sieben Runden in Winnekendonk gefahren, was macht das aus?“, überlegte die Wemberin Jule Wolters. „42 Kilometer mal sieben macht 294 Kilometer“, rechnete ihr Vater vor. „Das war schon anstrengend, aber man ist schon stolz darauf.“

Viel gefahren sei er dieses Jahr noch nicht, gestand Papa Karl „Kalli“ Passens. „Keine Zeit, keine Lust, keine Ahnung“, meinte der 63-Jährige. „Ich habe selbst ein paar nicht ganz so schöne Krebserkrankungen hinter mir“, erzählte er. „Die Big Challenge sammelt da eine Menge Geld für einige gute Projekte. Und deswegen ist das hier sehr wichtig.“ Am Winnekendonker Markt stießen dann noch die Begründer der Big Challenge, Georg Biedemann und seine Frau Petra, dazu. „Samstagmittag gehört dem Vergnügen“, hatte Biedemann bewusst sein „gemütliches Samstagsrad“ rausgeholt. Für 2021 hofft er wieder für das niedersächsische Bruchhausen-Vilsen auf eine „Big Challenge“ mit möglichst vielen Teilnehmern, „wenn das coronamäßig geht. Und das Jahr danach soll es wieder hier in Winnekendonk stattfinden.“ Die Spendenaktion laufe aber 2020 unvermindert weiter, ergänzte seine Frau.

„Typisches Big Challenge-Wetter“, beschrieb Biedemanns Frau Petra die Mischung aus Wind, kurzem Niesel und Auflockerungen. Am Ende der Tour gönnten sich die Beteiligten dann nach „zweimal Plattfuß“ auf der Strecke und heftigem Gegenwind am Grillbuffet die verdiente Stärkung.  „Die eine Runde war mindestens so anstrengend wie letztes Jahr zwei Runden, weil der Wind schon krass war“, meinte der Aengenescher Markus Baumann. Er machte klar, dass er auf jeden Fall die nächsten Jahre weiter mitfahren wird, „so Gott will.“

Monika Hoffmanns aus Walbeck war stolz darauf, die Strecke absolviert zu haben. Für sie war die Teilnahme bei der Kurz-Tour aus ganz persönlichem Grund etwas Besonderes. „Ich bin 2016 selbst an Brustkrebs erkrankt und 2015 hab ich die erste Tour mitbekommen“, erzählte sie. „Carola ist damals quasi ‚für mich‘ gefahren und dann habe ich gesagt, wenn ich wieder fit bin von den Therapien, dann fahre ich selbst mit. Und das ist dieses Jahr gewesen.“

Big Challenge: Absage wegen Corona

Die Organisatoren des Radsportevents „Big Challenge“, das seit 2013 Spenden für die Deutsche Krebshilfe sammelt, haben sich dazu entschieden, die Veranstaltung in diesem Jahr nicht stattfinden zu lassen.

„Wir mussten uns jetzt entschließen, die für den 3. und 4. Juli geplante Spendenveranstaltung abzusagen“, sagte der Vorsitzende von „Big Challenenge e.V.“, Georg Biedemann mit Bedauern. „Wir haben uns dem Kampf gegen die Krankheit Krebs verschrieben. Daher sind wir in besonderem Maße sensibilisiert, wenn es um den Erhalt von Gesundheit geht“, erklärt er die Entscheidung.

Ursprünglich sollte das Event mit rund 300 Teilnehmern im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen stattfinden. Stattdessen haben die Macher den Termin auf den 25. und 26. Juni 2021 verschoben. Auch dann soll Bruchhausen-Vilsen Austragungsort der Big-Challenge sein.

Damit die jedes Jahr engagierten Sportler trotzdem für die gute Sache aktiv werden können, soll jeder, der sonst im Juli laufend oder radfahrend seinen Beitrag geleistet hat und es 2020 wieder hätte, im Laufe des Monats Mai eine Runde nach den Vorgaben der Veranstaltung drehen und dazu Bilder oder kurze Videos posten.

Die Beiträge können dann auf der Webseite oder bei Facebook unter dem Hashtag „#BC2020athome“ hochgeladen werden. Ein Zusammenschnitt wird am 4. Juli über die Homepage www.bigchallengedeutschland.de zu sehen sein.   „Damit setzen wir ein Zeichen, dass wir unseren sportlichen Ehrgeiz nicht verlieren“, ermuntert der Vorstand alle Aktiven, sich an der Herausforderung zu beteiligen.

Spendenzusage gilt

Der Vorstand hofft, 2021 eine große Gruppe an Unterstützern in die Mitte Niedersachsens locken zu können. „Viele Sponsoren haben versprochen, dass ihre Spendenzusage trotz Verschiebung gilt“, freut sich Uwe Garbers vom lokalen Organisationsteam. Eine Anmeldung für die Big Challenge 2021 wird voraussichtlich ab Oktober möglich sein.

Seit 2014 haben bislang über 1.000 Radfahrer und Läufer aus ganz Deutschland für die Deutsche Krebshilfe im Rahmen der „Big Challenge“ über 1,35 Milionen Euro zusammengetragen.

Es werden wieder Runden für den guten Zweck gedreht

Seit sechs Jahren organisiert die Winnekendonker Hilfsorganisation „BIG Challenge Aktiv gegen Krebs e. V.“ die sogenannte „Big Challenge“, bei der im Schnitt rund 300 Radfahrer und Läufer für den guten Zweck ihre Runden drehen.

Für das Jahr 2019 konnte jetzt der genaue Spendenstand bekanntgegeben werden. Demnach konnten 233.276,90 Euro “eingefahren“ werden. Damit hat die Organisation in den vergangenen sechs Jahren insgesamt über 1,35 Millionen Euro an die Deutsche Krebshilfe gespendet wurden.

Die Sponsoren – und Spendengelder gehen zu 100 Prozent an die von den Vereinsmitgliedern ausgewählten Forschungsprojekte. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit von Heidelberger Wissenschaftlern um Dr. Bruno Christian Köhler zum Thema „Darmkrebs – Therapie nach Maß“.

Jährlich erhalten rund 59.000 Menschen hierzulande die Diagnose Darmkrebs. Damit gehört diese Tumorart zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Das Forschungsprojekt eröffnet Patienten neue hoffnungsvolle Perspektiven auf Heilung.

Seit 2014 wurde Big Challenge in Winnekendonk ausgetragen, im Juni 2018 erstmals in Bruchhausen-Vilsen. Damals erzielten die beteiligten Spender und Sportler eine Summe von 176.731 Euro für den guten Zweck, In diesem Jahr soll es am 4. Juli eine Neuauflage der Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Deutschen Krebshilfe in dem niedersächsischen Luftkurort geben.

Für die Ausrichtung der Veranstaltung hat sich ein Organisationsteam zusammengefunden, das unter der Leitung von Uwe Garbers steht. Weitere Teammitglieder und die einzelnen Zuständigkeitsbereiche sind Imke Wicke (Verpflegung), Nicole Segelhorst (Sportlicher Bereich), Petra Zöller (Öffentlichkeitsarbeit) und Manfred Henke (Finanzen) .

Am Vorabend der Veranstaltung wird ein Mitarbeiter des Heidelberger Forschungsprojektes einen Vortrag halten und Einblicke in die Arbeit der Wissenschaftler zum Thema „Dramkrebs“ geben.

Unter dem Motto „Aufgeben kommt nicht in Frage“ werden an dem Samstag zahlreiche sportbegeisterte Radfahrer (auch e-Bikes sind seit 2018 erlaubt), Läufer und Walker aus ganz Deutschland an den Start gehen, um für den guten Zweck und unter Mithilfe von Sponsor Geld für Projekte der Krebshilfe zusammenzutragen
Jeder Teilnehmer sammelt bis zum 30. August mindestens 500 Euro Sponsorengelder, die zu 100 Prozent an die Deutsche Krebshilfe gehen.

Neben dem Sponsorenbetrag ist eine Teilnahmegebühr von 55 bis 75 Euro (je nach Anmeldezeitpunkt) fällig. Dafür erhält der Sportler sein eigenes „BIG Challenge“ Funktionstrikot, eine Startnummer mit elektronischem Chip für die Zeiterfassung, einen Verpflegungsbeutel mit Proviant und Getränken für unterwegs, Verpflegung am Veranstaltungstag an den Versorgungsständen auf der Strecke sowie am Vorabend die kostenlose Teilnahme am Motivationsabend mit Pastaessen.

Wie in Winnekendonk beginnt die „Challenge“ ab 6 Uhr mit den ersten Startern auf dem Sportplatzgelände am Marktplatz. Von dort aus geht es auf eine rund 40 Kilometer lange Fahrradstrecke, für die Läufer und Walker auf einen gut acht Kilometer langen Rundkurs. Jeder Teilnehmer entscheidet selber, ob er die Stecke einmal oder mehrmals absolviert. Zeit dafür bleibt bis 18 Uhr, wobei der letzte Startzeitpunkt auf 13 Uhr festgelegt wurde.

Für alle großen und kleinen Gäste wird es am 3. und 4. Juli auf dem Gelände des Sportplatzes ein buntes Rahmenprogramm mit Musik und weiteren Aktionen sowie Kaffee, Kuchen und Gegrilltem geben.

Wer sich am Veranstaltungstag mit einbringen möchte oder als Sportler, Helfer oder Sponsor dabei sein möchte, kann sich gerne für Fragen und Auskünfte an das Organisationsteam unter der eMail: bruvi@bigchallenge-deutschland.de wenden. Auch das Anmeldeportal ist geöffnet und über www.bigchallenge-deutschland.de erreichbar.

Eine großzügige Unterstützung sorgte für Freude

Das Winnekendonker Lohnunternehmen Hoverath konnte dem Ehepaar Biedemann für die Hilfsaktion „Big Challenge“ einen Umschlag mit insgesamt 4.638 Euro übergeben. Die Summe kam beim 20-jährigen Jubiläum zustande, das der Dienstleister für landwirtschaftliche Lohn- und Transportarbeiten an seinem Standort am Hestert feierte.

„Wir haben dazu Mitarbeiter, Kunden, Vertreter, Lieferanten, Nachbarn und Freunde – gut 300 Leute – eingeladen, die alle gerne und großzügig etwas gegeben haben“, erläuterte Andrea Hoverath, was das Unternehmen dazu bewogen hatte, sich zu engagieren. „Krebs ist für unsere Familie durchaus ein Thema, so dass das für uns so etwas wie ein natürlicher Auftrag war, weil ‚Big Challenge‘ am gleichen Tag wie unsere Feier am 15. Juni am Ort war. Und natürlich, weil es eine Aktion der Landwirte war“, ergab sich daraus so eine Art natürlicher Akt der Solidarität.

Das Big-Challenge-Team freut sich über die Unterstützung. „Allen, die den Kampf gegen Krebs und ‚Big Challenge‘ unterstützen, gebührt unser allerherzlichster Dank“, meinten Petra und Georg Biedemann. Beide hatten angekündigt, sich aus der Organisation zurückzuziehen. „Damit ist aber das Event und das Engagement gegen Krebs hier in Winnekendonk nicht zu Ende.“

Leben retten mit Big Challenge

Eine gute Tradition für die Verantwortlichen von „Big Challlenge“ sind die Pasta-Abende im Vorfeld des Sportereignisses. Auch diesmal fand das Treffen im Gemeinschaftszelt am Viktoria-Sportplatz am Vorabend statt.
Einige der Sportler, die sich am nächsten Morgen auf das Rad schwingen oder ihre Turnschuhen schnüren wollten, waren gekommen.
Der Wember Hans-Willi Weyenberg erzählte: „Jeder von uns hat seine Krebsgeschichte. Mein Vater ist daran mit 60 Jahren elendig verreckt.“ Außergewöhnlich sei, „dass so viele Menschen begeistert mitmachen und für eine Spende was tun“, meinte der 63-Jährige.
Persönliches Schicksal
Eine ganz persönliche Betroffenheit brachte auch der Lüllinger Dieter König mit, der das T-Shirt der „Eifelfüchse“ trug. „2018 hat man mir wegen Krebs den Magen entfernt. Jetzt möchte ich eine Runde schaffen“, erzählte der 59-Jährige. „Ich habe gedacht, ich schaffe es gar nicht mehr. Aber wir haben es geschafft, bis hierher“, freute er sich auf jeden Versorgungspunkt und die Gespräche untereinander auf der Strecke. „Wir sind eine Truppe, die oft in die Eifel fährt, darum der Name Eifelfüchse“, stellte er sich wie alle anderen Teilnehmer und Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet gerne in die Schlange, um die Nudeln zu genießen und dabei den Austausch zu pflegen.
Große Hochachtung
Ferdi van Heukelum und seine neue Moderations-Kollegin Andrea Franken freuten sich auf den Abend und den kommenden Tag. „Deshalb bin ich hier, weil ich voller Hochachtung bin“, gestand Franken angesichts der besonderen Leistungen und Geschichten, die sie letztes Jahr in Kevelaer wahrgenommen hatte, als die bundesweite Big Challenge-Werbetour dort Station gemacht hatte.
„Es tut gut, wieder zurück in unserer Heimat zu sein, wo es vertraut ist“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Big Challenge-Vereins, van Heukelum. „Ich habe ja letztes Jahr Bruchhausen zu wörtlich genommen“, erinnerte er sich daran, dass er sich dort einen Oberschenkelhausbruch zugezogen hatte.
Nach den Vorreden stellte Dr. Reinhard Büttner von der Uniklinik Köln „sein“ von „BC“ in diesem Jahr gefördertes Projekt vor. „Das ist ein tolles Zeichen, das Sie da setzen und damit unsere Arbeit anerkennen. Das ist eine irre Motivation“, drückte er zunächst seinen Dank aus, dass man ein Lungenkrebs-Projekt ausgewählt hat.
„Mir geht’s darum, dass Sie begreifen, was für eine tödliche Krankheit Krebs ist“, machte der Professor klar, dass Lungenkrebs die häufigste Krebs-Todesursache mit 22 von 100 Toten sei. „Pro Jahr gibt es 51.000 Lungenkrebs-Diagnosen, das ist eine Stadt.“ Der Arzt verdeutlichte deutlich, dass das nicht nur mit Rauchen zu tun hat: „Würden wir heute als Welt aufhören zu rauchen, wäre es immer noch die achthäufigste Todesursache.“
So gebe es Proteine, die als eine Art Bremse auf das Immunsystem wirken und diese von der Bekämpfung von Tumorzellen abhalten. Angelehnt an den Nobelpreis 2018 ziele die Medizin, die entwickelt werden soll, darauf ab, diese Bremse zu lösen, damit die Immunzellen die Krebszellen wieder angreifen können. Sein „Netzwerk Binomische Medizin“ ziele darauf ab, in dem Rahmen eine zentrale Diagnostik, aber eine dezentrale Behandlung zu fördern, die die genetischen Mutationen der Krebszellen identifizieren und behandeln kann.
Aus der Erkenntnis über die für die Krankheitsentstehung entscheidenden Genom- und Epigenom-Veränderungen in bösartigen Tumoren ließen sich passgenaue Therapien ableiten. Dazu arbeite man mit 15 onkologischen Zentren mit Lungenkrebs-Diagnostik zusammen. „Durch systematische Testung kann man 75.000 Lebensjahre schaffen oder retten“, machte Büttner die Dimension des Ganzen deutlich.
Das System lasse sich auch auf andere Krebsformen wie Brustkrebs oder „schwarzen Krebs“, die auch Mutationen haben, übertragen. Angesichts dieser Ausführungen machte van Heukelum für den Verein klar, „dass wir uns als Big Challenge richtig entschieden haben.“
Lob vom Staatssekretär
Danach lobte der NRW-Staatssekretär im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, Heinrich Bottermann, die Initiative der Big Challenge-Aktiven. „Krebs geht alle an. Ich habe vor 35 Jahren einen Jungen an Leukämie sterben sehen.“
Als Niederrheiner freue er sich, „dass das hier stattfindet“. Bottermann, der für die Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser als Schirmherrin sprach, verband das mit dem Gedanken, dass die beteiligten Landwirte so „einen wichtigen Ansatz“ leisten, „um das Image der Landwirtschaft zu ändern.“

Erfolgreicher Neubeginn und ein Abschied

Am Abend konnte der Begründer der Big Challenge-Idee, Georg Biedemann, im Festzelt am Winnekendonker Viktoria-Sportpark dem Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Franz Kohlhuber, einen symbolischen „Zwischenstand“-Scheck in Höhe von 190.406 Euro überreichen.
In den Stunden zuvor waren über 230 Radfahrer, mehr als 40 Läufer sowie zwei E-Biker an den Start gegangen, um die 42 Kilometer lange Radstrecke über Sonsbeck und Xanten und wieder zurück oder die acht Kilometer lange Laufstrecke zu absolvieren.
Über 100 Fahrer hatten sich bereits zu nachtschlafender Zeit am Startpunkt bei einsetzendem Regen versammelt, um ihre persönliche „Challenge“ an diesem Tag anzugehen.
Morgendlicher Regenstart
Die beiden Kevelaerer Georg Dicks und Thomas Voß bereiteten sich auf den großen Moment vor. „Es ist ja nur Regen – das Schöne ist, dass es nicht kalt ist“, freute sich Georg Dicks auf die kommenden Stunden. Um Punkt 5 Uhr erfolgte dann der Startschuss.
Einige machten sich jedoch mit Verspätung auf den Weg, so auch Alexandra Wittenkamp aus Sonsbeck. „Ein Teil ist schon unterwegs“, sagte sie. Es war ihre erste Teilnahme. „Ich habe mir zwei Runden vorgenommen und hoffe, ich komme so durch, wie ich mir das vorstelle.“
Nach der ersten Runde war nach „Wasser von oben, von unten, von der Seite“ erstmal Kleidungswechsel angesagt. „Aber natürlich fahren wir weiter“, unterstrich ihre Walbecker Kollegin Sylvia Diebels.
Im Ausgabezelt nahm auch der Ortsvorsteher Hansgerd Kronenberg seine Startnummer und sein „Big Challenge“-Trikot entgegen, bevor er als einer von insgesamt zwei E-Bikern um 5.22 Uhr losfuhr. „Regen macht mir eigentlich nix. Ich versuche es einfach“, war das Ziel des 83-jährigen Ehrenbürgers der Stadt Kevelaer, auch eine Runde mit zu fahren. Natürlich bewältigte der älteste Teilnehmer des Tages seine Runde.
Später trafen sich 23 Männer und Frauen der „ABS Safety“, um um 8.30 Uhr loszufahren. „Einfach dieses Miteinander und aktiv für die Sache sein“, war der Antrieb von Tanja Pellander und ihren Kollegen. „Ich bin heiß wie Frittenfett“, scherzte der Gocher Sascha Haeck. „Gas geben und wenn das Wetter hält, zwei Runden. Der Pöpkes muss auch halten“, lachte der 43-Jährige. Auch Landrat Wolfgang Spreen nutzte die Gelegenheit, mit einer Laufrunde seinen Beitrag zu leisten. „Beim letzten Mal waren es drei Runden, aber aus Zeitgründen geht diesmal nur eine“, ging er mit einem Lächeln auf seine Tour. Im Laufe des Tages ließen die Regenschauer nach, sodass die Fahrer nach und nach bessere Bedingungen für ihre Touren über Sonsbeck und Xanten hatten.
Immer mehr Fahrer machten sich dann auf die Strecke. „Ich hab‘ bewusst abgewartet, weil der Schweinehügel nass gefährlich ist“, sagte die Kamp-Lintforterin Renate Louven. Sie war das vierte Mal dabei. „Krebs geht alle was an, das hatten wir in der Familie und im Bekanntenkreis auch“, sagte sie.
Mit Eierlikör „gedopt“
An den verschiedenen Ruhepunkten, ob am „Schweinehügel“ in Sonsbeck, am Labbecker Markt oder in Xanten, versorgten die Landfrauen die Fahrer mit Köstlichkeiten wie Äpfeln, Bananen oder dem berühmt-berüchtigten Eierlikör. Den hatten wieder die Labbecker Landfrauen im Angebot. Sie lockte damit immer wieder die Teilnehmer vom Sattel.
Umrahmt wurde das Ganze am Stadion, das als Zwischenziel pro Runde diente, mit Live-Musik, Kaffee und Kuchen und reichlich Infoständen. Auch eine kleine „Kinder-Laufrunde“ nahe des Sportparks war diesmal Bestandteil des Programms, das Ferdi van Heukelum und Andrea Franken entspannt moderierten.

Unterwegs wurden die Teilnehmer mit Eierlikör von den Labbecker Landfrauen “gedopt”.
Foto: aflo


Am Abend absolvierten dann viele Teilnehmer, die noch bis zum Schluss geblieben waren, gemeinsam mit einer Rose in der Hand eine 800 Meter lange Runde im Kollektiv durch das Ziel. Im Anschluss überreichte Georg Biedemann dem „Krebshilfe“-Geschäftsführer Kohlhuber den Scheck.
Abschied vom Projekt
So freudig der Tag für alle Beteiligten insgesamt verlaufen war, so endete er doch vor der traditionellen Verlosung mit einer traurigen Nachricht: Georg Biedemann teilte den Anwesenden im Zelt mit, dass er und seine Frau Petra sich von dem Projekt „Big Challlenge“ zurückziehen wollen: „Es fällt mir schwer. Ich trage das den ganzen Tag mit mir herum, nachdem das hier auch im sechsten Jahr viel Spaßs gemacht hat. Wir sind einfach ein wenig erschöpft.“ Er machte klar, dass er und seine Frau mit einem „Vielleicht“ nicht hätten leben können. „Wir wollen den Weg frei machen“, erhofft er sich davon auch durch neue Verantwortliche neue Impulse.
Das Projekt „Big Challlenge“ selbst, sah er aber keinesfalls gefährdet. „Nächstes Jahr findet es ja nicht statt. Wir sind als Verein gut aufgestellt. Und da kann man in Ruhe überlegen.“ Persönlich, so Biedemann, „würde es mich freuen, wenn die Idee Big Challenge nicht stirbt, sondern weitergehen würde.“
https://www.kevelaerer-blatt.de/big-challenge-2019/

Die Werbetrommel gerührt

Noch gut sieben Wochen dann werden sich wieder hunderte von Läufern und Radfahrern für den Kampf gegen Krebs bei „Big Challenge“ aktiv ins Zeug legen. Um auf das Großereignis am 15. Juni aufmerksam zu machen, fand sich auch beim 16. Golddorflauf ein Stand von „Big Challenge“ auf dem Sportplatz wieder. Theresa Verhülsdonk und Birgit Makel trotzdem den Klimakapriolen aus Sonne und Schnee, informierten Interessierte und warben so für die Teilnahme an dem Sportevent.
 
Foto: privat

Über 193.000 Euro für die Deutsche Krebshilfe

Stolz reckten die Aktiven der „Big Challenge“ gemeinsam mit dem Geschäftsfüher der Deutsche Krebshilfe Franz Kohlhuber, in der Öffentlichen Begegnungsstätte den Daumen in die Höhe und die KLJB-Jugendlichen symbolisierten mit den Ziffern auf ihrem T-Shirt die Spendensumme, die im Rahmen der Big Challenge herausgekommen war.

193.231,18 Euro konnte das Team um Gründer Georg Biedemann diesmal an die Deutsche Krebshilfe übergeben, hervorgend aus der Tages-Radtour im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen.

Damit knackte die Winnekendonker Bewegung im fünften Jahr die Eine-Million-Euro-Grenze und konnte bislang mit Hilfe von 1.400 Teilnehmern für den Kampf gegen den Krebs genau 1.138532,82 Euro mobilisieren und sieben Projekt der Krebshilfe damit unterstützen.

Eine markante Marke

Diese Nachricht sorgte bei Kohlhuber für Begeisterung. Damit sei „eine markante Marke“ überschritten. „Und das in der kurzen Zeit ist einfach nur unglaublich. Jede Big Challenge ist einmalig.“ Ein solches Engagement habe er in den Jahren bei der Deutschen Krebshilfe „so noch nie erlebt.“

Biedemann entgegnete dem schlicht: „Ich weiß, wofür ich es tue. Ich werde weiterkämpfen.“ Zuvor hatte Biedemann nochmal ausführlich auf die Aktionen der vergangenen zwölf Monate zurückgeblickt. Da waren die BC-Aktion in Schleswig-Holstein, wo Landwirte im Kampf gegen den Krebs 15.000 Euro in Arensböck an das UKSH-Universitätsklinikum Schleswig-Holstein überreichen konnten oder die Werbung für das Projekt auf der „Eurotier 2018“ und das Rad-und Lauftagesevent in Bruchhausen-Vilsen, zu dem es einen kleinen Filmeinspieler gab.

Biedemann dankte dem dort ansässigen Aktiven und dem Ehepaar Henke für ihr Engagement. Er bedauerte, dass die beiden nicht den Weg an Niederrhein hatte möglich machen können.
Zugleich kündigte Biedemann an, dass die „Big Challenge“ im nächsten Jahr wieder in die „Heimat“ ins Winnekendonker Stadion zurückkehren würde. Er machte zugleich deutlich, dass sich an dem Konzept mit Vortrag, Pasta-Essen und knapp 14 Stunden Radeln von Winnekendonk bis Sonsbeck sich im Wesentlichen nichts ändern würde.

Vielleicht, so Biedemann, könne man im nächsten Jahr erstmals erste konkrete Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit darstellen, die mit dem Geld aus dem Projekt befördert würde. „Man muss bei der Forschung Geduld haben“, machte er aber auch klar.

Zwei Drittel der Spendengelder sollen 2019 zur Verbesserung und besseren Diagnostik von Lungenkrebs, erweitert auch auf verschiedene Krebszentren in einer Art nationales Netzwerk, verwandt werden, stellte BC-Vorstandsmitglied Carola Deselaers vor.

Der Rest des Geldes geht in das soziale Projekt „Mein Kind hat Krebs“, wo die psychischen Belastungen der Angehörigen erfasst und daraus resultierende Hilfen erfolgen sollen.

Der Kampf gegen Krebs lohnt sich

Dass sich der Kampf gegen Krebs lohnt, symbolisierte an diesem Abend keiner so gut wie Deselaers Bruder Bernd. 2017 war er noch via Handy von der Klinik in Köln mit der Diagnose „Krebs“ zugeschaltet war. Nun saß er unter den Anwesenden. Er unterstrich, wie wichtig die breitgestreute Möglichkeit zur Diagnose und Bekämpfung von Krebs sei; „Die Unikliniken sind da zehn Jahre im Vorteil.“

Für beste Unterhaltung sorgte danach Daniel Sichelschmidt. Der Besitzer eines Fitnessstudios animierte mit Humor, körperlichem Einsatz und verbaler Kreativität die Besucher, sich im Alltag viel mehr zu bewegen, um so besser auf eine mögliche Erkrankung wie Krebs körperlich vorbereitet zu sein.

Big Challenge auch auswärts erfolgreich

Eine erfolgreiche Weiterentwicklung ihrer Idee fand die Winnekendonker-“Big Challenge“-Spendenaktion gegen den Krebs: Nachdem in den vergangenen vier Jahren in Winnekendonk Hunderte von Radfahrern und Läufern die Runden für diverse Projekte zur Bekämpfung von Krebs zusammengebracht hatten, fand die Aktion in diesem Jahr im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen statt.
Auch eine siebenköpfige Delegation aus Winnekendonk fand den Weg an den Veranstaltungsort, darunter der Mitbegründer der gesamten Idee, der Landwirt Georg Biedemann, und Carola Deselaers vom „Big Challenge“-Organisationsteam. „Es war interessant, auch etwas unorganisiert, als wir ankamen. Für die Teilnehmer war es ganz schön. Besucher waren leider nicht so viele da“, lautete Biedemanns Fazit. „Die Strecke war schön. Die Versorgung der Teilnehmer war gut. Alle waren zufrieden. Gut, dass es stattgefunden hat.“
Carola Deselaers fand es persönlich „sehr schön, ein bisschen chaotisch-nett. Wir hatten aber Spaß als Truppe“, war ihr Eindruck von dem Aktionstag und dem ganzen Drumherum vor Ort. Man sei „zu fünft in Wetten losgefahren, ein Sechster kam dazu und in Emsdetten stieß einer aus Münster dazu.“
Insgesamt „war es schon ein bisschen anders. Die hatten da ein Zelt stehen, dass nur von den Gästen genutzt wurde.“ Die Fahrer nutzten das danebenliegende Sportzentrum zum Duschen und Umkleiden, so die engagierte Sportlerin. „Im Zelt war es sehr leer, weniger als in Winnekendonk. Das kann im ersten Jahr aber auch noch sein. Das muss sich erst rumsprechen.“
Er habe unter den gut 220 Teilnehmern „sehr viele bekannte Gesichter“ wahrgenommen, die aus dem ganzen Bundesgebiet den weiten Weg dorthin gefunden hatten, so Biedemann. Sie schwangen sich auf den Sattel oder zogen ihre Schuhe an und machten sich für den guten Zweck auf die dortige 30-Kilometer-Strecke, um dort so viele Runden wie möglich zu absolvieren.
Das Wetter sei aber nicht optimal gewesen. „Da müssen wir wohl von dem Termin Mitte/Ende Juni wegen der Schafskälte weg“, meinte der „BC“-Begründer im Nachgang. Zumal sich aufgrund des Regens eins der Teammitglieder aus Winnekendonk auch noch schwer verletzte. Er rutschte bei der zweiten Runde auf der regennassen Fahrbahn auf einer Schiene aus und erlitt einen Oberschenkenhalsbruch. „Er kam sofort ins Krankenhaus und wurde operiert. Es geht ihm jetzt wieder besser“, so Biedemann.
Für großen Eindruck hatte beim Pastaessen am Donnerstag zuvor der Vortrag der Medizinerin Anna Sophie Berghoff gesorgt, die darstellte, „wie man als Team Gehirnmetastasen besiegt“ und das Krebshilfe-Projekt „Prevent_BM“ vorstellte, für das die Aktiven mit unterwegs waren.
„Sie arbeitet eigentlich in Wien, forscht an Gehirnmetastasen. Sie beschäftigt sich speziell mit der Frage, dass sich bei Lungenkrebs und bei Gebärmutterhalskrebs Metastasen vermehrt auch im Gehirn verbreiten.“ Es werde geforscht, „was man machen kann, wenn man Lungenkrebs hat, bevor die Metastasen sich darüber ins Gehirn absetzen und sich da vermehren.“ Das sei „verständlich, aber sehr emotional“ dargestellt worden, „weil sie selbst auch Patienten hat“.
Trotzdem, meinte Carola Deselaers, „kam dieses besondere Flair nicht so rüber, diese bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema hat mir persönlich etwas gefehlt“ –auch wenn es den Austausch unter den Fahrern gegeben hatte, schöne Aufenthaltspunkte auf der Strecke und auch „einen Stand wie in Labbeck mit Eierlikör“. Der Arbeit des Ehepaares Henke vor Ort zollte sie Respekt: „Hut ab dafür.“
Bislang weist das Spendenkonto einen Betrag von 118.782,71 Euro auf. „Dazu kommen noch die Sponsorengelder, das wird Richtung 150.000 Euro gehen“, so Biedemann. Was heißt, dass seit Beginn der Aktion 2014 weit über eine Million Euro für den Kampf gegen den Krebs insgesamt zusammengekommen ist.
„Man sieht, was bei uns an Power dahinter sitzt – mit den Landfrauen und so, toll wie das hier funktioniert.“ Für Biedemann scheint klar zu sein, dass das „Big Challenge“-Projekt 2019 zu seinem Ursprung zurückkehren wird: „Nächstes Jahr wird es zu 99 Prozent in Winnekendonk stattfinden.“ Die Entscheidung des Vorstandes stehe aber noch aus.