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Neubau am Bahnhof beginnt

Die erste Jahreshälfte 2020 hatte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Gelderland, Günther Voß, im Dezember 2018 gegenüber dem Kevelaerer Blatt als Ziel genannt für die Eröffnung des Neubaus am Kevelaerer Bahnhof. Dieser Zeitraum ist fast vorbei, doch zumindest die Bauarbeiten haben nun doch noch begonnen. Die Erdraumarbeiten laufen und der Aushub für die Teilunterkellerung steht kurz bevor. Neuer Fertigstellungstermin soll nun in etwa 15 Monaten sein.

„Es war eine lange Zeit des Wartens, der Planungen und der Verschiebungen“, erzählt Voß im Gespräch mit dem KB. Der erste Entwurf damals stieß in der Politik auf Kritik, sollte der Neubau an prominenter Stelle doch ein Flachdach besitzen und vergleichsweise hoch ausfallen. So mancher fand, das werde nicht in die Nachbarschaft passen. Die Lebenshilfe reagiert und ließ den Entwurf anpassen. Die Höhe ist zwar geblieben, doch die neue Dachform führt dazu, dass das Gebäude zuletzt keine weitere Kritik mehr erntete.

Aufwendige Abstimmung

„Das neue Dach bedingt auch eine andere Kurvatur und andere Kosten. Die mussten dann wieder mit NRW-Bank und anderen Kostenträgern abgestimmt werden. Dann wieder gibt es zulässige Quadratmeter-Höchstgrenzen für zwölf Wohnplätze, Brandschutzauflagen ändern sich und müssen abgestimmt werden und währenddessen rennen die Baupreise davon und die Kosten müssen erneut abgestimmt werden…“, beschreibt Voß die vergangenen Monate.

Mit zwölf Plätzen werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss als Ersatz für die Lebenshilfe-Einrichtung an der Holbeinstraße dienen. Dort waren die heutigen Anforderungen nicht mehr zu erfüllen, unter anderem was Barrierefreiheit und die Anbindung persönlicher Nasszellen an jede Wohnung betrifft. „Das nachzurüsten wäre genauso teuer gewesen wie der Neubau“, begründet der Chef der Lebenshilfe. Jetzt liegt dieser Teil des Neubauprojektes bei rund 1,6 Millionen Euro Baukosten; hinzu kommen weitere 600.000 Euro für das zweite Obergeschoss, in dem sich vier Appartements für ambulantes betreutes Wohnen befinden werden. Die Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege fördern das Vorhaben mit rund 110.000 bzw. 200.000 Euro. Die Lebenshilfe selbst trägt wie in solchen Fällen üblich zehn Prozent der Baukosten und den Grundstückserwerb. Weitere Mittel stammen vom Landschaftsverband Rheinland bzw. aus einem Darlehen der NRW-Bank.

Auf dem Grundstück möchte die Lebenshilfe außerdem einen Sinnesgarten einrichten. Insgesamt ein „schönes und ansehbares Projekt an exponierter Stelle“, freut sich Voß nun auf die Umsetzung. Das alte Gebäude an der Holbeinstraße wird bis zur Fertigstellung des Neubaus weiter benötigt. Daher ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob die Lebenshilfe dafür eine Anschlussverwendung finden wird. Die Entscheidung fällt wohl in den kommenden Monaten. Sicher ist für Voß: „Das Gebäude wird weiter sozialen Zwecken dienen.“

Bewahren und entwickeln

Auf dem Unternehmerabend der Kreis-Wirtschaftsförderung wurde deutlich, dass Kevelaer noch Potenzial für neue Immobilien und Wohnen hat. Expansives Wachstum soll aber nicht stattfinden.

Über 200 Gäste fanden sich im weiten Rund des Venga“-Restaurants wieder. „Dann knacken wir sicherlich den Fragenrekord“, gab sich Moderatorin Andrea Franken gleich zu Beginn optimistisch.

Im Zuge ihrer Tour durch das Kreisgebiet hatte sich die Kreiswirtschaftsförderung mit ihrem Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers dem Thema „„Wohnungsbau: Bedarfe – Flächen – Programme“ angenommen.

Den ersten Aufschlag in der knapp zweistündige Diskussion machte Kuypers selbst, der zunächst nochmal den Bongers-Gartenbaubetrieben zur Verleihung des Hochschulpreises der Kreis-Wirtschaftsförderung für nachhaltige Zierpflanzenproduktion sowie den drei Marketing-Preisträgern gratulierte.

Das Thema „bezahlbarer Wohnraum“, so Kuypers, sei auch am Niederrhein in aller Munde. Der Kreis Kleve gehe nach den Zahlen der im Auftrag gegebenen Wohnungsmarkt-Studie davon aus, dass im Kreisgebiet bis zum Jahr 2030 üver 20.400 neue Wohnungen benötigt würden .

Für Kevelaer bedeute das demnach ein Bedarf von 1.848 neuen Wohnungen davon 792 Ein-und Familienhäuser, 309 Etagenwohnungen , 554 frei finanzierten und 246 öffentlich geförderte Wohnungen.

Überzogene Zahlen?

Dem widerprach Bürgermeister Dominik Pichler recht deutlich. „Stimmen die Zahlen dieser Studie? Also: Ist der Bedarf denn überhaupt da? Und wie sehr sollte Kevelaer überhaupt noch wachsen?“ Das seien doch zentrale Fragen.

Die „in dem Raum geworfenen Zahlen“ bezeichnete Pichler als „völlig überzogen“. Er berief sich dabei auf die aktuell der Stadt vorliegenden Interessenlisten für Baugrundstücke, die einen Bedarf für Kevelaer von 330, in Twisteden 80, in Wetten 100, in Winnekendonk 90 und für Kervenheim 50 vorsehen.

Einiger der Bewerber hätten sich sogar mehrfach in die Listen eingetragen. „Aber selbst bei stumpfer Addition liegen wir mit 650 weitaus geringer.“ Und was „bezahlbaren Wohnraum“ angehe, gebe es sicherlich Bedarf, aber nicht in der genannten Größenordnung von knapp 250 Wohneinheiten bis 2030.

Zum Thema “Wohnraum” vertrat Bürgermeister Pichler eine klare Position.

Er nannte anschließend vier Gründe, warum ein massives Wachstum für Kevelaer nicht in Frage käme. Kevelaer sei zwar Zuzugskommune. Doch auch die demografische Entwicklung mache auch vor der Wahlfahrtsstadt nicht Halt. Man könne nicht pauschal sagen, dass wir überall in NRW „weniger, älter und bunter“ werden. „Doch auf mittlere bis lange Sicht sehe ich ein erhebliches Risiko, wenn eine Kommune auf maximale Expansion setzt.“

Pichler argumentierte mit für Neubauten nötigen Flächenversiegelung und den damit einhergehenden Raubbau an der Natur, mit stadtplanerischen Aspekten und mit dem Freiwerden von Bestandsimmobilien, wo eine Chance gerade für kleinere und barrierefreie Wohnungen in der Innenstadt bestehe.

In Sachen bezahlbaren Wohnraum habe die Stadt eine gut acht Wohneinheiten umfassende Fläche an die GWS veräußern wollen, habe dafür aber keine Mehrheit erhalten. Insgesamt habe man von 2017 bis heute 73 Wohngebäude mit Wohneinheiten zugelassen. In diesen neuen Gebäuden und durch Änderung oder Erweiterung von Bestandsgebäuden seien 216 Wohneinheiten und zusätzlich zehn Ferienwohnungen geschaffen worden.

Viele Projekte sind in Planung

Aktuell im Verfahren oder in Planung seien (ohne den zweiten und dritten Bauabschnitt der Hüls) 178 bis 193 Wohneinheiten, benannte Pichler einige Beispiele.

Bei der Hubertusstraße werde das Bebauungsplanverfahren wohl für 15 bis 20 Wohneinheiten Anfang 2020 abgeschlossen sein. Der Satzungsbeschluss dazu werde im Rat am 19. Dezember abschließend erfolgen. Beim Baugebiet Hüls, wo Land, Stadt und private Eigentümer aktiv seien, seien im ersten Bauabschnitt gut 50 Mehrfamilienhäuser, sowie bis zu 50 Einzel- und Doppelhäuser vorgesehen.

Der Bebauungsplan für den nördlichen Bauabschnitt sei rechtskräftig- Die weitere Entwicklung sei abhängig von Entwässerungsplanung und der „Umlegung Kuckucksley“. Pichler nannte das Jahr 2022 als „halbwegs realistisch“: Zwei weitere Bauabschnitte mit gut 5,2 Hektar und weiteren 80 Wohneinheiten seien in Abstimmung mit der Bezirksregierung möglich.

An der Wettener Marienstraße soll es 15 Wohneinheiten geben. Das Bebauungsplan-Verfahren werde voraussichtlich im Sommer 2020 abgeschlossen sein. Für den Bereich Sportplatz Kevelaerer Straße in Winnekendonk mit 17 Wohneinheiten sei noch ein Bebauungsplan nötig. Der städtebauliche Entwurf werde aktuell abgestimmt und im Stadtentwicklungsauschuss vorgestellt. Im Entwurf sind auch private Grundstücksflächen vorgesehen.

In Twisteden sei hinsichtlich der Erweiterung Elisabethstraße mit gut 25 Wohneinheiten die Flächennutzungsplanänderung im Verfahren; der Bebauungsplan in Vorbereitung. Und was Kervenheim anginge, sei für die von der Stadt geplante Erweiterung am Haagschen Feld mit seinen 15 Wohneinheiten sowohl die Flächennutzungsplanänderung als auch ein Bebauungsplan erforderlich

Gutes Fundament wichtig

Im Anschluss an Pichlers Vortrag holte Moderatorin Andrea Franken Stephan Kunz von der NRW-Bank, Carsten Ostendorfp von der Sparkasse und Felix van Benn von der Volksbank an der Niers nach vorne.

Alle drei Männer waren sich einig: das Zinsniveau fürs Bauen ist so günstig wie nie, die Baukosten aber steigen, langfristige Zinssätze und gute Planung seien sinnvoll. „Alles ist noch möglich und machbar“, war der bestimmende Tenor. Das sei „Investieren in Betongold“, betonte van Well, der Interessierte dazu aufrief, früh Eigenkapital zu bilden und sich vernünftig beraten zu lassen.

Ostendorp riet dazu, hinsichtlich einer Immobilie schnelle Entscheidungen zu treffen, da es auf „ein Objekt zehn Interessenten“ gebe. Oft komme der Kunde zu einem Makler und höre dann: “Das Objekt ist verkauft.“ Für eine Investition sei auch die Lage wichtig, öffentliche Förderung nicht immer das Richtige, ergänzte Kuntz.

Zur zweiten Diskussionsrunde holte sich Andrea Franken zum Thema „Wohhnstandort Kevelaer“ eine zu große Runde aufs Podium.

Zu viele Themen auf einmal

Bürgermeister Pichler, Ludger Holla vom städischen Planungsamt, Planer Jörg Bousard, Paul Düllings von der Wohnungsbaugenossenschaft Geldern, Baunternehmer Pauk van Meegern, Michael Gey vom Immobilienbüro Aben und Kreiswirtschaftsförderer Kuypers durften sich zu zahlreichen Themen äußern:

Pichler durfte sagen, worauf er in seiner Amtszeit stolz sei, nannte da das Gradierwerk auf der Hüls („Da hat der Architekt was Geiles hingekriegt“), die Erweiterung des Fundaments ärzlicher Versorgung in Kevelaer durch die Ärzteansiedlung nahe des Rilanos.

Holla stützte seinen „Chef“ in der Frage eines „angemessenen Wachstums“ der Wohnstadt Kevelaer, verwies zugleich auf die 2.000 Baurechtsvorschriften als Genehmigungshindernisse und auf die Tatsache, dass die Bezirksregierung eben einige Ortschaften als Baukulisse nicht auf dem Schirm habe.

Jörg Bousard sah viel Potenzial für neue, „moderne Architektur“ neben dem historischen Bestand. Man dürfe bei allem Drängen, Bedarfe zu decken, nicht die Qualität aus dem Auge verlieren.

Düllings sprach von „viel Bedarf an Verdichtung in der City“, den Sinn von Investitionen auch in den energetischen Zustand des Bestands und großen Entwicklungsbedarf in Kervenheim, um da wieder „den einen oder andere Dienstleister“ hinzubekommen.

Michael Gey machte deutlich, dass man in dieser Ortschaft „gut verkauft“, weil Kunden aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland kommen, die sonst solche Grundstücke wie dort nicht bekämen. Von Meegern problematisierte die Leerstände der Innenstädte, lobte das Gymnasium und eröffnete noch das Themenfeld der fehlenden Handwerker und Fachkräfte.

In der Diskussion mit dem Publikum ging es danach noch unter anderem um die Höhe der Mieten, die doch oft höher als die anzustrebenden 30 Prozent Einkommen seien und den Begriff „sozialen Wohnungsbau“, den man nach Hollas Meinung vor Ort definieren müsse. Der Bürgermeister verteidigte die „Baukultur“ und das „Gesicht“ der Innenstadt als wichtige Errungenschaften.

Zur Schlussrunde durfte sich jeder Diskutant noch was wünschen „Was Kevelaer ausmacht, bewahren und beim Bauen können wir Neuerungen und Visionen vertragen“, sagte Bousard. Und Kuypers´ Fazit lautete: „Grundstücke sind schon knapp und schnell reserviert. “ Die Region habe eine riesige Chance als „Speckgürtel der Großstädte“ und sei glücklicherweise in Sachen “Bevölkerung und Wohnen” eine Wachstumsregion.

Baugrundstücke sind Mangelware

Mit Verkäufen im Wert von 688 Millionen Euro wurde im vergangenen Jahr nach einer Analyse des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Kleve ein neuer Rekordumsatz am hiesigen Immobilienmarkt erzielt. In 2018 wurden insgesamt 3.178 Kaufpreise, die sich im gewöhnlichen Geschäftsverkehr gebildet haben, registriert. Erneut dominierten Verkäufe von Wohnimmobilien das Transaktionsgeschehen.
61 Prozent der Kauffälle entfielen auf bebaute Grundstücke, 22 Prozent auf unbebaute Grundstücke und 17 Prozent auf veräußerte Wohnungs- oder Teileigentumseinheiten. Die Auswertungen des Gutachterausschusses beruhen im Vergleich zu allen übrigen Marktuntersuchungen auf der kreisweiten Erfassung tatsächlicher Verkäufe. Die Notare sind gesetzlich verpflichtet, dem Gutachterausschuss Abschriften der von ihnen beurkundeten Kaufverträge zu übersenden.
„Ein geeignetes Baugrundstück zu finden wird im Kreis Kleve von Jahr zu Jahr schwieriger“, bestätigt Dirk Brammen, Vorsitzender des Ausschusses. „Das liegt vor allem an dem deutlich erkennbaren Mangel an Baugrundstücken und den daraus folgenden Preissteigerungen.“
Im Kreis Kleve war der Kauf von Bauland für eine individuelle Bebauung im Jahr 2018 weiterhin stark rückläufig. Nicht aufgrund mangelnder Nachfrage, sondern weil das Angebot in den allermeisten Kommunen des Kreisgebietes weiter abnahm. Nach 417 Grundstücken im Jahr 2016 und 368 Parzellen in 2017 wurden in 2018 nur noch 271 verkauft, in nur zwei Jahren ein Minus von 35 Prozent. Für die veräußerten Wohnbaugrundstücke mit einer Gesamtfläche von rund 204.000 Quadratmetern wurden 2018 insgesamt rund 29 Mio. Euro erlöst.
Infolge des knappen Angebots sind die Grundstückspreise für den individuellen Wohnungsbau in 2018 gegenüber 2017 im Kreis Kleve durchschnittlich um rund 4,8 Prozent angestiegen. Die gezahlten Quadratmeterpreise für typische, baureife Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser in mittlerer Wohnlage bewegen sich zwischen 110 bis 175 Euro. Die Werte für zentrumsnahe Wohnlagen der größeren Städte des Kreises Kleve schwanken durchweg zwischen 170 und 220 Euro. Aus den tatsächlich gezahlten Kaufpreisen hat der Gutachterausschuss Bodenrichtwerte für das Kreisgebiet Kleve (Stand: 1. Januar 2019) beschlossen und in seinem aktuellen Grundstücksmarktbericht herausgegeben.
Der Grundstücksmarktbericht beinhaltet Analyseergebnisse zum Immobilienmarkt des Jahres 2018 im Kreis Kleve und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Verbraucherschutz, denn er verschafft entsprechend dem Willen des Gesetzgebers Laien und Fachleuten einen tiefen Einblick in den Grundstücksmarkt. Wertermittlungssachverständige schätzen den Bericht darüber hinaus aufgrund seiner zahlreichen Daten, die für eine sachgerechte Erstellung eines Verkehrswertgutachtens unerlässlich sind.
Vor allem hohe Verkaufsabschlüsse bei Ein- und Zweifamilienhäusern, bei Mehrfamilienhäusern und bei Wohnhäusern mit teilweise gewerblicher Nutzung trieben die Umsätze in die Höhe. Aber auch wer im Jahre 2018 Wohnungseigentum erwerben wollte, musste in der Regel tiefer in die Tasche greifen. Für neu errichtete Eigentumswohnungen mussten die Käufer mit durchschnittlich 2.600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rund 5 Prozent mehr bezahlen als im Jahr zuvor.
Die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen blieben auf dem bereits hohen Niveau des Vorjahres. Die Preisentwicklungen sind Durchschnittsangaben über das gesamte Kreisgebiet. Die zugrunde liegenden Kaufpreise variieren je nach Lage, Größe und Ausstattungsmerkmalen deutlich. Im Berichtsjahr 2018 wurden im Kreis Kleve insgesamt 519 Eigentumswohnungen verkauft. Damit lag die Anzahl der Kauffälle 7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahrs. Die Summe der insgesamt gezahlten Kaufpreise lag bei 77,7 Mio. Euro (plus 1 Prozent gegenüber 2017). Unter den bebauten Grundstücken nahmen mit 81 Prozent die Ein- und Zweifamilienhäuser den größten Anteil ein. Insgesamt wurden wie im Vorjahr rund 1.550 Kauffälle registriert.
Das Gesamttransaktionsvolumen, die Summe der gezahlten Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser, stieg um rund 7 Prozent auf die Rekordmarke 335 Mio. Euro an. Die meisten freistehenden Ein- und Zweifamilienhäuser wurden zu Preisen zwischen 175.000 und 225.000 Euro verkauft. Bei den Doppelhaushälften und Reihenendhäusern lagen die am häufigsten verkauften Immobilien im Preissegment von 150.000 bis 175.000 Euro und bei den Reihenmittelhäusern im Preissegment von 125.000 bis 150.000 Euro.
Die Kaufpreise für gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen durchschnittlich um rund 5 Prozent. Sowohl für gebrauchte Eigentumswohnungen als auch für gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser hat der Gutachterausschuss einen Vergleichswertrechner im Marktbericht veröffentlicht, der eine gute Orientierungshilfe beim beabsichtigten Kauf oder Verkauf derartiger Immobilien bietet.
Weitere Fakten und Zahlen, angereichert mit zahlreichen Grafiken und Tabellen, enthält der jetzt durch den Gutachterausschuss veröffentlichte Grundstücksmarktbericht 2019. Dieser steht kostenlos zum Download im Internet unter www.boris.nrw.de oder www.gutachterausschuss.kreis-kleve.de bereit.

Ein Wohnhaus mit Turm

Eva und Jan van Meegern retten durch Umbau des alten Umspannwerks des RWE auf Schravelen und somit ein historisches Gebäude vor dem Abriss.

Früher ging Jan van Meegern, dessen Familie in Kevelaer fest verwurzelt ist, in den Marienkäfer Kindergarten und sein Weg führte oft an dem alten Umspannwerk auf Schravelen vorbei. Als er im Sommer 2016 mit seiner Ehefrau Eva beim Joggen an dem mittlerweile stillgelegten Gebäude vorbeikam, fragte diese, was das denn sei und ob man dies denn nicht wohl kaufen könne, um es umzubauen und als Wohnhaus zu nutzen. Evas Vater ist im Denkmalschutz tätig und so vorbelastet erkennen ihre wachsamen Augen bauliche Schätzchen.

Anfrage beim RWE

Eine Anfrage beim RWE ergab, dass bereits 30 Anfragen in der letzten Zeit gestellt wurden und man wegen der großen Nachfrage statt einem Verkauf für einen symbolischen Preis und an irgendwen, eine komplette Ausschreibung machen würde. Verwendungszweck mit Konzept und ein finanzielles Angebot sollten erstellt werden. Hieran beteiligte sich die junge Familie van Meegern. Sie zeigten, dass mit ihrem Wunsch nach Umbau des Objektes in ein selbst genutztes Wohnhaus ein größtmöglicher Bestandsschutz gewährleistet wird und eine hohe Wertschätzung für das alte Gemäuer vorhanden ist.

Den Verantwortlichen beim RWE gefiel die Bewerbung besonders, weil auch ihnen am Erhalt der Grundsubstanz gelegen war, auch wenn sie nicht unter Denkmalschutz stand. Van Meegern erhielten den Zuschlag unter der kaufvertraglich festgelegten Bedingung, dass der Bestand nicht abgerissen werden darf und die Freude bei der Kevelaerer Familie war groß.

Bauanfrage (weil noch nie zuvor beheizt, handelt es sich rechtlich um einen Neubau) und Baugenehmigung waren innerhalb von drei Monaten von der Stadtverwaltung bearbeitet und so konnte man vor Kurzem mit dem Umbau beginnen.

Einzug im Sommer

Bau- und Dachdeckerarbeiten, so legt es der Name der neuen Besitzer nah, werden in Eigenleistung getätigt. Nach neuester Energiesparverordnung entsteht mit Anbauten ein großzügiges Wohnhaus. Auf 870 Quadratmetern Grund (ein Teil des anliegenden Grundstücks musste noch dazugekauft werden) entstehen 160 Quadratmeter Wohnraum mit fünf hellen Räumen, Bad, Gäste WC und Küche und bieten genügend Raum um sich zu entfalten. Der Einzug ist für Sommer 2019 geplant.

Unvereinbare Standpunkte

Wie sehr die Anwohner das Thema tatsächlich umtreibt, ließ sich alleine schon daran ablesen, dass in dem Versammlungsraum im „Einhorn“ kaum ein Platz mehr frei blieb. „Wenn da so´n Block hinkommt, ist das nicht schön so optisch“ und „Das wäre ja direkt auf der Wiese“ war die Skepsis bei Einzelnen schon vor der eigentlichen Debatte deutlich herauszuhören.
Der Geschäftsführer der GWS, Paul Düllings, machte vor Beginn der Infoveranstaltung deutlich, was der Sinn der Zusammenkunft ist. „Wir wollen vorstellen, was wir wollen“, bezog er sich auf die „Unruhe“, die im vergangenen Sommer durch die mediale Berichterstattung zwecks möglicher Flüchtlingsunterbringung dort entstanden sei.
Dabei kritisierte er sehr deutlich, dass der Eindruck vermittelt worden sei, dass quasi der Bau eines Mehrfamilienhauses schon fast beschlossene Sache sei und die Objekte nur einer Interessensgruppe, nämlich Flüchtlingen, zugeordnet werden sollen.
„Wir haben noch nicht begonnen und auch noch nicht erworben, wir haben es angeboten bekommen“, machte er klar. Entsprechend habe man versucht, eine Konzeption zu entwickeln, die genehmigungsfähig sei. „Wir tragen vor, was theoretisch kommen kann.“
Der anwesende Bürgermeister Dominik Pichler präzisierte die Aussage. Die Politik habe im letzten Jahr grundsätzlich entschieden, sich über stadteigene Bebauungsflächen Gedanken zu machen. Und sie hatte knapp entschieden, dass die GWS die Rasenfläche überplanen soll, aber über einen Verkauf noch nicht entschieden wird – vor dem Hintergrund eines Bürgerantrages, der sich gegen die grundsätzliche Nutzung der Fläche ausgesprochen hatte.
Als Wohnungsbaugesellschaft, die von diversen Kommunen – darunter auch Kevelaer mit knapp neun Prozent der Anteile – getragen werde, habe man den Auftrag, nach Flächen zu suchen, um der „ganz starken Nachfrage nach Mietwohnungen“ in Kevelaer und dem Kreis Kleve als Zuzugsgebiet zu begegnen, so Düllings.
Es gebe einfach den Trend nach immer kleineren Wohnungen, die Niederlassungsfreiheit der Arbeitskräfte, damit den Zuzug aus Osteuropa und die ankommenden Flüchtlinge. „Die, die da ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben, gehen natürlich auch auf den Markt.“
Düllings machte deutlich, dass sich das mögliche Angebot an die Bestandsmieter der GWS-Häuser, die sich verbessern wollten, richte – und das Angebot der dann leer werdenden, billigeren Wohnungen an die Personen, die weniger Chancen am Wohnungsmarkt haben. Es sei kein Billigwohnungsbau vorgesehen. Die angestrebte Miethöhe bei Neubauten sei bei „6,40 Euro, 6,60 Euro – eventuell 6,80 Euro“.
Architekt Jörg Bousart stellte die Pläne vor
Der Architekt Jörg Bousart, der schon für die GWS Objekte geplant hat, stellte dann in einem Kurzvortrag die Grundzüge der Planungen für die Fläche Ecke Schubertstraße/Beethovenring vor.
Sie sehen zwei Gebäude mit insgesamt acht bis neun Wohneinheiten mit Garagen vor. Die Größe der Wohnungen soll 50 bis 75 Quadratmeter umfassen und sich von der höhen- und größenmäßigen Struktur einbetten in die vorhandene Bebaung – also zweigeschossig mit Dachgeschoss.
Man sei noch nicht so weit, konkret etwas zum Klinker oder zu Farben zu sagen, so Bousart. Das seien Fragen der Detailplanung, die man erst nach einem Grundsatzbeschluss bearbeiten müsse.
Für die Anwohner formulierte Werner Hax vom Beethoovenring die zentrale Gegenrede zu den Plänen. Er hatte zu dem Anliegen damals den Bürgerantrag gestellt.
„Uns geht es nicht um Ihre Gründe“, machte er klar, dass die Ablehnung der Bürger sich nicht gegen diese spezielle Bebauung richtet. „Aber nicht an dieser Stelle. Für uns ist die Grünfläche notwendig in diesem Quartier. Es ist uverständlich, dass die Stadt das zur Bebauung angeboten hat.“
Er wohne seit 1962 dort, sein Vater habe für die Herrichtung der Grünfläche gekämpft. „Wir sind entschieden gegen die Bebauung und entschlossen, wenn die Bebauung kommen soll, das juristisch prüfen zu lassen.“ Ein Bau nach § 34 des Baugesetzbuchs über „Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“, wie es dem Unternehmen vorschwebt, sei Interpretationssache und sehr schwammig.
Weitere Anwohner machten deutlich, dass man nicht mal ein Auto zum Parken dort abstellen könne, die Bebauung auch Garagen zustelle und man für die Grünfläche früher sogar Aufschlag gezahlt habe.
Eine Frau mahnte die „historische Verantwortung“ an. Die mindestens 170 Jahre alte Eiche dort dürfe man nicht fällen, das Insektensterben nicht weiter befördern. Dafür könne man grundsätzlich Ausgleichsmaßnahmen schaffen, meinte Düllings dazu.
Bürgermeister Dominik Pichler machte kurz vor Ende der eineinhalbstündigen Diskussion noch mal klar: Es sei noch nichts entschieden. Selbst wenn man nach § 34 Baugesetzbuch bauen wolle, winke die Bauaufsicht nicht alles durch. Die anwesende Politik werde das Stimmungsbild mit in ihre Entscheidung mit einbeziehen.
Nur der KBV-Politiker Karl Renard machte ein paar Detailbemerkungen. Die anwesenden Fraktionschefs von SPD, CDU, FDP und Grünen äußerten sich mit keinem Wort zu der Angelegenheit. Alexander Florié-Albrecht

Drei Wege zu kostengünstigem Wohnungsbau in Kevelaer

Der Wohnungsmarkt in Kevelaer ist alles andere als entspannt: Das Mietniveau ist vergleichsweise hoch, der Anteil an selbst genutztem Eigentum auch. Hinzu kommt ein erhöhter Druck durch Flüchtlinge, Studierende und Mitarbeiter von Fluggesellschaften, um nur die größten Gruppen zu nennen. Und schließlich kostet ein hohes Mitniveau auch die Stadt deutlich mehr Geld bei der Wohnungsversorgung von Bedarfsgemeinschaften aus der Sozialgesetzgebung.
Da macht die Idee, kostengünstigen Wohnraum zu schaffen, durchaus Sinn. Die SPD-Fraktion hatte dazu mit einem Antrag angestoßen, sich in Bezug auf Handlungsmöglichkeiten seitens der Stadt informieren zu lassen. In der gemeinsamen Sitzung der Sozial- und Gebäudemanagement-Ausschüsse stellte am Dienstagabend die Technische Beigeordnete der Stadt Nettetal ein Modell vor, mit dem die Gemeinde im Kreis Viersen an diese Aufgabe herangegangen ist.
Susanne Fritzsche ist zugleich Vorstandssprecherin der Baugesellschaft Nettetal AG, deren größter Anteilseigner die Stadt ist. Schon der Abriss zu Unternehmensform, Bilanz und den Bautätigkeiten in den vergangenen Jahren war äußerst interessant. Denn Fritzsche nahm kein Blatt vor den Mund, was positive, aber auch negative Erfahrungen der Nettetaler angeht.
Zum Abschluss ihres Vortrags zeigte sie dann drei Wege auf, wie in Kevelaer aus ihrer Sicht sozialer, beziehungsweise kostengünstiger Wohnungsbau seitens der Stadt initiiert und gefördert werden kann. Dies könne entweder durch eine eigenständige Wohnungsbaugesellschaft oder Genossenschaft, durch einen städtischen Eigenbetrieb oder durch eine Kooperation zwischen Stadt und einer Wohnungsbaugesellschaft erfolgen. Die Beigeordnete aus Nettetal – die übrigens in Weeze wohnt – zeigte auch die Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle auf.
So sieht sie auf der positiven Seite einer eigenständigen Gesellschaft oder Genossenschaft eben deren Eigenständigkeit, hohe Flexibilität und größere Verhandlungsspielräume sowie kurze Entscheidungswege. Allerdings seien hier zunächst erhebliche Investitionen erforderlich, sowohl um die erforderliche Mindestzahl von Wohnungen zu kaufen oder zu bauen, um ein solches Unternehmen wirtschaftlich betreiben zu können, als auch für den Aufbau einer Gesellschaftsstruktur und beim Personal.
Ein städtischer Eigenbetrieb könne hingegen seine Arbeit weitgehend mit städtischem Personal und beauftragten Architekten abwickeln, so Fritzsche. Zudem sei ein sukzessiver Aufbau der Strukturen und des Gebäudebstandes möglich. Bei einem Eigenbetrieb sei die Kontrolle durch politische Gremien naturgemäß sehr stark. Defizite sieht sie in möglicherweise starren Strukturen und längeren Entscheidungswegen. Zudem habe städtisches Personal in der Regel keine Erfahrung mit der Wohnungsbewirtschaftung und der Personalpool müsse daher sinvollerweise aufgestockt werden.
Städtisches Vermögen
Viele positive Aspekte habe dagegen aus ihrer Sicht eine Kooperation zwischen Stadt und einer Wohnungsbaugesellschaft, stellte die Nettetaler Beigeordnete dar. Vor allem ein schrittweiser Aufbau von Portfolio und Strukturen schlügen hier zu Buche und es könne städtisches Vermögen gebildet werden. Planungs- und Bauleistungen könnten durch einen Eigenbetrieb erfolgen, die Bewirtschaftung der Wohnungen durch die Gesellschaft erfolgen. Allerdings müsse in diesem Modell die Erfahrung Dritter eingekauft werden, erläuterte die Expertin.
Der Kevelaerer Beigeordnete Marc Buchholz, der über einen Zeitungsartikel über ein Wohnprojekt der Baugesellschaft auf die Aktivitäten der Nettetaler gestoßen war, fragte gleich mal nach, ob die Gesellschaft auch außerhalb der eigenen Stadtmauern aktiv werden würde und ob sich Susanne Fritzsche eine Kooperation mit Kevelaer vorstellen könne. Die Vorstandssprecherin der Baugesellschaft versprach, die Frage in die entsprechenden Gremien mitzunehmen.

Portfolio Einträge