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Von der Säbelzahnkatze bis zum Stubentiger

Wer kennt sie nicht, die Gefährten auf vier Tatzen, die Schmusetiger auf dem Sofa, die Streuner der Nacht ? Katzen sind aus dem Alltagsleben des Menschen nicht mehr wegzudenken.
Die „Beziehung zwischen Katze und Mensch“, so formulierte es Museumsdirektor Burkhard Schwering, dokumentiert jetzt die aktuelle Sonderausstellung im Niederrheinischen Museum mit dem Titel „Alles für die Katz“.
Bis zum 1. Juli ist dort „die erstaunliche Vielfalt der Katzen auf fast allen Kontinenten“ zu finden, erläuterte der Landrat des Kreises Kleve, Wolfgang Spreen, in seiner Rede zur Eröffnung der Sonderausstellung, die von den „Streichmäusen“ der „Jungen Streicher Kevelaer“ musikalisch begleitet wurde.
Neben den Landschaften, in denen die Tiere vom Luchs bis zum Löwen wie lebensecht wirken, „werden auch Präparate zur Biologie und zur Evolution präsentiert“, so der Landrat.
„Darüber hinaus wird die Rolle der Katze in Mythologie und Geschichte, als Werbeträger und sogar als Comic-Star herausgestellt.“ Und man kann in den Vitriten Imitate von jahrtausendealten Funden sehen, die belegen, wie lange sich der Mensch schon mit der Katze auseinandergesetzt hat.
Spreen verwies auf die Tatsache, „dass über acht Millionen Katzen in bundesdeutschen Haushalten leben und weltweit über eine Milliarde dieser faszinierenden Tiere existieren.“ Und dass noch vor dem Erscheinen der aus der Gruppe der katzenartigen Raubtiere stammenden eigentlichen Katzen es Säbelzahnkatzen als Raubtiere gab. „Im Vergleich dazu weckt unser beliebtes Hauskätzchen geradezu Beschützerinstinkte.“
Museumsdirektor Burkhard Schwering reflektierte in seinem Referat zur Eröffnung die Geschichte der Katze – als Abfallverzehrer vor 9000 Jahren im kleinasiatischen Raum am Rande der menschlichen Siedlungen, die sich quasi selbst „zum geschätzten Haustier“ domestizierte.
Im alten Ägypten
Im alten Ägypten fänden sich ab dem 3. Jahrtausend dann Bildbelege für Katzen, die in Gestalt der Göttin Bastet kultische Verehrung erfuhren – auch das kann man in der Ausstellung nachvollziehen. Später wurde sie auch Teil der nordischen Götterwelt und in Japan verehrt, so Schwering.
Im 10. Jahrhundert sei sie in Europa und beinahe vollständig in Asien verbreitet gewesen, über die großen Entdeckungsfahrten des Spätmittelalters und der Neuzeit auch nach Nordamerika, Australien und Neuseeland gelangt. Im Zuge der Hexenjagden sei die Katze dann bis ins 17. Jahrhundert verteufelt worden.
Und er betonte ihre Rolle in der Kunst, in Märchen wie dem „gestiefelten Kater“ oder Zeichentrickfilmen wie „Aristocats“ oder „Garfield“ und als Co-Therapeut bei tiergestützten Therapien. Sie seien „Partner und Balsam für die Seele“, blieben aber „trotz aller Sympathiebekundungen „geheimnisvoll, rätselhaft, eigensinnig und unberechenbar.“
Anschließend nutzten die ersten Besucher die Gelegenheit, sich die Exponate – vom Säbelzahntiger in Lebensgröße bis zur Zirkuskatze in einer separaten Ecke – anzusehen.
„Das ist sehr schön, damit hatten wir nicht gerechnet“, hatte der Dinslakener Reinhard Pfennig mit Frau, Tochter und Enkel die „Wanderer“-Ausstellung von Hentschel besucht und dabei die „Katzen“ entdeckt.
Aus der Nähe sehen
„Ich hatte immer schon die Sehnsucht, solche Tiere mal aus der Nähe zu sehen“, betrachtete Ehefrau Theresia den lebensgroßen Löwen. „Das ist sicher was für Schulen und Kindergärten“, meinte ein Krefelder Ehepaar, das sich persönlich noch mehr zu Ägypten gewünscht hätte.
Alle Schulklassen seien da willkommen, griff Museumspädagogin Indra Peters den Gedanken auf. „Wir machen da auch ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder und Familien mit Kinderworkshops und Seniorenführun

„Es macht Spaß, ihn zu entdecken“

Kevelaer. So schnell verschlägt es Veronika Hebben nicht die Sprache. Beim ersten Einblick in die Vielschichtigkeit des Werkes von Heinz Henschel erging es der Kunsthistorikerin jedoch nicht anders, als vielen Laien auch: Schon beim Betrachten eines einzelnen Bildes muss man da mit ziemlicher Reizüberflutung rechnen (das KB berichtete über den Künstler Heinz Henschel und die Entdeckung seiner Werke in der Ausgabe 3/2018).
Reizüberflutung
Erst recht kompliziert wird es, wenn man sich auf wissenschaftlich-professionellem Wege diesem Kunstschaffenden nähert. „Wir müssen ihn ausstellen, auch wenn ich noch nicht weiß wie“, das sei ihr erster Gedanke nach der ersten Begegnung mit dem Werk Henschels gewesen, erinnert sich die zukünftige Leiterin des Niederrheinischen Museums Kevelaer (siehe Bericht auf der Seite 4 dieser Ausgabe) heute. Als es ernst wurde mit der Vorbereitung der Kabinettaustellung, die am 18. Februar eröffnet wird, kam die „große Sorge“ hinzu, „dass wir dem Werk nicht gerecht werden können.“ Einerseits wollen die Ausstellungsmacher die schlichtweg unglaubliche Detailverliebtheit des Autodidakten Henschel präsentieren, „aber auch die Fülle des Werkes insgesamt darstellen.“
Detail und Fülle
An die 120 Bilder, etwa ein Zehntel des erhaltenen und bekannten Gesamtwerks Henschels, wird deshalb in der Kabinettausstellung zu sehen sein. Es könnte also eng werden, bei der begrenzten Ausstellungsfläche in der 1. Etage des Museums. Aber wohl nicht ganz so „eng“ wie auf einigen Bildern Henschels, weshalb das Museum eigens Lupen anbieten wird, mit deren Hilfe die Ausstellungsbesucher noch tiefer in die Bilder vordringen, sich quasi auf „Entdeckungsreise“ in die Henschelschen Welten begeben können.
Detailverliebtheit, handwerkliche Qualität und die schier unglaubliche „Präzision in der Umsetzung“ waren es unter anderem auch, die die Wissenschaftlerin davon überzeugten, dass Heinz Henschel ausgestellt werden müsse. „So ist mir das noch nie untergekommen“, sagt Veronika Hebben, und macht dem Autodidakten ein riesiges Kompliment, über das sich der bescheidene Mann wohl sehr gefreut hätte: „Es macht unheimlich Spaß, ihn zu entdecken.“
„Er ist authentisch, er bleibt sich selber treu“, so viel hat sie bisher bei der Beschäftigung mit seinem Werk auch festgestellt. Er schuf seine Kunst für sich selbst, hat niemals eine Auftragsarbeit angenommen. Und er war – sei es aus der Not heraus, oder aus einer Art inneren Bescheidenheit – nicht gerade verschwenderisch mit Material: Teils zeichnete er beispielsweise auf der Rückseite alter Plakate.
Rahmen gekauft und Rahmen gegeben
„Es ist absolut verdient, dass seine Werke gezeigt werden“, sagt Veronika Hebben. Und auf die Frage, ob dieser bescheidene Mann, der sich zuletzt immer öfter im Kevelaerer Achterhoek blicken ließ, das denn auch gewollt haben könne, sagt Matthias David vom Verein „Natur und Kultur im Achterhoek“, der den künstlerischen Nachlass verwaltet, er sei sich da ziemlich sicher. „Er hat noch vor seinem Tod Rahmen gekauft.“
Nun bekommt er sozusagen einen größeren Rahmen, eine Ausstellung im Kevelaerer Museum. Wer diese besucht, kann den „Wanderer zwischen den Welten“ ein bisschen näher kennenlernen. Und vielleicht wird er ihn mögen. So wie Matthias David, Veronika Hebben und die anderen, die sich in seine Werke schon einmal vertieft haben.