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Kevelaer stagniert bei Öko-Landwirtschaft und Umweltschutz

Am Tag der Eröffnung fanden sich nur wenige Gäste ein, um die NABU-Wanderausstellung „Irrweg Pestzide“ anzuschauen. „Das gibt hier Möglichkeiten, sich zu verbinden zu einem großen Netzwerk“, meinte ein Hobby-Imker aus Rees.
Natürlich war auch der „Gastgeber“ Bernd Verhoeven anwesend, um Gespräche zu führen und den Auftaktvortrag mitzubekommen. Was ihn dazu animiert habe, diese Ausstellung in seinen Hofräumen auszurichten? „Der Gedanke, Öko-Landwirtschaft und Umweltschutz zu fördern – und dass wir da nicht weiterkommen. Da stagniert Kevelaer“, war seine klare Haltung.
Auf 13 Tafeln sind die Folgen der Pestizidanwendung im Boden, bei Tieren, Pflanzen und beim Menschen beschrieben. Und es werden die Zusammenhänge beschrieben, die einen Wandel so schwer machen.
Ein Aspekt der Ausstellung ist auch die Darstellung der Alternativen, die in zehn Strategien des ökologischen Landbaus beschrieben sind. Sebastian Strumann von NABU-Bundesverband stellte in einem Einführungsreferat die Zusammenhänge der aus seiner Sicht verfehlten Förderungspolitik der EU in Sachen Naturschutz, der extensiven Bodennutzung und der fatalen Anwendung von Pestiziden dar.
„Wenn ich auch noch Randstreifen totspritze, wo sollen Insekten dann ihre Ernährung herbekommen?“, stellte er die rhetorische Frage. Eine seiner Kernbotschaften war dabei, dass das Pestizidproblem nur eines in dem großen Ganzen sei. „Die Art der Bewirtschaftung der Flächen muss sich ändern“, war sein klares Plädoyer.
Sanktionen
Er sprach von einem „dramatischen Vogelrückgang“ und dem beschleunigten Verlust von Lebensraum für Vögel und Insekten seit den 90er-Jahren in Deutschland und Europa. Ein zentraler Grund sei die Intensivierung der Landwirtschaft. „Vogelschutzrichtlinien sind gegenüber den Agrargesetzen wirkungslos.“„Und wenn Du an einer Hecke in Winnekendonk etwas ökologisch wachsen lässt, wirst Du sanktioniert“, ergänzte Bernd Verhoeven den Gedanken mit einer kleinen Spitze.
Bei der gemeinsamen EU-Agrarfinanzierung gebe es kaum Anreize für nachhaltiges landwirtschaftliches Wirtschaften. Um den Naturschutz zu honorieren, bräuchte es jährlich 15 Milliarden Euro und nicht nur 2,2 Milliarden, die gerade mal die bestehenden Schutzgebiete sichere. Das System „Je größer der Hof, desto mehr Subventionen“ sei nicht mehr zeitgemäß und zeige die „Perversität des Systems“, so Strumann. „Keine Gruppe wird in Deutschland so sehr verhätschelt wie die Landwirte“, pflichtete ihm der Kevelaerer FDP-Politiker Jürgen Hendricks bei. Öko-Landwirt Verhoeven wollte das so allgemein nicht stehen lassen. „Die Kleinbauern schmeißen das Handtuch, weil nur billig essen zählt. Die Großen werden immer größer.“
Mit einer Ausstellung dieser Art könne es nicht allein getan sein, fand Claudia Blauert von der Ini­tiative „Rettet die Binnenheide“, die die Begrüßungsworte sprach. „Wichtig ist, alle mit ins Boot zu holen. Da ist viel Überzeugungs- und Bildungsarbeit noch zu leisten“, meinte die Umweltaktivistin.

Sie retten, löschen, bergen und schützen

Wenn Veronika Hebben über die Ausgangsidee für die neue Ausstellung „Von Menschen und stillen Helden“ spricht, schwingt bei ihr deutlich der Respekt für die Personengruppe mit, um die es geht.
„Nicht nur die Objekte, sondern den Menschen wollten wir in die Ausstellung mit reinbringen“, beschrieb die Leiterin des Niederrheinischen Museums für Volkskunde den Ansatz der Ausstellung, bei der es bis zum 8. September um die Freiwillige Feuerwehr am Niederrhein geht.
„Ohne anderen Ehrenamtlern auf die Füße zu treten: Das ist ein Ehrenamt, das man nicht mit anderen Ehrenämtern vergleichen kann“, meinte Hebben. „Wenn Menschen neben ihrem Beruf 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr bereit sind, für Menschen einzustehen, wenn sie Hilfe brauchen“, dann sei das schon etwas Besonderes.
Dementsprechend waren die Brandbekämpfer natürlich im Vorfeld in den Vobereitungsprozess – mit der Beschaffung der diversen Exponate, Papiere und Utensilien – eingebunden und sorgten mit ihrer großen Unterstützung bei den Machern für Kopfzerbrechen.
„Wir können nicht alle Feuerwehren am Niederrhein darstellen. Wir wären davon erschlagen worden“, erläuterte Hebben, warum man sich dann dazu entschieden hat, schwerpunktmäßig Leihgaben der Feuerwehren aus dem Kreisgebiet in der Ausstellung zu zeigen.
Und die Feuerwehrleute können sich quasi „interaktiv“ an der Ausstellung beteiligen. An einer „Wand der stillen Helden“ können sich sich mit einer Polaroid-Kamera fotografieren, dazu ihren Namen und ihre Feuerwehrzugehörigkeit notieren und das Bild aufhängen.
Außerdem gibt es in der Durchgangspassage des Museums einen „Walk of flame“, wo Feuerwehrleute sich auf einem speziellen Aufkleber mit Feuerwehremblem verewigen können. Dazu kommt noch ein Haspel, an dem Kinder Feuerwehr spielen und somit die Arbeit der Helfer praktisch nachvollziehen können.
In der Ausstellung selbst fnden sich viele Exponate, die das Alltagsleben, die Arbeit und die Historie der Freiwilligen Feuerwehr widerspiegeln. In den Vitrinen befinden sich alte Feuerwehr-Dienstvorschriften und Pässe, Presseberichte, Rauchhelme aus den 20er Jahren oder alte Sauerstoffgeräte.
Vergleiche zu Werksfeuerwehren wie Solvay oder Thyssen werden an den Wänden ersichtlich gemacht. Historische Brandglocken belegen, wie früher die Alarmierung der Menschen stattgefunden hat.
Alte Wassereimer und noch durch Handarbeit zu betätigende Wasserpumpen zeigen, wie mühselig in früheren Zeiten das Geschäft mit der Löschung von Bränden war – ausgelegte Stahlrohre belegen den Wandel zur Moderne.
In der Museumspassage findet sich ein altehrwürdiger Feuerwehrwagen. Objekte wie der Spreizer, das Beil oder Hitzeschutzmäntel zeigen, wie die Arbeit der Retter konkret vonstatten geht. Dazu kommen noch Verweise auf den kulturellen Rahmen des Feuerwehrwesens mit den Spielmannszügen. „Das ist wichtig, weil es ein Stück der Brauchtumspflege ist“, so Hebben.

Stummels Erbe(n) im Museum

Friedrich Franz Maria Stummel (1850 – 1919) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Kevelaers. Mit dem Angebot, den nackten Grauputz in der Kevelaerer Basilika zu bemalen, ändert sich im Leben des Kirchenmalers die Perspektive. Mit einem Mal hat er ein Lebenswerk vor Augen – das er allein gar nicht bewältigen kann. Und so stellt er Anfang der 1880er Jahre, in denen er gerade mit dem Wandgemälde des Jüngsten Gerichts in der Beichtkapelle begonnen hat, mit Heinrich Lamers seinen ersten „Gehilfen“ ein. Ihm folgen bald weitere, denn Stummel ist so etwas wie ein „Workaholic“ und nimmt unzählige Aufträge an. Das Niederrheinische Museum in Kevelaer hat sich Stummel bereits gewidmet – nun zeigt man hier die erste große Ausstellung mit Werken seiner Schüler und Mitarbeiter.
Bekannte Namen

Namen wie Brey, Derix, Holtmann, Pauels, Renard, Sensen und Wenzel sind in der Region durchaus bekannt. Das Kunstschaffen dieser künstlerischen „Erben“ des großen Kirchenmalers – teils direkte Schüler, teils Mitarbeiter, das sei nicht immer so leicht einzuordnen, sagt die Leiterin des Kevelaerer Museums, Veronika Hebben – wird beleuchtet. Auf rund 90 schätzt Hebben die Zahl derer, die mit dem ,Großunternehmer‘ Stummel zusammen oder für ihn arbeiteten. „Viele Personen können wir in der Literatur nicht mehr finden“, sagt sie. Doch Werke und Wirken der nachvollziehbaren Stummel-„Erben“, die nach dessen Tod ein eigenes künstlerisches Profil entwickelten, reichen allemal für eine äußerst interessante Ausstellung.
Die zeigt nicht nur Werke aus der Sammlung des Museums, sondern auch viele Leihgaben aus Wohnstuben Kevelaers und anderer Orte – und damit auch den Einfluss, den Stummel und seine Erben auch heute noch auf den künstlerischen Ruf der Wallfahrtsstadt haben.

Farbenfrohe Fotoausstellung

An einer Wäscheleine, wie zum Trocknen, flattern die eingereichten Fotos des Fotowettbewerbs im Wind auf der Binnenheide. Die Prämierung der platzierten Gewinner des Fotowettbewerbs „Radfahren am Niederrhein“ erfolgte bei der diesjährigen „fahrRad-Pause Kevelaer“. Erste Etappe macht diese „Ausstellung auf Zeit“ nunmehr wie bereits angekündigt im Bauernhof-Café Binnenheide.

Dennis van den Berg, Betreiber des Bauernhofcafé Binnenheide, war einer der Jury-Mitglieder und stellte zwei Gutscheine für jeweils ein Schlemmerfrühstück für zwei Personen zur Verfügung. Er erklärte sich gerne bereit, diese Ausstellung in seinem Café-Garten zu präsentieren.

Im zeitlichen Zusammenhang mit der „fahrRad-Pause Kevelaer“ initiierte die Wallfahrtsstadt Kevelaer einen Fotowettbewerb für Hobbyfotografen. Insgesamt 43 Bilder wurden eingereicht und sieben Gewinner durften sich über attraktive Preise freuen. Seit dem 1. Mai hängen alle eingereichten Motive in einer Ausstellung im Außenbereich des Bauernhofcafés Binnenheide und begrüßen an einer Wäscheleine flatternd die Gäste.

Besuch der Ausstellung im Wohlfühlgarten

Das Bauernhofcafé Binnenheide gilt als beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Ausflügler am Niederrhein. Das Team des Cafés lädt die Gäste ein, schöne Stunden in gemütlicher Atmosphäre zu verbringen. Bei sonnigem Wetter kann man den Kuchen auf der mit Liebe zum Detail eingerichteten Außenterrasse mit wunderschönem Blick auf Wiesen und Natur genießen. Aus Sicht der Organisatoren des Fotowettbewerbs aus der Wallfahrtsstadt Kevelaer ist dies der perfekte Ort, um die Bilder des Fotowettbewerbs „Radfahren am Niederrhein“ auszustellen.

„Ich freue mich sehr, dass das Bauernhofcafé Binnenheide als Ausstellungsort gewählt wurde und unsere Gäste die Möglichkeit haben, sich in Ruhe alle eingereichten Motive anzuschauen“, so Dennis van den Berg.

Die sieben Gewinner-Motive des Fotowettbewerbs von Markus Weggen, Sebastian Swertz, Thomas Arntz, Charlin Grahl, Marion Schramm-Schmitz, Thomas Hueser und Thomas Bosch (1. bis 7. Platz) hängen unter allen Einreichungen auf einer Wäscheleine aufgereiht im Wohlfühlgarten des Bauernhofcafés und sind mit einer kleinen goldenen Siegerschleife markiert.

„Gerne platzieren wir die Ausstellung auch an anderen Orten in der Wallfahrtsstadt Kevelaer. Interessierte Gastronomen, Einzelhändler oder auch Vereine sollten sich bei Interesse an das Stadtmarketing der Wallfahrtsstadt Kevelaer wenden“, so Bernd Pool, Leiter Stadtmarketing.

Mit dieser Ausstellung wurde zeitgleich auch die Ausstellung „Kunst Kreuz(t)weg“ als Open-Air-Galerie in den Grünanlagen des Kevelaerer Kreuzweges eröffnet. Hier finden derzeit die großformatigen Madonnari-Bilder des Festivals 2017 Platz. Mit dieser Ausstellung wird Interessierten ein Vorgeschmack auf das Internationale Madonnari-Festival 2019 (20. bis 22. September) gegeben.

Botschaften an das Herz

Das Kerzenhaus „bauMgärtner“ am Kapellenplatz lädt am 1. Mai 2019, ab 13 Uhr zu einer Vernissage der Hamburger Künstlerin Imme Linzer ein. „Es ist eine ganz besondere Ausstellung“, sagt die Inhaberin des Kerzenhauses, Marion Piegenschke, die sich über die Zusage der Diplomdesignerin sehr freut. Denn Bilder von Imme Linzer seien immer mit einer besonderen Aussagekraft verbunden. Sie beinhalten Botschaften, die das Herz erreichen sollen.

Menschen erreichen

„Mit meiner Kunst sollen Menschen erreicht werden, die sich sonst nicht so sehr in Kirchen angesprochen fühlen. Nach meiner Überzeugung lehnt Gott niemanden ab, er liebt jeden Menschen bedingungslos, ohne etwas dafür zu verlangen“, steht in der Einladung zur Vernissage im Kerzenhaus geschrieben. In einem Gespräch mit dem Kevelaerer Blatt verriet uns die Künstlerin, warum sie in der Marienstadt ausstellt und welche Botschaft hinter ihren Bildern steckt:

KB: Woher kommt Ihre Verbindung zu Kevelaer?
Imme Linzer: „Ich wurde in Hamburg geboren, das Haus meiner Eltern entstand auf den Kriegstrümmern Hamburgs. Ich liebe meine Stadt mit allen Herausforderungen. Dennoch, ich habe seit meiner Geburt eine tiefe Verbindung zu Kevelaer, bedingt durch Eltern und Großeltern, die alle aus Geldern stammen, und mir eine sehr bunte Kindheit schenkten, samt Wallfahrtsort Kevelaer, der nie ausgelassen wurde.

So habe ich nach beiden Seiten ein sehr vertrautes Gefühl, wenn ich über den Rhein an den linken Niederrhein komme. Genauso bin ich berührt, wenn ich dann wieder nach Hause über die Elbe komme. Das war schon als kleines Mädchen so, ich liebe den Hafen und das Meer, ich liebe darauf zu segeln.“

KB: Wie entstehen Ihre aussagekräftigen Bilder?

Ein Werk der Hamburger Künstlerin Imme Linzer. Foto: privat

Imme Linzer: „Sie entstehen in meinen Gedanken, die wiederum gespeist werden vom Wort. Alle Jesus-Heilsgeschichten, (meine Mutter und Oma sind „schuld“ daran, ich liebe die Worte unseres Herrn), geben mir Kraft, Liebe, Mut und Vertrauen, jeden Tag neu!  Worte sind ja sehr wichtig, sie können ermutigen oder entmutigen, so ist es auch mit der Kunst.

Ich möchte in dieser widrigen Zeit Mutmacherin sein. Somit ist auch meine Kunst ermutigend, sie spricht allen Menschen ins Herz, egal woran sie zurzeit glauben oder womit sie sich gerade auseinandersetzen müssen. Sie sehen aber Gottes Herz. Meine Themen sind zum Beispiel: „Das Herz Gottes“ oder „Gott strömt in die Städte und besiegt Einsamkeit“, ich höre von vielen Wundern, die bei uns auf dem Kiez geschehen durch ehrenamtliche Menschen aller Denominationen – hier passiert Zusammenhalt durch seine Liebe!“

KB: Wie lange werden Ihre Bilder im Kerzenhaus zu sehen sein?
Imme Linzer: „Alle Bilder, ob als Original oder Kunstdruck, dienen als Vorlagen für Kerzenkunst und können das ganze Jahr erworben werden. Des Weiteren freue ich mich, mit Ausstellungen in Gemeinden eingeladen zu werden und dort ermutigende Vernissagen und Workshops anzubieten. Ein Teil vom Erlös geht als Spende in Einrichtungen, die sich die Werte Christi auf ihre Fahnen schreiben, so auch an die „NEXT-Schule mit Werten“. Ich arbeite dort als Kunstlehrende.“

Imme Linzer erlaubt mit ihrer Ausstellung im Kerzenhaus „bauMgärtner“ einen Einblick in ihre Kunst- und Gedankenwelt und lässt die Besucher daran teilhaben. Welcher Ort könnte besser dafür geeignet sein als Kevelaer? Das KB bedankt sich bei Imme Linzer für das Gespräch.

Orange ist Kult

Es ist – man möge mir den Ausdruck verzeihen – eine Orgie in Orange. „Orange ist doch schön“ mögen manche jetzt denken. Und immerhin kann man in der Ausstellung „Flowerpower & Weltraumdesign“ im Niederrheinischen Museum in Kevelaer eine Zeit eindeutig an einer Farbe festmachen. „Die Kultur der 60er und 70er Jahre“, so der Untertitel der Schau, die bis zum 22. April im Niederrheinischen Museum zu sehen sein wird, ist eindeutig orange. Jeder, der diese Zeit miterlebt hat, kann aus dem Stehgreif mindestens drei Dinge aufzählen, die in ein oranges Gewand gehüllt waren. Fön oder Wecker, Stuhl oder Vase, Fernseher oder Tapete oder Wählscheiben-Telefon – die westdeutsche Welt, denn auf diese beschränkt sich die Ausstellung aus der Sammlung von Dr. Corinna Wodarz, war orange.

Man muss zur Ehrenrettung der anderen Farben sagen, dass sie nicht alle ganz aus der Welt waren – vorausgesetzt sie waren schrill genug. Launiges Lila, himmlisches Blau, giftiges Grün, nach den schwarz-weißen 50ern wurde es bunt in deutschen Küchen und Wohnstuben. Und bald wurde es einigen sogar zu bunt. Denn die Muster wurden riesig, die Gedanken waren frei, die Liebe auch bald, und wem das alles noch nicht genug war, der ging auf die Straße, um zu demonstrieren oder in den Partykeller, um zu feiern – mit Cocktails und Mett-Igel und Lichteffekten von der Lavalampe und/oder Drogen aller Art.

Und eine mögliche Blüte des LSD-Rausches schaffte es sogar auf die Fliesen der orange-grünen Küchen jener Jahre: die Pril-Blume. Die habend die Ausstellungsmacher um Museumsleiterin Veronika Hebben eigens nachdrucken lassen, und jeder Besucher der Ausstellung wird eine bekommen, verspricht sie. Die Aufkleber seien im Übrigen die einzigen Nachbildungen, der Rest seien alles Originale, vom Flokati bis zum Fön, verspricht Hebben und deutet auf ein Original RAF-Fahndungsplakat. Ja, wie der Titel es schon verspricht, gibt es einen gehörigen Spannungsbogen in jenen Jahren, und der wird auch abgebildet, von der umhäkelten Granini-Flasche und der Makramee-Blumenampel über die Krawatte mit Überbreite und dem Minirock mit aufblitzender Unterwäsche bis zu Vietnamkrieg und Ölkrise.

Die einen genießen den Konsum, der durch die rasanten technischen Entwicklungen nach der Mondlandung und die Massenproduktion von Plastik möglich wird. Die anderen protestieren dagegen und treiben ihre Natürlichkeit so weit auf die Spitze, dass sie alles käufliche von sich weisen, einschließlich ihrer Kleidung. Jeder mag so seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit haben, viele wird er wiederfinden in der Ausstellung, schmunzeln oder die Stirn runzeln, immer aber erstaunt sein, dass es die eigenen Erinnerungsstücke mittlerweile ins Museum geschafft haben. Und übrigens auch, dass einiges inzwischen wieder in Mode kommt.

Originalgetreue Zimmereinrichtungen aus Wohnstube, Küche, Kinderzimmer und Partykeller, Musikkultur, Mode, die Werbung, Kinofilme, aber auch Kinderspielzeug sind einige Themen, die man in der Ausstellung als übergeordnete Schwerpunkte wiederfindet. Und vielleicht auch ein(en) Teil seines eigenen Lebens. Muss ja nicht gleich eine Orgie in Orange sein. Vor der Tür der Ausstellungshalle findet sich auch noch ein 1971er VW Käfer. Aus Kevelaer. Im Originalzustand. Und in hellblau.

Ausstellung im Katharinenhaus

Das Katharinenhaus in Winnekendonk ist ein wichtiger Teil im gesellschaftlichen Leben des Golddorfes. Mit dazu beigetragen haben Ausstellungen, die mindestens viermal im Jahr dort stattfinden. Am Sonntag eröffnete Claudia Püschel vom sozialen Dienst des Katharinenhaus
die Präsentation von Arbeiten der anwesenden Künstlerin Elke Arts. Großformatige Acrylbilder mit integrierten Sinnsprüchen bekannter und weniger bekannter Größen der Geschichte laden zum Entdecken und Nachdenken ein.
Für viele der Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung des Caritasverbandes Geldern-
Kevelaer, mit seiner Hausleitung Sabine Vohwinkel, bieten die Ausstellungseröffnungen immer wieder neue Impulse und durch die zahlreichen Besucher, die neben den Angehörigen zusätzlich ins Haus kommen, wird der Außenkontakt gefördert. Nicht nur bei der Vernissage bieten die abwechselnden künstlerischen Darbietungen an den Wänden der Flure die Möglichkeit für die Bewohnerinnen und Bewohner ins Gespräch zu kommen. Im Alltag bieten sie immer wieder den Anstoß für Austausch und Ablenkung.
In zahlreichen Bildern der Künstlerin Elke Arts sind vielfältige Materialien wie Mull, Naturmaterialien oder Blattgold verarbeitet. „Seit 2005 entwickelten sich Lebensweisheiten, Zitate und Aphorismen zur ,Herzenssache‘, weil sie in ihrer Wirkung unsere Wahrnehmung von Alltäglichem treffend kommentieren können oder unseren Weg gleich einem Motto zu begleiten scheinen. Als Lebens- oder Leitbilder können sie zum Ausdruck der Selbstfindung oder Selbstdarstellung in uns wurzeln und gewinnen somit eine persönliche Aussage“, so Arts, die mit ihren Bildern Begegnung fördern und die Menschen ins Gespräch bringen möchte.
Die Künstlerin ist 1956 in Krefeld geboren und wohnt in Twisteden. Ihre handwerkliche Tätigkeiten bekam sie bereits in die Wiege gelegt. Sie sammelte schon in der Kindheit viele praktische, handwerkliche Erfahrungen innerhalb der kunstliebenden Familie, zunächst in spielerischer Form, später als praktische Hobbytätigkeiten (Schneidern, Malen, Holzarbeiten, Arbeiten mit Draht, Lichtobjekte). Seit 1997 im Beruf als Grundschullehrerin tätig (jetzt Overberggrundschule Winnekendonk), widmete sie sich seit 1980 der Malerei in Öl in Miniaturformaten (Pinseln mit 3 Haaren) bis sie ihre heutige Ausdrucksweise entwickelte. Bei Ausstellungen in Krefeld präsentierte sie ihre Werke bereits einem breiteren Publikum.
Bei großer Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern und zahlreichen Gästen sorgte Stefanie Andrä-Kleinen auf der Querflöte für die musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung und nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken wurden die Exponate in Augenschein genommen. Bis Ende März sind die Bilder noch im Katharinenhaus zu sehen.

“Das war vor dem Beamer”

Es soll ja ganze Grundschulklassen geben, die im Unterricht nicht mehr Heft und Füller vor sich liegen haben, sondern Tablet und Eingabestift. Und wenn der Lehrer mal was an die Tafel schreibt, dann ist die nicht mehr grün und die Kreide kreischt in höchsten Tönen – nein, auch das “Whiteboard” ist schon weit verbreitet. Höchste Zeit also, sich zu fragen, wie sich die Präsentationsformen in der Schule verändert haben. “Das war vor dem Beamer” zeigt das Niederrheinische Museum Kevelaer vom 7. Oktober bis 2. Dezember: “Schulwandkarten in ihrer kulturhistorischen Bedeutung”.

Zumindest die älteren Eleven werden sich noch gut an sie erinnern. Ob die große Weltkarte im Erdkunde-Unterricht, das “Periodensystem” in der Chemie oder die Darstellung des für manchen ebenso sperrigen “Kleinen Einmaleins”. Aber auch längst ausgemusterte Schulfächer hinterlassen in der Ausstellung ihre Spuren, etwa die Hauswirtschaft, bei der man sich über Nahrungsmittel wie zum Beispiel Lebertran belehren lassen darf, die heuer ihr Verfallsdatum in der gesunden Ernährung längst überschritten haben.

Die Sonder-Ausstellung ist unterteilt in mehrere “Klassenräume”, in denen auch Tische und Bänke einladen, mal wieder buchstäblich die Schulbank zu drücken. Eröffnung ist am Sonntag, 7. Oktober, 11 Uhr, im Museumsfoyer. (weiterer Bericht im Kevelaerer Blatt folgt)

Von Helfern und Fürsprechern

Vom 12. August bis 21. Oktober findet im Niederrheinischen Museum in Kevelaer die Sonderausstellung „Helden & Heilige“ – Vom Hl. Petrus bis Supermann statt.
Ein jeder wünscht sich manchmal einen Helden, der hilft, oder einen Heiligen, der Fürsprache spricht. Doch sind Helden meist fiktive Personen und selten reale Menschen; Heilige sind dem Empfinden nach Teil einer vergangenen Glaubensgeschichte. Dennoch sind beide mitten im Hier und Jetzt durch Glaubenspraxis, Film und Literatur zu finden. Die präsentierte Ausstellung möchte einige dieser Helden und Heiligen vorstellen und ihren Weg aufzeigen, den sie in unserem Leben genommen haben.
Dabei wird möglicherweise auffallen, dass manches realer ist als man meint und einiges wirkliche Fiktion ist. Aber im Ganzen betrachtet sind Helden und Heilige fest verwurzelt in der Kulturgeschichte des Menschen und spielen eine große Rolle im Alltag. Hinterlassenschaften zeugen davon und präsentieren und erklären ihre Bedeutung. Dabei finden sich Objekte aus den unterschiedlichsten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten in der Ausstellung, wie zum Beispiel eine aktuelle Arbeit des Künstlers Martin Lersch, Grafiken des Kupferstechers Hendrik Goltzius und Gipsmodelle aus der Dombauhütte Köln.
Ob nun der Heilige Petrus oder Supermann (der übrigens aus markenrechtlichen Gründen in diesem Falle mit zwei „n“ geschrieben wird), ob die griechischen und römischen oder aber die nordischen Helden, es gilt, ihre Geschichte und ihre Spuren in dieser wechselhaften Ausstellung zu entdecken. Die Eröffnung findet am 12. August, um 11.00 Uhr, in der historischen Kneipe des Museums statt.

Ausstellungseröffnung im Katharinenhaus

Eine Vorliebe für Details zeigen die Blüten, Papagei, Katzen, Portraits, Tennisspieler, Flamencotänzer oder Stilleben mit Kerze auf den Bildern, die Monika Böhmer mitgebracht hat. Die in die Tiefe gehenden Meer-Impressionen, die Menschen, die sich wie zufällig in der Tide der Gezeiten spiegeln, oder die Großportraits von Leonard Cohen und Marius Müller Westernhagen der Arbeiten von Wolfgang Zieseniß entführen den Betrachter in eine andere Welt. Diese Eindrücke vermitteln die Werke des Künstlerehepaars, dessen Ausstellung im Katharinenhaus Winnekendonk eröffnet wurde.
Ausstellungen gibt es in regelmäßigen Abständen in der Senioreneinrichtung der Caritas- Gesellschaft gGmbH. Im Beisein von Hausleiterin Angelika Fedke, vielen Bewohnerinnen und Bewohnern und zahlreichen Gästen eröffnete Claudia Püschel vom sozialen Dienst des Katharinenhauses die neue Ausstellung.
„Besonders durch die zahlreichen Bilder vom Meer passt diese Ausstellung in die Sommer- und Urlaubszeit, denn so können die Bewohner vielleicht in Gedanken ans Meer verreisen“, so Püschel. Durch die Ausstellungen bekommen die Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder neue Impulse und durch die zahlreichen Besucher, die neben den Angehörigen zusätzlich ins Haus kommen, wird der Außenkontakt gefördert.
Monika Böhmer beschäftigt sich seit 1986 mit Malerei. Zunächst als Autodidaktin brachte sie sich unterschiedlichste Techniken bei, nahm dann aber Unterricht bei Paul Theissen und Muni Ghedina, bei Willy Oster und Renate Wischinski. Wolfgang Zieseniß hatte schon von Berufs wegen mit Zeichnen (Architekt) zu tun, nahm dann aber auch bei den oben genannten Künstlern Unterricht. In Einzel- und Gruppenausstellungen im Kreis und darüber hinaus wurden die Künstler bekannt und gemeinsam leiten sie in ihrem Wohnort Bedburg Hau die Mittwochsmalgruppe, die unter dem Motto „Malen ist sehen mit offenen Augen“ Künstler zusammenführt.
Für den musikalischen Rahmen der Eröffnung sorgten Anne Schumacher, Geige, und Christoph Uphoff, Gitarre und Gesang. Ihre folkloristischen Stücke, darunter zahlreiche aus dem irischen Folk, zauberten eine Stimmung von Ruhe und Weite.
Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Katharinenhauses zu besichtigen. Kunstinteressierte sind herzlich willkommen.