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„Atempause“ lockte auch Interessierte von außerhalb

Drei Wochen Urlaub vor der eigenen Haustür

Zwar spielte das niederrheinische Wetter in den drei Wochen der „Atempause“ nicht immer mit, aber die Kursleiter*innen und auch die Teilnehmer*innen machten das Beste daraus und ließen sich von ein paar Regentropfen nicht abhalten, die Kurse im Solegarten St. Jakob in vollen Zügen zu genießen.

Atempause-Open-Air-Kino trifft auf große Begeisterung

Die Liegewiese ist ausgebucht

Zum vierten Mal wird es zum Abschluss der Kevelaerer „Atempause“ das beliebte Open-Air-Kino geben. Dank der Unterstützung der Volksbank an der Niers präsentiert die Wallfahrtsstadt Kevelaer den amüsanten Kinofilm „25 km/h“.

Atempause im Solegarten bietet vom 26. Juli bis 13. August wieder Fitness, Entspannung und Entschleunigung

Kurzurlaub in Kevelaer auf der Hüls

Das Konzept der Kevelaerer „Atempause“ ist mittlerweile sechs Jahre alt und – zumindest im vergangenen Pandemie-Jahr – schon durch eine harte Schule gegangen.

Das Fazit nach vier Wochen

Auch die hochsommerlichen Temperaturen mit über 30 Grad konnten die Freizeitsportler nicht davon abhalten, sich am letzten Tag der „Atempause“ nochmal zu bewegen. So herrschte auch an den beiden Boule-Bahnen herrschte reger Betrieb. Norbert Neumann konnte kaum glauben, „dass so viele bei dem Wetter noch gekommen sind.“

Der Mitbegründer der Kevelaerer Boulefreunde hatte allen Grund zur Freude: „Im Kreis Kleve sind schon die Boule-Kugeln ausverkauft, bestimmt wegen uns.“ Es hätte den Anschein, als würde eine neue Boule-Gruppe entstehen, die sich regelmäßig treffen wolle.

York Rieger und sein siebenjähriger Sohn Ole hatten das Angebot zusammen genutzt. „Wir haben das öfter gesehen, gedacht, das könnte was sein“, fand der 39-jährige. „Ich hab auch Wing-Tsun gemacht“, ergänzte sein Sprössling stolz. „Sonst war ich auch im Kino. Aber das ging ja diesmal nicht.“

Ein paar Meter weiter entspannten sich rund 50 Personen im Schatten der Bäume unter der fachkundigen Leitung von Valeska Hotstegs beim Yoga. „Die Gedanken kommen, halt an ihnen fest“, sorgte sie für innere Einkehr. Hotstegs war an dem Tag kurzfristig eingesprungen, da das eigentlich geplante „Tabata“-Training von Myokraft wegen der hohen Belastung bei den Temperaturen nicht sinnvoll gewesen wäre. „Beim Intervalltraining wären uns die Teilnehmer umgekippt“, erklärte Eva Hundertmarck, die die „Atempause“ maßgeblich mit anderen auf die Beine gestellt hatte.

Hotstegs´ruhige, leise Führung durch die Übungsstunden überzeugte auch Christina Schaller von der „Lebensart“, die die letzte Stunde der „Atempause“ durchführte. „Sie hatte hier ein super Feedback. Sie wird bei uns zukünftig auch Kurse leiten.“ Sie empfand es als Erfolg, dass alle Kurse stattgefunden hätten. „Das belebt den Platz einfach hier.“ Die Stadt habe „das, was möglich war, möglich gemacht.“

Simone Zagar aus Pfalzdorf hatte die „Atempause“-Übungsstunden wie so viele sehr genossen. „Ich war achtmal da in vier Wochen. Supernette Trainer, eine schöne Truppe und die Verpflegung. Das war einfach nur schön.“ Die 55-Jährige sprach damit stellvertretend für viele der Teilnehmer.

Alle haben mitgezogen

Verena Rohde ist seit diesem Jahr offiziell für die „Atempause“ verantwortlich. „Für mich war es spannend zu sehen, wie viele Kooperationspartner wir tatsächlich haben, um die Sportangebote anzubieten.“ Insgesamt elf lokale Partner hätten mitgezogen. Der Tennisclub und die Bouler als neue Gruppe hätten die Palette sinnvoll erweitert. „Es war toll, unter den besonderen Bedingungen zu erfahren, wie die Resonanz war“, sagte Rohde. Viele hätten sich per Telefon oder eMail gemeldet: „Es war ein schönes Bild zu sehen, was da stattfindet, und was für Freude da besteht.“

Dabei spiele es auch keine Rolle, dass mit 1.780 Teilnehmern bei immerhin 84 Kursen deutlich weniger Menschen dabei waren als im Vorjahr. Das sei nun mal dem Umstand geschuldet gewesen, „dass niemand mehr spontan dabei sein“ konnte, sich im Vorfeld anmelden musste. „Und die Teilnehmerzahl war ja jeweils auf 50 begrenzt.“

Boulen war bei Jung und Alt sehr beliebt.

Das habe man ein gutes Stück ausgleichen können, „weil wir soviele Kurse angeboten und die Laufzeit der Atempause auf vier Wochen verlängert haben. Da war für jeden sicher ein Angebot dabei.“

Das Gradierwerk habe dem Ganzen einen neuen Rahmen verliehen und viele dazu veranlasst, nach den Übungen dort auch mal zu verweilen. Fast alle hätten sehr vorsichtig und umsichtig in Sachen Corona gehandelt. “Da können wir uns nicht beschweren.“

Die Mitarbeiter hätten darauf geachtet, dass die Getränke und das Obst in angemessenem Abstand geholt wurden und man insgesamt nicht zu geballt zusammenkam. „Wenn man die Leute auf der Matte und auf der Wiese gesehen hat, die haben auseinander gelegen“, verzicherrte Rohde. „Beim Wandern ist das vielleicht nicht so in den Köpfen“, erklärte sie mit Blick auf die Kneipp-Wanderungen, die nicht alle so ganz in der gebotenen Distanz abliefen (das KB berichtete).

Dass das traditionelle „Atempause“-Kino nicht habe stattfinden könne, bedauert sie natürlich auch. Ob man es unter eingeschränkten Bedingungen hätte realisierten können? Rohde sagt dazu entschieden „Jein.“ Denn „es wäre mit beschränktem Zugang möglich gewesen, aber da es mit grillen hätte stattfinden sollen, war mir das zu riskant, das da die Abstände eingehalten werden bei der Ausgabe von Essen.“

Und wie man die Fläche hätten begrenzen sollen, und auch unterscheiden können, „wenn dann fünf, sechs Leute zusammengehockt hätten, ob die zu einem Haushalt gehören“, das wäre praktisch kaum durchführbar gewesen. „Da habe ich lieber gesagt: Wir machen das nicht.“ Zum Zeitpunkt des Entscheids seien die Corona-Regeln eh noch etwas schärfer gewesen.

Wieder Kino im nächsten Jahr

Das Ziel für die kommende „Atempause“-Ausgabe formulierte sie schon mal ganz klar: „Ein Kino im Jahr 2021 – wenn Corona mitspielt.“ Und wenn jemand mit einem interessanten neuen Kursangebot um die Ecke kommt, wird sie dem aufgeschlossen begegnen.

Jung und Alt nehmen den Schläger in die Hand

Schon früh hatte Tanja Funke die erste gelehrige Schülerin auf dem Platz. „Wir machen jetzt die Technik in Schlag und dann in der Bewegung“, wies die erfahrene Trainerin des Tennisclubs Blau-Weiß Kevelaer Bernice Hooger auf den richtigen Bewegungsablauf bei der Vorhand an. „Immer sidestep und dann Richtung Mitte – und in der Vorwärtsbewegung immer direkt ausholen.“

So durfte die 29-Jährige dann auf dem Platzgelände an der Schillerstraße die ersten Schläge machen und stellte sich dabei gar nicht schlecht an. „Mein Freund spielt immer mal wieder hier. Es war so nett hier, da habe ich mal den Einstieg genutzt“, sagte die Kervenheimerin mit der Feststellung, „dass die Rückhand schwerer als die Vorhand für mich ist. Aber die Koordination ist besser als erwartet.“

Das stellte auch die Trainerin fest, die am Ende der Stunde das Übungs-Intervall von zehn Schlägen Vor-und Rückhand auf 15 und später 20 steigerte, von denen ihre Schülerin am Ende 15 ins Feld brachte. „Ich hab doch gesagt, du schaffst so viel“, hatte Funke immer ein aufmunterndes Wort parat. „Jeder muss mit einem Erfolgserlebnis nach Hause gehen.“

Hoogers Freund Raul Sanchez ist ein ehmaliger Volleyballspieler in der ersten spanischen Liga. Der 39-Jährige durfte auf dem Nebenplatz aber feststellen, „dass es ein bisschen frustrierend“ ist, wenn man versucht, gut zu spielen „und dann so viele Fehler macht.“

Positiv überrascht

Dass das „Atempause“-Angebot des Vereins so gut angenommen werde, das habe sie selbst überrascht, sagte Funke. Gut ein halbes Dutzend Erwachsene wollten die Sportart ganz neu erlernen. Dazu gesellten sich Spieler, die sich dem Sport wieder näherten.

„Wir haben sage und schreibe 51 Kinder, die schnuppern“, bezeichnete sie die „Atempause“-Kurse schon jetzt als einen „großen Erfolg“. Denn „von denen haben sich alle angemeldet. Sie können bis Ende des Jahres so viel spielen, wie sie wollen.“
Jetzt schon gebe es drei Gruppen mit Kindern, die auch nach den Ferien mittrainieren wollen.

Und die Eltern seien mittlerweile auch Mitglied im Verein geworden. Dem Einzelunterricht von Hoogen folgt eine Gruppe von Spielerinnen, die schon mal gegen die Filzkugel geschlagen hatten. „Wir sind Wiedereinsteiger“, erzählte Katja Plenzdorf-Weber, die mit ihrer Tochter Stella gekommen war. „Wir haben vor langer Zeit gespielt, aber den Zugang nicht mehr gefunden. Und ich habe es an der Hüfte gemerkt. Aber es macht soviel Spaß“, sah man ihr die Freude am Spiel an. „Am Freitag haben wir hier noch Doppel gespielt, da hat jeder so gekämpft, wie er konnte. Das hat uns so begeistert.“

Tanja Giemsa sah man die Sportlichkeit und die Körperbeherrschung im Spiel an. Sie war mit 14 Jahren schon Westdeutsche Meisterin im Badminton. „Der Schläger ist ein anderer“, bemerkte die 43-Jährige lächelnd. „Die Atempause, das tolle erste Training, die natürliche Atmosphäre, die Mitspieler und die nette Trainerin“ hatten sie davon überzeugt, gerne wiederzukommen. „Schön bewegen. Das machst du super“, rief ihr Funke beim Training zu.

Später verfolgte Giemsa noch die Aktivitäten ihre beiden Töchter Eliza und Emilia. „Die hatten beide im Urlaub gespielt und sich sehr hierauf gefreut.“ Der Mangel an Kontakt mit Freunden und die Bewegung zusammen hätten gefehlt: „Wegen Corona ist so viel ausgefallen. Und das ist echt ein Sport für die ganze Familie.“

Auch Spontanentschlossene nutzten ihre Chance. „Mein Sohn wollte man reinschnuppern. Da sind wir einfach mal aufs Rad gestiegen“, freute sich Rainer Thiede über das Interesse von Hendrik (14). Der Filius war mit Eifer bei der Sache: „Ich wollte mal eine zweite Sportart ausprobieren. Ich spiele ja sonst Fußball.“

Durch Mutter Natur mit einer Atempause

Im Rahmen der „Atempause light“ wanderten 42 Männer und Frauen auf Einladung des Kneippvereins Gelderland durch die Bauernschaften von Berendonk und Wetten. Vom Parkplatz „Zur Krautparsch“ machte sich die Truppe auf eine rund anderthalbstündige Tour durch die Natur.

„Wir wandern gerne, genießen die frische Luft und lernen dabei gerne nette Leute kennen“, erklärte Annegret Börgmann, warum sie und ihr Mann sich mit auf den Weg gemacht hatten. „Wir gehen jeden Morgen über Keylaer fünf Kilometer und machen dann an dem Gradierwerk Übungen an den Geräten“, fügte Herbert Börgmann an. „Das ist Genusswandern für uns hier.“

Vor dem Start waren die Teilnehmer von Gisela Ehlert und Walter Borgers in Listen registriert worden. Dabei erklärte der Mitorganisator Borgers, dass die Wanderung eigentlich als Kneipp-Tour geplant war und nun in den Rahmen der „Atempause“ eingeführt worden war.

Kaum Nachwuchs

Zunächst ging es für die Wanderfreunde an der Gaststätte vorbei über die Schnellstraße. „Einmal müssen wir über den Bahnübergang. Da werden wir den Wärter anrufen“, winkte Ehlert die Leute über die Straße. Der Weg führte knapp sechs Kilometer lang in die Berendonk durch die alten Bauernschaften, quer über Feld- und Wirtschaftswege. Das Wandern, das sei schon eine Generationengeschichte, versicherte die 76-jährige Geldernerin. „Man kriegt keine jungen Leute, die wandern wollen.“

Diesmal befanden sich aber doch einige „jüngere“ Frauen in der Wandergruppe, so wie Sonja Hohmann aus Kevelaer. „Ich bin schon vor Corona gegangen“, sagte die 51-Jährige. Ihr gehe es stets darum, „neue Strecken zu erschließen.“ Sie hatte einen langjährigen Freundeskreis mit Frauen aus Kranenburg, Kleve, Kellen und Osnabrück motivieren können mitzugehen. „Typisch niederrheinisch“ fand Steffi aus Kalkar die Strecke entlang der Maisfelder. „Das ist wie zu Hause.“ Die 36-jährige Sarah aus Osnabrück war „noch nie zu Fuß hier unterwegs gewesen“ und genoss den „schönen Weg.“

Während einer kurzen Atempause konnten die Wanderfreunde auf ihrer Tour in sich gehen.
Foto: aflo

Für Gisela Neif war es eine besondere Erkundungstour: „Ich komme aus Winternam und wohne erst seit drei Wochen hier. Ich habe zwar einiges mit dem Rad abgegrast, aber zu Fuß war ich noch nicht unterwegs.“ Es sei halt hier „schön ländlich.“ Ihre Tochter wohne in Hartefeld. „Wenn die Kinder groß sind, hat man für sich mehr Zeit“, sagte die 62-Jährige.

Gemeinsam mit allen anderen ging es dann für sie über die Veerter Straße und die Langstraat entlang der Bürgerbus-Haltestelle und über einen Hof. Ausgiebig wurde miteinander geplaudert. Die Gespräche wurden nur unterbrochen von einem Regenschauer und der von Udo Hoppmann eingelegten kurzen Atem-Meditation nach dem Überschreiten des Bahnübergangs. „Das habe ich in meiner Therapie gelernt, das ist unheimlich hilfreich“, sorgte er für einen kurzen Moment der Einkehr und Ruhe.

Am Ende der Tour kam die Gruppe wieder an der Krautparsch aus. Viele der Teilnehmer fanden danach noch den Weg in den „Knoase-Treff“, wo man Kaffee und Kuchen genießen konnte.

Sie alle versuchten, dem Schweinchen möglichst nahezukommen

Auch das Boulespielen lockt bei der „Atempause light“ einige Hobbyspieler an. Und so herrschte schon in den Morgenstunden an den Boulebahnen nahe dem Gradierwerk reichlich Aktivität. Es wurde gestikuliert, gerollt oder geworfen.

Mancherorts gab es auch heiße Diskussionen „Unsere liegt näher.“ „Nein, ich denke unsere“, musste Hans-Gerd „Jojo“ Joosten mit dem Meterstab abmessen, welche Kugeln jetzt näher an dem „kleinen „Schweinchen“-Ball lagen. „Ich hab im Urlaub schonmal hin-und hergeworfen, aber noch nicht so“, hatte er an dem traditionellen Spiel seine helle Freude. „Ich hab versucht, die Kugel wegzuschießen, aber es hat nicht geklappt.“

Derweil verfolgte Norbert Niersmann von den Kevelaerer Boulefreunden die Bemühungen der Hobbyspieler. Er gab dem einen oder anderen Tipps, wie er zu werfen habe und erklärte die Grundregeln: „Aus einem Kreis von 50 Zentimetern heraus wirft man das Schweinchen, die kleine Kugel, zwischen fünf und zehn Meter weit.“ Dass die Kugel so heiße, erklärte er, liege daran, dass man sie früher aus Schweinsknochen gefertigt habe. „Danach werfen die Spieler. Wer am nächsten dranliegt, kriegt einen Punkt. Wenn kein gegnerische Kugel dazwischen liegt, können es auch zwei oder mehr Punkte sei.“

Das Boule erfreue sich auch in der „Atempause“ großer Beliebtheit, versicherte der rüstige Endsechziger. „Die Plätze werden hier knapp“, schmunzelte der passionierte Spieler, der vor vier Jahren mit Freunden zusammen eine Boulegruppe in Kevelaer gegründet hat, „die heute über 70 Mitglieder hat.“

Wer hat gewonnen? Wenn es knapp wird, muss auch mal der Meterstab herhalten.
Foto: aflo

Einige Tage zuvor hätten auch schon rund 20 Hobbyspieler ihr Glück versucht. „Man glaubt gar nicht, wie viele dabei immer zugucken“, sagte Niersmann. Kalle Ingenerf und Artur Adolf hätten nach der „offiziellen“ Boulerunde dort noch zu zweit die Ponter Vereinsmeisterschaften ausgespielt. Der Kevelaerer Adolf habe an seinem 63. Geburtstag den Sieg davongetragen. „Konzentration, Taktik, Können und frische Luft waren sein Erfolgsgeheimnis.“

Boule sei ein Sport ohne großen Stress, bei dem man keine großartige Kleidung brauche, versicherte Niersmann: „Einfache Kugeln kann man für 20 Euro kriegen, bei den guten Spielern kostet eine Kugel aber schonmal 300 Euro.“
Und die Geselligkeit, „die kriegt man umsonst“, umschrieb er, wie unkompliziert und zugänglich dieser Hobbysport sei. „Heute morgen sind schon so viele Leute da, die teilweise noch nie Boule gespielt haben. Das überrascht mich.“

Eine dieser „Unwissenden“ war Margret Meurs: „Ich hab noch nie gespielt, aber Boule hat mich immer gereizt.“ Die Regeln wären für sie aber noch nicht so ganz durchschaubar. „Ich hab‘s noch nicht so ganz verstanden, aber dafür hab ich ja die Jungs hier.“

Mit Menschen zusammen

Anne Löbbering genoss ebenfalls die Abwechslung: „Wir sind immer viel in Spanien. Da spielen wir viel im Sand und in den Dünen. Das ist für mich der einzige Sport, der mit zwei operierten Hüften gut geht.“ Ein weiterer Grund für die 69-Jährige aus Kevelaer war: „Und man ist mit Menschen zusammen.“ Heinz-Theo Koster blickte indessen enttäuscht seinem letzten Wurf hinterher. „Das war nix.“ Dennoch war der Rentner (66) froh, es mal ausprobiert zu haben. Vielleicht käme er mal mit seinem ganzen Kegelclub vorbei.

Auch die junge Generation interessierte sich an diesem Morgen fürs Boulen. Der 13-jährige Thore war mit seinem Papa gekommen: „Das macht einfach Spaß. Man versucht näher dran zu sein und ärgert sich, wenn andere die Kugel wegkicken.“

Und Günter Topp erwies sich als fairer Sportsmann, nachdem er mit seinem Team im Werfen der jeweils drei Kugeln am Ende mit 9:13 unterlegen gewesen war. „Die haben einfach besser ge-schmissen“, vergaß er aber nicht zu erwähnen, dass „der Boden natürlich eine Rolle“ gespielt habe. „Aber das ist ein echt schönes Angebot hier.“

Die „Atempause“ ist in vollem Gange

Die diesjährige „Atempause“ ist in vielerlei Hinsicht anders als sonst. Gab es bisher in einigen Kursen bis zu 100 Teilnehmer, ist die Anzahl in diesem Jahr in den meisten Kursen auf 50 beschränkt. Auch eine spontane Entscheidung à la „Ich fahre gleich mal zur Wiese und schließe mich dem Yoga-Kurs an“ ist nicht drin. Denn aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen muss vor der Kursteilnahme eine Anmeldung mit Angabe der Kontaktdaten erfolgen. Neben den Einschränkungen wäre da aber auch eine positive Veränderung: Nicht nur der Blick aufs Gradierwerk schafft eine besondere Atmosphäre, die leere Wiese ist inzwischen dem Solegarten St. Jakob gewichen. Inmitten der begrünten Anlage, umgeben von einer leichten Brise der Sole-haltigen Luft lässt es sich in diesem Jahr noch besser schwitzen und entspannen. Die Verantwortlichen der Stadt Kevelaer sind zufrieden mit dem Auftakt der Veranstaltung.

„Die Auslastung ist sehr gut. Viele Kurse sind schon bis in den August hinein gut gebucht“, verkündet Lisa Püplichuisen, Abteilung Tourismus und Kultur der Wallfahrtsstadt. Teilweise seien Kurse bereits ausgebucht, sodass man weiteren Interessierten absagen müsse. Um zu vermeiden, dass einige Sportbegeisterte an beinahe jedem Kurs teilnehmen und andere wiederum gar keinen Platz mehr ergattern können, darf jeder höchstens an drei Kursen pro Woche teilnehmen. Dieses System funktioniere bisher gut und sorge für eine gerechte Aufteilung, sagt Püplichuisen. Es sei zwar schade, dass durch die Schutzmaßnahmen deutlich weniger Bürger die Möglichkeit bekommen, die Angebote der Atempause zu nutzen. „Aber wir sind sehr glücklich, dass es stattfinden kann“, spielt sie dabei auf die zahlreichen Kevelaerer Kulturveranstaltungen an, die aufgrund der Pandemie nicht stattfinden können.

Die Einhaltung der Schutzmaßnahmen während der Sportkurse erweise sich bisher als gut umsetzbar. Es stehe immer Desinfektionsmittel bereit und die Weitläufigkeit der Wiese gewährleiste einen ausreichenden Sicherheitsabstand der Teilnehmer. Im Internet stellt die Stadt Kevelaer einen Kursplan bereit (www.kevelaer.de/tourismus/inhalt/kursplan/), der neben den genauen Zeiten auch Informationen über die Höchstanzahl der Teilnehmer enthält. Ist ein Kurs ausgebucht, gibt es dazu ebenfalls eine Anmerkung. „Wir versuchen, das immer aktuell zu halten“, sagt Püplichuisen.

Kneipp-Einführung mit Möglichkeiten vor Ort

Von den Kursleitern- und -teilnehmern habe es nach den ersten Tagen der diesjährigen Atempause zufriedene Rückmeldungen gegeben. Vor allem bei den Kursen „Zumba für Kinder“, „Nordic Walking“, beim Boule und beim Schnuppertennis gebe es bei der Teilnehmerzahl noch Luft nach oben. Über weitere Anmeldungen würden sich die Verantwortlichen auch bei der Kneipp-Einführung freuen. Denn mit dem eigenen Kneipp-Tretbecken und dem Armbecken gibt‘s im Solegarten St. Jakob direkte Anwendungsmöglichkeiten vor Ort.

Dass die ausgedehnte „Atempause“ von vier Wochen möglicherweise zu langatmig werden könnte, darüber macht sich Püplichuisen keine Sorgen. Denn die begrenzte Teilnehmerzahl soll ein Stück weit mit einer größeren Kursanzahl ausgeglichen werden. Die hohe Auslastung vieler Kurse zeige dabei erneut ein großes Interesse der Bürger.

Jetzt anmelden für die „Atempause“

Der Name täuscht ein wenig: Zwar muss wegen der Corona-Krise die beliebte Abschlussveranstaltung, das Open-Air-Kino auf der Hüls, entfallen. Doch dafür ist das Programm der „Atempause light“ nicht weniger umfangreich als in den vier Jahren zuvor. Und es wurde – auch der Pandemie geschuldet – gestreckt: Interessierte dürfen sich in diesem Jahr auf vier statt drei Wochen mit diversen Schnupperkursen und Schnelleinstiegen freuen, um die ganze Vielfalt an Sport-, Fitness- und Entspannungskursen, die Kevelaerer Vereine und Studios zu bieten haben, kennenzulernen.

Der Solegarten St. Jakob steht zwar noch nicht in voller Blüte, doch die Wiese am Gradierwerk bietet den idealen Boden für die allermeisten Angebote. Dass der Barfußpfad und die Becken des Kneipp-Vereins ebenso zum Einsatz kommen werden wie die vier benachbarten Boule-Bahnen, versteht sich schon fast von selbst.

Nicht ganz so spontan wie in den vergangenen Jahren wird‘s diesmal zugehen, müssen die neue Leiterin des Bereichs „Tourismus & Kultur“ der Wallfahrtsstadt, Verena Rohde, und Eva Hundertmarck, die sich um die Organisation der Reihe kümmert, schon zugeben. Dennoch: Mit Teilnehmerliste und der Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sollte es klappen, getreu dem Motto „Gesund an Leib und Seele“ zu sein – und zu bleiben.

Kontaktverfolgung muss sichergestellt werden

Die maximale Teilnehmerzahl für die Kurse wurde auf 50 beschränkt. Außerdem darf jeder Teilnehmer an maximal drei Kursen pro Woche teilnehmen. „In den vergangenen Jahren hatten wir Kurse mit zehn Teilnehmern, aber auch mit 150“, erzählt Eva Hundertmarck. Um nicht „überrannt“ zu werden, haben die Organisatoren ein Anmeldeverfahren vorgeschaltet. Die Teilnehmer müssen sich in dem bis dahin fertiggestellten Eingangsgebäude des Solegartens anmelden – quasi ein zweites Mal, denn eine vorherige Anmeldung per E-Mail ist zwingend erforderlich, um eine Teilnehmerliste zu führen. Die Aufnahme der Daten (Name, Telefonnummer) diene ausschließlich der Kontaktverfolgung, die von Veranstaltern, etwa auch wie bei einem Restaurantbesuch, sichergestellt werden müsse.

Da bereits einige Kurse mit der Maximalzahl von 50 Teilnehmern ausgebucht sind, könne nicht mehr jeder Kurswunsch erfüllt werden, erklärt Hundertmarck, verweist aber gleichzeitig auf zahlreiche alternative Angebote. Die Organisatorin kümmert sich immer zeitnah um die eingehenden Anmeldungen, prüft die Kapazität der Kurse und sendet Teilnahmebestätigungen zu. „Wir freuen uns sehr, dass die Veranstaltung in diesem Jahr trotz Corona stattfindet und das notwendige Anmeldeverfahren von den ,Atempauslern‘ gut angenommen wird“, sagt Verena Rohde.

Atempause „light“
Anmeldung:

  • Kursplan unter www.kevelaer-tourismus.de
  • Maximal drei Kurse pro Woche belegen
  • E-Mail mit Kursterminen und Kontaktdaten (Vorname, Name, Telefonnummer) an atempause@kevelaer.de.
  • Im Empfangsgebäude (Twistedener Straße) anmelden
  • Mundschutz tragen außer während des Kurses
  • 1,5 Meter Abstand einhalten
  • Eigenes Material (z.B. Sportmatte) mitbringen
  • Getränke und Obst zur Mitnahme stehen bereit
  • Abfahrt ausschließlich über Seitenwege Hüls

„Atempause im August“ läuft als „Lightversion“

Ein Sommer in Kevelaer ohne die „Atempause im August“? Für Veranstalter, Unterstützer und Teilnehmer der noch jungen „Tradition“ in Kevelaer ist das einfach undenkbar. Deswegen findet das Event in diesem Jahr trotz der aktuellen Situation als „Lightversion“ statt und feiert sein 5-jähriges Bestehen. Die stetig steigenden Teilnehmerzahlen aus den Vorjahren dürften damit zwar nicht erreicht werden, dennoch: Diese immer beliebter werdende Veranstaltung in der Corona-Krise ganz unter den Tisch fallen zu lassen, ist für die Wallfahrtsstadt wohl keine Option.

Dank der Unterstützung der Volksbank an der Niers darf also Vorfreude auf Fitness, Auspowern und Entspannung unter freiem Himmel aufkommen. In Kooperation mit dem „KreisSportBund“ Kleve und der AOK Rheinland/Hamburg sowie zahlreichen lokalen Partnern bietet die Wallfahrtsstadt Kevelaer den Teilnehmern vom 13. Juli 2020 bis 7. August 2020 ein kostenfreies vielfältiges Sport- und Entspannungsprogramm im Solegarten St. Jakob an. Über 30 verschiedene Sport- und Entspannungsangebote warten im Veranstaltungszeitraum von vier Wochen auf die „Atempausler“. Neben bekannten Kursen wie Yoga, Tai Chi oder Nordic Walking gibt es in diesem Jahr auch drei ganz neue Kursangebote.

„Kevelaerer Boulen“

Aus Frankreich bekannt ist das Kugelspiel auf öffentlichen Plätzen – Boule. Durch die im Solegarten St. Jakob speziell angelegte Fläche ist die „Atempause im August“ in diesem Jahr um den neuen Partner „Kevelaerer Boulen“ reicher. Der Sport erfordert nicht die absolute körperliche Fitness, dafür etwas Geschick und Konzentration.

„Kneipp-Einführung“

Der Kneipp Verein Gelderland e.V. bietet erstmalig die „Kneipp-Einführung“ im Tret- und Armbecken des Solegarten St. Jakobs an. Dieser Kurs basiert auf der Philosophie von Sebastian Kneipp, die auf den fünf Prinzipien Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance gründet.

„Schnuppertennis“

Direkt anschließend an den Solegarten St. Jakob befindet sich die Anlage des Tennisvereins Blau Weiß Kevelaer 1976 e.V., der in diesem Jahr als neuer Partner die „Atempause im August“ unterstützt. Es wird „Schnuppertennis“ für Jung und Alt angeboten, jeweils ein Kurs für Anfänger und einer für fortgeschrittene Tennisfans. Maximal vier Personen pro Kurs können mitmachen. „Laufen, schlagen, den Gegner jagen – Tennis ist in Taktik und Dramatik einzigartig und erfordert strategisches Denken wie beim Schach sowie mentale Stärke“, heißt es in der Kursbeschreibung.

Vorher anmelden

Natürlich müssen einige Dinge bei der Umsetzung des Veranstaltungsformats in diesem Jahr berücksichtigt werden. Bisher konnten Kursteilnehmer ohne vorherige Anmeldung in die verschiedenen Angebote der „Atempause im August“ reinschnuppern. Diese Spontanität können die Organisatoren in diesem Jahr leider nicht bieten, da die Teilnehmerzahl bei fast allen Kursen aufgrund des vorhandenen Platzes und den einzuhaltenden Hygienevorschriften auf maximal 50 Personen beschränkt ist. Aus diesem Grund müssen sich Teilnehmer in diesem Jahr bereits im Voraus Gedanken machen, an welchem Kursangebot sie teilnehmen möchten. Der detaillierte Kursplan ist auf www.kevelaer-tourismus.de abrufbar. Jeder Teilnehmer kann sich pro Woche für drei Kurse seiner Wahl anmelden. Die ausgewählten Kurse einfach per E-Mail an atempause@kevelaer.de senden und die eigenen Kontaktdaten (Vorname, Name und Telefonnummer) hinzufügen. Die Aufnahme der persönlichen Daten dient ausschließlich zur Erstellung einer Teilnehmerliste pro Kurs.

Nicht nur die vorherige Kursanmeldung ist in diesem Jahr notwendig, auch vor Ort sind einige Dinge zu beachten. Die Wallfahrtsstadt Kevelaer bittet alle Teilnehmer, sich vor Kursbeginn über die Zufahrt der Twistedener Straße im Empfangsgebäude anzumelden. Außerdem ist das Tragen eines selbst mitgebrachten Mund-Nasen-Schutzes Pflicht und dieser darf nur während des Kurses abgelegt werden. Es muss darauf geachtet werden, den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Benötigtes Material für den Kurs, beispielsweise eine Sportmatte, muss selbst mitgebracht werden. Getränke und Obst stehen dank des großzügigen Engagements von Edeka Brüggemeier bei der Ankunft zur Mitnahme auf den eigenen Platz zur Verfügung.

Ein echtes Highlight war in den vergangenen Jahren immer der traditionelle Abschlussabend der „Atempause im August“. Hier hatten die Kursteilnehmer die Möglichkeit, noch einmal ins Gespräch zu kommen und sich über die Erfahrungen der vergangenen Wochen auszutauschen. Den perfekten Rahmen bot hierfür das Open-Air-Kino mit einem Film auf der Freiluft-Leinwand. Leckeres vom Grill, Popcorn und kühle Getränke durften hier natürlich auch nicht fehlen. In diesem Jahr kann diese Tradition aufgrund der aktuell bestehenden Vorgaben leider nicht aufrechterhalten werden. Der Abschlussabend wird daher nicht stattfinden.