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68 Abiturient*innen haben am Kardinal-von-Galen-Gymnasium ihren Abschluss gemacht

„Die Götter verlassen den Olymp“

„Die Götter verlassen den Olymp.“ Unter diesem Motto stand die offizielle Abitur-Feier des Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasiums, die am vergangenen Samstag im Hülspark-Stadion über die Bühne ging.

Die Abschlussschüler*innen der Gesamtschule wurden verabschiedet

Eine besondere Schulzeit geht zu Ende

„Jetzt müssen wir wieder umdisponieren – aber das ist für Euch ja kein Problem“, lauteten die Worte von Christoph Feldmann, Schulleiter der Gesamtschule Kevelaer, als er seine Dankesworte an die Abschlussschüler*innen richtete.

Corona-Lage erlaubt kleine Abschlussfeiern in Kevelaer

Dynamische Planungen der Abschlussjahrgänge

Dass einem der eigene Schulabschluss in irgendeiner Weise für immer in Erinnerung bleiben wird, ist wohl keine Seltenheit. Bei den diesjährigen Abschlussschüler*innen dürfte dieses Phänomen allerdings noch ausgeprägter sein.

The winner takes it all

Am Ende hielten die 72 erleichterten jungen Menschen auf der Bühne ihr Zeugnis in den Händen (sieben hatten nicht bestanden). Zwei Stunden zuvor war bei einigen von ihnen die Aufregung mit Händen zu greifen, als sie vor der Eingangstür des Bühnenhaus-Saales standen. „Das ist cool, aber man ist auch irgendwie nervös“, fasste John Zinn in vorderster Reihe das Gefühl aller Beteiligten ganz gut zusammen.

Gemeinsam betrat er mit den anderen den Saal, wo sie unter dem Beifall der Eltern, Angehörigen und Freunde Platz nahmen. Im Publikum applaudierte auch Miriam Koc ihrer Tochter Sinem beim Einmarsch. „Ich finde es gut, aber für mich als Mutter ist das natürlich sehr emotional.“

Tim Hendricks sorgte am Klavier für den Einstieg in die Feier, Schulleiter Karl Hagedorn begrüßte alle und erinnerte zugleich nochmal an die „schöne, aber wehmütige Feier“ zum Abschied der Haupt- und Realschule am Tag zuvor. Für die knackig-launige Rede des Vormittags sorgte einmal mehr Bürgermeister Dominik Pichler.

Die andere Seite hören

Bezugnehmend aufs ABBA-Abi­turmotto „The winner takes it all“ zitierte er ein paar Zeilen aus dem Lied. „Das Stück handelt von einer Frau, die ihren Mann an eine andere Frau verloren hat. Was soll uns das im Zusammenhang mit Ihrem Abitur sagen?“, sorgte die Bemerkung für Gelächter im Saal. Wie immer „quälte“ er auch diesen Jahrgang mit einem lateinischen Zitat, diesmal „Audiatur et altera pars“, der sinngemäß „Man höre auch die andere Seite“ bedeutet.

„Wie oft erlebt man es bei Facebook, dass jemand eine Meinung äußert über einen anderen, ohne dass die Frage gestellt wird, wie sich der Sachverhalt denn aus Sicht des anderen darstellt“, schlug Pichler den Bogen ins Heute. Das gelte auch für unkommentierte Hasskommentare im Netz. Da müsse man sich fragen, „was das Schweigen, möglicherweise sogar der Mehrheit, letztlich mit der Gesellschaft macht.“ Man könne „nicht nicht kommunizieren“, zitierte er den österreichischen Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. 

Auch bei der „Fridays for future“-Bewegung reiche es nicht, nur kluge Ratschläge geben zu wollen oder mit der Debatte um Schulpflicht „Nebelkerzen“ zu werfen, sondern sich der Sachfrage „Klimaschutz“ zuzuwenden. Um dort eine kluge Lösung für alle hinzukriegen, bedürfe es des Austauschs von Argumenten. „Und da sind wir wieder bei „Audiatur et altera pars.“

Pichler rief die jungen Abiturienten dazu auf, ihre erworbene „Lizenz zum Denken“ immer wieder anzuwenden. „Bleiben Sie kritisch und lassen Sie sich nicht von einfachen Lösungen abspeisen.“ Er wünschte für die anstehende Abifeier, dass „niemand aufgrund des übermäßigen Genusses geistiger Getränke ein Waterloo erlebt“, man die „eine oder andere Dancing Queen“ auf der Tanzfläche findet und später beim gedanklichen „Thank you for the music“ die Erkenntnis wächst: „Money, Money, Money ist eben nicht alles im Leben.“

Keine Kinder mehr

Die Schüler waren stolz auf ihre Zeugnisse. Foto: AF

Für die Elternvertretung drückte Andrea Foitzik das Gefühl aus, das sicher viele an diesem Tag bewegte: „Kinder, was seid Ihr groß geworden. Kinder, wie ist die Zeit vergangen.“ Quasi gestern seien die Kinder noch „mit dem Bobbycar um die Ecke geflitzt. Jetzt zucke ich immer wieder zusammen, wenn mir einer von Euch am Steuer eines Autos entgegen- kommt.“

Die vergangenen zwölf Jahre „haben Euch geprägt und zu den Persönlichkeiten gemacht, die Ihr heute seid“, mit all den gemachten Fehlern, der Zeit, den Nerven und der Energie, die sie investiert hätten. Foitzik sprach von gewonnener „Lebenserfahrung und Reife“ sowie dem Schnuppern an der Erwachsenenwelt – mit der Lösung von Konflikten und wie Gemeinschaft gefördert wird.

„Ihr haltet heute Euer Abiturzeugnis in den Händen und dürft gehen, weggehen, weitergehen.“ Sie erinnerte an die vielen Wegbegleiter: die Eltern, „die euch buchstäblich an die Hand genommen“ haben und die ganze „Background-Arbeit“ (vom Korrekturlesen bis zum Butterbrote­schmieren) übernommen haben. Sie dankte den Lehrern, die „das nötige Wissen vermittelt“ und „die Pubertät unserer Kinder ausgehalten“ haben und dem „Mysterium Eva“ .

Zum Schluss hielt sie eine kleine Schultüte, „gefüllt mit Dingen, die Euch in Eurem Leben begleiten mögen“, hoch. Darin „enthalten“ waren Eigenschaften wie „Manieren“, „Moral“, „Respekt“, „Charakter“ oder „Verstand“. Die Aufzählung endete mit der „Liebe“: „Folgt Eurem Herzen und werdet glücklich.“

Musikalische Unterhaltung

Atousasadat Seyedian war die einzige Abiturientin, die „künstlerisch“ selbst zur Feier beitrug: Beim Song „Feeling good“ von Michael Bublé merkte man ihr die Aufregung nur kurz an. Ansonsten bewältigte sie die Aufgabe zur Begeisterung des Publikums souverän.

Als Schülervertreterin blickte Hannah Geßwein auf die diversen besonderen Erinnerungsmomente der Schüler zurück, die im Laufe der Zeit „trotz Diskrepanzen“ zusammengefunden haben, was sich in solchen Momenten wie der Literatur-Aufführung gezeigt hätte. Und sie ließ es sich nicht nehmen, die Kritik an dem nicht genehmigten „Randale-Tag“ seitens der Abiturienten klar zu formulieren.

Schulleiter Karl Hagedorn sprach zu den Abiturienten. Foto: AF

Schulleiter Karl Hagedorn quittierte die Bemerkung unter anderem mit einem „Hab ich drauf gewartet“. Er zeigte sich zuversichtlich, „dass jeder Schüler „seine Nische im Leben findet und eine erfolgreiche berufliche Karriere“ verwirklichen wird. Symbolisch dafür seien die Luftballons, die die Schüler mit ihren Wünschen hatten aufsteigen lassen.

Besondere Zeugnisvergabe

Hagedorn forderte die Schüler auf, „Werte wie Toleranz, Achtung und ihr soziales Engagement“ mitzunehmen, die sie in der Schulzeit erfahren haben und auf diese Zeit „mit vielen positiven Erinnerungen zurückzudenken.“ Man habe an der Schule zwar „auch nur mit Wasser“ gekocht, so Hagedorn, „aber wir haben gute Rezepte und kochen schmackhaft und lecker.“

Und auch die Übergabe der Abiturzeugnisse sorgte für erinnerungswürdige Momente. So stellte sich Laura-Marie Dombek nach dem Austausch mit Karl Hagedorn in die Schülerreihe und vergaß, ihr Zeugnis entgegenzunehmen. Hagedorn versprach sich bei einem Lob für eine Streitschlichterin: „Das sind die Schüler, die bei den Jüngeren den Streit stiften.“ Manuel Schulz lief zur Musik von „Löwenzahn“ auf die Bühne und Annika Schwartges verweigerte dem Direktor demonstrativ den Handschlag und ging an ihm vorbei. Am Abend folgte dann in edler Garderobe die abendliche Abifete, die die Beteiligten hoffentlich frei nach Pichler genossen haben. 

„Das Beste kommt zum Schluss“

Schüler, Familien und Lehrer haben sich am Dienstag im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer versammelt, um den Abschluss des zehnten Jahrgangs der Realschule Kevelaer zu feiern. Das letzte Mal füllte sich das Bühnenhaus für diesen Anlass. Das letzte Mal verabschiedete die Realschule Kevelaer Abschlussschüler.

Zunächst richtete der Kevelaerer Bürgermeister Dr. Dominik Pichler – wie gewohnt wenige – Worte an die Schüler. Er legte denen, die vielleicht noch keine Pläne für die kommende Zeit haben, vor allem handwerkliche Berufe ans Herz und erklärte, dass man mit dem Schulabschluss nun ein Etappenziel erreicht habe. „Herzlichen Glückwunsch und alles Gute.“ Die Eltern der Schulpflegschaft zeigten sich vor allem dem kommissarischen Schulleiter Tobias Jaschke sehr dankbar für all seine Bemühungen. Frau Peters als Vertreterin der Schulpflegschaft hielt sich kurz und gab den Schülern mit den Worten von J.K. Rowling einen Ratschlag mit auf den Weg: „Es ist unmöglich, zu leben, ohne bei etwas zu scheitern. Es sei denn, man lebt so vorsichtig, dass man genauso gut gar nicht gelebt haben bräuchte.“

Als Tobias Jaschke das gesamte Lehrerkollegium auf die Bühne bat, ließ dieses zunächst auf sich warten. „Ja, wir mussten immer auf Sie warten, Herr Jaschke“, rief eine Schülerin lachend aus dem Publikum und sorgte für Zustimmung der Mitschüler. Alle Lehrer auf der Bühne versammelt, richtete der Schulleiter Dankesworte an seine Kollegen und auch an die Eltern, die sich in den vergangenen Jahren intensiv am Schulleben beteiligt hatten.

Hausmeister als Lehrmeister

Durch die Schülersprecher kamen im Anschluss dann auch Schülerstimmen zu Wort. „Danke Tobi“, richteten sie sich mit einem Augenzwinkern an den Schulleiter. Joachim Ziehm, dem Hausmeister der Schule, dankten die Schülersprecher ebenfalls für seine Tätigkeiten und machten deutlich, was sie auf jeden Fall an Wissen von ihm mitnehmen werden: „Zollstock heißt eigentlich Gliedermaßstab.“ Der Sekretärin Heike Schmidt dankten sie dafür, „dass Sie uns immer nach Hause geschickt haben, wenn es uns nicht gut ging.“ Und auch die Eltern kamen nicht zu kurz. Ihnen gebührte der Dank für ihre Unterstützung und dafür, dass sie einfach immer da waren.

Die Schüler boten ein musikalisches Highlight. Foto: eg

Die Rede des Schulleiters begann zunächst mit mahnenden Worten. Er sprach zu Beginn an, dass nun bei bestem Willen nicht alles glatt gelaufen sei in der vergangenen Zeit und dass nicht alles dafür spreche, dass der Jahrgang – wie in seinem Motto dargestellt – das „Beste“ sei. Ein paar Aktionen aufgezählt, die ihn zu diesen Worten veranlasst hatten, wurde schnell klar: Die betroffenen Schüler wussten genau, dass sie gemeint waren. Doch auch an lobenden Worten mangelte es nicht. Jaschke dankte den Schülern, die sich in den vergangenen Jahren an der Schule stark engagiert hatten. Auch hob er positiv hervor, dass der Jahrgang eine tolle Abschlusszeitung, schöne Mottotage, ein Abschlussfrühstück mit den Lehrern und einen unterhaltsamen und friedlichen Abschlusstag organisiert hatte. „Ich bin gespannt der Dinge, die da noch kommen“, machte er auch seine Vorfreude auf den Rest des Abends deutlich. Nach all den Worten fand Jaschkes Rede an die Schüler doch noch einen positiven Abschluss: „Somit kann ich durchaus feststellen, dass ihr ein guter Jahrgang wart.“

An seine Stärken glauben

Besonders hervor hob der Schulleiter seinen Dank an Hausmeister Joachim Ziehm und Sekretärin Heike Schmidt. „Herr Jaschke, nicht weinen!“, rief eine Schülerin in diesem Moment berechtigterweise aus dem Publikum. Denn vor allem bei diesen Worten wurde nun auch der Schulleiter emotional. Sein Lächeln fand er jedoch schnell wieder. Schließlich warf er noch einen Blick auf das Ende der Realschule in Kevelaer. Man habe versucht, „eine vergleichbare Qualität mit den vergangenen Schuljahren“ zu erhalten. Ob dies letztendlich gelungen ist oder nicht, darüber herrscht sicherlich keine Einigkeit. Dem wehmütigen Gedanken ans Ende der Schule schenkte Jaschke an diesem Abend jedoch nicht viel Raum und er lenkte die Aufmerksamkeit schnell wieder auf die Schüler: „Wir entlassen euch nun in eine gewisse Unabhängigkeit. Glaubt an euch und eure Stärken.“

Der aufregendste Teil des Abends war für die Schüler wohl die folgende Zeugnisausgabe. Von Musik und Bildern begleitet, nahmen sie ihr Abschlusszeugnis entgegen. Im Anschluss wurden die Schüler mit den vier besten Zeugnissen geehrt.

Bevor die Gäste nach dem offiziellen Teil des Abends ihren Hunger stillen konnten, sorgte eine Schülerin für Emotionen im Publikum. Sie wies die Gäste darauf hin, dass man die Rosenköpfe, die in Gläsern auf den Tischen drapiert worden waren, zu einem Grabgesteck für den im vergangenen Jahr verstorbenen ehemaligen Schulleiter der Realschule Kevelaer und Direktor der Gesamtschule Kevelaer-Weeze, Michael Cuypers, zusammenfügen wolle. Diese Geste stieß im Publikum auf viel Zuspruch. Im Anschluss folgte ein buntes Programm, das von den Schülern zur Gestaltung des Abends organisiert wurde.