Statt Halloween ein Party mit Heiligen

Traditionell lud die Pfarrei St. Marien wieder statt Halloween zu Holy-wins ein. Dabei sollten nicht Schauer und Horror, sondern Schönes und Heiliges in den Blick genommen werden. Bei der Abendmesse in der Beichtkapelle gab es sogar hohen Besuch: Einige Heilige traten als Experten in Sachen „Himmel“ auf. Sie erzählten über ihr Leben und ihre Sendung und über das Glück im Himmel.

Verona Marliani-Eyll und Biggi Lehnen, die das Holy-wins-Projekt gemeinsam vor zwölf Jahren für die Pfarrei St. Marien initiiert hatten, waren auch erneut die Hauptorganisatoren. Allerdings hatten sie viele fleißige Helfer, die überall Hand anlegten und dafür sorgten, dass alle einen tollen Abend haben konnten.

Für Jugendliche und Erwachsene stand ein Imbiss im Goldenen Löwen bereit. Junge Leute vom 5. bis zum 9. Schuljahr sahen sich unter Leitung von Heinz Hochstrat und Holger van den Ham im Priesterhaus einen christlichen Kinofilm bei Schnupp und Cola an. Und die Grundschulkinder konnten im Petrus-Canisius-Haus Laternen mit Heiligenmotiven basteln.

Nach getaner Arbeit und gestärkt mit Brötchen und Waffeln zogen die Kinder in die Beichtkapelle, wo Kaplan Christoph Schwerhoff die Messe zelebrierte. „Wir bekommen heute Besuch, Besuch aus dem Himmel“, lud Sprecher Robin Rommen während des Gottesdienstes die hohen Gäste nach vorne ein, wo sich die einzelnen vorstellten. Neben Ludwig IX., dem heiligen König von Frankreich, der besonders das Leiden Christi verehrte und die Dornenkrone und einen Kreuznagel Jesu nach Paris bringen ließ, waren als weitere Heilige Anna, Maria, Franziskus und Klara zugegen. Anna stellte sich vor als die Oma von Jesus. Sie präsentierte gemeinsam mit Maria und ihrem Jesuskind, wie sie in der Basilika dargestellt ist und nahm Maria mit dem Jesuskind auf ihren Schoß.

Franziskus erzählte, wie er als reicher, junger Mann 1208 den Ruf vernahm, alles für Jesus zu verlassen, in seine Nachfolge zu treten und die Kirche wieder aufzubauen. Ähnlich Franziskus war auch Klara vornehmer Abstammung und tauschte ihre schönen Kleider gegen ein Bußgewand und gründete die Gemeinschaft, die nach ihrem Tod Klarissen genannt wurden und die auch in Kevelaer vertreten sind. Alle Heiligen beschrieben den Himmel als ein ganz-bei-Gott-Sein, wo keiner mehr an Unrecht oder Schrecken leidet, nicht mehr betrübt ist und bei Gott eine wunderbare Familie hat.

Nach dem Gottesdienst waren aus den Heiligen wieder Johannes Lehnen, Maria Pichler, Lidia Tuszkowski, Wiktor Skienkiewicz und Martha Ehren geworden. Gemeinsam mit den anderen Kindern ging es mit den leuchtenden Laternen singend durch die Stadt. Kaplan Christoph Schwerhoff und Verona Marliani-Eyll erklärten einige Heiligenstatuen, die an den Fassaden der Häuser zu sehen sind und die im Alltag oft gar nicht ins Auge fallen.

Im Antonius-Pfarrsaal warteten die Messdiener Lina Martens und Catharina Liebeheim auf die Kinderschar und spielten mit ihnen 1,2 oder 3. Mit Feuereifer waren die Kinder dabei, als es hieß: „Lebte die hl. Klara in Spanien, Italien und Frankreich?“ oder „Wie heißt das Tuch, das Schwestern meist auf dem Kopf tragen: Turban, Schleier oder Velum?“ Voller Begeisterung sprinteten die Kinder zu den verschiedenen Nummern an der Wand. Manche hatten dafür eine eigene Taktik, wie: „Ich gehe immer dahin, wo Martin hingeht. Der wird es schon wissen.“

Die Mehrheit lag meistens auch richtig und kaum wurde die Lösung verkündet, ging es unter Jubelgeschrei und mit einem Affenzahn zum Schnuppi-Eimer, der schnell gegen einen neuen ausgetauscht werden musste. Mattheo (8) vertraute all seine erbeuteten Süßigkeiten Mamas Hand an und meinte: „Ich hab schon ganz viel! Das schmilzt ja!“

Wieder zurück in der Beichtkapelle hatten fleißige Helfer schon den Altar in Tücher und Lichter gehüllt. „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst“, so sang stimmungsvoll der Chor „Klangfarben“ mit begleitenden Keyboard-Klängen von Biggi Lehnen.

Weihrauch stieg auf, als Kaplan Schwerhoff das Allerheiligste auf den Altar setzte. Er erzählte die Geschichte, wie der Heilige Pfarrer von Ars einen einfachen Bauern beobachtete, der oft stundenlang in der Kirche saß und den er fragte, was er da so lange mache. „Ich schaue Gott an und er schaut mich an. Das reicht mir. Mehr brauche ich nicht“, so die sinnreiche Antwort. Dies taten dann auch alle zum Abschluss des Tages. „Du hüllst uns in deinen Schutz wie dieses Tuch die Hostie“, dankte Kaplan Schwerhoff für den gelungenen Abend.

Karlien (7) war zum ersten Mal dabei. Von 17 Uhr bis fast 21 Uhr war es für sie ein langer, aber sehr schöner, spannungsvoller Abend, den sie nächstes Jahr auch gerne wieder feiern möchte, wenn es heißt: „Holy wins!“.