Einen stimmungsvollen Gottesdienst der ganz besonderen Art feierte die evangelische Gemeinde in der Jesus-Christus-Kirche.

Unter dem Motto „We are one – Solidarität mit Afrika“ präsentierte der Chor der evangelischen Kirche Kevelaer gemeinsam mit Mitgliedern des Theaterchores

Niederrhein unter der Leitung von Tom Löwenthal Songs aus und über Afrika. Stücke wie „Sanna“, „Dry Your Tears, Africa“ oder auch als Appell formulierte „An die Vereinigten Staaten von Europa“ boten den musikalischen Rahmen für den gut einstündigen Abend.

Ergänzt wurden die Beiträge durch informative Texte über den Kontinent und die unbeachteten Krisenherde Afrikas – mit dem Ziel, den Blick auf die Situation und das Leben in dem Kontinent aufmerksam zu machen.

Alexander Florié-Albrecht bezeichnete in seinem Überblick über die Geschichte des Kontinents Afrika als „riesigen, bunten Teppich (…), gewebt aus unzähligen Fäden, Farben und Mustern“. Jeder dieser Fäden erzähle eine Geschichte „von mächtigen Reichen, blühenden Kulturen, fremder Eroberung, aber auch von unerschütterlicher Stärke“.

Er schlug den Bogen von der „Wiege der Menschheit“ über die bedeutenden Königreiche Ägyptens und Nubiens hin bis zum Kolonialismus der Europäer, die durch die willkürlichen Grenzziehungen und Eroberungen, nicht zuletzt manifestiert durch die Berliner Konferenz 1885, dem Kontinent bis zur Befreiung der Länder in den 1950er und 1960er Jahren massiven Schaden zugefügt hätten.

Kontinent der Gegensätze

Heute sei Afrika „ein Kontinent der Gegensätze“, der seine eigene Geschichte „laut, stolz, selbstbewusst“ schreibe – mit über 1,4 Milliarden Menschen und einer Bevölkerungsmehrheit unter 25 Jahren, geprägt von diversen Elementen wie „Naturwunder und Hungersnöte, Hightech-Städte und Konflikte, junge Start-ups und alte Traditionen“.

Der Kontinent habe heute Probleme wie politische Instabilität, Korruption und Armut. Aber es gebe auch Lösungen wie eigene afrikanische Initiativen, neue Bildungskonzepte oder Klimaschutzprojekte.

Unter dem Stichwort „Warum erschüttert mich das nicht“ erinnerten Chormitglieder und Pfarrerin Karin Dembek unter anderem daran, dass sich die zehn humanitären Katastrophen, über die global am wenigsten berichtet wurde und von denen fast 35 Millionen Menschen betroffen sind, allesamt in Afrika befinden.

Unter anderem erinnerten sie an die Attacken der Al-Shabaak-Milizen gegen die Zivilbevölkerung in Somalia, die Dürre und die Menschen ohne Zugang zu Wasser und Lebensmitteln dort und die kaum vorhandenen globalen Klimahilfegelder.

Erwähnt wurde auch die größte Hunger- und Vertreibungskrise im Sudan, wo der Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften und den „Rapid Support Forces“ um die 14 Millionen Menschen zur Flucht im Land zwang und vier Millionen außerhalb des Landes trieb, die Gesundheitsversorgung zerstörte, Kindersoldaten und sexuelle Gewalt erzeugte und die Cholera ins Land brachte.

Auch das zerstörte Syrien war ein Thema, wo zwar die Assad-Diktatur gestürzt wurde, aber noch immer Minderheiten wie die Drusen oder Kurden bedroht sind, ein Massaker an 2000 Zivilisten verübt wurde – und in Deutschland zeitgleich eine Debatte über Kürzungen der Bezüge und Anreize zur Rückkehr geführt werden. Und auch, dass Öl- und Gaskonzerne in vielen afrikanischen Ländern eine Spur der Zerstörung hinterlassen: Allein in der Demokratischen Republik Kongo sollen 52 neue Ölvorkommen zur Förderung freigegeben werden, was den zweitgrößten Regenwald der Erde bedroht.

Die Ergotherapeutin Anne Sogbo, die sich ehrenamtlich in Benin engagiert und regelmäßig einmal im Jahr in das westafrikanische Land fliegt, berichtete, ergänzt durch Bilder, anschließend von dem Engagement dreier Personen dort, die stellvertretend für das persönliche Engagement der Menschen vor Ort zur Verbesserung der Lebenssituation stehen.

Sie erzählte von Prosper, der als junger Mann auch in Deutschland kurz studierte und in seiner Heimat die Nichtregierungsorganisation „FIFAME“ gründete, die sich speziell für die Rechte von Mädchen und Frauen einsetzt, ein Schulgebäude für Nachhilfe begründet hat, ökologischen Gemüseanbau fördert, bei der Gründung von Selbstständigkeiten mit dem Kauf von Nähmaschinen hilft und Fragen wie Umweltschutz und sexualisierte Gewalt thematisiert.

Sogbo erzählte die Geschichte von Restaurantbesitzer Roger, der aus eigenem Antrieb und mit Hilfe von Spenden 17 Mädchen und Jungen zwischen zwei und vierzehn Jahren, die sonst auf der Straße leben würden, im Kinderheim „Chez les amies“ versorgt – darunter auch einen behinderten Jungen. „Roger ist am wichtigsten, dass die Kinder wie in einer kleinen Familie aufwachsen“, sagte sie.

Und sie berichtete von Eleonore, einer „Physiotherapeutin mit Leib und Seele“, die im Centre Bethesda täglich allein gut 20 körperlich und geistig behinderte Kinder und Erwachsene alleine in einem Therapiesaal behandelt, dabei auch Gelenkdeformationen der Kinder mit Gips und Schiene über längere Zeit mühsam Stück für Stück korrigiert, „für alle Probleme und Herausforderungen immer eine Lösung“ parat habe – und die Sogbo bei ihren dreiwöchigen Aufenthalten vor Ort seit Jahren unterstützt. „Für mich vollbringt Eleonore täglich kleine und große Wunder.“

Mit „We Are the World“ und schönen Gesprächen im Anschluss endete ein informativer und unterhaltsamer Abend.