„Seien Sie nicht so kritisch – Sie sind schön“

Gelassene Selbstironie, das gehört zum Repertoire von Roswitha Iasevoli. Wenn die gebürtige Schlesierin, die seit langer Zeit in Dortmund lebt, über den Kauf einer Schminkbrille philosophiert, bei der man nicht mal zum Schminken ans Auge kommt, wenn man sie nicht gerade umdreht, blitzt der Schalk aus ihren Augen.

„Ich schau‘ immer, was sind für Frauen da und was könnte sie erfreuen“, freute sie sich selbst darüber, „dass junge und alte Frauen“ unter den 50 Anwesenden in der Öffentlichen Begegnungsstättte waren.

Lachen – auch über Männer

Vor der literarischen Kunst hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kevelaer, Marika Perez, für die Damen einen kleinen Sektempfang organisiert. „Für unseren ersten Frauentag hier wollten wir einen Abend, wo die Frauen auch mal lachen können – und über Männer. Auf Roswitha Iasevoli sei sie über einen Zeitunsgartikel gestoßen. „Eine sehr charismatische Frau.“

Mit der entsprechenden Portion Humor, ihrer starken Präsenz und einem Schuss femininem Selbstbewusstsein präsentierte die Autorin diverse literarische Texte, die um den weiblichen Schönheitswahn und die Behauptung gegenüber dem anderen Geschlecht kreisten.

Exemplarisch dafür war Gudrun Güths „Die Schönheitsfängerinnen von Sameln“ mit einer Frauengruppe, die vor dem Weltuntergang über den Gang auf die Arche diskutiert und sich von der Flötenspielerin Susanne dorthin locken lassen.

„Was soll ich da mit meinen Dellen in den Oberschenkeln?“, fragt die eine. „Nicht schlecht, so ein Weltuntergang, da werden wir alle weggespült, mit zwei Warzen im Gesicht macht das Leben eh keinen Sinn mehr“, meint eine andere, ehe alle zu lachen beginnen, die Arche stürmen und die Männer, die sich in aller Gelassenheit zusammen noch mal in der Kneipe betrinken, einfach nach dem Motto „Nach uns die Sintflut“ zurücklassen.

Oder sie erzählte in „Rucksackträger“ den witzigen Flirt von einer Frau mit einem langweilig-lustlosen Typ aus der Kontaktanzeige, nachdem sie sich vornimmt, auf so was nie wieder zu antworten – und am nächsten Samstag doch wieder zu gucken.

In ihrer eigenen Erzählung „As time goes by“ macht sich die Frau in der Geschichte auf die Suche nach der Frau, die sie einmal werden wollte – so wie ihre Vorbilder, die Schauspielerinnen Rita Hayworth und Scarlett O‘Hara. Doch als sie Wolfgang kennenlernt und schnell Hausfrau und Mutter wird, verliert sie diese Vorstellungen sehr schnell.

Tipp für den Heimweg

Und dann schlüpfte Iasevoli in die Rolle der Schönheitsberaterin Eva Tamara Sawatzky-Müller in Pömps. „Wählen Sie immer das kleinere Übel“ oder „Gute Erotik macht schön“ waren ihre Empfehlungen. Sie verwies auch auf die Sinnhaftigkeit von Stöckelschuhen bei dummer Männeranmache. „Okay, Baby, zeig‘, dass er sie haben kann.“

Zum Schluss empfahl Iasevoli mit den Worten ihrer Autorenkollegin Sabine Deibner, sich selbst zu verwirklichen und einfach sich selbst zu mögen. „Bade in Stutenmilch, salbe dich in Myrrhe, flicht dir Schmetterlinge ins Haar. Wirf dein Hemd von dir, fang die Sonne und verführe den Mond.“

Und sie zitierte aus einer selbst- gemachten Umfrage mit 30 Männern und Frauen, bei der deutlich wurde, dass sich keine Frau so richtig schön fand, während die Männer einfach sagten: „Ja, ich hab‘ ein tolles Wesen.“ Diese Botschaft gab sie den Frauen mit nach Hause: „Seien Sie nicht so kritisch – Sie sind schön.“