Der Erlebnis- und Biobauernhof Rouenhof hat eine Anfrage der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag zurückgewiesen. In dem Schreiben, das dem Kevelaerer Blatt vorliegt, bat die Partei um einen Raum für einen „Bürgerdialog“ am 21. August 2026 für etwa 100 bis 150 Personen mit Reihenbestuhlung. Der Hofbetrieb reagierte darauf mit einer klaren Absage und stellte zugleich seine eigenen Werte in den Mittelpunkt.
Anfrage an den Hof
Aus der vorliegenden Anfrage geht hervor, dass eine Mitarbeiterin der AfD-Bundestagsfraktion nach einer Halle für die Veranstaltung suchte. Auf dem Schreiben sind zudem Kontaktdaten der AfD-Bundestagsfraktion und der Hinweis auf deren Website zu erkennen.
Der Rouenhof gehört zur Familie Verhoeven und ist ein Bioland- und Demeter-Betrieb im Ortsteil Kervenheim/Kervendonk, am Fuße der Sonsbecker Schweiz. Der Hof betreibt Landwirtschaft, Hofladen, Veranstaltungen und Unterkünfte; zudem gehört seit 2020 auch der benachbarte Michelshof zum Betriebsgelände.
Deutliche Absage
In der Antwort der Familie Verhoeven heißt es, man danke zunächst für die Anfrage und ordne die Interessen des Betriebs klar ein: ökologische und extensive Landwirtschaft, Klimaschutz, Inklusion und Naturschutz. Zugleich wird ausgeführt, die bisherigen Programme der AfD hätten diese Tendenzen nicht erkennen lassen.
Weiter schreiben die Verfasser, dass ihre Räumlichkeiten grundsätzlich gerne für Bürgerdialoge zur Verfügung stünden, eine Vermietung an Parteien mit aus ihrer Sicht menschen- und schöpfungsfeindlichen Positionen jedoch ausgeschlossen werde. Die Ablehnung ist damit nicht nur eine organisatorische, sondern ausdrücklich eine politische Entscheidung.
Ironische Alternative
Besonders ungewöhnlich ist, dass der Hof auf die Absage nicht mit einem nüchternen Nein reagiert, sondern mit einer sarkastisch formulierten „Alternative“. Die Partei wird darauf hingewiesen, dass bei einem Austritt aus der AfD ein 50-prozentiger Rabatt auf die reguläre Raummiete möglich wäre; in schweren Fällen werde dieser sogar erlassen.
Als Geschäftsleute sei man natürlich käuflich und man würde sich trotz der schwerwiegenden Differenzen im Menschen- und Weltbild bei einer „Erweiterung der Raummiete“ als „Schmerzensgeld“ zu einer Vermietung inklusive kostenloser Bio-Bratwurst für alle Teilnehmenden hinreißen lassen.
Im Schreiben werden dafür jedoch zwei Spendenkonten mit jeweils 3.000.000 Euro genannt (Aktion Deutschland Hilft – Stichwort: Hilfe für Flüchtlinge weltweit, und Zentrum für politische Schönheit), verbunden mit dem Hinweis, dies entspreche der Zahl der Menschen, die in Konzentrations- und Vernichtungslagern starben.
Einordnung für die Region
Für die Region Kevelaer und den Niederrhein ist der Vorgang mehr als nur ein lokaler Schriftwechsel. Der Rouenhof ist ein bekannter Ausflugs-, Hof- und Veranstaltungsort, der sich auf Bio-Landwirtschaft, Familienangebote und Vermietungen an unterschiedliche Gruppen spezialisiert hat. Dass der Betrieb nun eine politische Grenze zieht, zeigt, wie stark auch ländliche Gastgeber ihre Rolle gesellschaftlich verstehen.
Gleichzeitig dürfte die Form der Absage Diskussionen auslösen, weil sie bewusst zugespitzt und satirisch gehalten ist. Inhaltlich aber macht die Familie Verhoeven klar, dass sie der AfD keinen Raum für einen Auftritt geben will und den Hof als Ort für demokratische, wertorientierte Veranstaltungen begreift.
Gerade deshalb hat die Absage Gewicht: Ein Hof, der regelmäßig Gäste empfängt und für Offenheit wirbt, setzt mit diesem Schreiben bewusst ein politisches Signal. Für viele Menschen am Niederrhein dürfte das ein Beispiel dafür sein, dass sich auch landwirtschaftliche Betriebe nicht neutral fühlen müssen, wenn sie ihre Grundwerte berührt sehen.



