Richtiger Umgang mit Smartphone, Facebook, Whatsapp & Co

Digitale Medien und soziale Netzwerke wie Smartphone, Whatsapp, Facebook werden von vielen Menschen rund um die Uhr genutzt und auch Kinder kommen immer früher damit in Kontakt. Vielfach haben Kinder auch schon im späten Grundschulalter ein eigenes Smartphone oder nutzen Whatsapp oder Facebook, die offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt sind. Welche Gefahren in den modernen Medien und Netzwerken lauern und wie man die Kinder und Jugendliche davor schützt, davon sprach das KB mit Kriminalhauptkommissar Stefan Hellwig.
KB: Sie sind ganz häufig an Grundschulen und weiterführenden Schulen und halten Informationsveranstaltungen für Eltern. Was sind die größten Gefahren der digitalisierten Welt für Kinder und Jugendliche, vor denen Sie an diesen Abenden warnen?

Stefan Hellwig Foto: Polizei


SH: Kindern und auch Erwachsenen ist oft nicht bewusst, welches Ausmaß eine scheinbar belanglose Aussage haben könnte und wie viele Menschen sie erreicht. Auch Anonymität spielt eine große Rolle. Die Hemmschwelle, Aussagen zu treffen, die im „normalen“ Leben nicht getätigt werden würden, sinkt deutlich. Auf dem Vormarsch sind derzeitig die Gefahren von Radikalisierung, Hass oder Gewalt.
 
KB: Ist die Hemmschwelle für Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen und zu Mobbing durch die digitalen Medien bei gleichzeitiger Vergrößerung der Reichweite gesunken?
SH: Ja. Diese Aussage bestätigen mir gegenüber täglich fast alle Jugendlichen. Einen Menschen persönlich zu beleidigen ist deutlich schwerer als die gleiche Aussage online zu treffen. Zudem spielt hier auch die Anonymisierung eine Rolle und damit steigt auch die Gefahr, Opfer von „Mobbingattacken“ zu werden.
KB: Welche praktischen Tipps haben Sie für die Eltern für den verantwortungsvollen Umgang mit den Medien und sozialen Netzwerken?
SH: Ein Kind sollte, im Umgang mit den digitalen Medien, begleitet werden. Der Glaube, junge Menschen würden sich besser auskennen, ist oftmals ein Irrglaube. Meist geht es nur mit der Handhabung schneller. Das Fachwissen dahinter müssen Eltern ihnen vermitteln. Auch ist das Handy kein „Tagebuch“, wie manche Erwachsene denken. Es sollte unbedingt kontrolliert werden, mit wem die Kinder Kontakt haben und was sie im Internet treiben. Hier geht es nicht darum, jeden WhatsApp-Post durchzulesen.
KB: In den Schulen ist die Benutzung des Handys meistens verboten. Zu Hause liegt die Verantwortung über die Nutzung neuer Medien bei den Eltern. Kinderärzte warnen davor, dass zu viel mediale Nutzung die Entwicklung der Kinder ungünstig beeinflussen und z.B. Konzentrationsstörungen auslösen kann. Was raten Sie Eltern zum guten und gesunden Mediennutzungsmaß ihrer Kinder?
SH: Auch hier gilt der Grundsatz: „Die Dosis macht das Gift“. Die Nutzung digitaler Medien ist zur Normalität geworden und nicht mehr weg zu denken. Eltern sollten als Vorbild fungieren und ihren Kindern mit gutem Beispiel voran gehen. Leider scheitert es oft schon daran.
KB: Sie haben in Kevelaer an den verschiedenen Schulen regelmäßig Elterninformationsveranstaltungen zum Thema Smartphonenutzung. Wie sind die Reaktionen der Eltern auf das, was Sie ihnen dort sagen?
SH: Die Eltern, die teilnehmen, sind oft überrascht, was sich in den sozialen Netzwerken alles abspielt, oder welche Fälle die Polizei bearbeiten muss. Ein „einfacher“ Straftatbestand der Beleidigung kann mitunter fatale Folgen nach sich ziehen. In Deutschland gibt es keinen eigenen „Mobbing“- Paragraphen. Das hat eine Mutter in Österreich bereits durchgesetzt, die ihren Sohn auf Grund von Mobbing verloren hat. Gezielte sexuelle Anbahnungen von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen und Kindern sind keine Seltenheit. Es ist ein Leichtes, sich als Erwachsener in einem der angesagten sozialen Netzwerke anzumelden und dort mit einem „Fake- Account“ zu agieren.
KB: Soziale Netzwerke, Facebook, WhatsApp sind sicher nicht ohne Grund erst ab 16 Jahre. Finden Sie es gut, wenn diese Altersmindestgrenze auch eingehalten wird? Sollen Kinder, die es auch jünger nutzen, dies nur mit Hilfe der Eltern tun?
SH: Auf Grund der EU-DSGVO wurde das Mindestalter bei WhatsApp von 13 Jahren auf 16 Jahre angehoben. Aus meiner Sicht ist da grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, wenn sich alle daran halten würden. Allerdings werden die Angaben von WhatsApp nicht überprüft. Eltern stehen in der Verantwortung, ihre Kinder zu schützen.
KB: Über die Grundschule meiner Tochter wurde einmal auch vor den „Momo-Kettenbriefen“ gewarnt. Meine Tochter sah leider gegen meinen Willen über das Handy einer Freundin einen Film über „Momo“ und hat seitdem Albträume. Könnten Sie noch etwas über „Momo“ sagen? Es scheint ja auch schon Grundschüler zu betreffen.
SH: Den Kettenbrief „MOMO“ gibt es in unterschiedlichsten Formen. Es handelt sich bei MOMO um das Bild einer Kunstfigur aus Japan, welches dazu benutzt wird, Kindern Angst zu machen. Bei MOMO ist es im Grunde nicht anders als bei allen anderen Kettenbriefen (Nico, Theresa Figaldo…), vor denen ich seit Jahren warne. Hier geht es um „Datenweitergabe“ und in manchen Fällen um die Verbreitung von Schadsoftware. Kinder und Jugendliche erhalten oft Kettenbriefe, in denen sie aufgefordert werden, diese weiterzuversenden, da sonst ihre Mutter tödlich verunglückt oder etwas Schlimmes passiert. Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder diese aus Angst weitersenden. Mir erzählen Kinder regelmäßig, dass sie Albträume aufgrund dieser Kettenbriefe haben oder nachts nicht mehr schlafen können.
Das Interview führte Doris de Boer.