Pfarrer Peter Kossen beklagt Ausbeutung von Arbeitern

Kreiskomitee der Katholiken tagte in Kevelaer: Edmund Raadts wurde zum Vorsitzenden gewählt

Der Vorstand des Kreiskomitees (v.l.): Bernd Voßmöller, Alois van Doornick, Auke Brattinga, Angelika Bergmann, Elisabeth Pasedag, Hubert Lemken, Hans-Gerd Op de Hipt, Dr. Werner Kuhnen, Edmund Raadts und Norbert Gerding. Es fehlt: Stephan Tauchmann. Foto: Bischöfliche Pressestelle

Im Kevelaerer Priesterhaus versammelten sich die Mitglieder des Kreiskomitees der Katholiken zur Vollversammlung. In dem Komitee haben sich Mitglieder katholischer Verbände und Organisationen, Delegierte aus Pfarreiräten und weitere Persönlichkeiten aus dem kirchlichen und öffentlichen Leben zusammengeschlossen.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich. Seit vielen Jahren setzt er sich gegen die Ausbeutung von Leih- und Zeitarbeitern ein. In Kevelaer sprach er zum Thema „Menschen werden verschlissen und entsorgt. Was tut die Kirche für Gerechtigkeit und gegen moderne Sklaverei?“.

Der Pfarrer nahm kein Blatt vor den Mund: „Leih- und Zeitarbeiter werden – beispielsweise in der Fleischproduktion, zunehmend auch in der Autoindustrie und anderen Industriezweigen – systematisch ausgebeutet.“

„Begründet wird die Beschäftigung oft mit Belastungsspitzen. Aber das stimmt nicht. Es handelt sich fast ausschließlich um Lohn- und Sozialdumping“, führte Kossen seine Vorwürfe aus. Subunternehmer würden Arbeiter etwa aus Rumänien beschäftigen, „rechtlose Menschen“, „Wegwerfmenschen“ ohne Anspruch auf Urlaub oder Fortzahlung im Krankheitsfall, wählte Kossen deutliche Worte.

Die Folgen seien enorm, körperlich wie psychisch, sagte der Referent in seinem eindringlichen Vortrag: Sein Bruder, ein Mediziner, empfange täglich Leiharbeiter in der Praxis, die todkrank aussähen. „Dann stellt sich heraus: Die sind körperlich gesund, aber leiden an Totalerschöpfung“, sagte Kossen. „Wir müssen als Kirche sagen: So geht das nicht“, appellierte er. Er wünsche sich mehr Dynamik von Kirchenvertretern, globaleres Denken und den Mut, neue Koalitionen im Kampf gegen die Arbeiterausbeutung zu suchen.
Ein Kulturwandel im Sinne der christlichen Soziallehre sei dringend notwendig: „Die Güter auf dieser Welt sind allen Menschen gegeben.“

Vor dem Vortrag hatte das Komitee seinen Vorstand gewählt: Edmund Raadts aus Kleve-Materborn wurde für vier weitere Jahre zum Vorsitzenden bestimmt. Beisitzer sind Auke Brattinga (Kleve), Angelika Bergmann (Goch-Hülm), Dr. Werner Kuhnen (Kleve), Hans-Gerd Op de Hipt (Kevelaer) und Stephan Tauchmann (Kleve), geistlicher Beirat ist Pfarrer Alois van Doornick (Kalkar). Bereits im Juni wurden Elisabeth Pasedag (Kleve-Kellen) und Bernd Voßmöller (Weeze-Wemb) von der Kreisdekanatsversammlung in den Komiteevorstand gewählt. Den Vorsitzenden vertreten Elisabeth Pasedag und Norbert Gerding (Kleve-Materborn).

Als Mitglieder für das Diözesankomitee wählte die Versammlung Edmund Raadts, Elisabeth Pasedag und Cornelia Graßhoff (Issum). Beisitzerin Angelika Bergmann wurde zudem als weiteres Mitglied für die Kreisdekanatsversammlung bestimmt. Der neue Vorstand des Kreiskomitees ging gleich zu seiner ersten Amtshandlung über: Die Mitglieder wählten Hubert Lemken erneut zum Geschäftsführer.