OW1 kommt: „Wir schlagen den Knoten jetzt durch!“

Da kannte der App­laus keine Grenzen. Rund 70 Gäste im Goldenen Löwen waren aus dem Häuschen. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hatte soeben die Katze aus dem Sack gelassen. „Wir schlagen den Knoten jetzt durch“, versprach der CDU-Politiker, dass mit dem Bau der OW1 noch in diesem Jahr begonnen werden könne. Zuvor hatte der Jurist die Zuhörer aber noch ein wenig zappeln lassen.

Doch auf diese halbe Stunde kam es jetzt auch nicht mehr an. Schließlich ist die geplante Umgehungsstraße eigentlich eine unendliche Geschichte. Bereits 1955 hatten die Stadtväter den Antrag gestellt, „um die von Pilgern stark besuchte Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten“.

Seitdem ist in Kevelaer nicht nur viel Wasser die Niers hinunter geflossen. „Wir haben bis zu 2 Mio. Besucher im Jahr“, sagt Paul Schaffers, Vorsitzender der CDU-Kevelaer, auf deren Einladung der Verkehrsminister in der Marienstadt weilte. „Die meisten davon kommen mit dem Auto. Wenn man dann noch die LKW hinzuzählt wird klar: Wir müssen so schnell wie möglich die OW 1 bauen.“ Besonders die Anlieger der Rheinstraße und die Winnekendonker hätten unter dem starken Verkehr zu leiden.

Um dem Anliegen noch mehr Nachdruck zu verleihen, hatten die Christdemokraten in den letzten Wochen eine Unterschriften-Petition gestartet. Das Ergebnis (rund 3.000 ausgedruckte Exemplare, neben 1.000 im Internet) wurde noch am Abend dem Verkehrsminister übergeben.

Dieser hatte zuvor deutlich gemacht, dass er in den kommenden Jahren einiges bewegen möchte. „Unsere ländlichen Regionen sind in den letzten 20 Jahren stark gewachsen. Sie sind unsere Wachstumslokomotiven.“

Große Aufgabe seien deshalb die Digitalisierung und die Überarbeitung des Landesentwicklungsplanes, um Flächen freizu- geben, wo man sich entwickeln könne. Das dritte Thema „Infrastruktur“ falle in sein Ressort. Dabei würde alleine der Erhalt der Landstraßen 200 Mio. Euro verschlingen. Von den maroden Brücken in Leverkusen und Duisburg-Neuenkamp ganz zu schweigen. „Ich habe in dem halben Jahr meiner Amtszeit bereits einige Bänder durchschnitten und Spatenstiche durchgeführt. Aber alle Projekte waren älter als ich“, verwies der 42-Jährige darauf, dass die OW1 kein Einzelfall sei.
Aber er sehe jetzt Licht am Horizont. Seien doch alleine für den Kapazitätenhochlauf 50 neue Planungsstellen ausgeschrieben. Und auch das Personal für die Planfeststellungsverfahren würde um 13 Personen aufgestockt.

Daher konnte Hendrik Wüst auch frohen Mutes verkünden: „Das Planfeststellungsverfahren für die OW1 wird noch in diesem Jahr abgeschlossen. Danach kann der Spatenstich erfolgen.“ Denn auch die Finanzierung scheint gesichert. „Das Projekt bleibt im Landesstraßenbedarfsplan der nächsten Jahre. Für die gesamte Bauzeit stellen wir 20 Mio. Euro zur Verfügung“, versicherte der Minister und nahm danach gerne das Unterschriftenpaket entgegen.

Der CDU-Politiker freute sich über das Engagement der Bürger. Diese sollten jedoch auch weiterhin am Ball bleiben. „Denn das Einzige, was den Bau jetzt noch aufhalten kann, ist eine Klage“, da wären dem Politiker auch die Hände gebunden. Die Einladung, zum Baustart nach Kevelaer zu kommen, nahm Wüst gerne an: „Dann werde ich beim ersten Spatenstich mit dem Bürgermeister ein Schnäpschen trinken.“

Trotz aller Euphorie gab es aber auch nachdenkliche Stimmen. Jürgen Adamaschek hatte nur zu gut den Start des ersten Bauabschnitts vor Augen. Das sei ja auch schon bald wieder 20 Jahre her: „Ich glaube erst an den Weiterbau der OW1, wenn die Bagger anrollen.“

Um der Wichtigkeit eines baldigen Baubeginns Nachdruck zu verleihen, übergab Michael Kamps, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Kevelaer (2.v.l.) dem NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (2.v.l.) ein Unterschriftenpaket. Mit dabei Magret Voßeler (MdL), Paul Schaffers (Mitte) und Stefan Rouenhoff (MdB).