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Es gibt noch Karten für die KB-Leser-Uni

6. November 2019/in Kevelaer/von Kevelaerer Blatt

„Nur Bares ist Wahres“ – so überschreibt Professor Dr. Oliver Serfling seine Vorlesung über die Deutschen und ihre – im internationalen Vergleich ungewöhnlich starke – Liebe zum Bargeld. Diesen ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag wird es nun auch in Kevelaer geben. Denn das Kevelaerer Blatt richtet gemeinsam mit der Hochschule Rhein-Waal am Freitag, 8. November 2019, um 18 Uhr im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte die erste Leser-Uni Kevelaers aus.

Leser-Unis sind ein Format, das sich vor allem in größeren Hochschulstädten etabliert hat. Referenten aus den Hochschulen präsentieren darin spannende, aktuelle Themen auf kurzweilige und verständliche Weise und stehen anschließend für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Wir haben uns für die Premiere für das hoch aktuelle Thema Bargeld entschieden. Denn obwohl es auch bei uns immer mehr Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlens gibt, klammern sich die Deutschen wie kaum ein anderes Volk an Münzen und Scheine. Wieso das so ist, kann keiner besser beantworten als Oliver Serfling, seines Zeichens Professor für Wirtschaftspolitik und Entwicklungsökonomik an der Hochschule Rhein-Waal. Im Interview mit dem KB erläutert er, was die Zuhörer der Leser-Uni erwartet.

Kevelaerer Blatt: Seit Hunderten von Jahren nutzen Menschen Bargeld. Was spricht plötzlich dagegen?

Professor Dr. Oliver Serfling

Professor Dr. Oliver Serfling: Im Prinzip nichts, zumindest noch nicht. Es ist nur so, dass aufgrund der technischen Entwicklung nun schnelle, praktikable, elektronische Zahlungsverfahren weitgehend verfügbar sind und nun von Seiten des Handels darüber nachgedacht wird, wie man die Kosten der Bargeldbewirtschaftung reduzieren könnte. Von Seiten der Notenbanken und Banken gibt es in Zeiten von Negativzinsen das Interesse, die Negativzinsen auch an die Sparer weiterreichen zu können. Und schließlich liebäugelt die Politik angesichts von Panama-Papers, Geldwäsche und Steuerhinterziehung mit der deutlich größeren Transparenz digitaler Bezahlvorgänge und einer Effektivitätssteigerung bei der Kriminalitätsbekämpfung.  

Warum wollen viele Menschen trotzdem am Bargeld festhalten?

Hier stehen drei zentrale Motive im Mittelpunkt: die Anonymität und die Einfachheit des Bezahlvorgangs sowie die Übersicht über die Finanzlage im Portemonnaie. Allerdings gilt die Bargeldpräferenz nicht für alle Stückelungen: auf die Verwendung von 1- und 2-Cent Münzen könnte nach der Ansicht einer Mehrheit verzichtet werden.

Ist die Einstellung zum Bargeld von Land zu Land unterschiedlich?

Ja, dazu gibt es starke Evidenz. So gelten die Deutschen als die am meisten Bargeldverliebten, während die Skandinavier das Bargeld aus 80 Prozent der täglichen Bezahlvorgänge verbannt haben. Aber die Bargeldpräferenz ist auch innerhalb der deutschen Bevölkerung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Hier sehen wir einen Generationentrend hin zu bargeldlosem Bezahlen sowie eine steigende Präferenz von „Vielzahlern“ hin zu bargeldlosen Verfahren.

Was erwartet die Zuhörer bei der Leser-Uni am 8. November?

Auf der Grundlage einer von mir durchgeführten groß angelegten Befragung werde ich die zentralen Ergebnisse vorstellen und diese mit den Ergebnissen anderer Studien kontrastieren und ergänzen. Neben der Erkenntnis, dass rund 90 Prozent der Bevölkerung die gänzliche Abschaffung des Bargeldes ablehnen, schauen wir uns aber auch die Bargeldpräferenz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen an und versuchen uns an einer Abschätzung, wann und unter welchen Bedingungen eine Mehrheit für die Abschaffung von Bargeldzahlungen entstehen könnte. Schließlich wollen wir uns auch den Stellenwert unterschiedlicher unbarer Zahlvorgänge von der Kreditkarte bis zur Kryptowährung anschauen.

Ich freue mich darauf, dieses neue Format des Kevelaerer Blattes eröffnen zu dürfen und hoffe auf eine angeregte Diskussion.

Interview: Björn Lohmann

Karten für die Leser-Uni

Eintrittskarten für die Leser-Uni gibt es online unter https://bit.ly/2pNZKKV, beim KB in der Johannesstr. 11 in Kevelaer und an der Abendkasse. Die ca. 90-minütige Veranstaltung kostet KB-Leser nur drei Euro, alle anderen sind ebenfalls willkommen, zahlen aber fünf Euro. Um online den rabattierten Preis zu erhalten, geben Sie bitte als Werbecode „Abo“ ein.

Beginn der Leser-Uni ist am Freitag, 8. November 2019, um 18 Uhr im Forum der Öffentlichen Begegnungsstätte, Bury-St.-Edmunds-Str. 7, 47623 Kevelaer.

Schlagworte: Freizeit, Leben, Leser-Uni, Veranstaltung, Wirtschaft
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