Der Satz ist knapp, ohne Schnörkel, einfach nur klar und sachlich, nicht einmal anklagend. „Das Schlimmste ist, das Gefühl zu haben, vergessen zu sein, vergessen zu werden.“ Im Niger hat die Aktion pro Humanität (APH) diesen Satz schon oft gehört, wenn die Menschen hungern, medizinisch nicht versorgt werden können, keine Perspektive mehr denken können. Aus Syrien schickt APH-Projektpartner Erzbischof Mourad ähnliche Botschaften an den Niederrhein, in die Welt: „Schaut auf uns, guckt nicht weg, vergesst uns nicht.“ Und nun sagt genau diesen Satz ein junger Geistlicher, Salesianer, griechisch-katholischer Bischof in der Ukraine, Donezk: „Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl vergessen zu sein.“
Die Kevelaerer „Aktion pro Humanität“ hat vor wenigen Tagen über das Weltkirchereferat des Bistums Münster (Weihbischof Dr. Stefan Zekorn) mit diesem jungen Bischof Kontakt aufnehmen können – per Videoschaltung, als Bischof Maksym in Wien Station machte auf dem Weg zu einer Bischofsernennung in Paris. Nach dem Gespräch war dem APH-Team klar: „Hier müssen wir helfen!“
Maksym Riabukha leitet das Apostolische Exarchat Donezk, zu dem die Regionen Donezk, Luhansk, Dnipro und Saporischschja gehören. (Ein Exarchat ist vergleichbar mit einem Bistum und wird für Gläubige eingerichtet, die außerhalb des ursprünglichen Gebiets ihrer Kirche leben). Er ist unterwegs u. a. in der Region Saporischja, der sechstgrößten Stadt der Ukraine und aktuell Knotenpunkt der ukrainischen Flüchtlingsströme – und Knotenpunkt täglicher Drohnenangriffe und Zerstörungen.
„Mit großer Betroffenheit haben wir die Berichte von seiner Arbeit bei und mit den Menschen gehört – immer häufiger hört man ja bei uns zuhause, dass die Ukraine viel internationale Unterstützung erfahre, dass man gar nicht mehr vor Ort helfen müsse, weil das Weltinteresse ja da sei und sich kümmere. Nach dem Gespräch mit Maksym Riabukha stellt sich das für uns vollkommen anders da“, so Elke Kleuren-Schryvers, APH-Vorsitzende.
Sein kirchlicher Verwaltungsbezirk sei, so Maksym Riabukha, mehr als zur Hälfte von russischen Truppen besetzt, die Gesetze der Besatzungsregierung verböten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. „Viele Kirchen dort sind geschlossen. Es ist verboten, sie zu besuchen.“ Die aktuelle Lage sei dramatisch. „Drohnen machen jeden Ort unsicher, weil die russischen Angriffe gezielt auf die Wohnbebauung und damit auf die Zivilbevölkerung gerichtet sind. Im Sommer war es so, dass entlang der Frontlinie die Menschen nachts im Freien schliefen in der Nähe der Flüsse und in Wäldern, aus Angst vor den Angriffen, die immer im Dunkeln kommen.“
Maksym Riabukha ist ständig unterwegs, um die Menschen zu erreichen, bei ihnen zu sein, sie nicht allein zu lassen. „Man nennt mich schon Bischof auf Rädern“, schmunzelte er. „Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen. In den besetzten Gebieten treffen sich Gläubige heimlich. Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.“
Bischof Riabukha geht
auch zu den Soldaten
Nach wie vor tun Priester und Ordensfrauen und -männer ihren Dienst, es gibt auch noch einige funktionstüchtige Familien- und Caritaszentren. „Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben.“ Bischof Riabukha geht auch zu den Soldaten an die Front, in die Schützengräben. „Die Soldaten fragen immer: `Wie lebt man draußen in der Welt, was passiert in der Welt?` Und wenn ich ihnen sagen kann, es gibt Menschen, die euch nicht vergessen, die bei Euch sind, die an Euch denken – dann ist das ein wunderbares Geschenk. Eines, das Hoffnung gibt und Mut macht.“
Ganz Praktische Hilfe gibt die Kirche auch, die Gotteshäuser werden zu Wärmestuben, hier kann man sich aufwärmen, sein Handy aufladen, eine warme Mahlzeit bekommen. Hier gibt es oft noch Strom und vor allem ein Zusammensein. „Die Menschen müssen über ihre Gefühle ihre Ängste sprechen, und gemeinsam blicken wir dann nach vorne, in eine Zukunft ohne Krieg. 98, 99 Prozent der Menschen, die jetzt in unsere Pfarrei kommen, kommen neu zu uns.“
In einer großen, noch offenen Kirche waren vor wenigen Tagen während der Feier der Heiligen Messe drei schwere Bombardements in unmittelbarer Nähe zu hören – „Wir sind alle geblieben, haben die Liturgie weiter gefeiert, unser Glauben ist Kraft, Gott ist Stärke, die wir weitertragen wollen.“
„Bitte grüßen Sie alle Ihre Freunde und Helfer“ so der Bischof zum Ende des Gesprächs. „Danke für Ihre Hilfe, für Ihre bewusste Entscheidung, zu uns zu stehen. Es geht nicht nur um unser Land, es geht um den Frieden in der ganzen Welt. Bitte sagen Sie ihren Unterstützern, dass die ganze Ukraine Sie umarmt, dass das ganze Bistum Doneszk Ihnen Weihnachtsgrüße sagen möchte und Ihnen ein wirklich frohes und stärkendes Fest wünschen möchte.“
Spenden
APH möchte helfen und freut sich über Spenden für Medikamente, Nahrungsmittel für warme Suppen etc., Heizmaterial, Trauma-Begleitung – vor allem für Kinder. Das Spendengeld kommt direkt Bischof Riabukha und seiner Arbeit im Apostolischen Exarchat Donezk zu.
Stiftung Aktion pro Humanität, Volksbank an der Niers
IBAN: 39 3206 1384 4330 1300 11, Stichwort: Bischof Maksym



