Lesermeinung
Nicht schon wieder Etikettenschwindel

Foto: pixabay
KB-Leser Paul Wans schreibt zum Artikel „Wallfahrtsstadt Bad Kevelaer?“ im KB Nr. 17:
„Genauso schlecht wie die von der CDU erstellte Fotomontage im letzten KB mit „Bad Kevelaer“ im orangefarbenen, rechteckigen Kasten vor gelbem Ortsschild ist auch diese Idee der Umbenennung.
Was ist im Kommunalwahljahr los mit Kevelaers CDU, für die ich vor einigen Jahrzehnten sogar als sachkundiger Bürger im Kulturausschuss saß? Da wird ja seit Monaten die eine schlechte Idee nach der anderen rausgehauen und immer sofort veröffentlicht. Und sie klingen mittlerweile wie die Ergebnisse eines Schüler-Brainstormings „Was könnten wir in Kevelaer mal verändern?“
Zuerst sollte auf dem einstigen Gelände der Post die Busankunft mit Empfangsgebäude etc. erfolgen. Dann doch zu teuer. Nächste Idee: Ein großes Hotel mit Kurbetrieb (das Stadthotel nur wenige Meter entfernt wäre sicher begeistert), aber ohne einen Investor …? Dann sollte der unbefestigte Parkplatz am Bahnhof für Hunderttausende attraktiviert werden. Zum Glück mehrheitlich abgelehnt. Jetzt wird glatt der uralte Paal-Traum vom Bad Kevelaer wieder aus der Mottenkiste gezogen, ein Albtraum!
Eine Idee derselben CDU, die noch vor kurzem den Haushaltsentwurf zurückgehen ließ, erhebliche Einsparungen forderte und z. B. von den engagierten Leuten bei Kultur und Marketing eine rigorose Kürzung aller Aktionen um 10 Prozent erwartete. Die Umbenennung der Stadt würde weit über 20 000 Euro kosten (in Emmerich schon vor 8 Jahren rund 17000).
So wie schon damals das „Unverwechselbar Kevelaer“ ein teurer Etikettenschwindel war, würde es erst recht diesmal beim „Bad“ der Fall sein. Außer den paar Quadratmetern Fußbad im Solegarten habe ich bisher in Kevelaer noch keine Bäderanwendungen im Kurbetrieb gesehen. Nach „unverwechselbar“ kam die „Wallfahrtsstadt“. Dann wurde für viel Geld das in der Tat etwas schräge große „K“ eingeführt, das auf und in allen Medien eingebracht werden musste und das wir inzwischen nachsichtig geschluckt haben. Zuviel der „kreativen“ Ideen. Was z. B. unser Bildungssystem unnötig und empfindlich belastet, sind gefühlt monatlich neue Erlasse des Ministeriums. Wichtige Systeme brauchen mindestens 5-10 Jahre „Ruhe“, um mit Neuem Erfahrungen zu machen, zu evaluieren und ggf. Ziele und Wege zu ändern.
Dass unser Bürgermeister bei diesem Bad-Antrag spontan an einen April-Gag gedacht und vorgeschlagen hat, nach der Kommunalwahl in Ruhe über solche Ideen zu reden, kann ich sehr gut nachvollziehen. „Strategietagungen“ und Ideen sammeln sind gut und wichtig, dann ehrlich und offen auch mit anderen über Sinnhaftigkeit und Machbarkeit nachzudenken, ist noch wichtiger. Man kann über alles reden, muss aber nicht jeden Albtraum durchsetzen wollen.“


