Neuer Vorstand, alte Probleme

Michael Holtmann schien erleichtert, als er mit dem neuen Vorsitzenden Hans-Gerd Ripkens nach der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte „Brouwers“ zum ersten gemeinsamen Bier ansetzte.

„Das tut uns allen gut, dem Verein gut“, kommentierte der zweite Vorsitzende die einstimmige Wahl des 61-Jährigen an die Spitze des des Heimat-und Verschönerungsvereins Kervenheim. Monatelang hatte Holtmann zusammen mit Kassierer Werner Frasczak nach dem umzugsbedingten Rückzug von Horst Neisius (das KB berichtete) als Vorsitzendem die Geschicke des Vereins geführt.

Ripkens selbst bedankte sich nach seiner einstimmigen Wahl bei den 32 anwesenden Mitgliedern „für die Vorschusslorbeeren“.

Vor der Wahl verlas Holtmann noch ein Grußwort von Neisius, der grippebedingt nicht kommen konnte. Darin richtete er seinen herzlichen Dank „an meine Vorstandskollegen und Beisitzer für die Zusammenarbeit“, für das „Teamwork, ohne das der Verein längst nicht alles geschafft hätte seit 2015“.

Das erste gemeinsame Bier des neuen Heimatvereins-Vorsitzenden Hans-Gerd Ripkens (links) mit seinem Stellvertreter Michael Holtmann.

Er habe seine Aufgabe „mit Leidenschaft gerne gemacht“ und wünsche „dem neuen Vorsitzenden, dem Heimatverein und dem Dorf alles Gute.“

Nach der Wahl des Vorstands (mit Holtmann als zweitem Vorsitzenden und Frasczak als Kassierer) wurden die bisherigen Beisitzer Joachim Bracke, Heinz-Peter Büns, Wilhelm Maes, Bernhard Reintges, Agnes Schröder, Helmut Seerden und Jürgen Thesing für weitere drei Jahre bestätigt. Neu als Beisitzer dabei ist Michael Janßen.

Zuvor hatte Holtmann in der Jahresbilanz 2018 und dem Ausblick für das laufende Jahr deutliche Worte gefunden.

„Es war aus organisatorischen Gründen nicht ganz einfach“, machte Holtmann die proble-matische Situation angesichts eines fehlenden Geschäftsführers und des seit Sommer 2018 abkömmlichen Neisius deutlich. In seinen Worten schwang, freundlich verpackt, auch ein Stück Frust angesichts der verzweifelten Suche nach Mitstreitern mit.

„Die Resonanz im „Quak-Blatt“ war niederschmetternd und gleich Null, auf den großen Bericht im Kävels Bläche gab es kein Feedback. Nirgendwo ist das mal thematisiert worden.“ Seine Schlussfolgerung daraus lautete: „Das zeigt, wie schwer es ist, Leute zu aktivieren, sich am Dorfleben zu beteiligen.“

Und auch an diesem Abend blieb der Posten des Geschäftsführers bei den Wahlen trotz diverser Gespräche erneut verwaist. „Wir werden das kommissarisch weiterführen“, sagte Hoffmann.

Filmenachmittag bei der Kirmes

Als Themenschwerpunkte für 2019 nannte er die Mitgliederwerbung, die Unterstützung beim Karneval, dem Osterfeuer und dem Maifest. Auch bei der um einen Tag verkürzten Kervenheimer Kirmes werden man bei Auf-und Abbau mithelfen. Als Aktion sei ein Filmnachmittag bei Kaffee und Kuchen im Pfarrheim angedacht.

Daneben stehe man mit dem NuK Achterhoek in Kontakt, der in Kevelaer eine große Baumpflanzaktion durchführen will und dazu Flächen sucht. In Sachen Bepflanzung der Beete werde man mit dem Bauhof der Stadt eine Begehung machen.

Im März wird auf der Fleuthbrücke an der Schlosstraße ein neues Geländer angebracht. „Wir haben ja dort fixierte Blumenkästen, da wird es eine neue Lösung für geben müssen,“ so Hoffmann. Auch benötige die Geschichtsgruppe aufgrund des angesammelten Materialumfangs mehr Platz. Der Bürgerbusverein, der zunächst signalisiert hatte, seine Räume dort zu verlassen, werde erstmal bleiben.

Bei der Weihnachtsbeleuchtung soll der Mammutbaum an der Ecke Winnekendonker/Sonsbecker Straße 2019 als „Weihnachtsbaum“ verwendet und geschmückt werden. In der Burg werde man weiter an dem Ausräumen mithelfen, bis es ein Konzept für die Gestaltung und Nutzung gibt.

Für den Hauptausschuss des Vereins berichtete Wilhelm Maes von 606,5 geleisteten Ehrenamtsstunden, die statistisch gesehen von insgesamt 182 Personen geleistet wurden. „Meistens sind es aber die gleichen Personen“, machte er deutlich.

Die Aufgaben umfassten den Abbau der „Burgzauber“-Hütten und der Weihnachtsbeleuchtung, die Mitgestaltung des Karnevals, das Osterfeuer, die Reinigung des Burghofes, das Maifest, die Bepflanzung und Bewässerung der Beete.

Außergewöhnlich waren 2018 die vermehrten „Nassmacher“-Touren für die Beete aufgrund der Hitze und der Bau eines „Insektenhotels“. Man habe auch die entwendeten „Frösche“ am Froschbrunnen wieder zurückbekommen und mit Unterstützung von Theo Vloet auch wieder eingesetzt bekommen.

Und die Gedenkplatten am Friedhof wurden mit Hilfe einer 1.000-Euro-Spende der Volksbank aufbereitet, sagte Maes, der danach sein Amt als Organisator der Gruppe niederlegte. Bernd Reintges wird diese Aufgabe in Zukunft wahrnehmen.

Für die Internet- und die Geschichtsgruppe hatte Joachim Bracke „keine spannenden Berichte“ weiterzugeben. Er hob die Spende der Verbandssparkasse hervor, die dem Verein einen Dokumentenscanner zur Verfügung gestellt hat: „Das hilft bei der Digitalisierung des Archivs ungemein.“

Karl Gesthuysen hatte schon 2018 angekündigt, die Radgruppe zukünftig nicht mehr zu 100 Prozent alleine weiterzuführen. Unterstützung bekommt er jetzt von Peter Koppers, der den Bericht über die insgesamt zehn Touren vortrug und auf die erste 25-Kilometer-Tour am 20. März nach Weeze hinwies.

Zur Person

Hans-Gerd Ripkens hatte von 2015 bis 2018 das Amt Geschäftsführer des Heimatvereins inne. Er habe sich „angeboten, nachdem man mich gefragt hat“, machte der neue Vorsitzende seine Ziele deutlich: „Ich wünsche mir mehr Mitgliederbeteiligung. Wir haben auch junge Mitglieder.“

Ripkens zeigte sich überzeugt davon, dass mit den drei Leute im Kern-Vorstand – neben Holtmann wurde auch Kassierer Werner Frasczak wiedergewählt – die Arbeit nicht an einer Person kleben bleiben wird. „Jede Entscheidung wird von uns Dreien zusammen getroffen.“

Das zu stärken, was im Heimatverein da ist, sei erstmal ein Ziel, so Ripkens. „Und wir müssen versuchen, im Ort die Vereine viel mehr zur Zusammenarbeit zusammenzuführen. Das ist eine Katastrophe.“

In den 20 Jahren als Mitglied im Heimatverein Twisteden, wo er auch ein Vierteljahrhundert gewohnt hat, habe er eine andere Erfahrungen gemacht. „Die sind da ganz anders aufgestellt.“

Langfristig schwebt ihm die Teilnahme am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ vor, die im Heimatverein schonmal thematisiert worden ist: „Aber da muss das ganze Dorf mitmachen.“