Money-Check an der Realschule

Die Mensa der Realschule war gut gefüllt, nachdem die Zehntklässler zur Übergabe der Zertifikate und der offiziellen Feierstunde ihre Plätze eingenommen hatte. Einer von ihnen war der 16-jährige Jens. Sein Fazit: „Es war ganz interessant. Ob es zwingend was gebracht hat, muss man sehen.“
Das, was der junge Mann so „ganz interessant“ nannte, waren vier Schultage vor den Sommerferien, als die damaligen 109 Neuntklässler der Realschule jeweils für zwei Tage von Mitarbeitern der Volksbank und der Schuldnerberatung der Caritas aufgesucht wurden. Unter dem Projekt-Titel „Money Check“ wurden verschiedene Themen rund ums Geld angesprochen: Haushalts- und Budgetplanung, Vertragsgestaltung, Kreditverträge und Online-Banking.
In den Gruppen seien Inhalte vermittelt worden, die „exorbitant wichtig für Euch sind“, verwies Schulleiter Tobias Jaschke darauf, dass man „mit einem Klick einen Vertrag abschließt, hinter dem sich drei verbergen“ können. Man könne nicht Schüler aus der Schule entlassen „ohne das Grundwissen, was man da macht und wie man sich da organisiert“ – zum Beispiels, wenn es die Finanzierung einer Mietwohnung gehe.
Prävention ist besser als Schuldnerberatung
„Prävention ist besser als Schuldnerberatung“, unterstrich Caritas-Sprecher Tobias Kleinebrahm. Dabei ging es unter anderem um so praktische Fragen wie: „Wie gerät man in eine Schuldenfalle?“, „Wann schließen ich einen Handyvertrag ab?“
Anhand offener Handyrechnungen habe sich gezeigt, „wie sich Forderungen erhöhen, aus 200 plötzlich 1200 Euro werden können und welche Vollstreckungsmaßnahmen dann zu erwarten sind“, ergänzte Projektleiterin Andrea Verhoeven. „Wir haben viel diskutiert, und einige haben sich da echt erschrocken.“
Ein Drittel aller Schuldner unter dreißig Jahren könne seine Schulden nicht mehr bedienen, betonte Caritas-Insolvenzberaterin Maria Tekath. Entsprechend sei es wichtig gewesen, solche Dinge anzusprechen wie: „Was entstehen für Kosten bei der eigenen Wohnung, passt es zum Einkommen?“
Interessanter Erfahrungsaustausch
Das Bankgeschäft habe sich verändert, man könne heute schlechter den Überblick über seine Finanzen behalten, unterstrich Volksbank-Vorstandsmitglied Johannes Janhsen, wie wichtig das Erlernen von eigenständigem Umgang mit Geld für junge Leute heute sei.
Für die Volksbank-Mitarbeitern Andrea van Doornick und Heiner Vos, die mit der Kollegin Katrin Klenner in den Klassen waren, waren die Beratungstage eine spannende Erfahrung. „Es war mal was Anderes, teilweise sehr lebhaft und engagiert“, hätten sie die Schüler als sehr interessiert erlebt. Und noch etwas ist bei Heiner Vos hängengeblieben: „Die wissen teilweise nicht, was ein Konto ist. Manche hatten keins – oder eben keine Erfahrung damit. Sie bestellen aber alles über das Internet.“
In einem kurzen Grußwort lobte Margret Vosseler als Schirmherrin des Projekts das Engagement der beiden Institutionen und die Bereitschaft der Schüler, aktiv mitzuwirken. „Wer im Kleinen nicht lernt zu wirtschaften, kann das im Großen später nicht umsetzen.“ Sie habe selbst in ihrem „vorherigen Leben“ Hauswirtschaft studiert und so den Bezug zu Geld gelernt, warb sie „für ein eigenständiges Schulfach Hauswirtschaft oder Verbraucherbildung an Schulen“.
Die meisten Schüler äußerten sich positiv über das, was sie in den vier Tagen an Information erhalten hatten. „Dass wir Verträge von realen Personen bekamen, die da Sachen echt abgeschlossen haben und in der Schuldenfalle drin waren“, habe ihn überrascht, meinte der 16-jährige Celal, den alle nur „Cano“ nennen. Was er gelernt hat? „Wie man mit Geld umgehen kann. So können wir das sicher besser und wissen, was wir machen sollten.“
„Das war schon wertvoll für mich“, hatte der 16-jährige René mitgenommen, „wie gefährlich Onlineverträge sind und wie versteckt so was sein kann. Ich werde in Zukunft vorsichtig sein und Verträge genau durchlesen.“ Der 15-jährige Robin hatte schon im Sozialwissenschafts-Unterricht mit dem Thema zu tun gehabt. „Aber fürs Vertiefen war es echt ganz gut.“