Gemeinsam gegen Corona

Meine Blutsfreundschaft mit Astra Zeneca

Foto: bee

KB-Herausgeber Rudi Beerden hat die erste Impfung gegen Corona hinter sich und berichtet über seine Erfahrungen als Angehöriger der Gruppe „Best-Ager-Plus“.

Gestern war es soweit. Meine Blutsfreundschaft mit dem Stoff, aus dem Immunität gegen dieses verdammte Virus entsteht, wurde besiegelt.

Mit der offiziellen vorzeitigen Freigabe des Astra Zeneca-Impfstoffs für die „Best Ager-Plus-Gruppe“, wurde der sehr knappe und begehrte Impfstoff auch für mich verfügbar.

(nach Wikipedia: sind mit „Best Ager“ die über Fünfzigjährigen gemeint, da ich mich jedoch weigere in die nächst höhere Kategorie „Senior*innenen“ einsortiert zu werden, habe ich die Zwischenklasse der „Best Ager-Plus-Gruppe“ kreiert).

Über diese, von den politischen Akteur*innenen in Berlin getroffene Entscheidung, war ich sehr glücklich. Also versuchte ich an dem Samstagmorgen, als die Terminvergabe freigeschaltet war, mein Glück. Da ich Telefonhotlines, mit diesen doofen Ansagetexten und Wartezeiten, wirklich hasse, habe ich um Punkt 9 Uhr die entsprechende Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein aufgerufen, um mir meinen Termin zu reservieren. Natürlich ohne Erfolg. Denn es wollten hunderttausende „Best Ager Plus“, die keine Corona-Leugner*innen sind, auch einen der begehrten Wunschtermine ergattern, obwohl dieses Vakzine in den letzten Wochen an Reputation verloren hat. Nichts ging, über Stunden. Ähnliche Erfahrungen hatte ich zuletzt, als ich für meine Älteste und mich Tickets für die erste Parookaville-Party in Weeze buchen wollte. So wie damals habe ich es dann irgendwann aufgegeben und den restlichen Samstag genossen.

Am späten Abend, es muss nach 22 Uhr gewesen, da dachte ich mir „probiere es noch mal“ und tatsächlich, ich war drin. Drin im Buchungssystem und es gab noch wenige Termin für das Impfzentrum in Geldern. Alles lief glatt und meine heiß ersehnte Buchungsbestätigung landete in meinem Emaileingang.

Als ich meiner Familie zum sonntäglichen gemeinsamen Frühstück eröffnete, dass ich einen Impftermin gegen das Virus habe, da schauten sie mich zunächst verdutzt an und wollten wissen, wie ich diesen denn bekommen hätte. Schließlich sei ich doch noch zu jung, um den vorbeugenden Stoff zu erhalten. Als die Erkenntnis im meinem von Frauen dominierten Haushalt reifte, dass ich mich tatsächlich mit AstraZeneca impfen lassen wollte, entwickelten sie Sorge, eine Sorge um mich und dass ich womöglich durch die Impfung Schaden nehmen könnte. Schließlich gab es dazu Berichte mit schlimmen möglichen Nebenwirkungen.

Vom Positiven getrieben

Da ich in meinem Leben immer vom Positiven getrieben bin, sah ich die Chance der frühen Impfung und nicht die Probleme, die irgendwo in dieser Welt mit diesem Impfstoff möglicherweise aufgetreten sind. Es war die Chance, mich und andere zu schützen.

In den Tagen vor dem näher rückenden Impftermin gab es hin und wieder Nachfragen meiner Lieben, ob ich das denn immer noch wolle, sie wären doch in Sorge, um mich und meine Gesundheit. Am Abend vor dem Termin schlugen diese Bedenken in Zustimmung um. Meine Frau hatte eine Begegnung mit einer professionellen Senioren-Pflegekraft, die ihr sehr deutlich von ihren täglichen beruflichen Erfahrungen berichtete und welchen ungeheuren Schaden, Leid und Tod dieses Virus bringt. Ihr Credo war „impfen, impfen und nochmal impfen, nur so können wir uns und andere davor schützen“.

Entspannung im Impfzentrum

Im Gelderner Impfzentrum lief alles ganz entspannt ab. Nette Leute im Service, die mir halfen den Wust an Papier zu bewältigen, denn ohne Bürokratie lässt sich das Virus scheinbar nicht besiegen. Ein sympathischer Arzt nahm mich in Empfang und eine ebenso nette und erfahrene Arzthelferin/Krankenschwester, die mir meine reservierte Dosis geben sollte.

Ich dachte bei mir, „wann macht die denn endlich?“. Dabei war sie schon fertig. Den Einstich habe ich nicht gespürt. Pflästerchen drauf, fertig. Das war‘s.

Danach noch ein nettes Pläuschen mit dem Doc und die obligatorischen 15 Minuten warten, ob man allergisch reagiert. Im Wartebereich waren weitere geimpfte Menschen, den man ansehen konnte, dass sie sichtlich erleichtert waren, so wie ich auch.

Zuhause angekommen wartete ich auf die möglichen Reaktionen meines Körpers und des Immunsystems. Zuvor hatte ich mich bei anderen, die sich damit haben impfen lassen, schlau gemacht, wie es ihnen ergangen war. Es war alles dabei, von nichts bis Kopfschmerz oder Schwellung der Einstichstelle bis hin zum Schüttelfrost und Fieber. Bei mir geschah jedenfalls nichts, wie bei allen Impfungen, die ich in meinen Leben erhielt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich diese Blutsfreundschaft, mit dem neuartigen Vakzine, eingegangen bin und hoffe, dass bald noch viele Menschen folgen werden/können. Ob mit Astra Zeneca oder mit einem der anderen Impfstoffe, Hauptsache man lässt sich impfen und hält sich weiter an die AHA-Regeln, nur so können wir gemeinsam das Virus wirksam bekämpfen.