Logistiker wollen in die Region

„Wir wollen früh anfangen, dann können wir auch früh Schluss machen“, begrüßte der Kevelaerer Bürgermeister Dominik Pichler die Vertreter der Wirtschaftsförderung des Kreises Kleve und die anwesenden Unternehmer, die der Einladung zum Frühstück und zum Austausch gefolgt waren.

„Ich freue mich, dass wir an der Stelle weiterkommen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, formulierte er angesichts der deutlich zurückgegangenen Übernachtungszahlen von unter 100.000 – auch wegen des Sporthotels – die Notwendigkeit, mit dem neuen Rilano-Hotel „gegenzusteuern“, zu dessen Grundsteinlegung auf der Hüls er später aufbrach.
Anschließend äußerte sich der SPD-Politiker noch zu weiteren Themen des Wirtschaftsstandortes Kevelaer und zur Stadtentwicklung. An der Hauptstraße könne man nicht so schnell bauen, „wie wir uns das vorstellen. Das hat mit Dingen zu tun, die unter der Erde liegen, wo Leitungen liegen, die da nicht liegen sollen.“ Er gab sich zuversichtlich, dass die Maßnahme „möglichst früh im August“ fertig werden kann, „um die ziemlich gebeutelten Einzelunternehmer“ dort wieder in die Spur zu kriegen.

In Sachen Vorentwurfsplanung für den Kapellenplatz, den Johannes-Stalenus-Platz und den Luxemburger Platz machte Pichler noch mal die Position zum Kapellenplatz klar. Die Stadtplanerin sei im Gestaltungsbeirat gewesen „und hat sich dort eine deutliche Meinung geholt, auch von Politik und Verwaltung, dass das, was sie vorgestellt hat, so keinesfalls konsensfähig ist“.

Die Ausrichtung sei, „dass es darum geht, am Kapellenplatz und am Luxemburger Platz die Bäume und den Charakter des Platzes zu erhalten“. Grundlegende Veränderung des Platzes machten nur Sinn, „wenn sich eine stadtplanerische Verbesserung ergibt. Und die sehen wir nicht.“

Pichler verwies auch auf andere „weiche“ Standortfaktoren wie den Solegarten als Naherholungsgebiet, für die die Grundsteinlegung erfolgt ist, und das Medizinische Versorgungszentrum, das auch mittelfristig für die ärztliche Versorgung und den Krankenhausstandort Kevelaer wichtig sei. In dem Kontext zeigte er sich gespannt auf die Fahrt der Bürgermeisterkonferenz nach Berlin, wo es zum Treffen mit Gesundheitsminister Jens Spahn zum Thema ärztliche Versorgung im ländlichen Raum gehe.

Die weitere Vollzeitstelle im Bereich Wirtschaftsförderung, die die Politik über eine Lenkungsgruppe genehmigt hat, werde dazu beitragen, „eine bessere Bestandsunternehmerbetreuung hinzukriegen“ und die Ansprüche dort „besser zu befriedigen als bisher“.

Lob für Kevelaer

Und in Sachen Gewerbeflächen sei über die Projektgruppe klar, dass Betriebe etliche Quadratmeter benötigen, um sich zu erweitern. „Wenn wir sehen, wo Potenziale sind, wollen wir als Matchmaker fungieren“, stellte Pichler klar.

Die Deutsche Glasfaser sei ein „schieres Ärgernis“, nicht nur was die Versorgung der Ortschaften angeht, bezog er sich insbesondere auf Kervenheim. „Gucken Sie sich an, wie sie da die Straßen hinterlassen haben. Das muss man erst mal so hinkriegen.“ Deswegen habe man die Firma verpflichtet, „dass sie die anderen erst anbinden dürfen, wenn sie in Kervenheim wieder einigermaßen Ordnung geschaffen haben“, machte der Bürgermeister deutlich. „Das bedeutet aber nicht, dass das Gewerbegebiet Ost nicht eingebunden werden könnte“, trat er entsprechenden Gerüchten entgegen.

„Die Leitung muss durch Winnekendonk und wir wollen nicht, dass sie dort beginnen, bevor sie sich Kervenheim verlustig gemacht haben.“ Die Hauptleitung durch Winnekendonk sei seit Wochen genehmigt. „Der Ball liegt in dem Fall klar im Feld der Deutschen Glasfaser. Und ich kann nur hoffen, dass sie sich bewegen.“

Der Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, Hans-Josef Kuypers, verteilte Lob an Kevelaer für die zweitbeste Steigerung bei der Beschäftigungsquote im Kreis. Da sei nur Geldern besser. Die Lage der Hotellerie habe der Bürgermeister bereits beschrieben, 48 von 404 Ferienwohnungen im Kreis lägen in Kevelaer. „Wir sind froh, das es mit dem Tourismus deutlich weitergeht“, erwähnte er in dem Kontext auch die Touristikmesse, die von Rheinberg nach Kalkar gekommen ist.

Kuypers verwies auf die diversen Impulse im Kreisgebiet – von der Hoffnung auf neue Gewerbegebiete in Goch und Weeze über das neue Gewerbegebiet Issum und dem Versuch Gelderns, Einzelhandelsflächen mit Finanzspritzen zu vermarkten. „Das ist völlig neu im Kreisgebiet.“

Es gebe allein im Bereich Logistik Anfragen für 100 Hektar Fläche. „Wir haben also doch in der Randlage des Ruhrgebiets die Chance, etwas für uns zu bewegen.“ Was nicht unbedingt für Kevelaer eine Botschaft sei: „Es ist eher nicht zu glauben, dass man neben Kevelaer ein großes Logistikzentrum hat, wo die Fahrzeuge zwanzigmal durch Winnekendonk fahren.“
Kuypers machte aber noch mal deutlich, dass die Hochschule Rhein-Waal „mehr Aufmerksamkeit auch aus Kevelaer verdient“ hätte. Unternehmen aus anderen Städten seien da schon aktiver in Kontakt. „Seien Sie dabei – es macht Sinn. Sie wurde deswegen gegründet, um junge Leute hier zu binden.“

Das Frühstück endete mit einem dreiviertelstündigen Vortrag des Klever Agenturleiters Frank Wöbbeking zum Thema „Digitale Medien“. Da befinde man sich in einer Übergangsphase. Die „klassischen“ Medien gingen zurück, aber es gebe noch immer 14,7 Millionen Deutsche, die Zeitung lesen. Fachmedien wuchsen an wie auch das Internet. „Soziale Medien sind nur eine Form der Kommunikation.“