Liebe, Frieden, Respekt

Am Ende erhoben sich zahlreiche Zuschauer, um dem Mann und seinem Pianisten langanhaltend für seinen Vortrag zu applaudieren. In den eineinhalb Stunden zuvor hatten Marc Marshall und sein „Orchester“, der Pianist René Krömer, dafür gesorgt, dass ihr musikalisches Können eine Reihe von fast intimen, stillen Momenten schuf, in denen man ein echtes Gefühl für das Herannahmen der Weihnacht bekommen konnte.

Das begann mit dem Betreten des Saales vom hinteren linken Eingang aus und dem zunächst auf dem Weg a-capella vorgetragenen „Maria durch ein Dornwald ging“, das Marshall mit einer Inbrunst sang, als wolle er das allerletzte Lied des Konzerts zum Besten geben.

Auf der Bühne setzte er das Lied fort, ehe er an das Mikrofon am Pult trat und das Publikum dazu einlud, „mit uns zu singen, mit uns zu fühlen, zuzuhören, fröhlich zu sein, aber auch ein bisschen nachzudenken.“ Denn „Liebe, Frieden und Respekt, das sind die Begriffe, die für mich ganz wichtig sind für ein harmonisches Miteinander. Und genau daran erinnert uns Weihnachten.“

Anschließend präsentierte das Duo einen Mix aus traditionellen, bekannten und weniger bekannten Weihnachtsliedern, dazu Texte, „die Familie und Freundschaft ehren“ , wie Marshall betonte. Die sehr natürliche Stimme Marshalls und der einfühlsame Krömer an den Tasten ergänzten sich dabei hervorragend.

Klassisch ging es los mit „Kling Glöckchen klingeling“ , „Es ist ein Ros entsprungen“ oder „Kommet ihr Hirten“, das im Zwischenteil ein spannungsgeladenes Tremolo-Piano und ausladenden Gesang zum Schluss erfuhr.

Das Publikum sang mehrmals mit

Beeindruckend geriet die von seinem Pianisten geschriebene, nostalgisch anmutende Komposition „Als ich ein Kind war“. Marshall warb später für den Kauf seiner Kerzen zugunsten der diversen Kinder-Organisationen, die er als Künstler mit unterstützt.
Marshall bezog das Publikum mehrmals beim Singen mit ein – ob es sich nun um „Oh Tanne-baum“ handelte („Sie haben sich schon sehr, sehr gut bewährt, das werde ich weiter ausnutzen“) oder um einen feierlichen Gospel wie „Jehova – Hallelujah – The Lord will provide“. Zwischendurch erinnerte er sich an seine Kindheit, wo er selbst noch „mit dem Vater in den Wald zum Baumschlagen“ ging und die „Bäume mit Lametta und echten Kerzen geschmückt“ waren. Und er dachte laut an die Gerüche der von der Mutter fertiggestellten „Butterbackes“, die er zum Ärger seiner Mutter „als Kind in kalte Milch hineinbröselte“ – und ließ sich nicht nehmen, das gesamte Rezept inklusive Herstellung zu verraten.

Intime Stille schuf Marshall bei „Danny Boy“. Berührend war dann der Vortrag des Textes „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey als „Text zum Thema Freundschaft“ und der Sänger verband diesen mit dem wunderbaren Carole-King-Song „You´ve got a friend“.
Gemeinsam spielten der frühere Udo-Jürgens-Pianist und der Schlagerstar-Sohn dann das zauberhafte „Glaub an mich“ des Jürgens-Komponisten Wolfgang Hofer und Marshall machte das Stück mit seiner Stimme einfach nur „groß“.

Mit Anselm Grüns Text „Der Engel des Friedens“ und den Zeilen „Frieden ist nicht einfach machbar, sondern immer ein Geschenk, mit dem der Mensch verantwortlich umgehen muss“ sorgte Marshall für Nachdenklichkeit – und für Gelächter mit „Der Weihnachtsbaum spricht“ von Klaus Peter Schreiner.

Ungeheuer stark war die Interpretation von John Lennnos „Imagine“ . Bei „Amazing Grace“ summte das Publikum ergriffen mit, während Krömer die Mundorgel als dezentes Instrument verwandte. „Wir fühlen uns sehr beschenkt durch diesen Abend – frohe Weihnachten“ , meinte Marshall zum Ende.

Das Duo verabschiedete sich dann mit „The first Noel“ – und einem mal swingigen, mal jazzig anmutenden, knackigen Potpourri aus Weihnachtssongs wie „Santa Claus is coming to town“, „Frosty the Snowman“, „Jingle Bells“ und dem feierlichen „When a child is born“.