KvGG-Schulleiter Karl Hagedorn geht in den Ruhestand

Sein persönliches „Farewell“ hatte der 65-Jährige in Corona-Zeiten für sich schon in der Woche zuvor anders gestaltet. „Ich bin letzte Woche durch die Klassen gegangen, habe mich verabschiedet und habe Schokolade und alles Mögliche verteilt.“ Da sei dann das erste Mal das Gefühl aufgekommen, „das ist die letzte Aktion, die du hier machst.“ Jetzt kommen die Ferien, Unterricht ist nicht mehr. „Ich gehöre nicht mehr dazu“, sagt er ganz entschieden für sich. „Bei der Planung für 20/21 war es so, dass ich da nur noch beraten habe. Das ist der Zahn der Zeit, das kommt irgendwann. Und jetzt ist halt Ende.“

Der gebürtige Meidericher, dessen Vater Bahnhofsvorsteher war und dessen Mutter eine kleine Weißwäschereifirma betrieb, der in Laar zur Grundschule ging und später nach dem Umzug der Eltern nach Rees-Empel auf das Emmericher Gymnasium, hat eine bewegte Schulkarriere hinter sich gebracht.

Nach dem viereinhalbjährigen Lehramtsstudium an der Gesamthochschule Duisburg war er bereits mit 26 Jahren Studienrat und arbeitete am Andreas-Vesalius-Gymnasium in Wesel – bis 1989/90. Dann ließ er in Deutschland „alles stehen und liegen“ und ging mit seiner Frau und den zwei Kindern für sechs Jahre nach Südafrika. „Wir wollten da gar nicht hin. Wir haben mal die Idee gehabt, nach Mexiko an die deutsche Schule zu gehen.“ Die Bewerbung über das Schulverwaltungsamt ergab, dass alle Stellen weg waren. „Das Amt schlug mehrere andere Länder vor, auch Südafrika. „Wir hatten dann Gespräche mit Rückkehrern  und dann ‚Blut geleckt‘, den Wandel dort mitzumachen. Da war Nelson Mandela noch im Gefängnis.“ In Südafrika wurde auch der jüngste Sohn geboren.

Der Rassismus, der war in der Schule in Kapstadt nicht so leicht zu überwinden. Fasziniert verfolgte er dort die Wahl Mandelas zum Präsidenten, den WM-Sieg der Rugby-Mannschaft, wo Mandela deutlich machte, auch die Weißen anzuerkennen. „Das war politisch klasse. Man ließ sich von der Stimmung tragen. Da passiert was Neues, das war schon toll.“ Für den Beruf nahm er mit, „dass man an einer Sache orientiert arbeiten muss, bis sie zufriedenstellend fertig sind. Und wenn irgendwas nicht funktioniert, muss man immer einen Weg suchen und niemals klagen.“ Und man habe das soziale Netz in Deutschland und die Vorteile zu Hause schätzen gelernt. „Es ist nicht alles perfekt, aber unser demokratisches Wesen ist weit entwickelt. Das merkt man dann.“

Der Reiz der Verantwortung

Danach folgten nochmal zweieinhalb Jahre am Weseler und drei Jahre in Rees am Gymnasium. „2001 kam die Gelegenheit, stellvertretender Schulleiter zu werden. „Das war der Reiz, Verantwortung zu übernehmen.“ Er organisierte die innere Struktur. Es erfolgten mehrere Umbauten. „Das Gymnasium war damals sehr renovierungsbedürftig“, sagt Hagedorn. Und als Schulleiter konnte er noch weiter an einem „heute sehr schönen Gymnasium mit Außenfassaden und vielen weiteren Umbauten“ arbeiten. Was sich für den Mathe- und Physiklehrer in der Zeit geändert hat? „Vor 20, 30 Jahren stand der Unterricht im Vordergrund und hatte bestimmte Fakten, die man wissen musste. Heute versucht man, dieses Kompetenzmodell, die Interessen des Schülers strikter fachorientiert mit einzubinden, damit er Lösungswege findet.“

Ob er ein guter Lehrer gewesen sei? „Fragen Sie die Schüler, die mich gut fanden, die anderen alle eher nicht. Manchmal war ich vielleicht zu fordernd, wollte mehr von den Schülern, als sie wollten. Es gibt bestimmt bessere Lehrer als mich“, sagt er. Er habe aber gerne unterrichtet. Was die Schüler betrifft, bereite ihm der ganze „Handy- und Techno-Kram“ Sorgen, „der dazu verleitet, sich sozial zu isolieren. Andererseits nutzen viele das schon heute und sie reifen darüber zu Persönlichkeiten schneller heran, sind abgeklärt durch die Zugangsmöglichkeiten, die sie haben. Dadurch können sie viel einbringen, das ist super. Das hat es früher nicht gegeben.“

Auch nach der Schulzeit wird ihm nicht langweilig werden, da ist er sicher. „Viel Basteln, gemütlich reisen, sich irgendwo engagieren und Enkelkinder pflegen, was ältere Leute so machen. Den Garten pflegen.“ Sein Traum ist es, „nochmal über den Atlantik zu fliegen, eine Radtour quer durch Deutschland, den Europawanderweg nutzen. Es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt.“