Kreissportbund hofft auf bessere Zeiten

Corona war eins der bestimmenden Themen der Mitgliederversammlung. Lutz Stermann als Präsident im Amt bestätigt

Lutz Stermann (3.v.r.) wurde im Amt bestätigt. Foto: AF

Der Alte ist auch der Neue: Lutz Stermann wird für zwei weitere Jahre die Geschicke des Kreissportbundes Kleve führen. Er führt den Verband seit 2008. Auf der Mitgliederversammlung des Verbandes sprachen ihm die anwesenden Vereinsmitglieder einstimmig ihr Vertrauen aus, nachdem die Versammlung trotz defizitärer wirtschaftlicher Bilanz 2019 mit über 11.600 Euro Minus und einem Haushaltsentwurf für 2020 von minus 27.000 Euro den Vorstand entlastet hatte.

Unterdeckung abgedeckt

„Mit der Beitragserhöhung von heute – plus 40 Cent bei 96.000 Mitgliedern – haben wir mit 24.000 Euro die Unterdeckung in diesem Jahr schon abgedeckt“, sagte er nach Abschluss der über dreistündigen Versammlung. „Wir tragen aus der Vergangenheit aber immer noch was mit uns rum. Das wollen wir dadurch aus-gleichen, daß wir mit dem Kreis zu einer besseren einvernehmlichen Regelung kommen“, sagte Stermann im Anschluß gegenüber dem KB.

„Wenn man sieht, dass die Jugend da nur mit einem Cent da gefördert wird, dann ist das nicht mehr zukunftsadäquat.“ Man werde bei der Politik Druck machen – und die neue Landrätin, die bei den Diskussionen zur Wahl dahingehend Signale gegeben hatte, beim Wort nehmen.

Vor dem Hintergrund verlief auch die Diskussion über den Vorstandsantrag, die Mitgliedsbeiträge von 60 Cent auf einen Euro pro Mitglied zu erhöhen. Er habe sich jahrelang dagegen gewehrt. Die Erkenntnis sei aber im gesamten Vorstand gewachsen, dass es ohne eine Erhöhung, die vor zwei Jahren noch mehrheitlich abgelehnt worden war, nicht mehr gehen kann, sagte der Vorsitzende. Der Vorstoß wurde leidenschaftlich und durchaus kontrovers diskutiert – insbesondere aus den Gelderner Vereinen kamen kritische Stimmen, die in Corona-Zeiten, wo es den Vereinen selbst nicht so gut geht, eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge nicht für angemessen hielten.

Aber auch die Frage, wie man zukünftig einen hauptamtlichen Geschäftsführer finanzieren soll, wurde angesprochen. „Bei Zuschüssen halten wir die Hand auf, aber 40 Cent wollen wir nicht zahlen – das ist pharisäerhaft“, meinte eine Stimme. Am Ende sprach sich eine sehr deutliche Mehrheit bei wenigen Nein-Stimmen für diesen Schritt aus.

Die Mitglieder verabschiedeten auch einen Vorstandsantrag, nachdem für das Nichterscheinen bei den Mitgliederversammlungen zukünftig Bußgelder fällig werden. Bei der Diskussion mit den Landratskandidaten seien gerade mal 12 Prozent der Vereine erschienen. „Das tat uns weh. Wir müssen hier andere Wege gehen“, sagt Stermann.
Emotionaler Höhepunkt der Versammlung war die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Günther Schlüpen. Daneben wurden Christoph Kirstein (per Videoschalte) mit der bronzenen Ehrennadel und Norbert Käfer ausgezeichnet, der als stellvertretender Vorsitzender aus dem Amt ausscheidet.

Lars Reimer im Vorstand

Neben Lutz Stermann wurden zwei weitere Vorstandsmitglieder neu gewählt – für den ausscheidenden stellvertretenden Vorsitzenden Norbert Käfer wurde Edgar Borgmann von Viktoria Goch gewählt und Und für den Bereich IT/Kommunikation wurde der Kevelaerer Lars Reimer in den Vorstand berufen.

Vor diesen grundlegenden Entscheidungen hatte der stellvertretende Bürgermeister Johann-Peter van Ballegooy für die Stadt Kevelaer die große Bedeutung der Arbeit des Kreissportbundes hervorgehoben. „Das sind Ehrenamtler , die ihre Zeit regelmäßig opfern, und es muss Strukturen geben“, lobte er „das vielfältige und wertvolle Angebot“, dass der Kreissportbund und seine Mitglieder biete. „Es ist nicht nur Sport treiben. Ich kann auch allein im Wald walken gehen, aber es ist schöner zu einer festen Zeit mit Gleichgesinnten Sport auszuüben“, sagte van Ballegooy. „Und man kann sich noch ein bisschen unterhalten, hat soziale Kontakte. Das ist das, was heutzutage in der Corona-Zeit fehlt – und das muss wieder aufgebaut werden.“

Wie die Corona-Pandemie den Breitensport in NRW beeinflusst, unterstrich die Vizepräsidentin des Landesportbundes im Bereich Breitensport, Dr. Eva Selic, in ihrem kompakt vorgetragenen Impulsreferat. Der Lockdown sei „schmerzhaft, aber eindeutig“ und richtig gewesen. Die „dezentrale, uneinheitliche Öffnung des Sports danach“ sei „schwierig und unübersichtlich“ gewesen. Die Verantwortung sei da „auf die Vereinsebene heruntergedrückt“ worden, kritisierte Selic.

Aktuell sei die Situation für den Breitensport und den Ehrenamtssport weniger kritisch, weil durch die ehrenamtliche Struktur kaum finanzielle Verluste bei den Vereinen aufträten. „Die Leute treten aktuell aus den Vereinen nicht aus, bleiben ihnen treu. Dadurch bleiben die Mitgliedsbeiträge stabil“, sagte Selic im KB-Gespräch. „Und Sportvereine, die ihre Finanzen über die Beitragsstruktur stemmen, sind unabhängig und haben demnach kaum Einnahmeeinbußen.“

Anders sehe es bei den Vereinen aus, die sich über Eintrittskarten und große Sportveranstaltungen finanzierten – in Sportarten wie Fußball, wo allein 2,1 von fünf Millionen LSB-Mitgliedern organisiert sind, im Handball oder Eishockey. „Die können aber aktuell von den Fördermitteln von Bund und Land profitieren.“

Jugendliche brechen weg

Allerdings, unterstrich Selic, brächen die Jugendlichen weg. Es bestehe die Gefahr, „eine ganze Jugendgeneration“ über Corona zu verlieren, die sowohl als Sportler nicht im Verein aktiv sind oder später auch nicht mehr als Coach oder Übungsleiter im Verein gebunden werden können.

„Die springen ja von einer Sportart zur anderen, suchen sich beim Lockdown das, was geht. Und ohne Spielbetrieb fehlt die Herausforderung. Wenn wir das über ein Jahr nicht garantieren können, fehlt uns eine Spielgeneration. Die an einen Verein zu binden, ist eine Wahnsinnsarbeit.“ Man müsse sich 2021 überlegen, wie man diese jungen Leute wieder „abholen“ kann.

Corona habe aber auch gezeigt, dass Vereine mehr als nur Orte zum Sporttreiben sind, dass es auch digital miteinander geht, aber man auf Präsenzsport aus vielen Gründen nicht verzichten kann.

Im Rahmen der Versammlung wurden auch diverse Programme vorgestellt – unter anderen Berufsorientierung für Migranten im Verbindung mit Sport und Sprache, die neu vom KSB gegründete Service-GmbH mit Stermann als einzigem Mitglied, die über Vermietung und Verpachtung die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den KSB günstiger gestalten soll.

Stermann trug auch den Sachstand des Förderprogramms „Moderne Sportstätten“ von LSB und Land vor, aus dem der Kreis für die Jahre 2019 bis 2022 5,8 Millionen Euro erhält. Bisher habe es daraus 102 Anträge aus 80 Vereinen gegeben. 4,3 Millionen Euro seien beantragt worden, 3,3 Millionen bereits an die Vereine ausgeschüttet. Für 2021 stünden noch 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, dazu tage der Vergabeausschuss am 8. Dezember.

Im Folgenden trugen Vertreter diverser Vereine wie der Luftsportverein Goch, der Verein für Voltigiersport Kalkar, Eintracht Geldern oder DJK Hüthum-Borghees vor, was mit den für sie genehmigten Geldern alles möglich geworden ist.

In seinem Vorstandsbericht unterstrich Lutz Stermann, dass man zwar mit 369 Sportvereinen und gut 97.000 Mitgliedern bei den Kreissportbünden im Land ganz oben steht, aber schon einen Aderlass von gut 40 Vereinen zu verzeichnen hab, der Trend rückläufig sei. Man sei froh, mit der Geschäftsstelle nun fest in Geldern verankert zu sein.
Ein wesentlicher Rückgang sei bei den Sportabzeichen zu verzeichnen – von 8.000 auf 4.645 im Jahr 2019. Es fehlten die Laufbahnen an den Fußballplätzen, Leichtathletik habe nicht mehr den Stellenwert wie früher.

Rückgang bei Abzeichen und Bundesjugendspielen

Und die Bundesjugendspiele würden nicht mehr regelmäßig stattfinden, weil sie zu aufwändig erschienen. „Wir brauchen neue Formate und müssen uns viele Gedanken machen, die Jugend an die Vielfältigkeit des Sportes heranzuführen“, sagte Stermann.

Geplant sei da unter anderem eine Kick-off-Veranstaltung im Mai kommenden Jahres.
Was Ausbildung und Qualifizierung angeht, konnte man coronabedingt in diesem Jahr nur eine einzige Veranstaltung durchführen. „Wir müssen noch mehr Nachwuchs generieren, um die Trainingsarbeit aufrechtzuerhalten -    auch beim Übergang vom offenen zum gebundenen Ganztag“. Man müsse Menschen für die Zeit zwischen 14 und 16.30 Uhr gewinnen.

Auch in Sachen Sportbildungswerk und Angeboten Richtung Prävention und Reha habe Corona „uns stark gebeutelt.“ In Sachen Integration habe man einen Sportwegweiser in diversen Sprachen aufgelegt, werde dieses Thema weiter „nachhaltig ausbauen“, so der Vorsitzende.