Wenn Bundesparolen die Dorfpolitik vernebeln sollen
Kommentar zum Wahlprogramm der AfD
Da flattert er ins Postfach, dieser Flyer: frisch, grell, laut – und komplett daneben. Die AfD tritt erstmals in Kevelaer zur Kommunalwahl an, hat keine bekannten Gesichter, kein konkretes Stadt-Programm, aber jede Menge große Sprüche. Zielgruppe: 16- bis 18-Jährige.
Problem: Fast kein einziger dieser Punkte kann überhaupt im Kevelaerer Stadtrat entschieden werden.
Bereits seit einigen Monaten ist bekannt, dass die AfD in Kevelaer antritt, aber seitdem tritt niemand öffentlich in Erscheinung. Web-Seite mit konkreten Inhalten; Fehlanzeige. Social Media, bisher nur eine Person.
Statt über Radwege, Jugendräume, Vereinsförderung oder den Erhalt unseres Schwimmbads zu reden, werden hier Themen wie Migration, Tempolimit und Lehrpläne platziert – alles nicht kommunale Aufgaben, sondern Landes- oder Bundespolitik. Kurz gesagt: Man versucht, euch mit „Berlin-Parolen“ zur Kevelaer-Wahl zu locken.
Faktencheck: AfD-Flyer vs. Realität in Kevelaer (alle Angaben gekürzt, leicht verständlich für Jungwähler):
- „Sicher Leben: mehr Polizei, Videoüberwachung“ Falsch: Darüber entscheidet das Land NRW, nicht der Stadtrat.
- „Wohnraum für DICH – nicht für Migranten“ Falsch: Regeln und Vergaben sind Landes-/Bundessache.
- „Schule ohne Ideologie“ Falsch: Lehrpläne kommen vom Land, nicht aus Kevelaer.
- „Gratis Bus & Bahn für Schüler & Azubis“ Teilweise falsch: Stadt unterstützt einzelne Linien, Preise macht das Land.
- „Frei fahren – kein Tempolimit, keine Verbrenner-Verbote“ Falsch: Verkehrsregeln macht der Bund.
- „Ausbildung vor Ort sichern“ Halb richtig: Plätze gibt’s, Bewerber fehlen – Stadt macht schon Aktionen wie Azubi-Speed-Dating und www.kevelaer-kanns.de.
- „ Schnelles Netz & WLAN“ Läuft bereits, Ausbauprojekt mit Deutscher Glasfaser, WLAN an Schulen vorhanden.
- „Mehr Geld für Jugend – Schluss mit Gender-Projekten“ Falsch: Neues Jugendzentrum mit Chill-Lounge & Partyraum gerade eröffnet.
- „Illegale Migration stoppen“ Falsch: keine kommunale Zuständigkeit.
Fazit: Wer AfD in Kevelaer wählt, wählt Leute ohne kommunalpolitische Erfahrung, die mit Themen hausieren gehen, die sie hier gar nicht entscheiden dürfen.
Das ist wie ein Fahrlehrer, der dir das Schwimmen beibringen will – nett gemeint, aber komplett am Thema vorbei.
Liebe Erstwähler: Macht euch schlau, bevor ihr das erste Kreuz setzt. Die Kommunalwahl ist nicht der Ort, um Bundestagsfrust abzuladen. Hier entscheidet ihr, wer über Sportplätze, Kitas, Freizeitangebote und euren Schulweg bestimmt – nicht über Grenzen oder Bundesgesetze.
Kevelaer braucht Macher – keine Parolen-Kopierer.
Anmerkung der Redaktion: Das Kevelaerer Blatt hat der AfD Kevelaer die Möglichkeit gegeben, sich und ihr Programm in der Wahlumfrage des KBs vorzustellen. Bis zur vorgeschriebenen Frist und auch danach hat die AfD sich nicht zurückgemeldet und kann daher in der Wahlumfrage des KBs nicht berücksichtigt werden.


