Kindergartenplätze weiter am falschen Ort

Starke Mangelversorgung in Kervenheim und Twisteden / Stadtweit genügend Plätze

Foto: Archiv / Johannes Kruck

Im Jugendhilfeausschuss am kommenden Dienstag stellt die Stadtverwaltung Kevelaer die Prognose für den Bedarf und das Angebot an Kindergartenplätzen in den kommenden drei Jahren vor. Ob diese Zahlen katastrophal oder ausgezeichnet sind, hängt wohl von der Sichtweise ab.

Gesetzliche Ziele erfüllt

Die gute Nachricht: Stadtweit gibt es unter Berücksichtigung der Überhangplätze ein ausreichendes Angebot, um alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Kindergärten zu betreuen. Das ist vorbildlich und mehr, als manche andere Kommune vorweisen kann. Aufgrund der neuen Gruppe, die im März 2019 in Kevelaer eröffnen wird, könnte das Angebot ab 2020 sogar ohne Überhangplätze den Bedarf leicht übersteigen.

Für Kinder unter drei Jahren erzielt Kevelaer im aktuellen Kindergartenjahr eine Versorgungsquote in Kindergärten von 28,54 Prozent. Für das Folgejahr dürfte sie etwas besser ausfallen, da der prognostizierte Bedarf leicht sinkt. Das sind zwar nicht die 35 Prozent Versorgungsquote, die der Gesetzgeber vorschreibt, aber die umfasst auch zusätzlich die Plätze in der Tagespflege – und da kommt Kevelaer auf 31 Tagespflegepersonen, die derzeit 151 Kinder, darunter 116 Kinder unter drei Jahren betreuen. Kurzum: Auch in dieser Altersgruppe erfüllt Kevelaer wie in den Vorjahren problemlos die geforderte Betreuungsquote.

Weniger rosig sieht es jedoch aus, wenn man die Zahlen nach Ortschaften aufschlüsselt. In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen sind die 59 Plätze in Twisteden seit Jahren nicht ausreichend und auch in der Prognose für die kommenden Jahre fehlen stets 13 bis 15 Plätze. Noch extremer sieht es bei den Kindern unter drei Jahren aus: Hier kommt aktuell auf einen Bedarf von 51 Plätzen ein Angebot von ganzen sechs Plätzen – weit entfernt von 35 Prozent Versorgung, gäbe es nicht noch die Tagespflege. Auch im kommenden Jahr dürfte sich daran wenig ändern. Der Anbau einer weiteren Gruppe an den bestehenden Kindergarten sei jedoch aus räumlichen Gründen nicht möglich, erklärte die Stadtverwaltung wiederholt.

Kervenheim fehlen 20 Plätze

Ähnlich dramatisch ist die Situation in Kervenheim. Für Kinder ab drei Jahren fehlen aktuell und wohl auch in Zukunft 20 bis 22 Plätze. Wie in Twisteden gibt es auch hier nur sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren, bei einem aktuellen Bedarf von 40 Plätzen – der wohl auch im kommenden Jahr ähnlich ausfallen wird. Demnach liegt die Versorgungsquote durch den Kindergarten aktuell bei 15 Prozent.

Wetten auskömmlich

Die auf dem Papier bislang ebenfalls problematische Situation in Winnekendonk hat die Stadtverwaltung elegant gelöst: Entsprechend dem bisherigen Anmeldeverhalten wird die Kindertagesstätte Marienkäfer in Schravelen künftig bei der Versorgung nicht mehr Kevelaer-Mitte, sondern Winnekendonk zugerechnet. Aus dem in diesem Jahr noch herrschenden Mangel von 50 Plätzen in der Ü3-Versorgung wird im kommenden Jahr so ein Defizit von nur noch acht Plätzen, die durch Überhangplätze abgefangen werden können. Entspannter war auch schon zuvor der U3-Bereich, wo aktuell mit 20 Plätzen eine Versorgungsquote von 22,47 Prozent erreicht wird – ohne Berücksichtigung der Tagespflege. Auch in dieser Altersgruppe dürfte die Quote sich im kommenden Jahr dank des „Marienkäfers“ verbessern.

Weitgehend auskömmlich versorgt ist eigentlich nur Wetten. Zwar fehlen auch hier in den kommenden Jahren ein bis neun Ü3-Plätze, doch das lässt sich weitgehend durch Überhangplätze abfangen. Die Versorgungsquote im U3-Bereich beträgt schon jetzt 31,58 Prozent, auch weil aufgrund einer anderen Gruppenstruktur hier zwölf statt nur sechs Plätze vorgehalten werden.

Dafür, dass dennoch alle Kinder über drei Jahren einen Platz finden, ist das Überangebot in der Stadtmitte verantwortlich. 40 Plätze mehr als dort benötigt gibt es und dank der neuen Gruppe gibt es ab kommendem Jahr 500 Plätze – bei laut Prognose sinkendem Bedarf. Dazu muss man allerdings wissen, dass in den Bedarf etwaige Zuzüge – beispielsweise durch Neubaugebiete wie auf der Hüls geplant – noch nicht eingerechnet sind. Ähnlich ist die U3-Situation: Hier erreicht die Stadtmitte bereits ohne Tagespflege ein Versorgungsangebot von 35 Prozent, Tendenz steigend. 45 der Plätze in der Stadtmitte werden derzeit für Kinder mit Behinderung, Sprachstörung oder heilpädagogischem Bedarf vorgehalten.

Stadtverwaltung zufrieden

Die Stadtverwaltung fasst die Situation so zusammen: „Insgesamt kann sowohl im Ü3-Bereich als auch im U3-Bereich im kommenden Kindergartenjahr ein solides Angebot vorgehalten werden.“ Das ist aufs gesamte Stadtgebiet bezogen richtig – viele Eltern insbesondere in Kervenheim und Twisteden dürften aber zu einem anderen Fazit kommen.