Kevelaer braucht kein weiteres Papier, das gute Absichten beschreibt. Kevelaer braucht eine klare Linie, damit die Innenstadt nicht weiter an Kraft verliert und der Einzelhandel als wichtiger Teil des Stadtlebens wieder mehr Rückhalt bekommt. Die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts ist dafür ein sinnvoller und notwendiger Schritt – aber nur dann, wenn daraus auch konkrete Entscheidungen folgen.
Denn das Problem ist sichtbar. Leerstände in der City sind längst kein Randthema mehr, sondern ein Warnsignal für eine Innenstadt, die um ihre Funktion kämpfen muss. Schon in den vergangenen Jahren wurde immer wieder beschrieben, dass Kevelaer mit ungenutzten Ladenlokalen, wechselnden Nutzungen und schwierigen Nachfolgen zu tun hat.
Kevelaer lebt von seiner Mitte
Das ist in einer Stadt wie Kevelaer besonders heikel. Als einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte Deutschlands ist die Wallfahrtsstadt auf eine starke, einladende Innenstadt angewiesen – nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die vielen Gäste, die jährlich nach Kevelaer kommen.
Wer durch die Innenstadt geht, spürt schnell: Handel, Gastronomie, Dienstleistung und Aufenthaltsqualität gehören hier eng zusammen. Wenn Läden schließen oder sich Kaufkraft an den Stadtrand verlagert, trifft das nicht nur einzelne Betriebe. Es schwächt das gesamte Gefüge, das Kevelaer für Einheimische und Besucher so attraktiv macht.
Strukturwandel ist real
Die Ausgangslage ist schwierig. Der Einzelhandel steht bundesweit unter Druck, das Einkaufsverhalten verändert sich, der Onlinehandel wächst, und gleichzeitig halten viele Menschen ihr Geld wegen steigender Preise und unsicherer wirtschaftlicher Aussichten zurück. Auch in Kevelaer wirken diese Entwicklungen längst spürbar auf die Innenstadt.
Hinzu kommen lokale Veränderungen wie die Schließung des REWE-Marktes im Kaufcenter, die neue EDEKA-Ansiedlung am Antwerpener Platz und die Modernisierung in Winnekendonk. Solche Verschiebungen sind Teil eines Strukturwandels, der für eine Stadt mit gewachsener Mitte besonders sorgfältig gesteuert werden muss.
Jetzt braucht es Taten
Gut ist, dass die Stadt die Bürgerinnen und Bürger einbinden will. Eine Haushaltsbefragung kann wichtige Hinweise liefern: Was fehlt in der Innenstadt? Warum werden bestimmte Wege gemieden? Welche Angebote würden mehr Menschen in die City ziehen? Solche Antworten sind wertvoll, wenn sie ernst genommen werden.
Doch Beteiligung allein reicht nicht. Kevelaer braucht ein aktives Leerstandsmanagement, eine klare Priorität für die Innenstadt und den Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen: Welche Sortimente gehören zwingend in die City? Wo sind ergänzende Standorte sinnvoll? Und wie lässt sich verhindern, dass zentrale Flächen dauerhaft an Bedeutung verlieren?
Eine Aufgabe für die ganze Stadt
Die Fortschreibung des Konzepts ist deshalb mehr als ein Verwaltungsvorgang. Sie ist eine Weichenstellung für die Zukunft Kevelaers. Politik, Verwaltung, Handel, Eigentümer und Bürgerschaft müssen jetzt gemeinsam daran arbeiten, dass die Stadtmitte nicht weiter ausfranst, sondern wieder stärker als Herz der Wallfahrtsstadt wahrgenommen wird.
Kevelaer hat gute Voraussetzungen: eine starke touristische Marke, eine gewachsene Innenstadt und Projekte, die Leerstände gezielt erfassen und vermitteln sollen. Genau darauf lässt sich aufbauen. Aber dafür braucht es Entschlossenheit – und den klaren Willen, den Einzelhandel nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu stärken.
Schnelle Fakten
Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts Kevelaer
- Ziel: Innenstadt stärken, Nahversorgung sichern, Einzelhandel zukunftsfest machen
- Umsetzung: cima.de
- Beteiligung: Online-Befragung, Gespräche mit Bürgern, Handel, Politik und weiteren Akteuren – geplant im 3. Qaurtal 2026
- Herausforderung: Leerstände, Strukturwandel, verändertes Einkaufsverhalten und Konkurrenz durch Onlinehandel
- Chance: Kevelaer kann als Wallfahrts- und Einkaufsstadt seine Mitte gezielt neu stärken
- Fertigstellung: geplant für das 1. Halbjahr 2027, dann erfolgt die Beratung im Rat und Offenlage des Konzepts


Anna Brouwers
Udo Fischer