Kevelaer. Wenn in knapp zwei Monaten das Konzert- und Bühnenhaus in orangefarbenem Licht erstrahlt, dann ist das keine Dekoration für die Adventszeit. Das Licht erinnert an etwas, worüber viele lieber schweigen: Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Am 25. November 2026, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, beteiligt sich die Wallfahrtsstadt Kevelaer erneut an der weltweiten Kampagne „Orange the World“ von UN Women. Und die Stadt wünscht sich, dass möglichst viele Kevelaererinnen und Kevelaerer mitziehen.
Fahne, Licht und 16 Tage Orange
Die Orange Days dauern vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. In dieser Zeit steht die Farbe Orange weltweit für den Protest gegen Gewalt an Frauen und zugleich für die Hoffnung auf eine Zukunft ohne sie. In Kevelaer wird zum Auftakt die Fahne gegen Gewalt an Frauen gehisst. Außerdem wird das Konzert- und Bühnenhaus ab dem 25. November für einige Tage orange angestrahlt.
Kevelaer steht damit nicht allein. Auch viele andere Rathäuser im Kreis Kleve und das Kreishaus beteiligen sich traditionell rund um den Aktionstag mit Fahnen und orangefarbener Beleuchtung, wie die Stadt bereits 2024 berichtete. Seit Jahren unterstützen zudem der Zonta Club Niederrhein, die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis sowie zahlreiche Institutionen, Träger und Geschäfte in Kevelaer die Aktion (Wallfahrtsstadt Kevelaer).
Jedes Fenster zählt
Das Rathaus allein soll aber nicht leuchten. Christiane Peulen, Gleichstellungsbeauftragte der Wallfahrtsstadt, ruft Vereine, Unternehmen, Institutionen und Privatleute auf, eigene Zeichen zu setzen.
Große Budgets braucht es dafür nicht. Ein orange geschmücktes Schaufenster an der Hauptstraße, eine angestrahlte Hausfassade in Winnekendonk, ein orangefarbenes Band am Vereinsheim in Wetten oder eine Kerze im Wohnzimmerfenster in Twisteden: Jedes sichtbare Zeichen macht deutlich, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen hier keinen Platz hat.
Auf der städtischen Themenseite finden sich einige Anregungen:
• Dekorieren: Fenster, Gebäude, Bänke oder andere Orte mit Licht, Farbe oder Stoffen in Orange gestalten.
• Farbe tragen: In den Aktionstagen orangefarbene Kleidung oder Accessoires anziehen, etwa im Büro, im Verein oder beim Training.
• Informieren: Plakate und Flyer auslegen, zum Beispiel vom Hilfetelefon oder von UN Women. Auch die Gleichstellungsbeauftragte stellt auf Anfrage Material zur Verfügung.
• Teilen: Ein Foto der eigenen Aktion in den sozialen Medien posten und die Stadt markieren (Facebook: Kevelaer Rathaus, Instagram: @kevelaer.rathaus). Die Stadt teilt die Beiträge gerne weiter.
So melden Sie Ihre Aktion an
Wer mitmachen möchte, kann seine geplante Aktion über das Anmeldeformular auf dem Beteiligungsportal NRW eintragen und kurz beschreiben, wie er sich beteiligt. Auf Wunsch veröffentlicht die Stadt die gemeldeten Aktionen auf ihrer Internetseite unter www.kevelaer.de/orangedayswww.kevelaer.de/orangedays. Dort gibt es auch Hintergrundinformationen zum Thema und einen Überblick, was in Kevelaer geplant ist. So entsteht nach und nach eine Übersicht, die zeigt, wie viele in der Stadt Farbe bekennen.
„Der Orange Day lenkt den Blick auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Zugleich machen wir deutlich: Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Alle Betroffenen verdienen Schutz, Unterstützung und ein Leben frei von Gewalt“, sagt Christiane Peulen.
Gewalt passiert auch nebenan
Warum eine solche Aktion auch in einer beschaulichen Stadt wie Kevelaer wichtig ist, zeigen die Zahlen. Nach Angaben von UN Women Deutschland erlebt in Deutschland jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt, das sind mehr als zwölf Millionen Frauen (Wallfahrtsstadt Kevelaer).
Rein rechnerisch betrifft das auch in Kevelaer und seinen Ortschaften viele Frauen, darunter vielleicht die Nachbarin, die Kollegin oder die Mutter aus der Kita-Gruppe.
Das Bundeskriminalamt zählte für 2024 bundesweit 265.942 Opfer häuslicher Gewalt, so viele wie nie zuvor. Gut 70 Prozent davon waren Frauen. 132 Frauen wurden im selben Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet (BKA). Und das ist nur das, was bei der Polizei ankommt. Laut der Dunkelfeldstudie LeSuBiA wird Gewalt in der Partnerschaft in weniger als fünf Prozent der Fälle angezeigt. Angst, Abhängigkeit und Scham halten viele Betroffene davon ab. Stark zugenommen hat auch die digitale Gewalt, etwa Stalking oder Drohungen im Netz.
Orange als Signal an Betroffene
Genau hier setzt die Aktion an. Ein orange leuchtendes Fenster ist mehr als eine nette Geste. Es signalisiert Frauen, die zu Hause Gewalt erleben: Du bist nicht allein, hier wird hingeschaut. Wer ein Zeichen setzt, bricht ein Stück weit das Schweigen, das Täter schützt.
Der 25. November erinnert übrigens an die drei Schwestern Mirabal aus der Dominikanischen Republik. Die Regimegegnerinnen wurden am 25. November 1960 von Militärangehörigen des Diktators Rafael Trujillo verschleppt und ermordet. 1981 wurde das Datum zum Gedenktag erklärt, 1999 erkannten ihn die Vereinten Nationen offiziell an (Wallfahrtsstadt Kevelaer).
Schnelle Fakten
Orange Days in Kevelaer
- Was: Beteiligung der Wallfahrtsstadt Kevelaer an der UN-Women-Kampagne „Orange the World“
- Wann: 25. November bis 10. Dezember 2026; Auftakt am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
In Kevelaer: Hissen der Fahne gegen Gewalt an Frauen, orangefarbene Beleuchtung des Konzert- und Bühnenhauses ab dem 25. November für einige Tage
Mitmachen: Vereine, Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen melden ihre Aktion an unter beteiligung.nrw.de/portal/kevelaer/beteiligung/themen/1016354
Infos und Übersicht der Aktionen: www.kevelaer.de/orangedays
Ansprechpartnerin: Christiane Peulen, Gleichstellungsbeauftragte, Tel. 02832 122-567, gleichstellungsbeauftragte@kevelaer.de (Wallfahrtsstadt Kevelaer)
Hilfe für Betroffene:
• Notruf Polizei: 110
• Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, rund um die Uhr, kostenlos, anonym, in 18 Fremdsprachen sowie online unter hilfetelefon.de
• AWO-Frauenhaus Kreis Kleve: 02821 12201, rund um die Uhr erreichbar; Aufnahme zu jeder Tages- und Nachtzeit, die Adresse bleibt anonym (AWO Kreis Kleve)
• Runder Tisch für ein gewaltfreies Zuhause im Kreis Kleve: www.zuhause-gewalt.de
• Freie Frauenhausplätze in NRW: www.frauen-info-netz.de
• Anonyme Spurensicherung: St.-Antonius-Hospital Kleve


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