Er kam, wie es Pastoralreferent Bastian Rütten ausdrückte, um eine Predigt zu wagen, er ging und hatte das versammelte Auditorium in Kevelaers Basilika zum Lachen gebracht. Jürgen Becker, einer der bekanntesten Kabarettisten im Lande, offenbarte am zweiten Tag der Feierwoche zum 375-jährigen Jubiläum der Kerzenkapelle (KB berichtete ausführlich) humorige und nachdenklich stimmende Gedanken zum Thema „Was heute tröstet“ zum Abendgebet. Das eine oder andere Augenzwinkern blieb zwangsläufig nicht aus.

Schon lange vor dem Auftritt des Kölner Kabarettisten hatte sich das mittlere Kirchenschiff prall gefüllt und wurde vom Organisten Elmar Lehnen an der Seifert-Orgel langsam und schließlich lautmächtig auf den bevorstehenden Auftritt Jürgen Beckers vorbereitet. Und der so Angekündigte räumte gleich mal mit einer bis dahin unumstößlichen These im christlichen Abendland auf: „Am Anfang war das Wort? Das ist falsch!“

Denn am Anfang war die Musik, überraschte der Kabarettist. Sie sei viel älter als die Sprache, gebe seit Menschengedenken dem Denken und Fühlen Struktur, und allein schon aus existenziellen Gründen seien Kinderlieder die ältesten Musikstücke überhaupt, weiß der Kölner.

Wie zum Beweis schaltete Becker mit „Backe, backe Kuchen, …“ die kognitive Powerbank der anwesenden Gottesdienstbesucher ein, worauf diese textsicher ins Lied einzustimmen wussten: „Eier und Schmalz, Butter und …“ Und dieses Lied sollte nicht das einzige bleiben, das im weiteren Verlauf gemeinsam anges…