„Ich habe es gut überstanden“

Als Marcus Plümpe am 14. März 2020 von einem Kurztrip aus dem österreichischen Obertauern nach Kevelaer zurückkehrte, hatte seine Frau bereits seine wichtigsten Sachen zusammengepackt, sein Zuhause betrat er vorerst nicht mehr. „Im ersten Moment habe ich gedacht: Meine Frau stellt sich da auch an“, gibt Plümpe zu. „Wie wir in den letzten Wochen gesehen haben, ist das keine Anstellerei. Ich bin froh, dass meine Frau so konsequent war.“ Denn bereits auf der Rückreise zeigten sich bei dem Kevelaerer erste Symptome. Wenige Tage später lag das Testergebnis vor: Plümpe hatte sich mit Covid-19 infiziert. „Gott sei Dank bin ich vor dem Test in Quarantäne gegangen“, blickt der 53-Jährige zurück. Eine Einliegerwohnung im Haus seiner Schwester habe das möglich gemacht.

Am Montag nach seiner Rückkehr suchte Marcus Plümpe das Fieberzelt am St. Antonius-Hospital in Kleve auf, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Seine Symptome waren starker Husten, Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Aufgrund der hohen Patientenanzahl vor Ort fuhr er am nächsten Tag noch einmal nach Kleve. Nach zwei Stunden Wartezeit habe er dann von den zuständigen Ärzten die Auskunft erhalten, dass er zwar gerade aus Österreich käme und Symptome aufweise, er jedoch nicht aus Tirol käme und nicht getestet werde, berichtet der Kevelaerer. Im Anschluss habe er Kontakt mit seinem Hausarzt aufgenommen, über den er den Test schließlich habe abwickeln können – mit positivem Ergebnis. „Dann wurde aus einer freiwilligen Quarantäne eine Verordnung.“

Mit der Zeit wurden auch weitere Personen, die sich auf der Reise in Österreich befanden, positiv auf das Coronavirus getestet, sagt Plümpe. Panik habe sich bei ihm mit Blick auf seine Gesundheit nicht breitgemacht. Mit seinen 53 Jahren, rauchfrei und ohne Vorerkrankungen zählt er grundsätzlich nicht zur Risikogruppe. Ängste seien hin und wieder trotzdem aufgetaucht – mit Blick auf Fälle, bei denen Patienten außerhalb einer Risikogruppe schwerer erkrankten. Mit seiner Erkrankung sei er offen umgegangen, sagt der Kevelaerer. Dennoch seien Spekulationen aufgekommen und Personen, die vor der Reise mit ihm in Kontakt waren, schrieben ihm Nachrichten mit Sorge um eine möglich Ansteckung. „Da hat sich der ein oder andere den Kopf über mich zerbrochen.“ Er könne jedoch mit Sicherheit sagen, dass er in Kevelaer niemanden angesteckt habe, da er unmittelbar nach seiner Rückkehr keinen Kontakt zu anderen Personen und sich direkt in häusliche Quarantäne begeben hatte.

Videoanrufe mit der Familie

Die Entwicklungen in Kevelaer und der Welt verfolgte Plümpe während der Quarantäne über die Medien. „Ich habe es schon so aufgenommen, dass die Leute in Kevelaer schnell reagiert haben.“ Mit seiner Frau und den Kindern habe er viel über Videoanrufe kommuniziert, „damit man dann auch die Menschen sieht, die Gesichter und Emotionen. Es ist schon komisch, wenn man so abgesondert, ohne frische Luft und Kontakt nach außen lebt.“

Seine Quarantäne-Zeit hat der 53-Jährige unter anderem genutzt, um geschäftliche Dinge zu organisieren. Plümpe ist Inhaber des Geschäftes „Augenoptik Plümpe“ auf der Hauptstraße in Kevelaer. Als dienstleistendes Gesundheitshandwerk sei der Laden zwar nicht von der verordneten Schließung betroffen, er bietet jedoch als Sicherheitsmaßnahme nur Notfalltermine nach vorheriger Absprache und unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen an. „Das händeln meine Mitarbeiter auch vernünftig“, zeigt sich der Geschäftsinhaber dankbar. Über seine Erkrankung seien diese natürlich informiert worden. „Meine Mitarbeiter haben das sehr offen aufgefasst. Ich habe das mit denen auch offen kommuniziert.“ Das eigene Geschäft beschäftige ihn sehr in der aktuellen Zeit. Er stehe in Kontakt mit den Mitarbeitern, habe während seiner Zeit daheim bereits die nötigen Schritte eingeleitet und die Zeit genutzt, um mit Banken und Steuerberatern zu sprechen. Wie die Auswirkungen für sein Geschäft am Ende ausfallen, das könne man aktuell noch nicht in vollem Umfang einschätzen.

Kein erneuter Test

Am Samstag, 28. März, durfte Marcus Plümpe seine Quarantäne beenden. Ein erneuter Test sei nicht gemacht worden, sagt der Kevelaerer. „Man wird vom Gesundheitsamt nochmal befragt und wenn man zwei Tage symptomfrei ist, geht man davon aus, dass man gesund ist.“ Plümpe ist froh, dass er nun seine Frau, die als Gynäkologin weiterhin ihrer Arbeit nachgeht, mit den sieben und zehn Jahre alten Kindern wieder unterstützen kann. Denn auch da lag eine große Herausforderung für die Familie, vor allem für seine Frau. Sie war von einem auf den anderen Tag alleine für die Kinder, die aktuell natürlich daheim sind, und ihren Job verantwortlich – ohne die Unterstützung ihres Mannes. „Da bin ich ihr sehr dankbar, dass sie das alles organisiert hat in den letzten Wochen. Ich habe meine Familie fast drei Wochen nicht gesehen.“

„Man muss verantwortungsvoll damit umgehen, wenn man es hat. Und auch, wenn man es nicht hat“, betont Plümpe. „Da möchte ich auch an alle appellieren, dass man die Maßnahmen mitträgt.“ Der Kevelaerer möchte nun nach seiner Genesung einem Aufruf des Universitätsklinikums Münster folgen. Dort werden genesene Corona-Patienten für Blutspenden gesucht. Die Mediziner wollen aus dem Blut Hyperimmun-Seren gewinnen, um daraus Abwehrstoffe zu isolieren, die Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf verabreicht werden sollen. „Da werde ich mich natürlich zur Verfügung stellen, das ist ganz klar. Vielleicht kann das Schlechte ja etwas Gutes mit sich bringen“, sagt Plümpe. „Es kann jeden bei uns im Umfeld treffen. Mich hat es getroffen. Ich habe Glück gehabt und habe es gut überstanden.“