Großer Auftritt für Kevelaerer Theaterchor

Wie schreibt man objektiv über eine Chorfahrt, an der man als Journalist und als Sänger gleichermaßen teilgenommen hat? Aufrichtigerweise scheint das schwierig. Und wie wird man einer solchen Reise gerecht, ohne jemanden unangemessen ins Licht zu stellen oder zu befangen zu sein, weil man mitgerissen wird von einem Gemeinschaftserlebnis? Die folgenden Zeilen sind der Versuch, beiden Ansprüchen trotzdem gerecht zu werden.

Wenn man spät dran ist und noch schnell die letzten Dinge zusammenpackt, bevor es losgeht, wird man schon nervös. Erleichterung stellt sich dann aber ein, wenn man feststellt, dass der Bus noch steht, man der Vorletzte ist und alle noch immer gut gelaunt sind.

80 Chormitglieder

Ankunft in Münster (Foto: aflo)

Ankunft in Münster (Foto: aflo)

Gut achtzig Mitglieder der Theaterchor-Gemeinschaft hatten sich am vergangenen Sonntagmorgen zu früher Stunde aufgemacht, um einen Tag mit viel Gesang in Münster zu erleben. Chorleiter Tom Löwenthal saß gelassen mit seiner Frau Jaqueline und dem Pianisten Arjen van Baest im Doppelbus oben in der ersten Reihe. „Ich bin nie nervös. Die Gruppe kennt die Sachen, alle haben gute Laune – da mache ich mir keine Sorgen.“ Die Mitinitiatorin des Chores, Marloes Lammerts, äußerte sich ähnlich: „Die Stimmqualität wird immer besser, wir haben superviel erreicht in diesen dreieinhalb Jahren.“

Um 9.50 Uhr hielt der Bus nahe der Hörsäle. „Die Sachen, die Ihr nicht mehr braucht, könnt Ihr bei der netten Busfahrerin hier lassen – auch den Sekt“, scherzte Christina Derix, die zweite „Ur-Mutter“ des Ganzen.

Ein paar Minuten Fußweg später erreichte die Gruppe das Gebäude, in dessen großläufigem Foyer bereits die ersten Besucher auftauchten. Nach kurzer Stellprobe verzichteten wir auf die Podeste – zu großer Aufwand – und warteten an den beiden Hörsaaleingängen auf unseren Auftritt bei dem Pilger- und Reisefreundetreffen von Emmaus.

Schmunzeln und improvisieren

600 Zuhörer beim Auftritt des Theaterchores. (Foto: aflo)

600 Zuhörer beim Auftritt des Theaterchores. (Foto: aflo)

Für Schmunzeln sorgte der „Gong“ vor dem Konzert – er ähnelte sehr dem Intro des Songs „Hells bells“ von AC/DC. Toll wirkte Jutta Stammen als Solistin, die sich in eine kleinere Frauengruppe hineinfallen ließ bei „Sometimes I feel like a motherless child“. Das Problem, dass bei den zurückgesetzt stehenden Männern bei „It´s raining men“ auf einmal einer der roten Regenschirme nicht mehr greifbar war, lösten Johannes Stammen und ich spontan mit dem gemeinsamen Festhaltens eines solchen.

Optisch und klanglich anmutig wirkten die Frauen bei Stücken wie „Talk of the town“ oder „A serenade to the stars“. Und gemeinsam für Lebendigkeit sorgte der Chor bei den Zuhörern mit dem „Chianti-Wein“ und dem „kleinen Gardeoffizier“.

Danach gab´s einen interessanten Vortrag zu einer Norwegen-Kreuzfahrt – den der Chor ja vielleicht demnächst auch mal als Unterhaltungsprogramm mitmachen könnte, wenn Emmaus „verrückt“ genug ist, uns dazu einzuladen.

Es folgte unser Peter-Kreuder-Block aus dem Februar-Konzert im Bühnenhaus mit Songs von „Musik, Musik“ bis „Für eine Nacht voller Seligkeit“. Das bis dahin etwas reservierte Publikum taute dabei langsam auf, was nicht nur an den gackernden „Hühnern“ bei dem Lied „Ich wollt‘, ich wär ein Huhn“ auf der Bühne lag – auch wenn eine ältere Frau sich bei dem Vortrag beide Ohren zuhielt; war ihr vielleicht einfach zu laut.

Emmaus-Geschäftsführer Rolf Hammecke zeigte sich „ganz begeistert. Der Chor habe ihn (fast) sprachlos gemacht: „Das war so begeisternd und mitreißend, das habe ich so noch nicht erlebt. Deshalb freue ich mich, den Chor später noch im Dom zu erleben.“

Dritter Block wurde das Highlight

Auftritt im Münsteraner Dom (Foto: aflo)

Auftritt im Münsteraner Dom (Foto: aflo)

Der dritte Block geriet dann zum eigentlichen Highlight: „Heimat Deine Sterne“ rührte genauso an das Herz der zumeist älteren Zuhörer wie „Eine kleine Sehnsucht, „The wind beneath my wings“ oder „You raise me up“.

Bei „Bella Ciao“ klemmten bei Klaus Holtappels erst die Verschlüsse vom Akkordeon, so dass van Baest am Piano solange das Intro spielte, bis sich die Verschlüsse lösten. Die erste der mitreißend klingenden Strophen intonierte Stefan Püplichuisen, für den es das erste Konzert mit dem Theaterchor war. „Mir hat es sehr gut gefallen. ich hab keine Sorge vor Menschen oder einer Bühne, aber vor‘m Singen schon. Das war neu, aber es sind da ja eine Menge Leute, die das schon länger tun, was ungemein stützt.“

Danach ging es auf in Richtung des Doms. „Ich hab‘ noch nie in der Kirche gesungen und freue mich auf den Weihbischof Lohmann“, meinte Püplichhuisen. Zuvor gönnte sich die Chormitglieder in den diversen Münsteraner Cafés eine Ruhepause – zum Kaffeetrinken und Klönen.

Zusammentreffen mit Weihbischof Lohmann

Zusammentreffen mit Weihbischof Rolf Lohmann (Foto: aflo)

Zusammentreffen mit Weihbischof Rolf Lohmann (Foto: aflo)

Im Münsteraner Dom kam Rolf Lohmann dann zum Chor, um seine Freunde über die Anwesenheit der Sängerinnen und Sänger aus seiner früheren Wirkungsstätte zu bekunden. „Schön, dass der Niederrhein hier so zahlreich vertreten ist – der Niederrhein muss hier wohl alles regeln“, meinte er mit einem Augenzwinkern und verabschiedete sich, um im Rahmen der Eucharistiefeier beim Einzug wortwörtlich „seines Amtes zu walten“.

Konzentriert ging der Chor anschließend seinen Vorproben nach, während sich der Dom nach und nach unter anderem mit den Emmaus-Besuchern füllte, die Lohmann nach seinem Einzug nochmal persönlich begrüßte.

Und so nahm der Gottesdienst seinen Lauf – mit so beeindruckenden Liedern wie „Der mich trug“, „Tibie paiom“, „Dann noch“ oder „Total praise“ während der Kollekte und dem „Segenslied“ als Uraufführung. Seinem leicht erhobenem Daumen und dem kurzen Lächeln nach jedem Lied war Tom Löwenthal anzusehen, wie zufrieden er war.

Zum Ende dankte der Weihbischof der „Verstärkung vom Niederrhein“ für die „wunderschöne Gestaltung“ des Gottesdienstes: „Da müssen wir erst nach Münster kommen, um uns hier wieder zu treffen“, sorgte sein Satz für kollektives Schmunzeln.

Ende eines wunderschönen Tages

Die Emmaus-Verantwortlichen kamen an dem Seitenschiff zum Chor, übergaben die angekündige „Überraschung“: zwei größere Körbe mit Leckerein fester und flüssiger Art, die bei der anschließenden Rückfahrt selbstverständlich ihre Abnehmer fanden.

Über die Rückfahrt breiten wir charmant den Mantel des Schweigens. Dass man nach solch einem Tag etwas feiert – wer mag es verübeln. Und am 11.11. auch mal eine ganze Runde Karnevalslieder zu singen, war der Stimmung in dem Fahrzeug keinensfalls abträglich.

Gegen 21 Uhr hielt der Bus vor dem Bühnenhaus, herzliche Umarmungen zum Abschied folgten. Eine schöne Gemeinschaft war wieder ein Stück weiter gewachsen. Und es gibt wahrlich Schlechteres, als mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, einen wunderschönen gemeinsamen Tag mit guten Menschen verbracht und mit seiner Leidenschaft fürs Singen viele Menschen unterhalten und erfreut zu haben.