Unter dem Titel „NIERSAUF, NIERSAB … Geschichten eines niederrheinischen Gewässers“ findet im Haus Ingenray der Emilie und Hans Stratmans-Stiftung, Möhlendyck 22, Geldern, vom 22. September bis zum 13. Dezember 2024 eine Ausstellung statt. Eröffnung ist am Sonntag, 22. September, 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Der Niederrhein ist geprägt durch seine Flussläufe und Flussebenen. Die Niers, als Hauptgewässer des linken Niederrheins, besitzt identitätsstiftende Bedeutung. Sie entspringt in der Jülicher Börde bei Erkelenz und durchquert auf mehr als 100 Kilometern in nördlicher Richtung den Niederrhein, bevor sie bei Gennep in den Niederlanden der Maas zufließt.

Seit jeher ein intensiv genutztes Gewässer, ist die Niers auch ein Kuriosum, ein Fluss ohne natürliche Quelle. Durch den Braunkohletagebau bei Garzweiler ist sie seit Jahrzehnten beinahe vollständig versiegt, so dass heutzutage Rohrleitungen aus den Sümpfungsgewässern des Tagebaus Wasser zuführen müssen.

Seit dem Hochmittelalter wurde die Nierssenke mit dem sumpfigen Gelände als natürliche Grenze von Herrschaftsräumen genutzt. Einst zierten ihre Ufer zahlreiche Burgen, Schlösser und Herrenhäuser.

Um ihre Wasserkraft für den Betrieb von bis zu 52 Getreide- und Ölmühlen zu nutzen, wurde die Niers seit dem 13. Jahrhundert begradigt und teilweise verlegt, um so die Fallhöhe und die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Schon damals kam es zu wiederkehrenden Überflutungen, verstärkt infolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, da der Fluss weiter kanalisiert und immer höheren Belastungen ausgesetzt war. Nicht zuletzt trug die am Niederrhein ansässige Textilindustrie mit ihren Farb- und Gerbstoffen zur Verschmutzung bei.

Viele Jahrhunderte ein fischreiches Gewässer, verkam die Niers zu einer stinkenden Kloake und erhielt daher den Beinamen „Rio Tinto“.

Aufgrund der Zunahme von Seuchen und eines wachsenden Bewusstseins für ökologische Zusammenhänge gründete sich 1927 der Niersverband, der sich seitdem um die Sauberkeit und Erhaltung des Gewässers bemüht. Ein seit den 1990er Jahren greifendes Renaturierungskonzept stellt in Teilbereichen die Lebensräume für Tiere und Pflanzen wieder her.

Aus der Sicht eines Anrainers veranschaulicht die Emilie und Hans Stratmans-Stiftung im spätmittelalterlichen Haus Ingenray die wechselhafte Geschichte des Flüsschens anhand von Dokumenten, Lithografien, Foto- und Videomaterial sowie Objekten. So entsteht ein anschauliches Bild der Niers und ihrer Bedeutung für die Region sowie der zahlreichen Versuche des Menschen, auf naturräumliche Gegebenheiten einzuwirken.
Die Ausstellung im Haus Ingenray ist geöffnet donnerstags und freitags von 11 bis 16 Uhr und zusätzlich am 9. Oktober und 13. Oktober 2024.