„Fröhliche Weihnacht“ zum Tanzen

Dass man bei einem weihnachtlichen Konzert die Lust zum Tanzen verspüren würde, hätten sich die Besucher des Dreikönigskonzerts in der Petrus-Kirche wohl nicht träumen lassen.
So erging es ihnen aber bei dem Stück „Fröhliche Weihnacht überall“. Das kam als ungewohnt bewegte Bossanova-Variante daher und sorgte für den Überraschungseffekt beim vielleicht beeindruckendsten Klangerlebnisses der Weihnachtszeit in der Wallfahrtstadt.
Bei der Musik der von Biggi Lehnen dirigierten Chöre (Cäcilia-Kirchenchor und Nettetaler Chor Kalobhri) sowie sieben Mitgliedern des Rheinischen Oratorienorchesters konnte man phasenweise den Eindruck gewinnen, als hätte der traditionelle Weihnachtssound eine echte Blutauffrischung erhalten. Klang die Musik doch klassisch-anrührend, vielfältig und teilweise auch jazzig. Die Basis dafür steckte in den innovativen Arrangements von Elmar Lehnen, der abwechselnd an Orgel, Keyboard und am Dirigentenpult mitwirkte.
Seine Klangideen gaben den Songs Natürlichkeit, Glanz, Bewegtheit und würdige Größe gleichermaßen. „Das klang mir nie fröhlich genug“, lautete sein Kommentar zur „Fröhlichen Weihnacht überall“. Die eleganten Orchester-Übergänge zwischen klassischer Klangfarbe und ansatzweise modernen, auch mal swingenden Arrangements sorgten für einen neuen Zugang zu Liedern, die viele für vertraut hielten.
Stille Nacht“ Richtung Altar
Zu dem leise-getragenen „Stille Nacht“ schritten die Sänger langsam durch die Reihen in Richtung Altar, um dann klangvoll-sanft „Heilige Nacht“ anzustimmen. Biggi Lehnen fordert bei „Heiligste Nacht“ das Publikum zum Mitsingen auf, wunderbar mehrstimmig, kanonisch erklang „Vom Himmel hoch“.
Klassisch, mit der Orgel im Spinett-Sound, ergänzten sich der Wettener Chor und die Streicher, gefolgt von modermen Klang der Musiker und dem Sopransaxofon von Christian Köhler. Das „Wiegenlied“ bot der Chor bedachtvoll, hymnisch und erhaben zugleich dar. Bewegend war der kollektive Gesangsklang aller Anwesenden bei „Adestis fidelis/Nun freut Euch Ihr Christen“, wo die Kirche fast musikalisch erstrahlte.
„Alle Jahre wieder“ geriet zum launig-gemütlichen Swing, „himmelisch und cool“ zugleich. Mit jazz-phrasierenden, versetzten Gesangslinien faszinierte das fast schwebend wirkende „O Tannenbaum“ von „Kalobhri“ die Zuhörer. Richtige Glocken ertönten in dem feinen „Süßer die Glocken nie klingen“.
So unaufdringlich-feierlich und zu Herzen gehend dürfte „Oh Du fröhliche“ im Kollektivgesang wohl selten geklungen haben. Mit zwei Zugaben und großem Applaus endete ein Konzert, das ruhig noch länger hätte andauern können.