Kennen Sie noch das Rezept der Oma für den Sonntagsbraten? Wissen Sie, warum die Bäckerei um die Ecke seit Generationen genau dieses Brot backt, oder was Ihre Eltern früher überhaupt auf den Teller bekamen?
Genau dieses Alltagswissen kann jetzt zum Schatz für ein Kind in Ihrem Umfeld werden. Am 1. September ist die 30. Ausschreibungsrunde des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten gestartet, das Thema lautet „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“.
Ausgerichtet wird der größte historische Forschungswettbewerb Deutschlands von der Hamburger Körber-Stiftung, die auf Landes- und Bundesebene 550 Geldpreise vergibt. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis zum 21. Lebensjahr, allein, in der Gruppe oder mit der ganzen Klasse – oft ist es aber ein Erwachsener aus der Familie oder der Schule, der den ersten Anstoß gibt.
Ein Thema, das satt macht – im wahrsten Sinne
Essen und Trinken klingt zunächst nach einem gemütlichen Thema, steckt aber voller Sprengkraft. Wer hatte wann Zugang zu welchen Lebensmitteln, welche Gerichte galten als Luxus, und wie fanden fremde Produkte überhaupt ihren Weg auf deutsche Teller?
Genau an solchen Fragen lässt sich, so die Körber-Stiftung, historischer Wandel besonders gut nachvollziehen, ebenso wie Machtverhältnisse, Ungleichheiten und Konflikte ihrer jeweiligen Zeit. Ein altes Kochbuch aus dem Küchenschrank der Großmutter kann dabei genauso zum Ausgangspunkt werden wie der Name einer Straße oder ein traditionsreiches Familienunternehmen.
„Schaut über den Tellerrand hinaus“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich hat zur Teilnahme aufgerufen: „Die Geschichte des Essens und Trinkens enthält keine fertigen Rezepte zur Lösung aktueller Probleme. Aber sie lässt uns Zusammenhänge verstehen und schafft Bewusstsein für die Frage, was jetzt geschehen muss, damit sich in Zukunft möglichst viele Menschen fair, gesund, umweltverträglich und klimaschonend ernähren können, ohne auf Genuss und Geschmack verzichten zu müssen. Deshalb meine Bitte an Euch: Macht mit beim 30. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, schaut über den Tellerrand hinaus!“
Stoff für Nachwuchsforscher direkt vor der Haustür
Für Schulen aus Kevelaer und den Ortschaften liegt reichlich Material bereit. Das Kardinal-von-Galen-Gymnasium und die Gesamtschule Kevelaer haben sich in der Vergangenheit bereits mit lokalgeschichtlichen und politischen Fragestellungen auseinandergesetzt – auch die fünf Grundschulen der Stadt, in Kevelaer selbst, in Twisteden, Wetten, Winnekendonk und Kervenheim, sind eingeladen mitzumachen. Konkrete Ansatzpunkte finden sich direkt vor der eigenen Haustür:
- Der Walbecker Spargel: Auch auf Kevelaerer Boden, etwa auf dem Spargelhof Baumann am Heideweg, wächst das „weiße Gold“, das 2013 mit dem EU-Siegel für geschützte geografische Angabe ausgezeichnet wurde – eine Spurensuche könnte klären, warum der Name „Walbecker Spargel“ trägt, obwohl er auch in Kevelaer angebaut wird, und was die Eiszeit damit zu tun hat.
- Pilgerherbergen und Wirtshäuser: Rund um die Basilika entstand über Jahrhunderte eine besondere Gastfreundschaft für die Wallfahrer – einst gab es allein an der Basilikastraße 18 Beherbergungsbetriebe, darunter das seit 1783 bestehende Gasthaus „Zur Brücke“ oder der „Rheinische Hof“.
- Traditionsbäckereien: Familienbetriebe wie die Bäckerei Janssen-Heursen (120 Jahre, vierte Generation) oder die Bäckerei Vloet haben Generationen von Kevelaerern und Pilgern mit Gebäck, Brot und dem traditionellen Honigkuchen versorgt.
- Ein junges Brauhaus im Schatten der Basilika: Mit „Kävelse Lüj“ braut seit wenigen Jahren wieder jemand Bier mitten in Kevelaer – ein Anlass, um der Frage nachzugehen, wie es früher um Bierbrauer und Wirtshauskultur in der Stadt bestellt war.
- Der Wochenmarkt: Am 9. August 1881 wurde er amtlich eröffnet – heute findet er dienstags und freitags auf dem Peter-Plümpe-Platz statt und erzählt viel darüber, wie sich Handel und Ernährung in der Stadt über 140 Jahre verändert haben.
- Wer durfte an die Pilger verkaufen? Bis zur Einführung der Gewerbefreiheit 1802 lag der Verkauf von Kerzen und Rosenkränzen am Kapellenplatz allein in der Hand des Klosters – eine Geschichte über wirtschaftliche Macht, die sich gut mit der Frage verknüpfen lässt, wer damals überhaupt Zugang zu Handel und Gütern hatte.
Auch ein Blick ins eigene Kochbuch der Familie oder ein Gespräch mit den Großeltern über das Essen früherer Zeiten kann zu einem eigenen Forschungsprojekt werden.
So wecken Sie das Forscherfieber bei den Kindern in Ihrem Umfeld
Niemand muss selbst Historiker sein, um ein Kind auf eine gute Fährte zu bringen. Ein paar einfache Schritte reichen oft schon aus:
- Erzählen Sie einfach mal drauflos. Berichten Sie Ihrem Kind, Enkelkind oder Patenkind, was bei Ihnen früher sonntags gekocht wurde, welches Essen als besonderer Luxus galt oder woran Sie sich vom Krippenmarkt oder Wochenmarkt Ihrer Kindheit noch erinnern.
- Kramen Sie das alte Kochbuch hervor. Ein vergilbtes Rezeptheft, handgeschriebene Notizen der Großmutter oder die alte Kaffeedose vom Dachboden können zum Ausgangspunkt einer ganzen Forschungsarbeit werden.
- Machen Sie einen Ausflug daraus. Ein Besuch auf dem Wochenmarkt am Peter-Plümpe-Platz, beim Spargelhof, in der Traditionsbäckerei oder im Brauhaus wird gleich viel spannender, wenn dazu auch die Geschichte des Ortes erzählt wird.
- Sprechen Sie die Schule an. Fragen Sie im Lehrerzimmer, im Elternbeirat oder direkt bei der Klassenleitung nach, ob die Klasse Ihres Kindes mitmachen möchte – Lehrkräfte, die zum ersten Mal teilnehmen, können sich in kostenlosen Online-Workshops der Körber-Stiftung Anregungen holen.
- Teilen Sie diesen Artikel. Ob in der Familien-Chatgruppe, im Sportverein oder in der Nachbarschaft: Ein Hinweis auf den Wettbewerb kann genau der Anstoß sein, den ein Kind gerade braucht.
Wie die eigene Fragestellung am Ende bearbeitet wird, bleibt den Teilnehmenden selbst überlassen: möglich sind schriftliche Arbeiten, Filme, Podcasts, Ausstellungen, Apps oder Websites. Angemeldet wird der Beitrag über das Onlineportal des Wettbewerbs, das seit dem 1. September freigeschaltet ist. Bis zum Einsendeschluss am 28. Februar 2027 um Mitternacht müssen alle Unterlagen hochgeladen sein.
Schnelle Fakten
Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten
- Veranstalter: Körber-Stiftung, Hamburg, im Auftrag des Bundespräsidenten
- Seit: 1973, ausgeschrieben im Zweijahresrhythmus zu wechselnden Themen
- Bisherige Bilanz: über 163.000 Teilnehmende und rund 38.800 eingereichte Beiträge – der größte historische Forschungswettbewerb Deutschlands (Körber-Stiftung)
- Wer darf mitmachen: Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis 21 Jahre, einzeln, in Gruppen oder als ganze Klasse
- Aktuelles Thema: „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“
- Laufzeit: 1. September 2026 bis 28. Februar 2027
- Preise: 550 Geldpreise auf Landes- und Bundesebene, alle Teilnehmenden erhalten eine Urkunde
- lesenswerte Broschüre: —>> hier klicken <<—
- Weitere Informationen und Anmeldung: —>> www.geschichtswettbewerb.de
Haben Sie ein Kind in Ihrem Umfeld für den Wettbewerb begeistert, oder beteiligt sich eine Schulklasse aus Kevelaer und den Ortschaften? Melden Sie sich gerne beim Kevelaerer Blatt – wir berichten gern über die historische Spurensuche unserer jungen Nachbarn.



Leader Lei.La