Aufatmen auch in Kevelaer und Umgebung
Die geplante siebenwöchige Sperrung der Bahnlinie RE10 zwischen Kleve und Krefeld in diesem Herbst ist abgesagt. Stattdessen werden die umfangreichen Bauarbeiten in das Jahr 2028 verschoben. Für viele Pendlerinnen und Pendler aus Kevelaer, Goch und dem gesamten Kreis Kleve bedeutet das eine spürbare Entlastung im Alltag.
Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund drohender Verkehrsprobleme: Zeitgleiche Einschränkungen auf den Strecken ab Emmerich und Xanten hätten den Bahnverkehr am Niederrhein massiv beeinträchtigt. Durch die Verschiebung soll ein Verkehrschaos vermieden werden.
Judith Erichlandwehr, Co-Vorsitzende der Grünen im Kreistag Kleve, begrüßt die Entwicklung: „Dass die wochenlange Sperrung in diesem Herbst nicht stattfindet, ist ein Sieg der Vernunft und vor allem eine enorme Entlastung für die Pendlerinnen und Pendler im Kreis Kleve.“
Kürzere Sperrung im Herbst 2026 bleibt
Ganz ohne Einschränkungen bleibt es jedoch nicht: Für notwendige Instandhaltungsarbeiten wird die Strecke vom 30. Oktober bis zum 6. November 2026 für eine Woche gesperrt. Im Vergleich zu den ursprünglich geplanten sieben Wochen stellt dies jedoch eine deutlich geringere Belastung dar.
Die umfangreicheren Infrastrukturmaßnahmen werden nun gebündelt ab September 2028 umgesetzt. Dazu zählen unter anderem:
– Bau einer Ladestation für klimafreundliche Akku-Züge in Kleve
– Einrichtung eines Wendegleises in Geldern
– Verlängerung der Bahnsteige entlang der Strecke
Diese Maßnahmen sind Teil der geplanten Modernisierung des RE10, der als wichtige Pendlerlinie auch für Kevelaer eine zentrale Rolle spielt.
Kritik und klare Forderungen beim Ersatzverkehr
Trotz der positiven Nachricht bleibt Kritik bestehen – insbesondere am bisherigen Schienenersatzverkehr (SEV). Die Grünen im Kreis Kleve fordern deutliche Verbesserungen für zukünftige Sperrzeiten.
David Krystof, ebenfalls Co-Vorsitzender der Kreistagsfraktion, fordert konkret schnellere Verbindungen: „Wir brauchen zusätzliche Express-Busse, die Kleve, Goch und Kevelaer direkt über die Autobahn mit Krefeld verbinden. Das spart wertvolle Fahrzeit.“
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Fahrgastinformation. Nach Angaben der Grünen lag der Anteil an digital nachverfolgbaren SEV-Bussen zuletzt deutlich unter 50 Prozent. Für viele Fahrgäste bedeutete das fehlende Transparenz und Planungsunsicherheit.
„Digitale Fahrgastinformationen sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, betonen Erichlandwehr und Krystof. Für jeden eingesetzten Bus müsse künftig eine verlässliche Echtzeitanzeige verfügbar sein.
Bedeutung für die Region
Der RE10 ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen am unteren Niederrhein. Täglich nutzen tausende Berufspendler, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende die Verbindung zwischen Kleve, Kevelaer und Krefeld.
Die Verschiebung der Großbaustelle dürfte daher nicht nur kurzfristig für Entlastung sorgen, sondern gibt auch Zeit, den Ersatzverkehr für die Zukunft besser zu planen – ein Punkt, der insbesondere für kleinere Städte wie Kevelaer entscheidend ist.
Schnelle Fakten
RE10 – Wichtige Pendlerlinie am Niederrhein
– Strecke: Kleve – Krefeld – Düsseldorf
– Bedeutung: Zentrale Verbindung für Berufspendler aus dem Kreis Kleve
– Kurzsperrung 2026: 30. Oktober bis 6. November
– Großbaustelle: Verschoben auf September 2028
– Geplante Maßnahmen: Akku-Zug-Infrastruktur, Bahnsteigverlängerungen, Wendegleis in Geldern
– Forderungen: Schnellere SEV-Busse, verlässliche Echtzeitdaten für Fahrgäste


Franziska Pickers / f.media
Ann-Sophie Landwehr